A.S.H. Pelikan

(* Oktober 1953 in Duisburg) ist ein deutscher Musiker, Songwriter, Gitarrenlehrer und Schriftsteller. Pelikan gilt als einer der erfolglosesten Duisburger Autoren und Liedermacher der letzten 48 Jahre. Weltweit hat er 1003 Bücher und 676 CDs verkauft.
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Diese Webseite wurde als Idee im Jahr 2000 geboren (nachdem ich meinen ersten Computer mit Internetzugang bekommen hatte) und sollte ursprünglich nur das Beste meiner literarischen Bemühungen von 1971 bis zur Gegenwart präsentieren. Also ließ ich mir den Domain-Namen dafür sichern … und dann geschah lange Zeit nichts mehr.

Bis ich 2009/2010 in meinem zweiten und dritten CD-Booklet den Satz stehen hatte, daß die Songtexte unter www.ashpelikan.de einzusehen wären. Da die Seite damals aber immer noch nicht existierte, dachte ich, das nun endlich mal ändern zu sollen und fragte meinen Bookletdesigner Mani Wollner, wer denn eigentlich seine Seite eingerichtet habe. Antwort: er selber – und 48 Stunden später war die erste Pelikanesische Homepageversion (damals nichts weiter als 20 Songtexte beinhaltend) dann bereits online. Und seitdem hat sich diese Seite Schritt für Schritt weiterentwickelt zu etwas, das mit dem ursprünglichen 2000er-Plan überhaupt nichts mehr zu tun hat. So kann’s gehen…

Hinweis: Fast alle Fotos sind durch Anklicken vergrößerbar.


Der Satz der Woche (# 10 / KW 38)

Es war Jugendzeit im umgekehrten Sinne, auf den Kopf gestellt: der Jüngling, er selbst jungfräulich und – wer weiß – vielleicht um so mehr, gleichzeitig angezogen und entsetzt vor dem, was ihn anzieht, denkt sich mit Hilfe von unbeholfenen und furchtsamen Kniffen die zufälligen Begegnungen aus, bei denen er immer noch nicht und nie ganz berühren wird, nicht einmal hoffen wird, zu berühren, nicht wirklich berühren will, ja, zu entsetzt, um zu berühren; sondern nur, um die gleiche Luft zu atmen, umspült von der gleichen Atmosphäre, die der Herrin sich regende Glieder umspült hat; dem der Handschuh oder das Taschentuch, von dem sie nicht einmal weiß, daß sie sie verloren, die Blume, von der sie nicht einmal weiß, daß sie sie zertreten hat, dem sogar das Neunt- oder Zehntkläßler-Algebra- oder Grammatik- oder Geographiebuch, das ihren Namen in ihrer eigenen zaubrischen Handschrift auf dem Vorsatzblatt trägt, schrecklicher ist und ergreifender als jemals später der Schimmer ihrer nackten Schulter oder die Flut ihres offenen Haares auf dem benachbarten Kopfkissen.

William Faulkner, „Die Stadt“, 1958
xxxxx[Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Schnack]

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In dieser Woche jährt sich der Geburtstag von William Faulkner zum 125sten Mal.


Outtake: Der (ursprüngliche) Akkord des Monats September 2021

1. September 2022

Nachfolgender Akkord-des-Monats-Beitrag hätte vor genau einem Jahr veröffentlicht werden sollen. Ein paar Monate zuvor (der Artikel war bereits verfaßt und harrte nur noch seines Veröffentlichungstermins) hatte ich allerdings die Idee, den besonderen September-Gag des Mehrere-Griffe-zu-einem-einzigen-Akkord-Zusammenzufassens doch besser zum krönenden Abschluß der Serie als „Akkord des Jahres“ zu verwenden. Und so wurde der September-Beitrag wieder rausgeschmissen und durch einen anderen Akkord-Text ersetzt.

Weil ich die bis Weihnachten geplante Serie im Oktober dann aber schon eingestellt und aufgegeben habe (da ich mit dem Fertigschreiben der noch ausstehenden Beiträge terminlich einfach nicht mehr hinterherkam), war nun also auch der „Jahresakkord“ hinfällig geworden, so daß dieser Akkord-Gag dann blöderweise überhaupt nicht vorgestellt wurde.

Und weil der alte September-Beitrag auch NUR im September(monat) veröffentlicht werden konnte, habe ich mich schließlich entschieden, ihn mit genau einjähriger Verspätung noch als Outtake nachzureichen. Hope you like ist.

 

Der (ursprüngliche) Akkord-des-Monats-September-2021-Beitrag

Vor fast auf den Tag genau 44 Jahren [jetzt also vor 45 Jahren!] habe ich im Eschhaus meinen ersten Gitarren-Gruppenunterricht abgehalten. Vorher hatte ich lediglich mal einen einzigen Privatschüler gehabt, von dem ich pro Zeitstunde 5 DM bekam [was Mitte der 70er Jahre viel Geld für mich war, da ich als Musiker in jenen Tagen nur selten bezahlte Auftritte hatte und deshalb in der Regel auf wohltätige Spenden meiner Eltern angewiesen war, um mir im Eschhaus jeden Abend ein Glas Apfelsaft leisten zu können]. Bis ich erfuhr, daß mein Schüler das bei mir Gelernte wenige Tage später einem anderen Gitarrenspielanwärter gezeigt und ihm dafür 3 DM abgeknöpft hatte. Da fühlte ich mich doch ziemlich verarscht und habe ihm fristlos gekündigt, so daß ich dann also wieder nur brotloser Künstler war.

Bis ich im Sommer ’77 gefragt worden bin, ob ich im Eschhaus nicht den im September startenden neuen Gitarrenkurs, den der eigentlich vorgesehene Lehrer (Willi Meyer) wieder abgesagt hätte, übernehmen wollte.

Und so habe ich am 4. September 1977 in der Eschhaus-Teestube den ersten Schritt meines neuen Berufsweges getan [während ich noch jahrelang glaubte/hoffte/davon träumte, irgendwann mal als Rockmusiker meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können]. Diesen Anfänger- und den ein halbes Jahr später hinzugekommenen Fortgeschrittenenkurs habe ich dann bis Dezember 1983 geleitet, bevor ich zur Volkshochschule Duisburg gewechselt und dort 36 Jahre geblieben bin: von Januar 1984 bis zum coronabedingten Aus (meiner wöchentlich acht Kurse an drei verschiedenen Orten) im März 2020.

Aber zurück zum September 1977: Für diesen Eschhaus-Gitarrenkurs hatte Peter Dietz [der von 1965-68 mein Klassenkamerad auf dem Gymnasium war, mir in der ersten Hälfte der 70er Jahre dann als Musiker (Gitarrist bei „Oxymoron“ und bei „Ausz“) wieder über den Weg lief und 1977 als Zivi im Eschhaus tätig war] ein Plakat gemalt, auf dem auch einige Gitarrengriffe abgebildet waren, die mit verheißungsvollen Aussagen wie etwa „Lerne diesen Akkord (bei H. Pelikan) und die Welt liegt dir zu Füßen“ lockten. Und eines der auf dem Plakat vorgestellten Griffbilder trug den Titel „Die Kunst des House-of-the-Rising-Sun-Spiels“ und stellt den heutigen Akkord des Monats dar:

[Anders als auf Peters Original-Plakat liegt diesem Griffbild jedoch die Bob-Dylan-Version von 1961 zugrunde, die im Gegensatz zur berühmt gewordenen Animals-Fassung (1964) noch ein paar zusätzliche Baßtöne enthält.]

Die von Peter prophezeite Kunst des „House of the Rising Sun“-Spiels ist in den sechseinhalb Jahren meiner Eschhausgitarrenkurse allerdings nie ausgeübt worden, da mein Liederrepertoire damals quasi nur aus Eigenkompositionen bestanden hat und ich im Unterricht deshalb nur Pelikan-Songs und solche von meinem Freund Francis Serafini behandelt habe – während in den VHS-Kursen ab 1984 dann ausschließlich mit Coverversionen gearbeitet wurde.

Wenn ich an die Eschhauskurse zurückdenke, kommen mir vor allem zwei Sachen in den Sinn: (a) daß ich, da der Unterricht immer Sonntag nachmittags stattfand, auf Bonanza gucken verzichten mußte, ich (b) dafür allerdings auch durch einige Schüler-Bekanntschaften entschädigt wurde, die sich zu langjährigen Freundschaften entwickelten.

Mit den Begriffen Eschhaus, House of the Rising Sun und Peter Dietz verbinde ich allerdings noch etwas anderes als nur den Einstieg in mein (mir damals noch nicht bewußt gewesenes) Berufsleben: Am 20. Juli 1977 [also wenige Wochen vor dem Gitarrenkurs-Start] ging wieder einmal ein Benefizkonzert im und fürs Eschhaus über die Bühne, bei dem die beiden Duisburger Bands „Ausz“ und „Glatter Wahnsinn“ in einer absolut einmaligen Doppel-Besetzung auftraten und (mit 2 Bassisten, 2 Schlagzeugern, 2 Gitarristen, 1 Keyboarder und 1 Saxophonisten) herrlich [?] lärmende [!] Instrumentalimprovisationen [!!] zum besten gaben – mit einer einzigen Ausnahme, dem gecoverten „The House of the Rising Sun“ mit Pelikan als Gast am Mikrophon. Und hier das Werbefoto für diesen ungewöhnlichen Gig:

(Foto: Schnuffs Kamera)

Von links nach rechts: Pelikan (Gesang), Bernd Strohm (Gitarre / Glatter Wahnsinn), Rainer Mackenthun (Schlagzeug / Glatter Wahnsinn), Schnuff (Baß / Glatter Wahnsinn), Lucky Ruhnau (Schlagzeug / Ausz), Peter Dietz (Gitarre / Ausz), Martin Urrigshardt (Saxophon / Ausz), Georg Mahr (Keyboards / Glatter Wahnsinn). Beim Fototermin verhindert war: Kalle Burandt (Baß / Ausz).

Schlußbemerkung: Beim Schreiben eines anderen Akkord-des-Monats-Beitrags war mir mal der Gedanke gekommen, daß sich wirklich jede Tonfolge (wie schrecklich sie auch klingen mochte) akkordmäßig genau definieren lassen müßte. So daß es auch eine Bezeichnung für den obigen Chaosgriff geben mußte. Und meine Berechnungen ergaben (von der Tonart a-Moll ausgehend) dann einen Am-Akkord mit vierzehn zusätzlichen Tönen. Und wenn ihr dieses kakophonische Meisterwerk einmal zu Gehör bringen wolltet, müßtet ihr euch nur um ein Klavier und einen zweiten Mitspieler bemühen; oder um drei Gitarristen, von denen einer Em zu greifen hätte, ein anderer Fm und der dritte D/F#, während es dir selbst vergönnt bliebe, auf einer weiteren Gitarre noch den Ton G auf der obersten Saite im dritten Bund beizusteuern. Und nach dem beliebten „Auf die Plätze fertig los“-Kommando schlügen alle gleichzeitig in die Saiten, und fertig wäre ein perfektes (und auf dieser Welt vermutlich noch nicht besonders häufig erklungenes) Am7/b6/9/11/13/14/G/F#/F/E. Dann haut rein, und viel Spaß dabei!

In Erinnerung an Schnuff (Michael Strohm), 1955-2021.


Der Satz der Woche (# 9 / KW 34)

Wir alle schulden dem Tod ein Leben.

Salman Rushdie, „Mitternachtskinder“, 1981
xxxxx[Aus dem Englischen von Karin Graf]


Die Winter-WM in Katar

8. August 2022

Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen ist vorbei, und die 60. Bundesliga-Saison der Männer gestartet. Und schon wirft das nächste balltreterische Großereignis seine Schatten voraus.

Wenn im Fernsehen in diesen Tagen von der kommenden und in diesem Jahr ausnahmsweise mal nicht im Sommer stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft der Männer die Rede ist, wird häufig – egal ob aus dem Mund von Moderatoren, Fußballspielern oder -trainern kommend – von der „Winter-WM in Katar“ gesprochen.

Und nun meine Frage dazu: Sind die denn eigentlich alle doof? Denn eins steht doch schon lange fest: Wenn am 18. Dezember das (das Turnier beendende) Finale ansteht, hat der Winter noch nicht einmal begonnen!

Besitzen die denn alle keinen Kalender?

Die Antwort muß wohl lauten: Doch, aber man sollte halt nie den Grad der Dummheit und Gedankenlosigkeit (und leider nicht nur in bezug aufs simple Nachplappern) von Menschen unterschätzen.

Und jetzt bin ich gespannt, wann dieses verbale Kack-Eigentor auch mal in „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ vorgestellt wird. Hau rein, Arnd.


Der Satz der Woche (# 8 / KW 30)

Danton hatte erklärt, der Halbraumspürer arbeite mit zwischendimensionalen Libroflex-Impulsen, zu deren Erzeugung ein Wandler erforderlich sei, der vierdimensional stabile Impulse der neutralenergetischen Zustandsform der Ultra-Neutrantos anpassen würde.

K. H. Scheer, „Die Macht der Gläsernen“, 1967 [Perry-Rhodan-Heft # 307]

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Klingt doch auch nicht komplizierter als ein Fluxkompensator, oder?


Der Satz der Woche (# 7 / KW 27)

Gestern nachmittag habe ich noch bei Springsteen und Clapton geputzt […].

Aus einer SMS von meinem Cousin Jürgen


Übrigens:

In einem halben Jahr ist Weihnachten!


Die dritte „Stay healthy“-Liste

Mitte Juni 2022

Nach zuvor schon mehr als 250 veröffentlichten SH-Wortkombinationen [siehe hier und hier], glaubte ich zu Beginn der (nach anderthalb Coronajahren beginnenden) dritten Runde der „Stay healthy“ bedeutenden E-Mail-Verabschiedungsgrüße zwischen Kalle Burandt und mir, daß uns nun wohl kaum noch Interessantes einfallen würde. Ob uns das – um einige Schöpfungen meines Schwagers Norbert Dickmann erweitert – auch ge- (bzw. miß)lungen ist, dürfte sich anhand der nachfolgenden Liste überprüfen lassen.

Satanarchäolügenialkohöllischer Hormonmangel [für Michael-Ende-Fans]
Schwingendes Howalgonium [für Perry-Rhodan-Fans]
Stoßmich-Ziehdichs Hinterteil [für Doktor-Dolittle-Fans]
Spectors Hallgerät
Schneemanns Holzkohleaugen
Schlichter Heiligabend
Scharfsinnige Haferflockenwerbung
Strapazierfähige Hüllen
Sportive Heizungsanlageninstallateure
Stirnbandgeschmückte Hochbettenbauer
Selbstgemachte Heidelbeersauce
Schäbiger Habitus
Strenggenommen hypermodern
Schlimmstenfalls Hausarrest
Schlendernde Helgoländer
Stellungslose Herrscher
Schmerzhafte Hubraumverringerung
Spähende Huronen
Selbstbewußtloser Hüftschwung
Stückweises Herantasten
Statistische Hypothesen
Schwedische Hitlieferanten
Stocktauber Hörer
Sintflutgeschädigte Hygrometer
Statt Hefezopf
Schattige Haine
Schlafwandelnde Hundeführer
Symptome herbeireden
Sapperlot Heidewitzka!
Schweigsamer Hauptredner
Spitze Hörner
Stumpfe Harpunen
Splitternde Hellebarden
Stümperhaftes Herumwurschteln
Sehnsuchtsvolles Harren
Sterbenslangweilige Harlekins
Schulterhohe Hecken
Schützender Helm
Seidene Halstücher
Sangesfreudige Herzensbrecher
Seitliche Hebelwirkung
Strittige Herkunft
Stimulierender Hirsebrei
Salingers Hochzeitskrawatte
Steinharte Honigprinten
Schuftende Helmträger
Strandnahe Holzhütten
Strandferne Hochseedampfer
Spürbarer Hygieneboom
Singuläre Herdenimmunität
Sensationslüsterne Hochglanzmagazinreporter
Symbolischer Haarausfall
Schnabelhucks Haltestellenhäuschen
Schrullige Halbdrachen
Stromlinienförmige Hechte
Schildpattgerahmte Heiligenbildchen
Stadtbekannte Heimlichkeiten
Stramme Habachtstellung
Strategische Hasenfußtaktik
Stilsichere Hünengräber
Spitzenmäßige Höhenmesser
Strenger Hermelingeruch
Sanftmütige Hooligans
Sturzbetrunkener Hägar
Sternhagelvoller Hellboy
Sonstige Hallodris
Schlammige Hockeyfelder
Steigerungsfähige Holzhammermethode
Silberne Hutschachtel
Sternekochs Hafergrütze
Scherzende Henker
Sauerstoffarme Höhenluft
Selbst handwerkeln
Stonehenge halbieren
Schrauben hineindrehen
Splitter herausziehen
Südliche Hebriden
Schadenersatzpflichtige Husarenstücke
Stellare Hubbleaufnahmen
Sächsisches Hochdeutsch
Schnurrbärtige Hackfressen
Schwerverständliche Haushaltsdebatten
Schmuddeliger Hauptkommisar
Stets höflich
Stellenweises Habenwollen
Saure H-Milch
Stinkender Harn
Steinreicher Hilfsarbeiter
Stotternde Hofnarren
Surfende Hohepriester
Saukalte Heizdecken
Seniorengerechter Hochsprungstab
Scheidungsgrund Hochzeitsnacht
Lindy getanzt [Kalle war krank, und da kann man ja schlecht „stay healthy“ wünschen, ne? Also „Liebe Grüße“]
Leuchtstarke Gasriesen
Lyrisches Gebrabbel
Geheime Biervorräte [= Gute Besserung]
Mit feinwürzigen Gurken
Ganzjährige Bimmelbahngeräusche
Meine fiebrigen Gedanken
Grundsätzlich Bleifuß
Sperrhölzerne Honigkuchenpferde
Schrumpfender Hüne


Irmin Schmidt wird 85!

Am heutigen 29. Mai 2022 wird Irmin Schmidt, der letzte noch Lebende der vier Musiker, die den harten Kern von Can gebildet haben, 85 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

Schmidt ist bekannt geworden als Keyboarder der experimentellen deutschen Band Can (1968-1978), hatte zuvor Musik in Dortmund, Essen und Salzburg sowie Kompositionslehre bei Karlheinz Stockhausen in Köln studiert und sich in den 60er Jahren neben Auftritten als Konzertpianist vor allem als (mit mehreren Preisen bedachter) Dirigent hervorgetan.

Inspiriert von unter anderem John Cale (The Velvet Underground) faßte er schließlich den Beschluß, einmal „Avantgarde“ und „Beat“ in einer eigenen Band zu vermischen zu versuchen, was im Sommer 1968 in Köln zur Gründung von Can führte, mit dem (ebenfalls) Stockhausen-Schüler Holger Czukay am Baß, dem freejazzgeschulten Schlagzeuger Jaki Liebezeit, David C. Johnson an der Flöte (der aber nur ein halbes Jahr blieb, weil ihm die Musik doch etwas zu „rockig“ wurde) und dem rund 10 Jahre jüngeren E-Gitarristen Michael Karoli.

Cans Musik – die sich laut Wikipedia zwischen Free Jazz, Avantgarde-Jazz, Funk, elektronischer Musik und Krautrock- und Psychedelic-Rock-Elementen bewegt – hat sich in der Regel bei gemeinsamem Improvisieren entwickelt, was auch für mein eine ganze Plattenseite einnehmendes Lieblings-Can-Stück „Yoo Doo Right“ von ihrer ersten LP „Monster Movie“ (1969) zutrifft, das aber nur einen Teil der mehrere Stunden dauernden Originaleinspielung (von nur zwei Takes) darstellt. Ich habe dieses recht monotone Stück Musik einmal als „Das langweiligste Lied der Welt, das mich noch nie gelangweilt hat“ bezeichnet, und in den frühen 70er Jahren hat es tatsächlich mal eine Zeit von mehreren Wochen gegeben, in der dieser Song einmal täglich auf meinem Plattenspieler laufen mußte, weil die pelikanesische Welt sonst einfach nicht in Ordnung gewesen wäre. Und auch heute bin ich beim Hören dieser Nummer immer noch erstaunt darüber, wie rasch diese (für mich absolut magischen) 20 Minuten und 14 Sekunden jedesmal wieder vorüber sind.

Und wenn hier schon weitaus mehr von Can als von Schmidt die Rede ist, sollen auch die beiden zeitweiligen Vokalisten der Gruppe nicht unerwähnt bleiben: der farbige amerikanische Bildhauer und Maler Malcolm Mooney (1968 und ’69) und der von Can vor einem Münchener Café als Straßenmusiker, der „schrie und irgendwie die Sonne anbetete“ [Bussy/Hall, Das CAN Buch], entdeckte Japaner Damo Suzuki (1970-’73). 1977 wechselte Holger Czukay in der Band dann von seinem angestammten Instrument auf Tapes, Telefon und Kurzwellenradio [kein Scherz!], was Raum schuf für zwei zusätzliche Can-Mitglieder: den jamaikanischen Baßisten Rosko Gee und den ghanaischen Perkussionisten Reebop Kwaku Baah (beide Ex-Traffic).
xxx[Rosko Gee ist den deutschen Fernsehzuschauern ab 1995 übrigens als Baßist der in jeder Folge der Harald-Schmidt-Show auftretenden Helmut-Zerlett-Band wiederbegegnet.]

Neben vielen Konzerten und einem Dutzend Platten haben Can in den 10 Jahren ihres Bestehens auch noch die Musik für etliche Kinofilme (z. B. von Wim Wenders) und deutsche Fernsehproduktionen geliefert, von denen die (ironischerweise „Spoon“ getaufte) Titelmelodie des Durbridge-Dreiteilers „Das Messer“ als Single veröffentlicht wurde und sich (1972) zu einem Top-10-Hit in Deutschland entwickelte.

Nach der Auflösung von Can (Ende 1978) hat Irmin Schmidt neben dem Einspielen einiger Soloplatten [unter anderem einer Fantasy-Oper: Gormenghast] vor allem als Komponist für Film und Fernsehen gearbeitet, bei deren Aufnahmen häufig auch andere Ex-Can-Mitglieder beteiligt gewesen waren.

Und auch mit über 80 hat Schmidt sich noch nicht zur Ruhe gesetzt. Seine bislang letzten Veröffentlichungen sind das 2018 mit Rob Young zusammen erstellte Doppel-Buch [Teil 1 von Young, Teil 2 von Schmidt] „All Gates Open. The Story of Can“ (das leider nur in englischer Sprache vorliegt) und die LP/CD „Nocturne“, die einen Mitschnitt vom Huddersfield Contemporary Music Festival 2019 präsentiert, bei dem Irmin Schmidt alleine am Klavier zu hören ist, im Unterschied zu seinen Anfängen als Live-Musiker in den frühen 60er Jahren hier allerdings auch noch auf vom Band kommende „Klangschaften“ (soundscapes) reagierend.

[Und wenn ein paar bislang eher Can-arme Leser an dieser Stelle auch noch einen pelikanesischen Platten-Tip wünschen sollten, bitteschön:
– Tago Mago (1971)
– Future Days (1973)
Interessant ist auch noch die 2012 erschienene Tripel-CD-Box
– „Can – The Lost Tapes“,
die aus rund 30 Stunden Musik von Tonbändern ediert wurde, die 2007 beim Abbau des alten Can-Tonstudios gefunden wurden, das auf die Reise ging, um – originalgetreu wieder aufgebaut – eine neue Heimat im rock’n’popmuseum in Gronau zu finden.

xxxUnd erst im vergangenen Jahr (2021) sind noch 2 Can-Live-Scheiben mit kompletten Konzerten veröffentlicht worden,
– Live in Stuttgart 1975
– Live in Brighton 1975
die auf beeindruckende Weise zeigen, wie „besonders“ Can-Auftritte gewesen sind, da ihre Musik nicht nach dem Muster „Wir spielen einfach die Stücke von unseren Platten nach“ ablief, sondern nur ein paar Themen davon aufgriff, über die dann gnadenlos improvisiert wurde.]

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Lieber Irmin Schmidt: Ich danke für die vielen großartigen Stunden, die deine Musik mir in den vergangenen 50+ Jahren beschert hat.

Have a nice day,
dein Pelikan


Der Satz der Woche (# 6 / KW 20)

Aus bloßem Nebel wurde gleichmäßiger Niesel und aus diesem unaufhörlich trommelnder Regen, der drei Tage anhielt, dann vier, und der am fünften Tag, als er hätte nachlassen sollen, stärker wurde.

Louise Erdrich, „Die Wunder von Little No Horse“, 2001
xxxxx[Aus dem Amerikanischen von Gesine Schröder]

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Ausgewählt als Anregung für den Regengott, der hiesigen Natur in diesen dürren Zeiten doch auch mal etwas [allerdings bitte nicht so viel wie vor 10 Monaten im Ahrtal] Feuchtigkeit zu spendieren.


Der Satz (bzw. die Antwort) der Woche (# 5 / KW 16)

xxxxxJournalist:
Mister Nurejew, Ihre Bewegungen scheinen die Grenzen des Möglichen zu sprengen.“
xxxxxRudolf Nurejew:
„Das Mögliche hat keine Grenzen.“

Colum McCann, „Der Tänzer“, 2003
xxxxx[Deutsch von Dirk van Gunsteren]


Der Satz der Woche (# 4 / KW 13)

Ist das Antlitz selbst unbestreitbar von einer Abstraktheit, die einen Busters Auge noch auf einem Gemälde von Giorgio de Chirico ausmachen lässt, so verfolgt Keaton „seine generelle Strategie der Abstraktion“ auch mit seinem Schauspielstil, der der hegemonialen Hyperexpressivität seiner Zeitgenossen neu-sachliche Reduktion entgegenstellt und gerade dadurch den Effekt zu steigern weiß.

Klaus Nüchtern, „Buster Keaton oder die Liebe zur Geometrie“, 2012

 

Ob der Autor beim Schreiben dieses Satzes wohl auch an nur normal gebildete Leser gedacht hat?


Der Satz der Woche (# 3 / KW 9)

In jenem Sommer, als mein Vater den Bären kaufte, war noch keiner von uns auf der Welt – wir waren noch nicht mal gezeugt: weder Frank, der älteste, noch Franny, die lauteste, noch ich, der nächste, noch die jüngsten von uns, Lilly und Egg.

John Irving, „Das Hotel New Hampshire“, 1981
xxxxx[Aus dem Amerikanischen von Hans Hermann]

 

Obige Worte sind die ersten, die ich jemals von John Irving gelesen habe. Sie bilden den Anfang seines fünften Romans, der, wenn ich mich recht erinnere, in der ersten Hälfte der 1980er Jahre den Weg zu mir als Geburtstagsgeschenk von meinem Freund Ralph (Herzliche Grüße nach Berlin) gefunden hat. Zuvor hatte ich noch nie etwas von diesem Autor gehört.

Und übermorgen, am 2. März 2022, wird John Irving 80 Jahre alt. Herzlichen Glückwünsch nach Toronto und Vermont (wo er abwechselnd lebend zu Hause ist).

In den USA ist für Oktober dieses Jahres das Erscheinen seines 15. Romans („The Last Chairlift“) angekündigt, und vielleicht vermag dieses Buch ja wieder etwas an alte Stärken anzuknüpfen, was der letzten Veröffentlichung von 2015 („Straße der Wunder“) leider nicht gelungen war. Doch selbst wenn nicht, bleiben seine Romane
– Garp und wie er die Welt sah (1978)
– Das Hotel New Hampshire (1981)
– Gottes Werk und Teufels Beitrag (1985)
– Owen Meany (1989)
– Zirkuskind (1994) und
– Letzte Nacht in Twisted River (2009)
eins der größten und – trotz ihrer durchschnittlichen Länge von mehr als 750 Seiten – kurzweiligsten Lesevergnügen, die ich in den vergangenen 40 Jahren (glücklicherweise auch beim zweiten und dritten Durchgang noch) erleben durfte.


Der Satz der Woche (# 2 / KW 5)

Wer steht meinem Herzen näher, ein Soldat meines Landes oder ein Dichter meines Feindes?

Colum McCann, „Apeirogon“, 2020
xxxxx[Aus dem Englischen von Volker Oldenburg]


Der Satz der Woche (# 1, Kalenderwoche 3)

„Mir steht frei, wie ich meiner Wege g.“

Raymond Queneau, „Zazie in der Metro“, 1959
xxxxx[Aus dem Französischen übersetzt von Frank Heibert]

 

Obiger Satz gehört mit seiner besonderen Pointe natürlich viel mehr dem Übersetzer als dem Autor des Buches und ist auch nur in der Heibert’schen Neuübertragung von 2019 zu finden [in der alten Version hieß es an gleicher Stelle: „Ich bin frei wie die Luft.“]. Doch paßt er in seiner Eigenart perfekt zum Bild des französischen Originals, dessen Spiel mit Sprache und phonetischer Notation [à la: es steht mir frei, wie ich meiner Schreibwege gehe] ein wichtiges Merkmal dieses vergnüglich-kecken Romans ist.
xxxxxDie alte Übersetzung von Eugen Helmlé aus dem Jahr 1960 ist zwar auch nicht schlecht, klingt im großen und ganzen aber doch etwas „hölzerner“ als die Heibert’sche Neufassung, welche ich mit derart gesteigertem Lesevergnügen genossen habe, daß ich dem Roman danach, statt der zuvor verliehenen 4,5 pelikanesischen Bewertungspunkte, das Maximum von 5 Sternchen zukommen lassen mußte. Ein Hoch auf Queneau und Heibert!


Nach dem Akkord des Monats

3. Januar 2022

Liebe Leute!
Mit dem heutigen Montag beginnt die 1. Kalenderwoche des neuen Jahres. Und während das vergangene Jahr websitemäßig vor allem im Zeichen des Akkord des Monats gestanden hat, wird diese Rubrik ab sofort vom Satz der Woche abgelöst, dessen Bandbreite von „besonders toll“ bis „besonders untoll“ reichen soll.

Da ich dem treuen Leser aber nicht ständig nur von fremdem Hirn gewählte Sätze vorhalten möchte [was ich auf dieser Webseite ja ohnehin schon viel zu häufig getan habe und in Zukunft auch weiterhin zu tun gedenke], sollen ihm etliche „Freiwochen“ im Jahr die Gelegenheit geben, auch selber mal nach besonderen Sätzen der Woche zu fahnden. Und wenn montags hier kein neuer Satz der Woche aufgetaucht sein sollte, wird in dieser Kalenderwoche auch keiner mehr verspätet nachgereicht werden.

Und Kalenderwoche 1 stellt gleich schon eine dieser eigenkreativlichen Freiwochen dar, so daß ihr euch also umgehend schon auf die erste spannende Wortejagd begeben könntet. Dann macht was draus und habt viel Spaß im neuen Jahr mit dem Satz der Woche.

Euer Pelikan


Heiligabend 2021

Vor neun Nächten träumte mir, daß Willi Kissmer mich während eines Solokonzerts in den USA auf die Bühne gebeten hätte, um mit mir zusammen einen Song von Francis Serafini zum besten zu geben. Und so hat Willi mir zu meinem einzigen (wenn auch nur Traum-)Bühnenerlebnis in Amerika verholfen.

Lieber Willi, und heute trinke ich ein imaginäres (bin ja seit mehr als 20 Jahren schon weg davon) Glas deines Lieblingsrotweins auf dich und hoffe, daß du mich auch weiterhin per Traum so häufig besuchen kommen wirst wie in den vergangenen dreieinhalb Jahren.

Am heutigen 24. Dezember wäre Willi Kissmer 70 Jahre alt geworden.

[Und mehr über Willi gibt’s hier zu lesen.]


Neue Pelikan-Geschichte: „Von Elfen, Mond und Sternen“

Anfang November 2021

Tradition kann man es wohl noch nicht nennen [vielleicht ja im nächsten Jahr], doch ist heuer zum dritten Mal nacheinander in der Herbstausgabe von Helmut Loevens Zeitschrift „Der Metzger“ eine Pelikan-Story aus dessen (immer noch) in Arbeit befindlichem neuen Buch „In Ermangelung eines aldebaranischen Sternenhimmels“ erschienen.

Von Elfen, Mond und Sternen“ lautet der Titel der bislang nur bei Lesungen vorgestellten und im aktuellen „Metzger“ Nr. 142 erstmals in gedruckter Form vorliegenden Märchen-Geschichte, die mit folgenden Worten beginnt:
xxxxx„Ihr habt doch sicher alle schon einmal einen richtig dicken, prächtig glänzenden Vollmond in samtschwarzer Nacht am hohen Himmel stehen sehen und euch Gedanken über das ständige Hin und Her des einmal Zu- und dann wieder Abnehmens des Mondes gemacht. Und wahrscheinlich hat ein kluger Kopf euch auch mehr als einmal schon eine gelehrte Erklärung dazu gegeben, die ihr trotz der vielen Worte aber doch nicht recht verstehen konntet. Und vermutlich habt ihr – genau wie auch ich bis zu dem Tage, an dem die nachfolgende Geschichte sich ereignete – kaum noch damit gerechnet, einmal die ganze, simple Wahrheit über dieses erstaunliche Phänomen zu erfahren, von dem ich euch nun, selbst auf die Gefahr hin, von dem einen oder anderen für einen kleinen Träumer oder großen Lügner gehalten zu werden, berichten möchte.“

 

Zu beziehen über Helmut Loevens Buchhandlung „Weltbühne“,
Gneisenaustraße 226, in 47057 Duisburg (Neudorf).
E-Mail: situationspresse@gmx.de
Telefon: 0203 – 37 51 21


Stay healthy 2

Mitte Oktober 2021

Angefangen hatte alles vor ein paar Jahren damit, daß mein Freund Kalle Burandt und ich die typischen LG-Schlüsse für E-Mails doch ziemlich langweilig fanden. LG bedeutete ja immer dasselbe: Liebe Grüße. Und um etwas mehr Würze in die Angelegenheit zu bringen, beschlossen wir, einfach neue Ursprungsworte für LG zu finden, wie z. B. „Leberknödellose Gemüsesuppe“ und ähnliches [Liste siehe hier], was aber nach wie vor Liebe Grüße bedeuten sollte.
xxxxxMit Beginn der Corona-Scheiße sind wir dann von „Liebe Grüße“ auf „Bleib gesund“-Wünsche umgestiegen, haben jedoch die englische Version „Stay healthy“ benutzt, um mit zwei noch vollkommen unverbrauchten Buchstaben jonglieren zu können (da das G ja sonst schon zum zweitenmal drangekommen wäre: Grüße/gesund).
xxxxxNach einem Jahr hatte ich unsere erste SH-Liste veröffentlicht
[siehe hier], und nachfolgend ist nun – nur sieben Monate später (wenn man den Dreh einmal raus hat, wird’s leichter) – die zweite zu bewundern. Sie besteht aus ca. 95 % unserer E-Mail-Schlußformeln, und auch mein Schwager hat diesmal ein wenig was beigesteuert.
xxxxxLG, und bleibt gesund!

Schimanskis Häkelgruppe
Streitbare Harmonielehredozenten
Sprintende Handtaschendiebe
Schmackhafte Horsd’œuvres
Spuckende Hostessen
Sapiensische Homos
Steckengebliebene Höhlenforscher
Spanische Holländer
Seßhafte Herumtreiber
Selbstbestimmte Hampelmänner
Saisonübergreifende Heimspielpleiten
Salzarmes Hundefutter
Squashballgroße Hagelkörner
Staubedingter Halt
Superkluge Handys
Schnellingers Handschuhe
Stoppelkamps Husarenstreiche
Senftopfrote Hinterräder
Stolzer Himalaya
Schwafelnde Heimatkundler
Schlanke Hippopotamus [in der Frage der Pluralform (…mus oder …mi) haben meine 4 Wörterbücher mit 3:1 für …mus gestimmt]
Schwellender Hulk
Stürmische Hafenrundfahrt
Schlappe Höllenqualen
Synchrone Handlungen
Strenggläubige Heiden
Sindbads Harem
Stehende Hänger
Seufzende Herzöge
Sondierende Höflichkeit
Stabhochspringende Heinzelmännchen
Stradivaris Holzlieferant
Solide Haltlosigkeit
Sämtliche Hundefürze
Schwangere Hologramme
Scheiternde Himmelsstürmer
Schlimmer Husten
Säbelzahntigers Hinterhalt
Steinzeitliche Hundertmeterläufe
Spielzeug heimbringen
Sonnenuhren herstellen
Stinktiere herausfordern
Sentimentale Heinis
Suppengrüne Halogenscheinwerfer
Streikende Hausbesitzer
Strickende Hausbesetzer
Schalkes Huntelaar
Steppenwolfs Hammondorgelspieler
Störende Halluzinationen
Saphirblaue Honigbienen
Siebentausend Haarnadelkurven
Struwwelpeters Hair-Stylist
Sauffreudig hackedicht
Silbriger Halbmond
Sanfte Harfenklänge
Sommerliche Herbsttage
Seltsamstägliche Hütchenspiele
Seine Hoheit
Sir Henry
Schnuckenacks Herzensangelegenheit
Stündliche Halbwertzeit
Schmückende Hawaiihemden
Shakespeares Hotzenplotz
Stereotypes Happy-End
Schießwütige Hobbyfotografen
Streichholzkurze Haarteile
Sexy Halbkugeln
Sengende Hitze
Schokoladeneis hinweggeschmolzen
Spielentscheidende Hinausstellung
Schätze heben
Systematische Hortung
Seriöse Halsabschneider
Schuhplattlernde Holzhackerbuam
Stabiler Horizont
Saftiger Hinterschinken
Sanierungsbedürftige Heizung
Schmetterndes Hurra
Saloppe Hutträger
Strikte Handhabung
Schizophrene Haustiere
Schäferhund Harro
Singvogel Hansi
Schleierfisch Hermine
Salzburger Hofreitschule
Schweizer Höhenzüge
Staatsoper Hückeswagen
Spiegeleilose Heldentenöre
Sportliche Herausforderungen
Spannende Hängepartien
Scheidende Handballtrainer
Senile Hacker
Schrille Hupen
Steuern hilft
Schluckaufgeplagte Hyänen
Schleichende Hunnen
Seismische Hochrechnungen
Sichtlichst hanebüchen
Sattelfeste Hippotherapeutin
Sorglose Hanswurstiaden
Schimmernde Hauswände
Sesselbezug Honolulu
Sitzecke Hamrångefjärden
Schmiedeeisernes Hoftor
Seltsame Herangehensweise
Sekündliches Herunterfallen
Schummelnde Hilfsschullehrer
Schon heftig
Shatterhands Henrystutzen
Schnaubender Hatatitla
Santers Heimtücke
Stichwort: Hurz
Snoopys Hundehütte
Schüttere Haarpracht
Scorseses Harrison-Film
Schottisches Hochland
Schlesische Heimat
Schwachsinnige Horoskope
Speerwerfende Hindernisläufer
Schloß Hogwarts
Schachverrückte Hausfrauen
Seitenweise Handverlesenes
Schwirrende Heuschrecken
Sehenden Hühnerauges
Sehr hehr
Streßfreie Havarie
Stattliche Hakennase
Sonores Halali
Sing Halleluja
So happy
Selbstgebackener Hagebuttenknoblauchkuchen
Skandalnudelauflauf Hollywood
Scharrende Hufe
Schnarchende Harpyien
Schmutzstarrende Hosenbandordenträger
Schmetterlinge herbeiwünschen
Siebenundsiebzigtausendsiebenhundertundsiebenundsiebzig Häftlingsanwärter
Saturnferne Himmelskörper
Steter Herzschlag
Startende Hummeln
Subtropische Hurrikans
Sonntägliche Halbaffen
Sägender Holzwurm
Städtisches Hallenbad
Gigantisch weite Schlaghosen [Kalle war schlimm erkältet, also: get well soon]
Streifenhörnchens Hörnchenstreifen
Schwächelndes Hoch
Schiefer Haussegen
Schwatzhafte Heimlichtuer
Schlampige Hempels
Separate Hog-Dog-Rechnung
Simple Hexameter
Schuppige Hütten
Schwitzende Hammerwerfer
Schale Hülsen
Schimmelnder Hartkäse
Säuselnder Hauch
Schaukelnde Habenichtse
Saurierfreundliche Hochgebirgsbewohner
Schauspielernde Herren
Sting höchstpersönlich
Stevensons Hispaniola
Subtrahierte Hektoliter


Der Akkord des Monats: Oktober bis Weihnachten

1. Oktober 2021

Liebe Leute,
die ja eigentlich bis Weihnachten laufen sollende „Akkord des Monats“-Reihe wird an dieser Stelle abgebrochen und unvollendet eingestellt.
xxxxxWas zu Beginn des Jahres noch ein großes Vergnügen bedeutet hat, ist in den letzten Monaten leider doch zu einer stetig größer werdenden Deadline-Termin-Belastung geworden: Der Juli-Beitrag erschien ja bereits mit einigen Tagen Verspätung, der August-Akkord wurde nach mehr als 2000 geschriebenen Worten und ebenfalls schon mehrtägigem Hinterherhinken schließlich noch ganz gestrichen, und als der September-Beitrag statt am 1. erst am 15. des Monats veröffentlicht werden konnte, sah ich endgültig ein, daß die Sache mir keinen rechten Spaß mehr machte.

Mal sehen, wie sich das Ganze bis zum Jahresende entwickelt haben wird“ schrieb ich im Januar. Und jetzt weiß ich’s: deutlich ausladender mit viel größerem analytischen, autobiographischen und musiktheoretischen Anteil als ursprünglich gedacht, was auch zu deutlich größerem Schreibaufwand und mehr (selbstverursachtem) Streß geführt hat, dem ich jetzt einfach Lebewohl zu sagen beschlossen habe.

Und obwohl ich mir die Entscheidung am Anfang wirklich nicht leicht gemacht habe, ist sie mir am Ende doch nicht mehr allzu schwer gefallen, weil ich [bis auf den November-Beitrag, in dem ich noch Tips für’s Barrégriffe lernen hatte geben wollen] das (für mich) Wichtigste in den veröffentlichten 8 Beiträgen ohnehin schon angesprochen und behandelt hatte.

Dann hoffe ich, daß meine Ausführungen und Erklärungen nicht viel zu oberlehrerhaft-kompliziert ausgefallen sind und dem einen oder anderen doch mehr als nur vergeudete Lesezeit beschert haben.

Bleibt gesund und macht weiter,
euer Pelikan


Der Akkord des Monats September (9/13)

Und nun also – mit sage und schreibe fünfzehntägiger Verspätung – doch noch der Akkord des Monats September:

Als Lehrer habe ich mich schon mehr als einmal über Ungereimtes und Unlogisches bei Musikregeln gewundert und geärgert, und während ich das meiste davon einfach (machtlos) hinnehmen mußte, habe ich mich in zumindest einem Punkt stets geweigert, der allgemeinen Ansicht zu folgen, und zwar bei der Bezifferung der sechs Gitarrensaiten.
xxxxxJede Saite trägt den Namen des Tones, den sie leer angeschlagen erzeugen soll. Die E-Saite muß also auf E gestimmt werden, die A-Saite auf A usw., was (vom tiefsten Ton an gerechnet) die Folge E, A, D, G, H und E ergibt.
xxxxxWeil ich es aber nicht für sinnvoll erachtet habe, die Teilnehmer meiner Anfängerkurse gleich zu Beginn auch noch mit dem Auswendiglernen der Gitarrensaitennamen zu belasten, habe ich die Saiten erst mal nur durchgezählt. Die (wenn die Gitarre spielbereit gehalten wird) oberste Saite ist von mir dann als die 1. definiert worden, und die unterste Saite folgerichtig als die 6. und letzte. Aus einem mir absolut unerklärlichen Grund zählt die Musikwelt – zumindest Gitarrensaiten- und Stimmgerätehersteller – aber genau andersrum: bei denen ist mit Saite 1 die unterste gemeint, und mit Saite 6 die oberste.
xxxxxUnd diesen Unsinn mitzumachen habe ich mich in meinen Gitarrenkursen einfach immer schon geweigert. Wenn in den ersten Stunden statt A-Dur beispielsweise mal versehentlich ein Esus4 gegriffen worden ist [Tabulatur: 0-2-2-2-0-0], habe ich das korrigiert, indem ich erklärte, daß die Finger erst ab der 3. Saite aufgesetzt werden dürften (was in meinen Kursen dann „ab der D-Saite“ bedeutete und von allen auch immer problemlos verstanden worden war). (Auf die leider übliche Andersrum-Zählweise hatte ich natürlich aber auch hingewiesen.)

Meine Begründungen für den pelikanesischen „Ungehorsam:
a) Die oberste Saite ist die erste, auf die ich schaue (demnach für mich „logischerweise“ Saite Nr. 1).
b) Die oberste Saite ist diejenige, welche beim normalen Anschlag (der üblicherweise von oben nach unten erfolgt) zuerst drankommt (und zuerst kommt halt die 1).
c) Die oberste Saite beherbergt den tiefsten Ton, und bei einem Akkord stellt der tiefste Ton in der Regel die Prime (= Ton Nr. 1 der Tonleiter) dar. Ein Akkord wird klanglich also immer von tief nach hoch errichtet und gerechnet, was der Gitarrensaitenrichtung von meiner 1. Saite an entspricht.
d) Und auch die mir bekannten Gitarrensaitenmerksätze benutzen die Abfolge von oben nach unten. Am bekanntesten dürften im Deutschen wohl diese drei Sprüche sein.
Ein Anfänger Der Gitarre Hat Eifer
Eine Alte Dame Geht Heute Einkaufen
Eine Alte Dame Geht Hering Essen
xxxxxDer erste Satz ist sinngemäß leider nicht zutreffend (wie ich in meiner mehr als 40jährigen Gitarrenlehrertätigkeit schon viel zu häufig habe erfahren müssen) [ein Gitarrist habe Eifer fände ich deshalb definitiv besser], und auch die grammatikalische Seite läßt mich etwas ins Grübeln kommen. Ein „Anfänger der Gitarre“ klingt in meinen Ohren nämlich genauso irgendwie falsch wie „ein Anfänger des Klaviers“ oder „ein Anfänger der Schule“ und ähnliches. Müßte es nicht vielmehr „ein Anfänger des Gitarrenspiels“ heißen?
xxxxxDoch wenn ich derartige „Bedenken“ mal in meinen Kursen zum Ausdruck gebracht habe, ist mir eigentlich immer (nachsichtig lächelnd) entgegnet worden, daß ich das wohl einfach zu verkniffen sähe: es wäre schließlich nur ein Spruch, der seine kleine Aufgabe perfekt erfüllen würde – und keine Literatur oder so. (Doch hatte mich, einen „Wortmensch“ (Autor), dieses Argument nie ganz überzeugen können.)
xxxxx(Ich hab ja sogar „Probleme“ damit, daß ich vermute, daß viele Menschen den Titel eines der bekanntesten deutschen Schlager der 60er Jahre für grammatikalisch völlig in Ordnung halten: „Marmor, Stein und Eisen bricht“.)

Zurück zum Gitarrensaitenmerkspruchthema.
xxxxxEine alte Dame geht heute einkaufen/bzw. Hering essen. Finde ich okay, wenngleich immer noch nicht wirklich toll, so daß ich irgendwann doch mal meinem „Das geht doch bestimmt besser“-Gedanken nachgegeben und einen Termin mit meiner Muse gemacht habe. Und nach einem intensiven kleinen Brainstorming war dann „Ein alter Duisburger Gitarrenlehrer hortet Euros“ geboren, was ich sowohl von der Aussage als auch der Grammatik her absolut einwandfrei finde … und eigentlich sogar fast schon genial, weil deutsche Gitarrenlehrer und -schüler, die statt des inländischen Tones h lieber das international bevorzugte b verwenden möchten, ebenfalls nicht leer auszugehen brauchen: „Ein alter Duisburger Gitarrenlehrer bunkert Euros“ [Dank dafür an meine ehemalige Gitarrenschülerin Monika K., verbunden mit herzlichen Grüßen!]
xxxxx– was uns das Stichwort für die nächste leidige Musikunlogik liefert.

Der 7. Ton der C-Dur-Tonleiter heißt im Deutschen h [wie übrigens auch im Dänischen, Norwegischen, Schwedischen, Polnischen, Slowakischen, Tschechischen, Serbischen, Kroatischen und Ungarischen],
xxxxxim Englischen [als auch Niederländischen und Chinesischen] dagegen b. Das wäre ja gar nicht so furchtbar schlimm, wenn es im Deutschen nicht ebenfalls einen Ton b gäbe, der blöderweise nicht mit dem englischen b identisch ist.
xxxxxDie Benennung der 7 Stammtöne ist irgendwann mal alphabetisch erfolgt, so daß die ursprüngliche (und im Englischen nach wie vor verwendete) Tonfolge a, b, c, d, e, f, g [= die A-Moll-Tonleiter] viel sinnverständlicher daherkommt als die deutsche mit dem „krummen“ a, h, c, d, e, f, g. Im 16. Jahrhundert ist das logische b in mehreren Ländern dann leider zum h verkommen – doch hat dies noch gar nicht das Problem dargestellt, sondern erst die nachfolgend geschilderte Inkonsequenz.

Zwischen den deutschen Stammtönen a und h liegt noch ein weiterer Ton, der auf dem Klavier eine schwarze Taste ist und im Notensystem [weil die Noten(kreise) nur die Stammtöne (= weißen Tasten) darstellen] deshalb nur mittels eines davorgesetzten „#“ (= 1 Halbtonschritt erhöht) oder eines „b“ (= 1 Halbtonschritt erniedrigt) zu erreichen ist.
xxxxxSolcherart erhöhte Stammtöne werden endungsmäßig „is“ gesprochen, während erniedrigte ein „es“ bekommen. Der zwischen a und h gelegene Ton kann also als ais (a#) oder als hes (hb) betrachtet werden. Blöderweise (= die nächste doofe Unlogik) wird ein hes im Deutschen aber nicht hes sondern b genannt. Obwohl – und weiter geht’s mit der Unlogik-Scheiße! – die zweifache Verminderung des Tones h dann doch heses und nicht etwa bes genannt wird.
xxxxxWeil das Intervall von h zum nächsthöheren Stammton c ja nur eine kleine Sekunde ist, lautet die Halbtonschrittfolge von a nach c im Deutschen also entweder a, a#, h, c oder a, b, h, c. Und weil die a#-Definition in der Praxis nur recht selten zur Anwendung kommt, taucht dieser zwischen a und h gelegene Ton meistens als b auf, was die Verwechslungsgefahr mit dem englischen b leider enorm erhöht.
xxxxxDer deutsche Ton h entspricht also dem englischen Ton b, und weil auch im Englischen der darunterliegende Halbton meist als erniedrigtes b (und nur selten als erhöhtes a = a#) gerechnet wird, heißt dieser Ton dann bb („b flat“).
xxxxxEnglische Halbtonschrittfolge: a, bb, b, c.
xxxxxDeutsche Halbtonschrittfolge: a, b, h, c.
Was nun bedeutet, daß immer, wenn in einem Musikstück der Akkord B vorkommt, nicht sofort klar ist, um welches B es sich hier handelt. [Mein Tip (falls ihr nicht über den Weg der Tonartbestimmung und den dazugehörenden Akkorden die Lösung finden wolltet): probiert einfach beide B-Akkorde im Zusammenhang aus und nehmt dann den passenderen.]
xxxxxWenn in einem Lied aber ein H- oder ein Bb-Akkord auftaucht, gibt es keinerlei Erkennungsprobleme, da es sich dann nur um das deutsche H oder das englische Bb handeln kann.
.

Nächster Punkt:
xxxxxVor dem B-H-Bb-Durcheinander sind wir ja beim Thema Merksprüche gewesen, von denen es im Musikbereich noch weitere gibt.
xxxxxWenn ihr z. B. nie Noten lesen gelernt oder (wie in meinem Fall nach dem ungeliebten Klavierunterricht in frühen Jahren) sie schon lange wieder vergessen habt und deshalb nicht wißt, welche Note auf und zwischen einer Linie welchem Ton entspricht, dürften folgende Informationen hilfreich sein:
xxxxx(a) Die Noten zwischen den 5 Notenlinien sind (auf dem Blatt von unten nach oben gerechnet / also vom tieferen zum höheren Ton gehend) die Töne f, a, c und e, die man sich mit Hilfe des englischen Wortes FACE sehr gut merken kann.
xxxxx(b) Die durch eine Linie gehenden Noten heißen (ebenfalls von unten nach oben gesehen) e, g, h, d, f, was sich mittels des leider nicht so geläufigen klingonischen Wortes EGHDF leider nicht so gut merken läßt, so daß in diesem Fall wohl doch ein Merkspruch hilfreicher sein dürfte. Der einzige Spruch, den ich dazu aber jemals vernommen habe, lautet „Ein guter Hund, der folgt“ – und wie ihr vielleicht verstehen könnt, bin ich von diesem „Geniestreich“ alles andere als begeistert gewesen, so daß ich wieder mal mit meiner Muse Kontakt aufgenommen habe und am Ende eines erfolgreichen Sitzung schließlich „Ein Gorilla hat dicke Finger“ präsentieren konnte, was ich für viel schicker als das hölzerne Hunde-Teil halte.
xxxxx(Tatsächlich bin ich so angetan davon, daß, wenn dies das einzige sein sollte, was ich der deutschen Musikwelt (nach meinem Ableben) hinterlassen haben würde, ich durchaus nicht unzufrieden wäre. Also nehmt dies zum Hinweis und mehret und verbreitet meinen Wortmensch-Ruhm und verkündet die frohe Botschaft: Ein Gorilla hat dicke Finger.)

Und noch zwei weitere nützliche Musiksprüche, an denen ich ausnahmsweise mal nichts auszusetzen habe [weil ich den zweiten für nahezu perfekt halte und für den ersten (trotz allen Bemühens) einfach (noch) nichts Besseres habe finden können]:
xxxxxGeh Du Alter Esel Hole Fisch
xxxxxFrische Brötchen Essen Asse Des Gesangs
Mit Hilfe dieser beiden Sätze lassen sich z. B. Tonarten bestimmen, was wichtig sein könnte, wenn man mal ein Lied transponieren wollte. [Transponieren = ein Musikstück von einer Tonart in eine andere umschreiben, wodurch als wichtigstes Ergebnis die Gesangsmelodie (je nachdem, was dem Sänger entgegenkommt) höher oder tiefer gelegt wird.]
xxxxxAuf Liederblättern mit Noten ist vorne zwischen Notenschlüssel und Taktangabe die Position der Vorzeichen [Kreuzchen (#) oder Bes (b)] vermerkt, von denen uns zur Tonarbestimmung aber nur die jeweilige Art und Anzahl zu interessieren braucht. Während man einfach nur wissen muß, daß die Tonart C-Dur ganz ohne Vorzeichen auskommt [weil die C-Dur-Tonleiter nur aus Stammtönen, also den „weißen Tönen“ auf dem Klavier, besteht und somit keine (nur durch Vorzeichen erzielbare) Veränderung zu einem „schwarzen Ton“ hin benötigt], hilft der erste Spruch dabei, sich die Tonartenfolge G, D, A, E, H und F# (jeweils in Dur) zu merken, weil jede dieser Tonarten ein Kreuzchen mehr als die nachfolgende aufzuweisen hat: G-Dur kommt mit einem Kreuzchen daher, D-Dur mit zweien, A-Dur mit dreien … und so weiter bis zum F#-Dur mit 6 Kreuzchen. Und der zweite Spruch benennt die noch fehlenden (Dur-)Tonarten F, B, Eb, Ab, Db und Gb, die jeweils (ebenfalls von 1 bis 6 gerechnet) mit Bes (b) bestückt sind.
xxxxx
Außerdem kann man anhand dieser Merksätze auch noch den (äußeren) Quintenzirkel erstellen. Am „Nordpol“ des Zirkelkreises (also auf 12 Uhr) wird das C „installiert“, gefolgt von (im Uhrzeigersinn) G und dem Rest des Esel-Spruchs, während der Brötchen-Spruch vom C aus entgegen dem Uhrzeigersinn zur Anwendung kommt. Wobei auch noch erwähnt werden könnte, daß die jeweils letzten Buchstaben beider Sprüche klanglich dieselbe Tonart ergeben, da der zwischen F und G liegenden Ton einmal als F#-Dur (für die auf diesem Grundton errichtete Tonleiter mit 6 Kreuzchen) und einmal als Gb-Dur (für die Tonleiter mit 6 Bes) gerechnet wird.
xxxxx[Wie nun aber der vollständige Quintenzirkel (mit auch noch den parallelen Molltonarten im Innenkreis) aussieht und was man sonst noch alles damit anfangen kann, soll hier und heute nicht das Thema sein.]

.
Und nun zu etwas völlig anderem!
xxxxxTja, schön wär’s, doch geht’s nachfolgend leider nur mit dem nächsten musikregeltechnischen Unsinn weiter, der sich in der Welt der 7er-Akkorde ereignet. (Ihr erinnert euch noch an Intervalle? Falls nicht, fändet ihr im Mai-Beitrag ein paar grundsätzliche Erklärungen dazu.)
xxxxxWährend die sogenannten reinen Intervalle [Prime, Quarte, Quinte, Oktave] ja nur in einer einzigen Größe existieren, gibt es die übrigen Intervalle [Sekunde, Terz, Sexte, Septime, None, Dezime etc.] sowohl in großer als auch in kleiner Form. Eine große Sekunde beispielsweise (= 1 Ganztonschritt) wird durch die Zahl 2 angegeben, während eine kleine Sekunde mit b2 bezeichnet wird. Die einfachen Zahlen 2, 3, 6, 7, 9, 10 und 13 bedeuten also stets ein großes Intervall, während b2, b3, b6, b7, b9, b10 und b13 für das jeweils um einen Halbtonschritt erniedrigte kleine Intervall stehen.
xxxxxBei der Bezeichnung von Akkorden wird die Logik dieser einfachen und unkomplizierten Regel nun aber leider komplett durchkreuzt, weil die Zahl 7 (als einzige) in der Akkordsymbolschrift nämlich NICHT ein großes Intervall bedeutet, sondern ein kleines – so daß die 7 also eigentlich eine b7 (kleine Septime) ist und ein 7er-Akkord deshalb aus den Tonleiterschritten 1-3-5-b7 besteht. So weit, so seltsam; das muß man einfach hinnehmen, ohne es verstehen zu können.
xxxxxDoch was ist, wenn statt der kleinen Septime mal die große Septime in einem Akkord erwünscht ist? Dann wird die 7 einfach zur „major 7“ (was im englischen nichts anderes als „große Septime“ heißt), die meistens als maj7 oder j7 notiert wird.
.

Und jetzt zum (hoffentlich) letzten Verwirrspiel für heute:
xxxxxWenn man einem 7er-Akkord, der ja aus drei aufeinandergesetzten Terzen besteht, noch eine weitere Terz hinzufügt, gelangt man zu einem Nonenakkord, der aus den Tönen 1, 3, 5, b7 und 9 der jeweiligen Dur-Tonleiter besteht und somit einen Fünfklang darstellt. Blöderweise wird ein 7/9-Akkord in der Praxis aber meistens [außer in Pelikanesien und einigen anderen „aufmüpfigen“ Gegenden oder so] nicht komplett ausgeschrieben, sondern lediglich mit der Zahl 9 angegeben, so daß der Hinweis auf die 7 (bzw. b7) also fehlt, obwohl der (ungenannte) Septim-Ton trotzdem immer mitgespielt werden soll (falls ich diese seltsame Regel inzwischen richtig verstanden haben sollte).
xxxxx Weil ich zu meiner Zeit als VHS-Gitarrenlehrer aber noch sehr unsicher war, wie ein 9er-Griff genau zu verstehen sei [da auch die Lektüre von mehreren Theoriebüchern und das Befragen einiger Gitarrenspieler mir keine zweifelsfreie Gewißheit darüber hatte verschaffen können], hatte ich diese meine Unkenntnis in der jeweiligen Unterrichtsstunde lieber offen zugegeben, anstatt womöglich noch (aus ungesundem Halbwissen resultierende) Fake News zu verbreiten.
xxxxxDer Casus knacksus war ein D9-Akkord im Song „Mr. Bojangles“. Der in dem Liederbuch aufgezeichnete Griff [das in Wirklichkeit noch dazugehörende F# im Baß ignoriere ich jetzt einfach, weil es für die Hauptproblematik keine Bedeutung hat und alles nur erklärungsmäßig verkomplizieren würde] besaß neben der None definitiv auch den 7er-Ton (die kl. Septime) [Tabulatur: x-x-0-2-1-0], ohne daß dieser im Akkordsymbol angegeben war. Und ich war damals halt noch unsicher, ob
a) die D9-Bezeichnung dann auch wirklich korrekt war; und falls ja, ob
b) der 7er immer mitgespielt werden mußte oder
c) ganz nach Lust und Laune und Spielbarkeit mit aufgenommen oder weggelassen werden dürfte?
xxxxxIch hatte die Sache im Unterricht dann einfach so „gelöst“, daß ich (nach meiner eigentlich doch etwas peinlichen Nicht-genau-Bescheid-wissen-Erklärung) den Akkord rasch in D7/9 umgetauft habe und dachte, daß damit nun alles korrekt sei.

Als ich in meinem allerletzten Folk-und-Country-Kurs [bevor mich die Coronascheiße im Frühjahr 2020 zum „jetzt doch lieber Rentner werden“ überredet hat] wieder mal mein Mit-D9-nicht-genau-Bescheid-Wissen zugab, empfahl mir ein Schüler eine Webseite, auf der man nur ein Akkordsymbol einzugeben bräuchte und dann umgehend den Gitarrengriff dazu geliefert bekäme; und dann würde ich ja sehen, ob der 7er-Ton auch in dem 9er-Akkord enthalten wäre oder nicht.
xxxxxUnd weil ich diese Idee wirklich gut fand, probierte ich das zu Hause sogleich mit der Eingabe von D9 aus und erhielt nachfolgendes Ergebnis, das ich euch jetzt als Akkord des Monats September präsentieren möchte:

Und wie sich anhand der rechts außen vermerkten Zahlen erkennen läßt, ist die kleine Septime tatsächlich als Bestandteil dieses Nonen-Akkordes gerechnet worden … und inzwischen meine ich auch zu wissen, wie es sich mit der Regel beim 9er-Akkord verhält.
xxxxxMit D9 ist immer ein D7/9 gemeint, weil man bei einem aus Terzen bestehenden und über den Dur- und Molldreiklang hinausgehenden Akkord nur den höchsten Ton anzugeben braucht. [Ich persönlich werde allerdings dabei bleiben, stets die vollständige Bezeichnung (also 7/9) zu notieren, um jegliche Unklarheiten von vornherein zu beseitigen.]

Aber was wäre denn eigentlich, wenn der 7er-Ton beim D9 tatsächlich mal nicht dabei sein soll? Dann dürfte dieser Akkord nicht D9 genannt werden, sondern Dadd9. Das D bedeutete den D-Dur-Dreiklang, während add die Abkürzung fürs englische „added“ (= hinzugefügt) ist und also besagt, daß dem Dur-Dreiklang noch ein Ton (in diesem Fall die None) hinzugefügt werden muß, was dann also einen Vierklang ergäbe [im Gegensatz zum Fünfklang eines D9 (= D7/9)].
xxxxxSo weit, so gut; doch sind wir mit den Merkwürdigkeiten in diesem Beitrag immer noch nicht am Ende, da der in obigem Diagramm dargestellte D9-Griff zwar die korrekten Töne beinhaltet, sich leider aber überhaupt nicht greifen läßt. Zeige- und Mittelfinger müßten dabei nämlich in die Bünde 1 und 2 gesetzt werden (kein Problem), während Ring- und kleiner Finger in den Bünden 4 und 5 zu wirken hätten (riesengroßes Problem). Probiert es aus!
xxxxxUnd wenn ihr zum selben „Ist für meine Finger unmöglich“-Ergebnis kommen solltet, könnte man sich fragen, wie so etwas überhaupt passieren konnte? Wollte uns der Webseiten-Programmierer da womöglich einfach nur verarschen?
xxxxxUnd während ich über diesen Punkt nachgedacht hatte, war mir urplötzlich klargeworden, daß der D9-Griff aus dem Bojangles-Liederbuch (eines bekannten Duisburger Eurohorters) gar nicht korrekt sein konnte, da ein D9-Akkord ja ein Fünfklang ist (Töne: 1-3-5-b7-9), und wie sollte man 5 Töne auf nur 4 Gitarrensaiten unterbringen? Also nahm ich den Griff mal genauer unter die Lupe und stellte fest, daß er aus den Tönen 1-5-b7-9 bestand und der Terzton (der beim normalen D-Dur auf der letzten/untersten Saite im 2. Bund gedrückt wird, hier aber leer erklingt) somit fehlte.
xxxxxDoch wenn in einem Akkord eine 9 (None) vorkommt, die 3 (Terz) jedoch entfällt, wird die 9 nicht als am Ende des Akkordgebildes noch obendrauf gesetzter Ton angesehen, sondern eine Oktave tiefer als 2 (Sekunde) gerechnet [2 und 9 haben den (nur eine Oktave auseinander liegenden) gleichen Ton (genau wie 1 und 8, 3 und 10, 4 und 11 usw.)], um die durch das Fehlen der 3 entstandene Tonlücke zwischen der 1 und der 5 zu schließen. Ein solcher Akkord ist dann ein sogenannter sus-Akkord (dem immer die 3 fehlt).
xxxxxDie Töne des Bojangles-Griffs sind also gar nicht 1-5-b7-9, sondern müssen als 1-2-5-b7 gerechnet werden, was einen aus diesen Tönen bestehenden Akkord dann zu einem D7/sus2 (statt des falsch angegebenen D9) macht. [sus“ ist die Abkürzung für suspended (= vorgehalten), und der sus2-Ton wird also vor die 3 gehalten (oder so), diese dadurch verdrängend/ersetzend. Dasselbe geschieht bei einem sus4-Akkord, dem ebenfalls die Terz fehlt.]

Und jetzt noch mal zurück zu der Frage, wie es wohl zu dem unspielbaren Diagramm-Akkord auf der Griffe-Webseite hat kommen können. Vermutlich hat der Programmierer seine Sache eigentlich sehr gut gemacht, indem die angezeigten Gitarrengriffe auch (vermutlich, denn ich habe es nicht weiter überprüft) stets die korrekten Tönen beinhalten (was beim Fünfklang eines D-Akkordes überhaupt nicht einfach zu bewerkstelligen ist, da bei D-Akkorden ja normalerweise nur (die untersten) 4 Saiten verwendet werden, ausgehend vom Baßgrundton auf der dritten (also der D-)Saite), so daß er lediglich vergessen haben dürfte, in sein Programm auch noch einzugeben, daß (für menschliche Finger spielbare) Gitarrengriffe nur über maximal 4 Bünde gehen dürfen.
xxxxxUnd so stellte sich mir während der Niederschrift an diesem Beitrag (zum allerersten Mal) die Frage, ob ein kompletter D7/9-Fünfklang auf der Gitarre überhaupt möglich sei? Und dann erinnerte ich mich an ein seit Jahrzehnten nicht mehr benutzes Gitarrengriffebüchlein, in dem ich tatsächlich zwei verschiedene D7/9-Griffe fand. Während der eine (im 10. Bund zu greifen) mir aber doch zu unpraktisch erschien, fand ich den anderen durchaus akzeptabel. Und der sah folgendermaßen aus: x-5-4-5-5-5 (in Tabulatur), was ich am besten mittels des Fingersatzes nix-M-Z-KKK hinbekommen habe.
xxxxxUnd wenig später wurde mir auch noch klar, daß dieser Akkord schon lange (nur wußte ich bislang nicht, wie er hieß und so) zu meinem Griffe-Repertoire gehörte, wenn auch mit noch zusätzlichem Wechselbaßton auf der ersten (= obersten) Saite (die man beim Spielen aber auch einfach auslassen könnte): 5-5-4-5-5-5. Und der Trick beim Greifen ist, daß man dabei auch den Daumen benutzen muß, was zu einem (zumindest für meine Finger möglichen) D-D-M-R-R-R-Fingersatz führt.

So, und das soll’s nun wirklich für diesen Monat gewesen sein – außer, daß ich euch zum wortmäßig krönenden Abschluß auch noch meinen englischen Lieblings-Gitarrensaitenmerkspruch vorstellen möchte: Eddie Ate Dynamite, Good Bye Eddie.
xxxxxIn diesem Sinne: Paßt auf euch auf.


Der Akkord des Monats September

braucht noch ein paar weitere Tage Schreibzeit.

War nicht so geplant, sorry!


Der Akkord des Monats August (8/13)

Liebe Leute,

der Akkord des Monats August wird leider ausfallen! Ich habe mich – trotz bereits mehr als 2000 geschriebener Worte – diesmal irgendwie vergaloppiert. Habe nie einen richtigen Zugriff zum eigentlichen Thema gefunden, und bevor ich euch hier einen Beitrag präsentiere, mit dem ich überhaupt nicht zufrieden bin, laß ich’s lieber ganz sein.

Möglicher Trost: Der besprochene Akkord F#maj7/9(omit 5) [vom Cover des „Sounds like Duisburg ’94“-CD-Samplers] klang ohnehin nicht besonders gut.


Der Akkord des Monats Juli (7/13)

Die bekannteste Tonleiter der Welt ist die C-Dur-Tonleiter, die man ja schon im Musikunterricht in der Schule als erste kennengelernt hat, weil sie am leichtesten zu verstehen ist [während die nachfolgenden Erklärungen eher für Personen mit schon gewissen Vorkenntnissen (etwa aus meinem April-Beitrag) gedacht sind]. Die C-Dur-Tonleiter besteht aus den sieben „Stammtönen“ c, d, e, f, g, a und h, die in der Notenschrift ohne jegliche Vorzeichen [also ohne # oder bs] auskommen und deshalb relativ leicht zu lesen sind. Und weil diese Töne exakt den weißen Tasten auf dem Klavier entsprechen, ist es naheliegend, im Klavierunterricht auch mit diesen zu beginnen. Wenn ich die „weißen Töne“ von c aus nacheinander aufwärts spiele, erklingt die C-Dur-Tonleiter (c-d-e-f-g-a-h-c) mit ihren charakteristischen Dur-Tonabständen: Ganzton, Ganzton, Halbton, Ganzton, Ganzton, Ganzton, Halbton.
xxxxx[Wenn ich dagegen – ebenfalls nur die „weißen“ Töne benutzend – auf anderen Tönen als c beginnen würde, ergäben das (aufgrund der dann anders lautenden Ganz- und Halbtonschrittfolgen) ganz andere Tonleitern: Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Moll und Lokrisch. Doch sind Dur und Moll die einzigen beiden Tonarten, die heutzutage noch modern sind und ständig benutzt werden.]
xxxxxUnd der erste vom Klavierlehrer beigebrachte Akkord wird wahrscheinlich der C-Dur-Dreiklang sein, der auf diesem Instrument auch recht leicht zu spielen ist. Was wohl auch erklärt, weshalb ein (in einer VHS-Gitarren-Anfängerkursstunde seine Enkelin begleitender) etwas vorlauter „Gasthörer“ plötzlich mal die Frage in den Raum stellte, weshalb ich nicht mit dem C-Dur-Akkord beginnen würde, weil der doch besonders einfach sei. Dieser forsche Großvater hatte offenbar mal Klavierunterricht oder so gehabt, doch ist die Klavierspielweise überhaupt nicht mit der auf der Gitarre zu vergleichen, so daß ich den C-Dur-Griff ob seines Schwierigkeitsgrades ganz bewußt erst im zweiten Gitarrenkurs gezeigt und durchgenommen habe.

In meinem Kurs 1 waren lediglich die Griffe A, D, G, E (und ganz kurz auch noch Am und H7) drangekommen, während ich die drei letzten ebenfalls noch unter Nutzung von leeren Saiten spielbaren Dur- und Mollgriffe [alle sonst noch fehlenden Dur- und Mollakkorde lassen sich auf der Gitarre nur mittels der Barrétechnik erzeugen / siehe Akkord des Monats November] für den Nachfolgekurs aufgespart hatte: Em (ziemlich leicht) und C-Dur und Dm (beide viel schwerer). Das „Problem“ beim oben abgebildeten C ist, daß dies unser erster Gitarrengriff ist, bei dem die Finger der linken Hand in mehr als nur 2 Bünden zu wirken haben.
xxxxxUm die für den C-Griff benötigen Finger alle optimal (also kurz vor den jeweiligen Bundstäbchen) plazieren zu können, muß ich sie entweder spreizen [was nicht gut ist] oder in einem zum Greifen günstigeren Winkel „kommen“ lassen: nämlich (aus Gitarrenspielersicht) nicht senkrecht von unten nach oben zeigend, sondern von links-unten nach schräg-rechts-oben gehend. Dadurch wird es möglich, daß M und R (Mittel- und Ringfinger) einander berühren (anstatt auseinandergespreizt zu werden) und trotzdem die optimalen Greifpunkte kurz vor den Bundstäbchen erreichen können. Wobei der R nur wenig gekrümmt werden muß, der M schon deutlich mehr, und der Z ziemlich stark. [Dieses die Finger schräg halten stellt übrigens auch bei allen Griffen des ersten Kurses schon das Optimale dar, worauf ich im Unterricht zwar auch schon ein Auge hatte, aber nur bei offensichtlicher Zuwiderhaltung extra hingewiesen habe, um nicht gleich am Anfang schon mit zu vielen Informationen zu „nerven“.]

Ihr erinnert euch vielleicht noch an meine Januar-Beitrags-Argumentation zur Reihenfolge des Drauflegens der Finger beim Griffe greifen. Daß man nämlich NICHT [außer bei A und bei D] den leichtesten Weg wählen und immer mit dem sichersten Finger (dem Zeigefinger) beginnen, sondern in der Regel [mit wenigen Ausnahmen wie bei Dm etwa / siehe Akkord des Monats Oktober] den Finger zuerst aufsetzen solle, der beim jeweiligen Griff am weitesten oben liegt. Um einerseits die Baßsaiten zuerst abgedeckt zu haben und andererseits die weniger sicheren „Baßsaiten“-Finger (M und R) auf diesem Wege besonders zu trainieren und zu stärken und unabhängiger zu machen, damit es irgendwann keine „schwachen“ Finger an der linken Hand mehr gibt, die beim Greifen von anderen (zuvor aufgesetzten sichereren) Fingern abhängig sind.

Und weil einigen meiner Schüler das „den Zeigefinger beim C-Griff nicht zuerst setzen dürfen“ doch recht schwergefallen ist, habe ich in den 2010er Jahren im Unterricht mal was neues probiert und den C-Akkord nicht mehr gleich am Anfang des zweiten Kurses vorgestellt, sondern erst in der 4. Stunde, während ich in den ersten drei Stunden (als Vorübung) schon mal den Wechsel von Cmaj7 nach G und zurück habe üben lassen.
xxxxxDa ein Cmaj7 nichts anderes als ein C-Griff ohne Z ist [also: 0-3-2-0-0-0], kann man bei diesem Griff sowieso nicht mit dem Z beginnen, weil der dabei nicht eingesetzt werden darf, da er für mögliche Aktivitäten im 1. Bund zur Verfügung stehen muß. Und weil man laut meiner Regel ja mit dem „obersten“ Finger anfangen soll, ist das Fingeraufsetzen bei Cmaj7 identisch mit dem, mit dem auch das spätere C-Dur-Greifen begonnen werden soll: zuerst den R setzen, dann den M, und zum Schluß erst den Z. [Ich mußte im Unterricht lediglich auf die übliche „Mogelei“ achten, den M (statt des Rs) zuerst aufzusetzen, weil es danach leichter war, den schwächeren R zu plazieren – was aber die Idee des eben diesen schwächeren Finger zu trainieren untergraben würde.]

Beim Cmaj7↔G-Wechsel und beim später auch recht häufig in Liedern (quasi in allen Songs in der Tonart G und in der Tonart C) vorkommenden C↔G-Wechsel muß der (zuerst aufzusetzende) Ringfinger ja nur etwa 1 Zentimeter nach oben oder unten wandern, was anfangs (da dieser R in der Regel der schwächste der drei Hauptgreiffinger ist) noch ziemlich schwierig war, nach Einführung der allgemeinen „Baßtonfinger first“-Regel dann in den 4. Kursen aber schon recht gut geklappt hat –
xxxxxim Gegensatz zu der Zeit, als ich das „Immer den am weitesten oben zu plazierenden Finger zuerst Aufsetzen“ noch nicht entdeckt hatte. Da hatten meine Schüler (weil ich es als junger Gitarrenlehrer einfach noch nicht besser wußte) noch die freie Wahl der Fingeraufsetzreihenfolge gehabt und so gut wie alle beim C-Greifen (weil es so halt am leichtesten war) mit dem Z begonnen und den R (weil er der schwächste war) erst als letzten aufgesetzt. Bis ich irgendwann mal merkte, daß dieser Ringfinger beim Wechsel von G nach C immer einen recht großen Umweg in die „Luft“ und zurück machte (weil zuerst alle Finger des G-Griffs weggenommen und dann in der [meiner Lehrermeinung nach absolut schlechten] Reihenfolge Z-M-R neu aufgesetzt wurden), obwohl er (R) doch eigentlich nur eine Strecke von 1 Zentimeter zurückzulegen hatte. Und dieser unnötige Umweg hat vor allem in meinen Niveaustufe-4-Kursen [Folk & Country / Rock & Blues / Picking / Anschlagsrhythmen] zu Problemen geführt, weil in diesen häufig das „Baßsaiten-einzeln-und-zuerst-Anschlagen“ gefordert war, der beim C-Griff den Baßton abdeckende Ringfinger aber [und das, trotzdem manche meiner Schüler bereits 3 Jahre oder länger bei mir Unterricht hatten] sehr häufig nicht schnell genug war und der Baßton deshalb einfach zu spät gedrückt wurde. – Und irgendwann fing ich an, mich zu fragen, wie ich dieses Problem verringern oder gar lösen könnte … woraus am Ende dann die Pelikanesische Fingeraufsetzregel entstanden ist.

Ebenfalls in den 4er-Kursen war mir mal [leider auch erst vor wenigen Jahren und nicht schon viel früher] aufgefallen, daß etliche Leute beim C-Greifen den kleinen Finger an den Ringfinger gelegt und gedrückt hatten, wodurch er (K) langgemacht/ausgestreckt worden war und bei einem anschließend z. B. folgenden Wechsel zum G dann einen viel zu weiten Weg zurückzulegen hatte und deshalb meistens zu spät kam / weil die Spielweisen in meinen 4. Kursen es häufig erforderlich machten, den jeweiligen neuen Griff beim ersten Anschlagszeitpunkt schon komplett fertig daliegen zu haben.
xxxxxDer K wird ja vor allem bei den Grundgriffen G und H7 benötigt, wo er jeweils auf der untersten Saite eingesetzt wird. So daß er optimalerweise (wenn man andere Akkorde ohne den K greift, trotzdem) immer (statt bei manchen Griffen ausgestreckt zu sein) in gekrümmter Haltung in Tatortnähe (also nächst der untersten Saite) in Lauerstellung verharren soll. Was beim Greifen von D, A, Am, E und Em noch recht leicht umsetzbar ist, da der neben dem kleinen Finger liegende Ringfinger dabei (mit Ausnahme der beiden E-Akkorde) ja noch ziemlich weit unten (also in Nähe des „Kleiner-Finger-Tatorts“) plaziert ist. Während derselbe R beim C-Griff dagegen schon sehr weit nach oben gebracht werden muß, was den K dazu verleitet, vom R einfach (gedankenlos) mit nach oben gezogen zu werden. Und dies ist eine der wichtigsten neuen Gitarrenlehrer-Erkenntnisse der letzten Jahren gewesen: Der kleine Finger darf dem Ringfinger beim C-Greifen nicht nach oben folgen, sondern muß beim C-Dur sichtlich gekrümmt (also unten) bleiben.

Und noch ein Letztes:
xxxxxIm vorherigen „Akkord des Monats“-Beitrag ist es ja auch um Intervalle gegangen, speziell auch darum, daß die 7 in einem 7er-Akkord unlogischerweise die kleine Septime bedeutet (während alle anderen alleinstehenden Zahlen immer ein großes (bzw. reines) Intervall meinen). Und beim Cmaj7 bedeutet das maj [eine Kurzform von „major“, was auf englisch „größer“ heißt] vor der 7, daß diesmal das große Intervall gemeint ist und also die große Septime erklingen soll.]

Und so viel zum heutigen Akkord des Monats Juli.


100. Geburtstag von H. C. Artmann

12. Juni 2021

H. C. (Hans Carl) Artmann ist zwar nie im Eschhaus gewesen, aber trotzdem habe ich ihn dort kennengelernt. [Das „Eschhaus“ – eines der ersten unabhängigen und selbstverwalteten Jugendkulturzentren in Deutschland – hat von 1974-1987 in Duisburg Mitte (Niederstraße) existiert.] Dieser Ort ist bis zum Anfang der 80er Jahre (als die Punks immer mehr das langhaarig-gemütliche Gesamtbild auf respektlos-destruktive Weise zu trüben begonnen hatten) meine zweite Heimat gewesen, in der ich vielen Menschen begegnen durfte, die mein Leben bereichernd beeinflußt haben. Mitte der 70er Jahre bin ich mit Anfang 20 noch ziemlich unbedarft, naiv und selbstbewußtlos gewesen, und was die Schule nicht geschafft hatte [siehe auch den ersten Teil des unten stehenden Mai-Akkord-Beitrags], hat mir das Eschhaus ermöglicht: mich kulturell und persönlichkeitsentwickelnd weiterzubilden.

Zu H. C. Artmann bin ich über Bruno Ruhrort gekommen, einen leicht verrückt intelligent versponnenen Kerl [was von Helmut Loeven noch durch „von leichtfüßiger Eleganz, gebildet, angenehm im Umgang“ ergänzt wurde], der (was ich so schick fand, daß ich es schließlich kopiert habe) häufig ein Buch in der Jackentasche mit sich herumtrug und mit seinem „kulturellen“ Esprit eine deutlich weitere Welt offenbarte, als mein eigenes, sich vor allem um Musik drehende, Universum bis dahin erforscht hatte. Ich hatte zwar immer schon gern gelesen, mich in jenen Tagen – mit Ausnahme von Hermann Hesse – für deutschsprachige Schriftsteller (vielleicht auch wegen meiner negativen Erfahrungen im Deutschunterricht auf dem Gymnasium) aber kaum interessiert, und erst recht nicht für noch lebende Gegenwartsautoren [weil ich damals viel zu sehr vom für mich alles überstrahlenden Musikheroentum geblendet war], was sich erst durch die Bekannschaft mit den Schriften von H. C. Artmann zu ändern beginnen sollte.

Im Oktober 1975 hatte ich zu meinem 22. Geburtstag von Bruno Ruhrort einen Oplaten-Keks geschenkt bekommen, auf dessen Eßpapier-Rückseite mit Bleistift vermerkt war:
xxxxxTräumte dir, es wüchse dir vom kinn herab ein verlauster mandarinenbart und dieser hätte eine länge von 56 zentimetern, bestünde aus 56 einzelnen haaren und besäße 56 lila läuse, so schätze dich glücklich, denn eine triplesechsundfünfzig in dieser konstellation ist unter chinesen ein besonderes zeichen.
xxxxxIch besaß zwar keinen 56 cm langen Chinesenbart (und Läuse habe ich bis heute auch noch nie gehabt), doch das mit den 56 Härchen am Kinn könnte
(ich hatte mich damals noch nicht sehr häufig rasiert) ungefähr hingekommen sein.

Als ich Bruno das nächste Mal traf, fragte ich ihn natürlich sogleich nach dem Urheber des Keksgedichts und hörte also zum ersten Mal den Namen H. C. Artmann, dessen Anfangskürzel irgendwie „Geheimnisvolles“ zu vermitteln schienen, während der Nachname im wahrsten Sinne des Wortes kunstvoll daherkam („Art“ = „Kunst“ im Englischen). Und ich bat Bruno, mir doch ein paar Buchtitel dieses Autors zu nennen, welche (wenn ich mich recht erinnere) folgende waren:
Frankenstein in Sussex / Fleiß und Industrie
How much, schatzi?
The Best of H. C. Artmann,
die es damals glücklicherweise
(weil ich mir gebundene Bücher zu der Zeit kaum leisten konnte) alle als Taschenbücher gab und die in den nächsten Wochen den Grundstock für meine heute mehr als 30 Bände umfassende Artmann-Sammlung legten. Die „Grünverschlossene Botschaft“ (= das Buch mit den Träumen, dessen 56. auf meinem Geburtstagskeks gelandet war) hatte übrigens nicht auf Brunos Liste gestanden, weil es insgesamt leider doch nicht das qualitative Niveau besaß, welches Traum Nr. 1 noch zu versprechen schien:
xxxxxIm herzen einer grille das cello zu streichen, ist ein häufiger traum und anlaß zur hoffnung, geld zu erwerben, gesetzt daß die grille von einer wachtel verspeist wird, die wachtel aber von einem lamm, das lamm von einem wolf, und dieser wieder von einem hungernden admiral, den seine meuternde flotte an der küstenebene von Oregon ausgesetzt hat. Dann tönt das cello in den eingeweiden admiral Boyds, du erwachst und schreibst, deine eigene musik noch im ohr, die zahl eins.
xxxxx
Solch eine Prosa war mir bis dahin noch nie untergekommen: etwas so Spielerisches und Fabulierfreudiges, etwas, das auf mich den Eindruck von gleichzeitig Ungekanntem wie auch sehr Vertrautem (irgendwie schon immer Erahntem oder so) machte. Das hatte nun wirklich keine Ähnlichkeit mehr mit dem häufig so verknöchert, verkopft und gewollte hochtrabend wirkenden Deutsch, das im Unterricht auf dem Gymnasium von den Lehrern immer so gern zerpflückt und durch die Mangel gedreht worden war. Und die Entdeckung, daß im deutschsprachigen Raum neben dieser mich eher frösteln machenden Schulunterrichtslektüre auch noch eine lebendige und vor Wortspaß sprühende Gegenwelt existierte, habe ich in erster Linie wohl dem besonderen Geburtstagsgeschenk von Bruno Ruhrort zu verdanken, das eine neue Flamme im damals noch sehr in Schatten getauchten pelikanesischen Kosmos entzündet hat und auch auf meine eigenen [und noch SEHR schlechten] Schreibversuche (seit Ende 1973) ein wenig abfärbte, wenn auch eigentlich nur äußerlich.
xxxxxUnd auch die Titel der Artmann’schen Werke vermochten schon den Geruch einer irgendwie anderen Sprachwelt herüberwehen zu lassen. Hier eine kleine Auswahl in „abecedarischer“ [auch eine des Meisters Wortschöpfungen] Reihenfolge.

  • Das im Walde verlorene Totem (1970)
  • das prahlen des urwaldes im dschungel (1983)
  • Das suchen nach dem gestrigen tag (1964)
  • Der aeronautische Sindtbart (1972)
  • Die Jagd nach Dr. U. (1977)
  • Nachrichten aus Nord und Süd (1978)
  • Unter der Bedeckung eines Hutes (1974)

Artmanns literarisches Œuvre umfaßt Theaterstücke [gesammelt in „die fahrt zur insel nantucket„, 1969], Lyrik [gesammelt in „ein lilienweißer brief aus lincolnshire„, 1969 / „Sämtliche Gedichte„, 2003] und Prosa [gesammelt in „Grammatik der Rosen„, 1979 / „Gesammelte Prosa„, 2015].

xxxxxTheaterstücke: Diese Schauspiele haben mit klassischen Vorbildern mitunter aber nicht mehr viel gemein, was auch aus einigen Besetzungslisten schon ersichtlich werden dürfte, wenn in „fauler zauber in schwarz-afrika“ (1963) etwa Audrey Hepburn und David Niven ein weibliches Okapi bzw. einen männlichen Löwen verkörpern. Und auch Regieanweisungen wie „man hört genau, wie die geduld, zuerst langsam, dann schneller und zum ende hin ganz schnell, abreißt“ [in „Lasse und Mustikka„, 1961] oder „kutlyoos schatten [gespielt von Charles Laughton] lagert sich über das kolossalgemälde pickmans, wird aber, da unsichtbar, von keinem der beiden nachtwandler bemerkt“ [aus „how lovecraft saved the world„, 1963] sind keine Seltenheit.

xxxxxLyrik: Ich selbst bin kein besonderer Gedichteliebhaber, doch Verse von Artmann lese ich tatsächlich gar nicht so ungern. Etwa schräges Zeug wie:
xxxxxein männlein steht am schalter / so gar nicht stumm / und sagt zu dem beamten: / sei bloß nicht dumm, / gib die schönen piepen her, / glaube mirs, / die freun mir sehr, / und drückste auf die klingel, / leg ich dir um. [„allerleirausch„, 1967]
Oder romantisches Zeug wie:
xxxxxwie der saft einer sehr süßen frucht / von dem man lange im traum trinkt.. / wie der schatten eines jungen tieres, / das leise um eine quelle herumgeht.. / wie ein sehr schöner, belaubter baum, / den die erste zärtlichkeit der nacht / heimsucht mit singenden grillen und tau.. / wie mein eigener finger, geliebtes, / der ganz leicht deine lippen berührt.. [„noch vier gedichte, auf eine klinge geschrieben„, 1960]
Oder Kinderzeug (für seine Tochter Emily Griseldis) wie:
xxxxxvon burg zu burg / reitet der zwurg. [„das prahlen des urwaldes im dschungel„, 1983]

xxxxxProsa: In diese große Schublade passen nun sehr viele kleinere Schächtelchen, wie etwa die bereits erwähnten 90 Träume der „Grünverschlossenen Botschaft“ (1967), oder die kleinen Berufsidyllen aus „Fleiß und Industrie“ (1967), oder die Fast-so-etwas-wie-Kurzgeschichten in „How much, schatzi?“ (1971), oder der abendteurliche Luftreisebericht in „Der aeronautische Sindtbart“ (1972 / verfaßt ca. 1958), oder der auf 175 Seiten ohne Punkt, Komma, Großbuchstaben oder Absatz auskommende Monolog der „Nachrichten aus Nord und Süd“ (1978), oder das schwedische Tagebuch mit Eintragungen wie „Morgen ist samstag, heute ein freitag, bald herbst“ in „Das suchen nach dem gestrigen tag“ (1964) und einiges andere mehr. Doch allen Texten (bis auf die satzzeichenlosen „Nachrichten…“) ist eines gemeinsam: Artmanns besondere Verwendung (bzw. Nicht-Verwendung) von Großbuchstaben, weil diese (wie im Englischen) bei ihm nur am Satzanfang und bei Eigennamen vorkommen, was für den ungeübten Leser zuerst etwas gewöhnungsbedürftig ist, nach einer Weile aber kaum noch stört.

Und diese den deutschen Rechtschreibregeln nicht folgende Kleinschreibung hatte es mir sogleich ungeheuer angetan, weil sie (a) so schön verrückt war, sich (b) so fröhlich aufmüpfig gegen vorgeschriebene Regeln stellte [mehr zu meiner Regelallergie findet sich im (diesem Artikel nachfolgenden) „Akkord des Monats Mai“-Beitrag] und (c) alles andere als unauffällig war. Und wenn ich selbst in den 70er Jahren schon nicht durch besondere literarische Begabung beeindrucken konnte, wollte ich wenigstens anders sein und irgendwie auffallen. Und so übernahm ich (auch um Artmann damit zu huldigen) 1976 diese besondere Kleinschreibung für mehr als nur meine literarischen Versuche. [Erst ein Vierteljahrhundert später bin ich wieder zur normalen Rechtschreibung zurückgekehrt (ohne allerdings die Regeln der uns mittlerweile vor die Nase gesetzten Rechtschreibreform zu akzeptieren), weil ich das Aufnehmen von Pelikantexten für kommende Leser doch ein wenig einfacher machen wollte.]
xxxxxDoch ist dies längst nicht alles gewesen, was ich von Artmann gelernt habe.

In den biographischen Angaben seiner im Deutschen Taschenbuchverlag (dtv) erschienenen Bücher hieß es in den 70er Jahren:
xxxxx„H(ans) C(arl) Artmann wurde im Juni des Jahres 1921 in St. Achatz am Walde geboren, schreibt Lyrik, Prosa und Theaterstücke, lebt je nach Stimmung in den Städten Europas (so auch in Malmö), liebt alles Gute und Böse, bekennt sich zum Positiven, das letzten Endes doch immer siegen muß, denn: wo kämen wir sonst hin.“
xxxxxSo weit, so gut; doch wo in aller Welt lag St. Achatz am Walde? Der im elterlichen Bücherschrank auf genau solche Gelegenheiten nur wartende Band 1 (A-Ate) der 17. völlig neu bearbeiteten Auflage des Großen Brockhaus (in 20 Bänden, 1966-1974) vermochte da weiterzuhelfen: Artmann, Hans Carl, Schriftsteller, * St. Achatz am Walde (Niederösterr.) 12. 6. 1921Okay, Artmann war also Österreicher, doch fand sich Erwähnung und Lage seines Geburtsortes leider nicht einmal im „Großen Weltatlas“ von 1960 auf den „Spezialkarten [im nicht gerade kleinen Maßstab 1:500 000] von Deutschland, Österreich, Schweiz“, in einem Atlas also, der sogar „Zinse“ aufführte, eine Ortschaft im Rothaargebirge, die 1964, als ich als Zehnjähriger dort (wegen Problemen mit den Bronchen) zur Kur weilte, etwas weniger als 100 Einwohner besaß. Sollte St. Achatz also sogar noch kleiner als Zinse sein?
xxxxxUnd in der Tat, denn es hatte nicht nur weniger als 100, sondern sogar weniger als 1 Einwohner … weil ein Ort dieses Namens nie existiert hatte und von Artmann einfach erfunden worden war. Und als ich das herausbekam, fand ich diesen schon über 50jährigen Burschen [während ich anderen Leuten seines Alters damals nur selten größeren Respekt entgegenbrachte] eigentlich nur noch toller: ein mit dem „Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur“ ausgezeichneter Kerl, der in zeitgenössischen Lexika mit gefälschten Daten vertreten war. Was für ein herrlicher Imaginärer-Mittelfinger-Spaß!
xxxxxUnd wen wundert’s da noch, daß auch Pelikan dann eine Vorliebe für autobiographische Fake News zu entwickeln begonnen und neben Duisburg in seinen Büchlein (ab 1976) auch noch Zinse und Prag als Geburtsort angegeben hat; und auch beim Geburtsjahr ist kräftig und gern geschummelt worden, so daß ich (Veröffentlichungen in Anthologien und so hinzunehmend) bis Mitte der 1980er schließlich alle Jahrgänge von 1949-1954 einmal durchhatte.
xxxxxUnd der Höhepunkt dieser „Aktionen“ ist zweifellos der Moment gewesen, als mein Vater [mit dem ich mich alles andere als gut verstanden hatte] von Bekannten mal, ernsthaft zweifelnd, gefragt worden ist, ob ich denn auch wirklich sein Sohn sei … da in meinem dritten Buch (1978) irgendwo geschrieben stand, daß ich bereits im Alter von 3 Jahren meine Eltern verloren hätte. [Und so viel zu „ungehorsamen“ Söhnen.]

Ich habe H. C. Artmann auch zweimal live bei Lesungen erlebt, und bei der ersten (in Bonn 1982) bin ich ganz bis zum Schluß geblieben, um meinen Helden noch bis zum Signieren des allerletzten ihm dargereichten Buches beobachten zu können. Und zwei-, dreimal hat man ihn dabei auch gebeten, ein Foto von ihm machen zu dürfen, woraufhin er sich als Antwort jedesmal sogleich die roteingefaßte Lesebrille von der Nase gerissen und eine leicht gekünstelte Pose eingenommen hat, ganz à la: „Hier bin ich, ein fescher Art- und Dichtersmann!“
xxxxxUnd angesichts eines bestimmten, ihm zum Autogrammieren vorgelegten Buches bemerkte er: „Ach, das hätte ich auch gerne mal wieder. Das hat meine kleine Tochter leider irgendwann mal zerrissen.“ Und weil ich selbst (a) im Besitz dieses Buches gewesen bin, es (b) aber gar nicht so supertoll fand, habe ich ihm mein Exemplar (die illustrierte Ausgabe einer kleinen Kindergeschichte) dann zum Jahresende anonym – denn ich wollte mich ja nicht aufdrängen – zu Weihnachten zukommen lassen. (Damals – das waren noch andere Zeiten! – brauchte man nur den Verlag anzuschreiben und bekam ohne Umstände die gewünschte Privatadresse mitgeteilt.)

1984 ist dann noch ein ganz besonders schönes Artmann-Buch in einer nummerierten und signierten Auflage [so daß ich somit also doch noch zu einem (ungewollten) Autogramm gekommen bin, da ich bei den beiden Lesungen bewußt darauf verzichtet hatte] von 180 Exemplaren erschienen: „nachtwindsucher – Einundsechzig österreichische Haiku„. Und falls es jemand nicht wissen sollte: ein Haiku ist eine jahrhundertealte japanische Gedichtform, bestehend aus drei Zeilen mit den Silbenlängen 5-7-5 [obwohl im Original Moren statt Silben gerechnet werden], das traditionell vor allem Naturbilder übermittelt. Hier mein österreichisches Lieblingshaiku:
xxxxxdie junge kröte
xxxxxklein wie sie ist und langsam
xxxxxhat sich verspätet.

Und einige Wochen später hat Artmann zu seinem 63. Geburtstag dann eine anonyme Postkarte aus Duisburg bekommen:
xxxxxder briefträger bringt
xxxxxeine karte als fangruß
xxxxxherzlich und einfach.

H. C. Artmann ist am 4. Dezember 2000 in seiner Heimatstadt Wien gestorben. Am heutigen 12. Juni würde er 100 Jahre alt geworden sein.lt geworden sein.

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[In dankbarer Erinnerung an Bruno Ruhrort (29. September 1954 bis 28. Dezember 2017), einen wirklich besonderen Zeitgenossen, der in meinen Gedanken immer mit H. C. Artmann verbunden sein wird, welcher 1953 in seiner „Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes“ mal erklärt hatte: „Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, daß man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben.“
xxxxxIch weiß nicht, ob Bruno Ruhrort in seinem Leben selber mal Verse verfaßt hat, doch er hat immer recht gut und gern geredet und ist mir dabei auch wahrlich hin und wieder wie ein wirklicher Dichter vorgekommen.]

Duisburg, 6. bis 11. Juni 2021

 


Der Akkord des Monats Mai (6/13)

1. Juni 2021:
Und hier also der um einen Monat verspätete (weil ich bei der Ausarbeitung des biographischen Teils nicht unter Zeitdruck hatte schludern wollen) Mai-Beitrag:

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In diesem Artikel verwendete und nicht näher erklärte musikalische Begriffe sind im April bereits unter die Lupe genommen worden!

Im letztmonatigen Beitrag [gemeint ist der April-Text] habe ich ja einen Abstecher in die Welt der Musiktheorie unternommen – in eine Welt, die ich heute wirklich faszinierend finde, während sie mich in meinen ersten rund 25 Jahren als Musiker überhaupt nicht interessiert hat. Ich weiß noch, wie Sternhagel 1979 auf einer Duisburg City Rock’n’Roll All Stars-Probe mal sagte: „Okay, dann noch mal ab der Dominante“, und ich nachfragen mußte, welcher Akkord das denn sei. Und als die Jungs mich daraufhin etwas ungläubig anguckten, habe ich einfach zugegeben, von Musiktheorie und so kaum eine Ahnung zu haben.
xxxxxDiese meine Damit-muß-ich-mich-nicht-auskennen-Einstellung ist erst in den 90er Jahren ins Wanken geraten, als ich es im VHS-Gitarrenunterricht nämlich langsam – zwar nicht peinlich, aber doch etwas unangebracht fand, auf bestimmte Schülerfragen immer nur antworten zu können, daß ich das nicht wisse und erst zu Hause irgendwo nachschlagen müsse. Und der Grund, weshalb ich mich als schon länger im Geschäft seiender Musiker und Songwriter erst so spät und nicht schon viel früher mit dem Musiktheorie-Thema auseinanderzusetzen begonnen habe, war der, daß ich mich vorher einfach nicht dafür hatte interessieren wollen!

Musik hat in meinem Leben zwar eine überaus wichtige Rolle gespielt, ist jedoch keine bereits ganz früh erfahrene „Erste Liebe“ oder so gewesen [die hat nämlich dem Lesen gehört], obwohl meine Zeugnisnoten in den ersten Schuljahren [1960-64] dies durchaus hätten vermuten lassen können: Nach einer zu Anfang bereits sehr schönen 2 in „Musik“, hatte ich in der 3. und 4. Klasse nämlich immer eine glatte 1 [diese Note habe ich zeugnismäßig danach nur ein einziges Mal noch (1967) im Fach „Kunst“ bestaunen dürfen. (Anderthalb Jahre später war aus der Kunst-1 dann allerdings schon eine 5 geworden! / Keine Ahnung, wie so was möglich gewesen ist.)], die allerdings (wie im Zeugnis extra angemerkt) nur wegen meiner Blockflötenspiel-Fertigkeiten vergeben worden war. Und weil meine „Erfolge“ mit diesem Instrument wohl auf musikalisches Talent hinzudeuten schienen, beschlossen meine Eltern, daß ihr Sohn nun den nächsten Entwicklungsschritt machen sollte und halsten mir (als ich 9 Jahre alt war) also noch wöchentliche Klavierstunden auf [vielleicht auch nur deshalb, weil das alte Piano meiner Großeltern ohnehin in unserem Wohnzimmer herumstand]. Ich mußte dann jedoch rasch erkennen, daß weder der allsonntägliche Unterricht noch das häufige In-der-Woche-für-den-Sonntag-üben-Müssen mir besonderen Spaß machten, doch hat das für meine Eltern offenbar keinen ausreichenden „Befreiungs“-Grund dargestellt, so daß ich auch weiterhin zu dieser Pflichtübung gezwungen worden bin, bis ich das Ganze eigentlich nur noch gehaßt habe. Und erst nach anderthalbjähriger „Folter“ haben meine Eltern schließlich doch noch ein Einsehen gehabt und mich endlich [ich kann mich noch an viele Sonntags-Tränen erinnern] von meinen Qualen erlöst. Und alles, was ich bis dahin über Notenlesen und ähnliches gelernt hatte, habe ich danach so rasch wie möglich wieder zu vergessen versucht. Nur zu Weihnachten mußte ich noch einige Jahre lang in den sauren Apfel beißen und bei den traditionell im Familienkreis (vor der Bescherung) stattfindenden Heiligabend-Festlichkeiten erneut in die Tasten greifen und ein oder zwei Weihnachtslieder (manchmal auch vierhändig mit meiner Schwester zusammen) vortragen, welche aber [wie auch das komplette Programm mit außerdem noch Blockflöten-Duetten und Gedichte aufsagen und gemeinsamem Singen und der ewig immer selben Weihnachtsgeschichte („Es begab sich aber zu der Zeit…“)] in jedem Jahr wieder andere waren, was das adventliche dafür üben müssen leider auch zu einer nicht ganz einfachen Aufgabe machte – doch wenn ich nicht Klavier hätte spielen wollen, hätte ich [aktive Weihnachtsfeierbeteiligung ist für uns Kinder absolut Pflicht gewesen!] Blockflöte spielen müssen … dann doch lieber Klavier.

1964 (als ich 10 Jahre alt war) ist meine Erziehung dann in eine neue Phase getreten, weil ich von der Volksschule aufs Gymnasium wechseln mußte, wo doch schon ein ganz anderer Wind wehte, unter dessen Einfluß ich im Fach Musik nie mehr über eine 3 hinausgekommen bin. Und als ich zwei Jahre später (wie fast jeder in unserer Klasse) für Popmusik zu schwärmen begann, hat der Musiklehrer die Zeichen der Zeit leider überhaupt nicht erkannt und, anstatt die Verwendung von Tonika, Dominante und Subdominante beispielsweise mal an einem Beatleslied zu demonstrieren, auch in den kommenden Jahren nur Schallplatten mit Werken von längst verstorbenen Komponisten in den Unterricht mitgebracht, bis er uns zu unguter Letzt (anscheinend schon vollkommen demotiviert) nur monatelang noch aus einem Buch über Mozarts Reisen vorgelesen hat. Ein Interesse an den „Geheimnissen von Musik“ zu entfachen ist diesem Unterricht damals definitiv nicht gelungen.

Im zweiten der beiden Schulfächer, deren Themen für mich später von so großer Bedeutung sein sollten, war es aber auch nicht richtig gut gelaufen. Während ich in der Volksschule immer meine 2 in „Deutsch“ in der Tasche gehabt hatte, bekam ich auf dem Gymnasium zu Anfang immerhin noch eine 3, während ich in den letzten Schuljahren [1967-70] nur noch 4en und einmal auch eine 5 eingesackt habe. Dabei bin ich an diesem Fach doch eigentlich wirklich interessiert gewesen, weil ich nicht nur gern gelesen habe [in den frühen 60ern vor allem Astrid Lindgren, danach dann Karl May und Perry Rhodan, bis ich schließlich bei Hermann Hesse und Co. gelandet bin], sondern auch das Erschaffen von Büchern als etwas wirklich Besonderes empfand. Und einer meiner drei Berufswünsche als Kind ist tatsächlich Schriftsteller gewesen [die anderen beiden waren Straßenbahnführer und Feuerwehrmann], was sich z. B. auch darin zeigte, daß ich in meiner Freizeit einmal die umfangreichste Geschichte aus dem Schullesebuch abgeschrieben habe, um mir ein wenig wie ein Autor bei der Arbeit vorzukommen. Was in den 70er Jahren sogar noch von der Abschrift eines kompletten Romans [„Franny und Zooey“ von J. D. Salinger] getoppt worden ist.
xxxxxWie die Lehrer [und mein Vater hat ebenfalls zu dieser Spezies gehört] mir damals aber Literatur nahezubringen versuchten, hatte mir überhaupt nicht geschmeckt. Ich hatte – wie gesagt – das Lesen immer sehr geliebt, und wenn ich ein Buch mochte, bin ich einfach zufrieden damit gewesen, eine besondere Zeit in einer anderen Welt verbracht zu haben; während diese Eindrücke im Deutschunterricht durch anschließendes Zerpflücken des Textes zur Analyse der Lektüre aber wieder völlig kaputtgemacht worden sind. Ich bin einfach nicht interessiert daran gewesen, das Geheimnis der beim Lesen empfundenen Magie durch „Was will uns der Autor damit sagen und wie hat er dieses Ziel erreicht?“-Fragen zu enträtseln und so. Als Leser wollte ich einen Text nur „empfinden“ und ihn danach nicht noch zum Nachvollziehen der Arbeitsweise des Autors und so mit kaltem Herzen ausschlachten und kläglich verbluten lassen.
xxxxx[Und hier ein perfekt zum Thema passender Ausschnitt aus dem 2020 erschienenen Roman „Writers & Lovers“ von Lily King (deutsch von Sabine Roth):
„Was würden Sie in Ihrem Englischunterricht anders machen?“
xxxxxIch überlegte. „Ich würde die Schüler darüber schreiben lassen, welche Gefühle das Buch bei ihnen wachruft, welche Erinnerungen ihnen beim Lesen gekommen sind, ob es ihre Haltung zu irgendetwas verändert hat. Ich würde sie ein Lese-Tagebuch führen lassen, in dem sie nach jeder Lektüre einfach drauflos schreiben. Auf welche Gedanken hat dich das Buch gebracht? Das würde ich wissen wollen. Ich glaube, da würden einige ziemlich originelle Ideen herauskommen anstatt der alten, ausgelutschten wie Mensch versus Natur. Sollte ich das je als Aufsatzthema vergeben, Mensch versus Natur, muss mir irgendwer den Gnadenschuss geben. Mit solchen Fragen reißt man die Leute komplett aus der Geschichte heraus. Warum soll man die Kinder herausreißen wollen? Man will sie so tief wie möglich hineinführen, damit sie all das erfahren und spüren, was der Autor mit solcher Mühe für sie geschaffen hat.“
xxxxx„Aber glauben Sie nicht, dass es auch größere Fragen gibt, denen ein Autor in seinem Buch nachgeht?“
xxxxx„Doch, aber die sollten nicht im Vordergrund stehen, und schon gar nicht darf man sie abtrennen von dem sinnlichen Erleben der Geschichte. Ein Schriftsteller will, dass man in sein Buch eintaucht.“
]
xxxxxUnd beim Aufsätze schreiben – was mir in der Volksschule immer viel Spaß gemacht hatte – war auf dem Gymnasium plötzlich die Einhaltung von bestimmten Regeln ungeheuer wichtig geworden. Mein früher eher spielerischer und instinktiver Umgang mit einer Schreibaufgabe ist dann torpediert worden vom Bedenken-Müssen verschiedener zuvor im Unterricht (durch Literatur-Analyse etc.) extrahierter Punkte, die mich leider überhaupt nicht weitergebracht sondern alles eigentlich nur verkompliziert und schwieriger gemacht haben. So daß ich bei Klassenarbeiten aus Angst, diese Regeln [allein die simple „Einleitung-Hauptteil-Schluß“-Forderung hatte ich nie richtig verstanden, weil ich immer dachte, drei komplett voneinander getrennte Teile konstruieren zu müssen] irgendwie falsch anzuwenden, jedesmal mit der technischen Seite des Geschichtenerzählens zu kämpfen hatte, so daß ich insgesamt viel zu verkrampft an die ganze Sache herangegangen bin und deshalb nie wieder etwas wirklich Gutes hinbekommen habe. Und das eigentlich nur, weil ich versucht hatte, regelkonform zu „funktionieren“.

Aber auch meine Leistungen in den übrigen Schulfächern sind (im Gegensatz zur Volksschule) nicht nur nicht überragend gewesen, sondern im Laufe der Jahre auch immer mehr den Bach runtergegangen, was irgendwann zur (mich allerdings überhaupt nicht auf den rechten Weg führenden sondern womöglich genau das Gegenteil bewirkenden) Folge hatte, daß mir einige Sachen, die mir wirklich wichtig waren, wegen meiner Noten [weil ich sonst ja noch weniger Zeit für die Schule gehabt und noch weniger Zeit aufs Lernen dafür verwendet hätte] von meinem Vater verboten worden sind. Wie zum Beispiel: in den Osterferien einen Job als Botenjunge in einem Hüttenwerk anzunehmen (um erstes eigenes Geld zu verdienen und mir davon ein Tonbandgerät kaufen zu können) / oder: nach erfolgreich absolviertem Volleyball-Probetraining [ich war zuvor mit der Schulmannschaft des Mannesmann-Gymnasiums Nordrhein-Westfalen-Meister geworden] der Vereinsmannschaft von Eintracht Duisburg beizutreten. 
xxxxx[Nur in einen Boxverein zu gehen hätte mein Vater mir vermutlich gestattet, weil er mich dazu in der Vergangenheit nämlich schon mal zu drängen versucht hatte, da er selber eine Vorliebe für diese „Sportart“ besaß und der Ansicht war, daß ich ob meiner langen Arme und der daraus resultierenden Reichweite doch wie geschaffen dafür sei. – Als jegliche Art von Gewalt ablehnender Mensch ist Boxen für mich aber so ziemlich das letzte gewesen, was auszuüben ich jemals in Erwägung gezogen haben würde.]

Die Summe der mir auferlegten Ge- und Verbote in Verbindung mit den in mich gesetzten Erwartungen [das Abitur zu machen und danach zu studieren (weil dies meinem Vater verwehrt geblieben war: er war 1941 im Alter von 19 Jahren zur Kriegsmarine eingezogen worden und erst mit 26 wieder – wegen Malaria vorzeitig aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen – heimgekehrt) ist der Weg gewesen, der für mich vorgesehen war] und dem immer schlechter werdenden Verhältnis zu meinem Vater (gepaart mit heimlichen Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen) hatten mich langsam aber sicher einem immer größeren Druck ausgesetzt, dem ich schließlich nur noch durch eine ziemlich krasse Aktion zu entkommen können glaubte: meinem schulischen Totalverweigerungsjahr 1969/70. Ich hatte zu dieser Zeit quasi „aufgegeben“, tat so gut wie nichts mehr für die Schule und versuchte, alles an der unsichtbaren Mauer, die ich durch ausgefeilte Verdrängungstechnik um mich herum aufgebaut hatte, abprallen zu lassen, indem ich auf Fragen meiner Lehrer nur mit gesenktem Kopf neben meiner Bank stehend geschwiegen oder mit „Je ne sais pas“, „I don’t know“ oder „Ich weiß es nicht“ geantwortet habe. [Kein Wunder also, daß der Schuldirektor meinen Eltern damals nahegelegt hatte, mich mal zum Psychiater zu schicken. Was sie auch taten. / Als ich nach dem zweiten Termin jedoch herausfand, daß jede Sitzung meine Eltern ganze 50 DM kostete (was damals ECHT viel Geld für uns war), habe ich die Sache sofort wieder abgebrochen.]
xxxxxAls Folge meiner „Augen zu und Kopf in den Sand“-Politik ist mein Abgang vom Gymnasium [und zwar ohne Mittlere Reife oder Hauptschulabschluß (weil ich für letzteren auf dem Zeugnis des vorherigen 9. Schuljahrs nämlich in allen Fächern mindestens „ausreichend“ gestanden haben müßte)] im darauffolgenden Sommer (1970) natürlich unausweichlich gewesen, was schließlich auch durch mein negativrekordverdächtiges Abschlußzeugnis mit sage und schreibe fünf 5en und zwei 6en bestätigt worden ist.
xxxxx[Und die Untersekunda als Sitzenbleiber einfach noch mal zu durchlaufen ist auch nicht möglich gewesen, da ich bereits in der Obertertia eine „Ehrenrunde“ gedreht hatte, was eine Wiederholung derselben nach den damaligen Regeln erst in der übernächsten Stufe – also der für mich absolut unerreichbaren Obersekunda – wieder zugelassen hätte.]

Nach außen hin bin ich auf dem (Zeugnis-)Papier also ein vollkommener Versager gewesen, was innerlich (wegen meiner vielfältigen Ängste und Minderwertigkeitskomplexe) leider nicht viel anders ausgesehen hat, so daß ich es interessant fand, Jahre später in alten Notizbüchern auf Eintragungen gestoßen zu sein, die besagten, daß mein Leben erst im Alter von 16 Jahren richtig begonnen habe. Zu dem Zeitpunkt hatte ich zwar noch in meinem katastrophalen letzten Schuljahr gesteckt, dem ich gedanklich aber eigentlich wohl schon „entronnen“ war, weil ich, statt dem Unterricht zu folgen, meistens nur irgendwelchen Tagträumen nachgehangen habe, um die schnöde Wirklichkeit so gut wie möglich auszublenden. [Was mir auch erklärt, weshalb ich an dieses letzte Schuljahr so gut wie keine schulischen Erinnerungen mehr habe.]
xxxxxMeine „mit 16 erst wirklich zu leben begonnen haben“-Aussage hat wahrscheinlich darauf abgezielt, daß ich in dieser Zeit langsam begonnen habe, mich ganz vorsichtig ein wenig „freizuschwimmen“, indem ich – von meiner damaligen Begeisterung für Popmusik getragen – eine neue Welt in Reichweite sah, die mich spüren machte, daß ich (trotz all meiner Ängste und Verkorkstheit) willkommen sei und dazugehören könnte. Eine Welt, deren Protagonisten (Musiker und ihre Fans) sich althergebrachten Regeln zu widersetzen und etwas Neues zu erschaffen versuchten, was ganz gut zu meiner rebellisch angehauchten Verweigerungshaltung paßte. Und die „Befreiung“ von der Schule mit seinen mich gefühlt nur einengenden und in eine nicht von mir selbst gewählte Richtung drängenden Regeln schien deshalb für mich auch der richtige und vielleicht sogar einzig gangbare Schritt zu sein –
xxxxx[obwohl auch nach dem Abgang vom Gymnasium im Sommer 1970 noch nicht alles vorbei gewesen war, da ich, meinen Eltern gehorchend, danach noch folgende Stationen (allerdings auch nur ziemlich halbherzig) durchlaufen habe:
xx  xA (mit parallel einhergehendem schulischen Unterricht verbunden, um die für die Fortsetzung des Studiums benötigte Mittlere Reife nachzuholen):
im Herbst 1970: Studium an der Schule für Gestaltung in Krefeld (nach knapp 2 Monaten abgebrochen)
ab April 1971: Musik-Studium (Gitarre) am Konservatorium Duisburg (nach 6 Monaten abgebrochen)
xx  xB (ein abschließender Versuch, die Mittlere Reife zu erlangen):
ab Februar 1972: Abendgymnasium Zimmermann in Duisburg (nach 1 Semester abgebrochen)].

Und dieses „mich innerlich einer neuen Gemeinschaft zugehörig fühlen“ hatte ich auch äußerlich kundtun wollen, indem ich eines Tages (im Sommer vor meinem letzten Schuljahr) meine Mutter in mein Zimmer gebeten habe, ihr den auf Pappe aufgeklebten Bravo-Starschnitt von Barry Gibb präsentierte und verkündete, daß ich unbedingt auch solch eine Frisur haben wollte. (Und dann oblag es also ihr, meinen Vater davon zu überzeugen, mir diesen speziellen Wunsch nicht abzuschlagen – und ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, doch sie hat es geschafft.)
xxxxxUnd nach diesem frisurentechnisch absolvierten Beitritt zum „Hippietum“ ging es natürlich auch noch weiter, und so habe ich im Oktober 1969 (wenige Tage vor meinem 16. Geburtstag) mein erstes Rockkonzert besucht und in der Düsseldorfer Rheinhalle meine damalige Lieblingsband Steppenwolf gesehen. Im April 1970 war dann mein erstes Festival gefolgt: das Progressive Pop Festival in Köln, von dem ich leider nur einen der beiden Tage (mit einem klasse Auftritt von Colosseum und einem mich enorm beeindruckenden von Mighty Baby) mitnehmen durfte. [So daß mir damals also doch nicht alles verboten worden war, sondern nur die „Langzeitprojekte“ oder so.]

Nach meinem Schulabgang (im Sommer 1970) sind die Pelikans zum letzten Mal gemeinsam in Urlaub gefahren, und weil es rund um unser abgelegenes Ferienhäuschen in der tiefsten dänischen Pampa überhaupt nichts zu erleben gegeben hat [keine Häuser, keine Menschen, kein Wald, kein Strand oder sonst irgend etwas Interessantes in der Nähe], habe ich mir aus purer Langeweile schließlich die kleine Nylonsaiten-Gitarre meiner Schwester geschnappt [die mich bis dahin überhaupt nicht interessiert hatte, weil ich im Vorjahr – mit sehr frustrierendem Ergebnis – bereits einmal versucht hatte, irgendwelche Klavierakkorde auf einer (nur für einen Tag geliehenen) Gitarre zum Leben zu erwecken] und täglich mehrere Stunden (außer Hörweite) darauf herumgeklimpert, während ich mir vorstellte, ein von allen bewunderter Rockstar zu sein.

Wieder zurück in Duisburg habe ich dann ein eigenes Instrument bekommen (eine kleine Höfner mit Stahlsaiten) und bin in den Gitarrenkurs für Anfänger an der Volkshochschule gegangen, den ich aber nicht bis zum Ende mitgemacht habe, weil es mir nicht schnell genug vorangegangen war oder so. Und von da an habe ich nur noch autodidaktisch weitergemacht, was mir sowieso eigentlich lieber war, da ich aufgrund meiner Erfahrungen mit Schule und Lehrern eine grundsätzliche Abneigung gegen alles besaß, bei dem mir „vorgeschrieben“ wurde, wie ich etwas zu tun oder eben nicht zu tun habe. Da wollte ich lieber einen größeren Entwicklungsumweg in Kauf nehmen und das Rad (des Gitarrespielens) für mich einfach neu erfinden, um so auch weit verdienterermaßen das für mich immer noch recht fremde Gefühl, etwas Eigenes aus mir selbst heraus zu (er)schaffen, zu empfinden. [Das 1971 hinzugekommene halbjährige Intermezzo auf dem Konservatorium ist übrigens, weil mich die klassische Spielweise nach Noten und so nicht die Bohne interessiert hat, nur eine Alibi-Veranstaltung für meine Eltern gewesen, die halt wollten, daß ich irgendwas „Vernünftiges“ tun sollte. Hängengeblieben ist von diesen paar Monaten klassischen Unterrichts aber so gut wie nichts.]
xxxxxUnd so war es gekommen, daß ich weder beim Gitarre spielen lernen [obwohl ich hin und wieder auch mal einen zuvor im Fernsehen (Beat-Club z. B.) gesehenen unbekannten Griff – meist jedoch ohne Erfolg – in meinem Zimmer zu rekonstruieren versucht habe] noch bei meinen 1971 einsetzenden Liederschreibversuchen auf Hilfe von anderen zurückgreifen wollte. Und weil ich auch von dem ganzen Theorie-„Kram“ nichts wissen wollte, bin ich beim Komponieren einfach nur meinen Instinkten gefolgt und habe irgendwelche Akkorde ausprobierend aneinandergereiht … und wenn sie mir gefielen, wenn das Resultat „rund“ zu sein schien, war es gut. Und wenn nicht, wurden halt andere Klangfolgen ausgetestet, bis es irgendwann dann „paßte“.
xxxxxUnd auch bei Gitarrengriffen habe ich häufig herumexperimentiert und einfach irgendwas zusammengebastelt – und wie diese neu entdeckten Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünfklänge dann geheißen haben oder in welchem musikalischen Verwandschaftsverhältnis sie zum vorausgegangenen Griff standen ist mir vollkommen egal gewesen. Und so habe ich eines Tages auch mal diesen Akkord hier entwickelt:

Ich hatte ihn als letzten Griff einer dreiakkordigen Schlußsequenz [bestehend aus E-Dur, gefolgt von E7/G# (in Tabulatur: 4-2-0-1-0-0) und endend mit obigem A7/9] für einen Blues in (der Tonart) A erwählt und damals keine Ahnung von seinem Namen gehabt oder davon, daß er eine perfekt aufeinander aufbauende vierfache Terzfolge beinhaltete.
xxxxxEine Terz ist der (Tonhöhen-)Abstand von zwei Tönen, die im Notenliniensystem als übernächste erscheinen. In der Stammtonreihe (c-d-e-f-g-a-h) wäre das z. B. der Abstand von c nach e, oder der von d nach f (usw.), wobei der Tonschritt von c nach e eine große Terz ist (= 4 Halbtonschritte), der von d nach f dagegen eine kleine Terz (= 3 Halbtonschritte). [Zur Erinnerung: ein Halbtonschritt entspricht dem Tonabstand von einem Bund auf der Gitarre.] Wenn du auf der Gitarre also den Ton c spielen würdest (egal auf welcher Saite) und dann 4 Bünde höher gingest, kämst du immer zum Ton e. Während vom Ton d aus 3 Bünde höher gegriffen immer der Ton f erklänge.

Eine Terz ist ein sogenanntes „Intervall“. Ein Intervall benennt den (Tonhöhen-)Abstand von zwei (beliebigen) Tönen. Ein Intervall ist in der Regel – mit Ausnahme der Prime und seiner Oktaven – ein „Zweiklang“.
xxxxxEin Intervall ist noch kein Akkord. Von „Akkord“ spricht man erst ab einem Dreiklang. Die bekanntesten Dreiklänge sind die Dur– und Mollakkorde.

Ein Durakkord besteht aus zwei aufeinandergesetzten Terzen, von denen die unterste eine große Terz ist und die darüberliegende eine kleine Terz. Diese Konstellation ergibt drei Töne, die dem 1., dem 3. und dem 5. Ton der dem Akkord seinen Namen gebenden Dur-Tonleiter entsprechen, welche man auch als 135-Gebilde notieren könnte, das seit mehreren Jahrhunderten aber nur Dur genannt wird. Und weil der Ton 1 dabei die Basis darstellt, auf der das gesamte Klanggebäudes errichtet wurde, wird ein Akkord auch immer nach diesem „Grundton“ benannt. Wenn der Grundton etwa ein c wäre, würde ein darauf errichteter Große-Terz-plus-kleine-Terz-Dreiklang ein „C1-3-5“ sein, gleichbedeutend mit „C-Dur„. / Und eine mit dem Ton d beginnende 1-3-5-Folge [die allerdings nicht mehr komplett aus den Tönen der Stammtonreihe bestünde] wäre nichts anderes als ein D-Dur(akkord).

Ein Mollakkord besteht ebenfalls aus zwei aufeinandergesetzten Terzen, die allerdings andersherum angeordnet sind, so daß zuunterst die kleine Terz liegt, und darüber die große. Was (da die beiden verschieden großen Terzen zusammengerechnet immer dasselbe Intervall ergeben – eine Quinte) logischerweise bedeutet, daß die Töne 1 und 5 bei (auf demselben Grundton errichteten) Dur- und Mollakkorden identisch sind und sich nur der Terzton geändert hat.
xxxxxEine große Terz wird mit der Zahl 3 angegeben, während eine kleine Terz als „b3“ notiert wird. [Das „b“ bedeutet, daß der nachgenannte Ton um einen Halbtonschritt erniedrigt gerechnet wird.] Ein Mollakkord besteht also aus den Tönen 1-b3-5, und ein Durakkord aus den Tönen 1-3-5. (Auch in meinen Griffdiagrammen sind die Einzeltöne aufgeführt!)

Der kleine Ton-Unterschied bei Dur- und Mollakkorden läßt sich sehr gut am E-Griff verdeutlichen, bei dem die große Terz (die 3) [siehe das Diagramm des Monats April] ja mittels des Zeigefingers im 1. Bund erzeugt wird. Und wenn ich den Zeigefinger nun wegnähme, würde diese Saite einen halben Ton tiefer klingen: würde aus der 3 also eine b3, aus der großen Terz eine kleine Terz und aus dem E-Dur ein e-Moll geworden sein.

Noch etwas Wichtiges zum Dreiklang:
xxxxxBeim Spielen von Dur- und Moll-Griffen werden auf der Gitarre in der Regel mehr als nur drei Saiten angeschlagen, doch bleibt der hörbare Akkord dennoch ein Dreiklang, weil sich seine drei verschiedenen Töne auf anderen Saiten einfach nur wiederholen (und keinen neuen vierten Ton oder so ergeben). Nehmen wir zur Erläuterung erneut den E-Dur-Griff, bei dem ja alle sechs Saiten angeschlagen werden dürfen:
xxxxxEs geht (vom tiefsten Baßton an gerechnet) mit der 1 los, gefolgt von der 5, dann kommt erneut die 1 (als Wiederholung in der Oktave), zur Abwechslung dann mal die 3, abermals die 5 (ebenfalls eine Oktave höher wiederholt), und am Ende ein weiteres Mal die 1 (insgesamt jetzt schon zwei Oktaven höher als die erste 1), was in Tönen notiert ein e-h-e-g#-h-e wäre. Der E-Dur-Dreiklang besteht also aus den Tönen e, g# und h.

Wer sich die Einzelton-Zahlen in obigem Diagramm aber mal genauer ansieht, wird feststellen, daß dabei nur ein einziger Ton wiederholt wird, unser Akkord des Monats also aus fünf verschiedenen Tönen besteht und demnach ein Fünfklang ist.
xxxxxDie Erweiterung eines Dreiklangs um (erst mal) einen vierten Ton sieht in der Praxis häufig so aus, daß auf die beiden Dreiklang-Terzen einfach noch eine weitere Terz gesetzt wird. Und während die als „Dur“ und „Moll“ bekannten Tonkombinationen 1-3-5 und 1-b3-5 im Akkordsymbolsystem nur mit einem Großbuchstaben (bei Dur) oder einem Großbuchstaben plus kleinem „m“ (m für Moll) dargestellt werden (also „A“ und „Am“ etwa), werden alle sonstigen (= nicht zum Dur- oder Moll-Dreiklang gehörenden) Töne in der Akkordbenennung als Zahlen notiert. Und diese Zahlen werden hochgestellt geschrieben, um auch optisch schon ihre Abweichung vom üblichen Dreiklanggebilde darzustellen oder so.

Unser heutiger, A7/9 geheißener Akkord des Monats [im Septemberbeitrag wird dann noch erklärt, weshalb dieser Griff auch (nur) A9 genannt wird] drückt durch das A also den A-Dur-Dreiklang 1-3-5 aus, und durch die hochgestellten Zahlen die zusätzlichen (Tonleiter-)Töne 7 und 9, so daß der gesamte Akkord also ein 1-3-5-7-9-Gebilde ist (was vier aufeinandergesetzte Terzen bedeutet) – doch beinhaltet diese Aussage leider eine kleine „Unwahrheit“, die von einer Unlogik in der Definition der Akkordsymbolzahlen hervorgerufen wird:
xxxxxWir haben ja bereits festgestellt, daß eine Terz ein Intervall ist und daß es zwei verschieden große Terzen gibt. Die große Terz wird auch als großes Intervall bezeichnet und die kleine Terz als kleines Intervall. Intervalle sind nach den lateinischen Ordnungszahlen benannt und ergeben sich aus der simplen Durchnummerierung der Stammtöne (c-d-e-f-g-a-h). Und weil die Tonwelt nach diesen 7 Stammtönen [die auch gleichzeitig die C-Dur-Tonleiter darstellen] ja nicht zu Ende ist, folgt als 8. Ton (nach dem h) ein weiteres c, als 9. ein weiteres d und so fort.
xxxxxDas Intervall von Ton 1 zu(m gleichen) Ton 1 [in der C-Dur-Tonleiter also von c zu c] heißt Prime,
das Intervall von Ton 1 zu 2 [c zu d] heißt Sekunde,
das von Ton 1 zu 3 [c zu e] = Terz,
von Ton 1 zu 4 [c zu f] = Quarte,
von Ton 1 zu 5 [c zu g] = Quinte,
von Ton 1 zu 6 [c zu a] = Sexte,
von Ton 1 zu 7 [c zu h] = Septime,
von Ton 1 zu 8 [c zu c] = Oktave,
von Ton 1 zu 9 [c zu d] = Noneund hier breche ich mal ab, weil wir obigen A7/9-Akkord damit ausreichend erklären können.
xxxxx[P.S.: Intervalle können natürlich von jedem beliebigen Ton aus
gebildet und gerechnet werden.]

Und jetzt wird’s leider noch mal etwas komplizierter:
xxxxx
Außer großen und kleinen Intervallen gibt es auch noch eine dritte Intervall-Art, die sogenannten reinenIntervalle, die nur eine einzige Größe haben und nicht in „groß“ und „klein“ unterteilt werden können.
xxxxxDie reinen Intervalle sind in obiger Aufzählung rötlich eingefärbt [Prime, Quarte, Quinte und Oktave], während alle anderen [die „grünen“ Intervalle Sekunde, Terz, Sexte, Septime und None] sowohl in großer als auch in kleiner Form existieren. Die kleinen Intervalle werden b2, b3, b6, b7 und b9 geschrieben und sind jeweils um einen Halbtonschritt kleiner als ihre „großen Vettern“, welche durch einfache Zahlen (2, 3, 6, 7 usw.) als große Intervalle definiert werden. [Die reinen Intervalle werden auch nur mit einfachen Zahlen angegeben.]

Und jetzt kommt das Unlogische:
xxxxxDie Regel, daß große Intervalle (im Akkordsymbolsystem) stets durch einfache Zahlen angegeben werden gilt (aus mir absolut unerfindlichen Gründen) leider NICHT für die Zahl „7, die in diesen Fällen nämlich immer eine kleine Septime bedeutet – während die Intervallbezeichnung für eine kleine Septime doch „b7“ lautet und unser A7/9-Akkord deshalb also ein 1-3-5-b7-9-Gebilde darstellt (wie in der Diagrammzeichnung auch korrekt wiedergegeben).
xxxxx[Diese Unlogik kann man nicht verstehen, die muß man einfach nur ohnmächtig hinnehmen.]

Das in meinen Augen aber wirklich Besondere an obigem A7/9-Griff ist, daß er den einzigen auf der Gitarre spielbaren [ich habe zumindest noch keinen anderen entdeckt!] Dur7/9-Akkord darstellt, bei dem alle vier Terzen in ihrer natürlichen Noten-Reihenfolge erklingen und die schön aufgeräumte Tonleiterschrittfolge 1-3-5-b7-9-5 ergibt.
xxxxx[Zum Vergleich hier kurz mal ein E7/9 (in Tabulatur „0-2-0-1-3-2“), dessen Tonleiterschritte mit
1-5-b7-3-b7-9 doch deutlich krummer erscheinen.]
.

Abschließende Akkord-Pointe:
xxxxxIrgendwann, als ich die Töne dieses A7/9-Griffes mal langsam nacheinander habe erklingen lassen, erinnerten sie mich plötzlich an eine Melodie, die mir total vertraut vorkam. Und nach wenigen Augenblicken wußte ich auch wieder, woher ich diese kannte.
xxxxxIn den guten alten Zeiten des Deutschen Fernsehens gab es – heute absolut unvorstellbar! – zwischen einzelnen Sendungen (falls diese nicht gerade zufällig die perfekte Länge hatten) nämlich einfach Pausen. Und diese Pausen sind nicht – wie heute üblich – mit Werbung gefüllt wurden, sondern mit einfach nur Warten. Und um dieses Warten ein wenig unterhaltsamer (oder so) zu gestalten, ist es durch akustische Pausenzeichen aufgelockert worden, während auf dem Bildschirm nur das Logo des jeweiligen Senders zu sehen war. Ich erinnere mich z. B. noch an eine weibliche Stimme, die aus dem Off verkündete: „Zur Fortsetzung des Programms schalten wir um nach Hamburg.“ Dann folgten ein paar Sekunden Stille, bevor schließlich eins von diversen Pausenzeichen erklang. Danach gab’s dann wieder Stille (bestimmt 10 Sekunden lang), bevor dieses Pausenzeichen wiederholt wurde, gefolgt von erneut Stille und der nächsten Klangwiederholung usw. Und manchmal hat das Ganze (bevor es mit einer Programmvorschau oder der erwarteten Sendung weiterging) auch etwas länger (als nur 1 Minute oder so) gedauert. Tja, das waren noch Zeiten, als man offenbar noch Zeit hatte.
xxxxxUnd wenn ihr mal das (in meinen Ohren „berühmte“) NDR-Pausenzeichen [sogar in der korrekten Tonart!] auf der Gitarre nachspielen wollt, müßt ihr nur den A7/9-Griff nehmen, langsam nacheinander die ersten 5 Saiten anschlagen, und zum krönenden Abschluß noch zweimal den im 17. (sic!) Bund gegriffenen Schlußton auf der letzten Saite zu Gehör bringen. Was grifftechnisch tatsächlich möglich ist, wenn ihr, während der 5. Ton auf der vorletzten Saite erklingt, die linke Hand wegnehmt und rasch nach oben führt. Und dieser doppelte Schlußton ist ein „a“, das erstaunliche 3 Oktaven höher liegt als der Startton dieser kleinen Pausen-Melodie. – Und so viel zum Akkord des Monats Mai im Juni.

.
Abschließende Schulzeit-Pointe:
xxxxxDas letzte Mal, daß ich die Schulbank gedrückt habe (um doch noch – wenn auch letztlich erneut vergeblich – die Mittlere Reife zu erlangen), ist 1972 auf dem Abendgymnasium Zimmermann in Duisburg gewesen. Die zu bewältigenden Fächer waren Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Englisch, Lateinisch, Geschichte und Deutsch. Und als in Deutsch dann die erste Klassenarbeit anstand, erinnerte ich mich natürlich auch an meine alten Versagensängste beim Aufsatzschreiben und an die wenig erfolgreichen Versuche, mich bei diesen Aufgaben an bestimmte „Literatur-Regeln“ zu halten; und so hielt ich einen Augenblick inne … und beschloß, dieses scheiß Einleitung-Hauptteil-Schluß-Dings diesmal komplett zu vergessen und einfach so zu agieren, wie mein Instinkt es mir einflüsterte. Und als wir die Arbeiten dann zurückbekamen, hatte ich eine glatte 2 – die beste Note, die ich jemals in Deutsch seit meinem ersten Jahr auf dem Gymnasium bekommen hatte.
xxxxxUnd das bestärkte mich in dem Glauben daran [auch wegen meiner damals unübersehbaren Fortschritte als Gitarrenspieler und Liederschreiber], daß es richtig sei, nicht nur an althergebrachten starren Regeln festzuhalten, sondern immer auch auf die (und sei sie noch so klein und schüchtern) eigene, innere Stimme zu achten. Und knapp zwei Jahre später habe ich mein erstes „literarisches“ Werk in Form eines fotokopierten Heftchens mit fünf kleinen Geschichten (in einer Auflage von 20 Exemplaren) herausgebracht.


Der Akkord des Monats Juni (5/13)

Wie jetzt, der Juni-Akkord im Mai?

[Jau, weil ich mit dem Mai-Text leider nicht rechtzeitig fertig geworden bin und deshalb einfach den bereits im Winter verfaßten Juni-Beitrag vorgezogen habe. Die Mai-Sache wird dann im Juni rauskommen. / Denn „das stört keinen großen Geist“, wie Karlsson vom Dach des öfteren zu sagen pflegte.]
x

Der heutige Akkord des Monats ist ein absolut magischer Griff. Und magische Griffe gelingen nur mittels Magie, und weil ich diese hohe Kunst nur sehr ungenügend beherrsche, vermag ich den diesmonatigen Gitarrengriff leider auch nicht wie gewohnt aufzuzeichnen. Doch bin ich zumindest in der Lage, euch ein Beispiel für die Wirksamkeit eines dieser Wundergriffe zu geben, da es in den vergangenen 100 Jahren glücklicherweise hin und wieder mal gelungen ist, einen dieser besonderen Momente auf Zelluloid oder anderes Filmmaterial zu bannen.

Wie zum Beispiel in der sechsten Minute des 1953 entstandenen amerikanischen CinemaScope-Westerns „River of No Return“, als Marilyn Monroe ins Bild kommt, eine von einem aufmerksamen Jungen [der sich später als Sohn von Robert Mitchum herausstellt] gereichte Gitarre entgegennimmt, sich – um gleich zu Beginn schon den guten Kern ihres ansonsten doch eher liederlich gezeichneten Filmcharakters zu dokumentieren – kurz aber liebevoll bei ihm bedankt, unter kräftigem Applaus des erwartungsvollen Goldgräber-Publikums die Stufen zur Bühne eines geräumigen Zelt-Saloons hinaufsteigt, kokett in ihrem „Lotter“-Kostüm – die begehrlichen Blicke der Männer mit einer Mischung aus Selbstsicherheit und Arroganz zurückgebend – zu einer das Dach stützenden Zeltstange schlendert um sich, einen Fuß auf einen bereitstehenden Hocker setzend und dabei ein wohlgeformtes, durch den Schlitz im Kleid prächtig ins Blickfeld gerückte Bein präsentierend, daran zu lehnen, die Gitarre auf dem schwarzbestrumpften linken Oberschenkel in Position bringt, sich – während es rundherum ganz still geworden ist – ein Sekündchen lang konzentriert, den Kopf dann mit dem ersten Akkordanschlag effektvoll zurückwirft und in dieser vollkommenen Star-Pose ein träumerisch-wehmütiges „One Silver Dollar“ zu singen beginnt. [Was man sich auch auf YouTube ansehen kann.]
xxxxxUnd gleich beim ersten Griff [auf einer übrigens einen halben Ton tiefer als üblich gestimmten Gitarre] zeigt sich schon Marilyns außergewöhnliche Meisterschaft: wie die Finger ihrer linken Hand ohne jegliche Mühe den Grundstein für einen perfekten D-Dur-Dreiklang legen [ohne daß der normalerweise dazu verwendete und bereits als Akkord des Monats Januar gewürdigte Griff auch nur ansatzweise bemüht werden müßte], gefolgt von einem nicht minder makellosen F#7-Akkord, für den die Künstlerin ihren vorausgegangenen Griff nur minimal zu verändern brauchte. Und zum Zeitpunkt des vierten Akkordes hat sich die von Marilyn erschaffene Magie bereits so vollkommen entfaltet, daß von da an ganze sechseinhalb Takte lang vollendete F#m-, G-, G6-, Hm- und A-Dur-Klänge ertönen, ohne daß dafür die allerkleinste Griffkorrektur nötig gewesen wäre. Was für ein beeindruckendes Kunststück!

Aber genau für derart erstaunliche Leistungen ist Magie schließlich erfunden worden, und weil Magier ihre Tricks ja bekanntlich nicht verraten, werden diese besonderen Griffe sich wohl auch in Zukunft den Faßlichkeiten von uns normalsterblichen Gitarrenspielern entziehen. Was vielleicht aber auch ganz gut so ist, da wir uns deshalb wenigstens zugute halten können, unsere eigenen Fähigkeiten über Jahre hinweg in ungezählten Übungseinheiten redlich erworben zu haben / während wir (an Harry-Potter-Lektüre oder so orientiert) lediglich spekulative Vermutungen darüber anzustellen vermögen, welche Art von Anstrengungen [denn von nichts kommt nichts] es solch übermenschlich scheinende Wesen wie Marilyn Monroe gekostet haben dürfte, bis sie endlich die perfekt anmutende Fertigkeit errungen hatten, uns mit formvollendeten Wundern wie dem Akkord des Monats Juli z. B. bezaubern zu können.

P.S.: Am Tag der Veröffentlichung dieses Beitrags [welcher ja der 1. Juni 2021 hatte werden sollen] wäre Marilyn Monroe 95 Jahre alt geworden!


Mein Cousin oder 1 Jahr Corona-Krise und (eine zweite) seine(r) Folgen

Wenn die Corona-Pandemie nicht gekommen wäre, hätte ich meine VHS-Gitarrenkurse nicht an den Nagel gehängt.

Wenn ich die Gitarrenkurse nicht an den Nagel gehängt hätte, hätte ich nicht ausnahmsweise auch mal wieder Privatunterricht gegeben: dem übungsfleißigsten Schüler meines zwangsabgebrochenen letzten Semesters. (Natürlich mit Schutzmasken und Abstand.)

Wenn ich Jürgen keinen Privatunterricht gegeben hätte, hätten wir uns nicht auch mal über andere Themen als Gitarre spielen unterhalten.

Wenn wir uns nicht über andere Themen unterhalten hätten, hätten wir nicht festgestellt, daß mein Urgroßvater und sein Ururgroßvater dieselbe Person gewesen ist.

Wenn die Corona-Pandemie nicht gewesen wäre, hätten wir nie erfahren, daß wir miteinander verwandt sind.

Life is what happens to you while you’re busy making other plans.
xxxxxJohn Lennon, Beautiful Boy (Darling Boy), 1980


Der Akkord des Monats April (4/13)

Der erste Teil meines heutigen Beitrags stellt einen größeren Ausflug in die Welt der Musiktheorie dar. Wenn ihr an so was jedoch nicht interessiert sein oder meine Ausführungen für zu kompliziert halten solltet, könnt ihr auch gleich zur roten Stelle springen, wo es dann erst mit dem Akkord losgeht.

x
Es gibt jede Menge Songs, die mit nur drei verschiedenen Akkorden auskommen, und auch in meinem Anfängerkurs habe ich diese Akkordanzahl pro Lied nicht überschritten. In den ersten 5 Wochen hatten wir es (bei 3 verschiedenen Liedern) mit den Griffen D, G und A zu tun [das nur vorbereitende G6 jetzt mal nicht mitgerechnet], die zur Tonart D-Dur gehören. Außer dieser D-Dur-Tonart gibt es aber auch noch 11 weitere Dur-Tonarten.

In der Musik stehen uns insgesamt 12 verschiedene Töne zur Verfügung, die sich ab dem 13. Ton (der „Oktave“) namentlich wiederholen. [Ton #13 heißt wieder wie Ton #1, Ton #14 wieder wie Ton #2 usw.] Und auf jedem dieser 12 Töne kann eine eigene Dur-Tonleiter errichtet werden, und zu jeder dieser Tonleitern gehören jeweils ganz bestimmte Akkorde.

Die 12 Töne c, cis, d, dis, e, f, fis, g, gis, a, ais und h sind jeweils einen Halbtonschritt voneinander entfernt [ein Halbtonschritt entspricht einem Bund auf der Gitarre]. Für eine Dur-Tonleiter werden allerdings nicht nur Halbtonschritte (H) sondern auch Ganztonschritte (G) benötigt [2 Halbtonschritte = 1 Ganztonschritt]. Die Schritte einer Dur-Tonleiter [Moll- und andere Tonleitern haben andere Schrittfolgen] sind immer gleich: GGHG G G H, was (vom frei wählbaren Start-Ton an gerechnet) die Töne 1, 3, 5, 6, 8, 10, 12 und 13 (der letzte bildet die Oktave und heißt wieder wie der Anfangs-Ton) ergibt. In der C-Dur-Tonleiter wären das die Töne c, d, e, f, g, a, h und c, was den nur weißen Tasten auf dem Klavier entspricht. [Diese „weißen“ Töne (auch „Stammtöne“ genannt) sind übrigens auch die einzigen, die im Notensystem zur Verfügung stehen. So daß man, um auf die schwarzen Klaviertöne zu gelangen, beim Notenschreiben mit sogenannten Vorzeichen arbeiten muß: mit Kreuzchen (#) oder Bes (b). Durch das Vorsetzen eines # wird der Ton dieser Note um 1 Halbtonschritt erhöht, und per b um 1 Halbtonschritt erniedrigt.] Eine Dur-Tonleiter besteht also aus 7 namentlich verschiedenen Tönen, bevor sie mit der Oktave (dem 8. Ton) abgeschlossen wird.

Wenn man eine beliebige Dur-Tonleiter nimmt, kann man aus deren Tönen mehrere Dur- und mehrere Moll-Akkorde bilden.
xxxxxDur- und Moll-Akkorde entstehen, wenn zwei Terzen aufeinandergesetzt werden, was einen sogenannten „Dreiklang“ ergibt, da dieser Akkord aus insgesamt drei verschiedenen Tönen besteht. / Und eine Terz wird erzeugt, wenn ich einem beliebigen Ton der Dur-Tonleiter noch den übernächsten Ton hinzufüge.
xxxxxIch bekäme also einen Dreiklang, wenn ich die Dur-Tonleiter-Töne 1-3-5 nähme, oder die Töne 2-4-6 oder 3-5-7 und so weiter. Jeder neue Dreiklang wäre auf einer anderen Stufe der Tonleiter errichtet [in obigen Beispielen auf der 1., auf der 2. und auf der 3. Stufe], weshalb man hier auch von Stufendreiklängen spricht.

Ein Dur-Akkord besteht aus zwei aufeinandergestapelten Terzen, von denen die erste (unterste) eine große Terz ist [= 2 Ganztonschritte umfassend] und die zweite eine kleine Terz [= 1 Ganzton- und 1 Halbtonschritt]. Bei einem Moll-Akkord ist es genau umgekehrt: da wird zuerst die kleine Terz genommen und darauf eine große Terz gesetzt. [Mehr zu Terzen im nächsten Monat.]

Die Stufendreiklänge auf der 1., auf der 4. und auf der 5. Stufe einer Dur-Tonleiter ergeben stets Dur-Akkorde (die sogenannten „Hauptdreiklänge“).
xxxxx[Nebenbei: Der Dur-Akkord auf der 1. Stufe wird auch Tonika genannt (was ich im Anfängerkurs ein wenig bildhafter als den „Zu-Hause-Akkord“ bezeichnet habe: von dem aus man (in den allermeisten Fällen) ein Lied beginnt, und zu dem man (fast immer) mit dem Schlußakkord (nach zuvor bereits einigen Zu-Hause-Zwischenstopps) auch wieder zurückkehrt), der auf der 4. Stufe auch Subdominante, und der auf der 5. Stufe auch Dominante. / So daß man (in einer Band zum Beispiel) auch über die Akkorde eines Musikstücks reden kann, ohne immer deren ja nur für diese eine Tonart gültigen Namen (wie D-Dur oder G-Dur etc.) angeben zu müssen. Wenn ich irgendein Lied in mal einer anderen Tonart spielen wollte, würden sich die Namen der benötigten Begleit-Akkorde ändern, die Begriffe Tonika, Subdominante und Dominante dagegen gleichbleiben, weil es sich ja wieder um (nur diesmal in einer anderen Tonart verwendet) dieselben Stufendreiklänge handelt.]
xxxxxDie Stufendreiklänge auf der 2., auf der 3. und auf der 6. Stufe (einer Dur-Tonleiter) ergeben immer Moll-Akkorde (die sogenannten „Nebendreiklänge“). [Und auf der 7. Stufe entstünde, wegen dort zwei aufeinanderliegenden kleinen Terzen, noch ein weiteres Akkordgebilde, das weder Dur noch Moll wäre. / Mehr zu diesem etwas aus der Rolle fallenden Dreiklang dann im Dezember-Beitrag.]
xxxxxUnd wenn ich beispielsweise nun die Hauptdreiklänge aus den Tönen der D-Dur-Tonleiter bilden wollte, würde auf der 1. Stufe ein D-Akkord entstehen, auf der 4. Stufe ein G-Akkord und auf der 5. Stufe ein A-Akkord. Und deshalb passen diese drei Akkorde (die ersten meines Anfängerkurses) auch so gut zusammen, da sie ja alle demselben Tonleiter-Material entstammen. [Und aus ebendiesem Tonmaterial (oder seiner Moll-Variante) besteht bei fast allen Liedern auch die Gesangsmelodie – so daß es nicht verwundern sollte, daß ein gesungener Ton in Verbindung mit dem ihn unterstützenden Gitarrengriff ein harmonisch wohlklingendes Ganzes erzeugt, weil dieser Gesangston in den meisten Fällen auch in dem zeitgleich erklingenden Begleitakkord enthalten ist. – Und beim Liederschreiben wählt man – um es vereinfacht auszudrücken – dann entweder einen passenden Akkord [und es gibt in jeder Ton-Situation mehr als nur einen einzigen annehmbaren] zum Melodieton, oder sucht den Melodieton danach aus, daß er zum vorher auserkorenen Begleitakkord paßt.]

Im meinem Anfänger-Gitarrenkurs habe ich mich bei den ersten 3 Liedern (während der ersten 5 Wochen) ja nur in einer einzigen Tonart (D-Dur) aufgehalten, doch hätte ich diese 3 Lieder auch in irgendeiner (oder mehreren) anderen Dur-Tonart(en) spielen können. Es würde (andersrum gesehen) aber auch möglich sein, alle „Dur-Lieder“ der Welt [das „Dur“ betone ich deshalb so ausgiebig, weil es auch Lieder in Moll-Tonarten gibt] in nur einer einzigen Tonart zu spielen. Und es gibt tatsächlich Liederbücher, die genau diesem Gedanken gefolgt sind.
xxxxxDer Vorteil von nur einer einzigen benutzten Tonart wäre, daß man es (bei normalen Liedern) immer mit denselben (meistens 3 bis 6 verschiedenen) Griffen und deshalb auch immer mit denselben Griffwechseln zu tun bekäme, die man deshalb etwas früher beherrschen dürfte, als wenn man (bei einer größeren Anzahl von Tonarten) immer wieder mit neuen Griffen und neuen Griffwechselfolgen arbeiten müßte.
xxxxxDer Nachteil wäre, daß man keine alternative Tonart kennenlernt. Und eine solche würde man beispielsweise brauchen können, wenn die Gesangsmelodie an irgendeiner Stelle mal zu hoch oder zu tief wäre.

Ein Sänger hat nur das eine ihm von der Natur mitgegebene Stimmband-Paar im Kehlkopf zur Verfügung, und wenn die Gesangsmelodie eines Liedes (in einer bestimmten Tonart) über die Bandbreite der Tonerzeugungsmöglichkeiten der Stimmbänder dieses Sängers [welche sich durch eine richtige Gesangsausbildung allerdings auch noch ein klein wenig vergrößern ließe] hinausgehen, kann man das Lied (für einen schönen Vortrag) leider vergessen. Zumindest für den Moment. Denn wenn der Bereich der bei diesem Lied beispielsweise zu hohen Töne im unteren Tonumfang der Gesangsstimme noch leer, also vorhanden, nur noch nicht genutzt ist, könnte man die gesamte Melodie einfach tiefer legen, so daß die höchste Melodiestelle danach nun (wenn alles weit genug versetzt worden ist) nicht mehr zu hoch wäre und sich das Lied also doch – nur in einer anderen (in unserem Beispielsfall also tieferen) Tonart – singen ließe. Doch dazu benötigten wir als begleitende Gitarristen die Akkord-Kenntnisse von mindestens einer zweiten Tonart.

Kleines Zwischen-Fazit:
xxxxxEin Lied kann also nicht nur in einer einzigen Tonart gespielt (und gesungen) werden, sondern in allen, die es gibt: also in 12 verschiedenen Dur-Tonarten, oder (bei einem „Moll“-Song) in 12 verschiedenen Moll-Tonarten! Und zu jeder neuen Tonart gehören eigene Akkorde (in der Regel die auf den Tönen der Dur-Tonleiter errichteten Stufendreiklänge). So daß für jede neue Tonart auch neue Gitarrengriffe benötigt und erlernt werden müssen; aber – und das ist das wichtige – auch die Tonhöhe der Gesangsmelodie ändert sich bei jeder neuen Tonart und stellt somit für den Sänger – der seine Stimmbänder bei zu hohen oder zu tiefen Tönen ja nicht einfach austauschen kann – eine manchmal äußerst willkommene Alternative dar. Und je mehr verschiedene Tonarten wir als Gitarrenspieler draufhaben, desto mehr können wir dem Sänger die Wahl seiner „perfekten“ Tonart ermöglichen. [Und wenn die für den Sänger optimale Tonart für den ihn begleitenden Gitarristen noch nicht spielbar ist, muß man entweder warten, bis dieser sich die dazu benötigten Griffe oder Spielweisen draufgeschafft hat – oder muß sich einen versierteren Gitarristen suchen. / Oder umgekehrt: Wenn der Gitarrist (beim nur in Originaltonarten möglichen 1:1-Nachspielen von Songs etwa) auf „seiner“ Tonart besteht, der Sänger dann aber mit für ihn zu hohen oder zu tiefen Tönen zu kämpfen hat, muß man entweder auf dieses Stück verzichten – oder sich einen anderen Sänger mit größerem Stimmumfang suchen.]

Es kann für einen Sänger allerdings nicht die für alle Songs passende eine „perfekte“ Tonart geben, weil die Spannweite der Melodieführung (der Bereich des Abstandes vom höchsten zum tiefsten Gesangston) bei verschiedenen Liedern ja unterschiedlich und nicht immer gleich groß ist.
xxxxx[Bei „This Land Is Your Land“ etwa, meinem dritten Lied im Anfängerkurs, beträgt der Abstand vom tiefsten zum höchsten Ton nur eine Quarte, was gleichbedeutend mit dem Bereich der ersten 4 Töne einer Dur-Tonleiter ist. Beim vorherigen Kurs-Lied („Go Tell It On The Mountain“) mußte man gesanglich dagegen schon eine None (einen 9-Ton-Abstand) bewältigen, was die Anzahl der gut singbaren Tonarten für diesen Song schon deutlich geringer gemacht hat.]
xxxxxWenn ich selbst irgendein Lied nachspielen möchte, interessieren mich die darin enthaltenen Akkorde erst mal überhaupt nicht, weil ich als erstes nämlich herauszufinden habe, ob die Melodie in dieser Tonart für meine Gesangsstimme überhaupt geeignet ist. Und falls dem nicht so ist, wird der Song bei für mich zu hohen Gesangstönen einfach tiefer und bei zu tiefen Gesangstönen einfach höher gelegt, was in der Fachsprache „transponieren“ heißt. Und weil ein Sänger seinen eigenen Stimmbereich genau kennen sollte, könnte er bei Ansicht der Noten einer Melodie durchaus schon sagen, um welches „Intervall“ [ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen] er dieses Lied in welche Richtung (bei zu hohen Tönen nach unten, bei zu tiefen Tönen nach oben) verschieben müßte, um es für sich singbar zu machen. / Und erst, wenn das geklärt ist, beginnen mich die Akkorde des Liedes zu interessieren.
xxxxxÜbrigens: Nur, weil ein Lied in einem Liederbuch in der Tonart „x“ steht, heißt das noch lange nicht, daß dieser Song auch im Original in der Tonart „x“ gestanden hat, sondern womöglich nur, daß der Autor des Liederbuches dieses Lied in der von ihm gewählten Tonart „x“ für allgemein besser (als in der Original-Tonart) singbar gehalten oder es nur in die Tonart „x“ transponiert hat, um so andere (vielleicht einfachere) Begleit-Griffe (als in der Originalaufnahme) für sein Buch zu bekommen. Deshalb kommt es auch vor, daß ein und dasselbe Lied in verschiedenen Büchern in verschiedenen Tonarten steht.

[Und nun nähern wir uns (auch wenn ihr’s vielleicht kaum noch für möglich gehalten haben solltet) doch noch dem Ende des diesmonatigen Ausflugs in die Welt der Musiktheorie.]
xxxxxAls ich nach den ersten 5 Wochen des Anfängerkurses (mit bis dahin ausschließlich Liedern in der Tonart D) mal eine neue Tonart vorstellen wollte, hatte ich die Wahl zwischen gleich 11 verschiedenen. Da bei mehr als der Hälfte davon die drei dazugehörenden Griffe (die Hauptdreiklänge) für meine Schüler aber noch vollkommen unbekannt gewesen wären, war es natürlich klüger, eine Tonart zu wählen, für die man nur einen einzigen neuen Griff lernen mußte (während die anderen beiden in der neuen Tonart vorkommenden Griffe schon von der alten Tonart her bekannt wären). Also kamen nur noch zwei Tonarten in Frage: A-Dur- und G-Dur. Weil die G-Dur-Tonart aber noch zu schwer war (und deshalb auch erst in meinem zweiten Kurs zum Zuge gekommen ist), hatte ich mich logischerweise für die neue Tonart A-Dur entschieden, zu der neben den Akkorden A und D auch noch der neue Griff E-Dur gehört:

Mit dem E-Dur-Akkord ist – nach zuvor bereits erlerntem D, A und G – in der sechsten Stunde meines Anfängerkurses also der vierte Griff vorgestellt worden, mit welchem das Akkorde-Soll des Kurses eigentlich schon erfüllt war [lediglich Am (für nur eine Stunde) und H7 (in den letzten beiden Kursstunden) sind später noch als „Bonus“ hinzugekommen]. Denn mit der Kenntnis unserer nur vier Griffe sind ja schon zwei verschiedene Tonarten spielbar gewesen, was [wie weiter oben schon erläutert] auch eine gesangliche Alternative für Teilnehmer mit anderer Stimmlage bedeutet hat. Um diesen wichtigen Umstand aber auch jedem meiner Schüler in aller Ruhe unmißverständlich klarmachen zu können, habe ich eine Woche nach der Einführung des E-Dur-Griffs dann mal eine reine Theoriestunde abgehalten, in der es vor allem darum ging, den Sinn und die Technik des Transponierens zu erklären.
xxxxx[Mit „transponieren“ ist das Umschreiben eines Liedes von einer Tonart in eine andere gemeint, wobei sich neben dem Tonhöhenbereich der Gesangsmelodie auch sämtliche Begleitakkorde ändern. Der Zu-Hause-Akkord der ursprünglichen Tonart wird dabei zum (aus einem anderen Griff bestehenden) Zu-Hause-Akkord der neuen Tonart, und auch die übrigen Akkorde werden jeweils gegen ihr Pendant (aus der neuen Tonart) ausgetauscht.]

xxxxxUnd nachdem bis hierhin alles mehr oder weniger nur eine ausschweifende Erklärung dafür gewesen ist, weshalb der 4. Griff in meinen Gitarrenkursen ein E-Dur und nichts anderes zu sein hatte, folgen nun also doch noch ein paar pelikanesische Gedanken zum Akkord des Monats E-Dur:

In meinen Anfängerkursen ist es regelmäßig vorgekommen, daß obige Griffbildzeichnung in der „Endlich was Neues“-Aufregung nicht exakt genug „gelesen“ worden ist, was zur Folge hatte, daß einige Schüler die Finger beim ersten E-Greifversuch in einer geraden (Z-M-R-)Reihe [ähnlich wie beim A-Griff, nur (mit etwas verdrehterem Handgelenk) in eine andere Richtung gehend] aufgesetzt haben, bei der der Zeigefinger (Z) zwar korrekt auf der 4. Saite von oben lag [bei Verständnisproblemen in bezug auf das oben und unten im Akkord-Diagramm siehe den einleitenden Abschnitt meines Februar-Beitrags], es danach aber falsch weiterging: mit dem M auf der darüberliegenden Saite [in einer Diagramm-Ansicht also auf der darunterliegenden!] und dem R zum Abschluß auf der 2. Saite von oben.
xxxxxDas Akkord-Diagramm zeigt aber, daß beim E-Griff nicht der R sondern der M am weitesten oben plaziert werden soll, was die Fingerhaltung [im Gegensatz zu der etwas „eleganteren“ Linie beim So-soll-man’s-nicht-machen-Beispiel] zwar etwas „ungerader“ aussehen läßt, vom Greifgefühl her aber doch „normaler“ gestaltet. Denn weil der M der längste Finger an der Hand ist, kann er natürlich auch am leichtesten den weitesten Weg bewältigen. Außerdem mutet der Fingerkrümmungsgrad des M/R-Paars dann auch viel natürlicher als bei der falsch gegriffenen „Linie“ an, was auch ein (für die Zukunft angestrebtes) gleichzeitiges Aufsetzen dieser M/R-Kombination [bei den Griffen E, Em und Am zum Beispiel] erleichtern wird.

Obwohl ich im Gitarrenkurs zwei Wochen zuvor schon (bei der Einführung des G-Akkordes) die „Pelikanesische Regel“ aufgestellt hatte, daß beim Akkorde greifen immer der am weitesten oben benötigte Finger zuerst aufgesetzt werden müsse [um einerseits die (bei bestimmten Zupf- und Anschlagtechniken zuerst benutzten) Baßsaiten (auch zuerst) abgedeckt zu haben, sowie andererseits die dabei in der Regel zum Einsatz kommenden schwächeren Finger (M + R) durch diese gezielten Bewegungen besonders zu trainieren und für auch andere Aufgaben zu stärken – siehe auch die Erklärungen zu diesem Thema im Januar- und März-Beitrag], haben fast alle meine Schüler beim ersten E-Greifversuch doch wieder mit ihrem sichersten Finger, dem Z, begonnen. Was aber auch erklärlich ist, da dieser E-Akkord ja der allererste Griff in meinem Kurs gewesen ist, bei dem der Zeigefinger (im Gegensatz zum Vorgehen bei den D- und A-Griffen) nicht zuerst aufgesetzt werden durfte.
xxxxxWenn ich nun aber das Zeigefinger-zuerst-Aufsetzen beim E-Dur-Greifen [und auch bei späteren Griffen wie C, Am und Dm] zugelassen hätte [wie ich es in meinen ersten Gitarrenlehrerjahren tatsächlich getan habe, weil ich es damals einfach noch nicht besser wußte], würde das zu einem bleibenden Abhängigkeitsverhältnis der schwächeren Finger von den sichereren Fingern führen [à la: der M läßt sich nur dann sicher aufsetzen, wenn der Z bereits liegt / und der R nur dann sicher, wenn Z oder M bereits liegen], was negativerweise nämlich dazu beitrüge, daß es – ob der nicht erfolgten Finger-Emanzipation – wesentlich [und ich rede hier von mindestens Monaten!] länger dauern würde, bis die Finger beim Akkorde greifen schließlich auch mal gleichzeitig (ohne daß ein schwächerer Finger immer leicht hinterherhinkt) aufgesetzt werden könnten.

Aber auch wenn meine Schüler meinen Ratschlägen zu folgen gedachten, ist es für einige nicht leicht zu verstehen gewesen, weshalb es nicht einmal beim Akkordwechsel von D nach E gestattet war, mit dem Zeigefinger zu beginnen. Obwohl das doch so einfach wäre, weil der Z ja schon auf der richtigen Saite lag und nur noch vom 2. in den 1. Bund zurückgeschoben werden müßte. Mein Gegenargument ist wieder die Verminderung der Abhängigkeit der schwächeren Finger vom Zeigefinger gewesen, das ich mit einem Beispiel aus meinen Kursen untermauert habe:

In den ungefähr ersten anderthalb Jahrzehnten meiner 1984 begonnenen Tätigkeit als VHS-Gitarrenlehrer [als ich noch nicht verstanden hatte, wie kontraproduktiv das Zeigefinger-zuerst-Aufsetzen bei Gitarrenspielanfängern war] hatten meine Schüler einfach greifen dürfen wie sie wollten. Was dazu geführt hatte, daß so gut wie alle Teilnehmer beim Akkorde greifen [mit Ausnahme des G-Griffs natürlich] immer mit dem Zeigefinger (weil das halt am leichtesten ging) begonnen haben. So auch beim E-Dur greifen, und – vom D kommend – mit dem „schicken“ Z-Runterrutschen auf der G-Saite.
xxxxxIm 2. Kurs ist mein erstes Lied früher (genau wie heute, bzw. vor 14 Monaten) „Lady In Black“ gewesen, das mit nur zwei Akkorden auskommt: dem (für die Kursteilnehmer) neuen Griff Em [ich hatte den Song zur besseren Singbarkeit von a-Moll nach e-Moll transponiert] und dem altbekannten D-Akkord. Mir war in den 80ern bestimmt auch schon mal aufgefallen, daß etliche Schüler beim Lady-In-Black-Wechsel von D nach Em einige Schwierigkeiten hatten, doch war ich damals deswegen höchstens etwas verwundert (ohne mir schon weitreichendere Gedanken darüber zu machen). Schließlich (deshalb die Verwunderung) war der Em-Griff, wie ich fand, doch eigentlich superleicht, da man ja nur ein (seit Monaten bekanntes) E-Dur ohne Zeigefinger zu greifen brauchte. Aber genau da lag der Haken – wie ich irgendwann (vermutlich um die Jahrtausendwende herum oder so) erkannte [als ich das Gitarrenunterrichtgeben nicht mehr nur als reinen Geld-verdien-Job ansah sondern wirklich ernst zu nehmen begonnen hatte].
xxxxxMeine Leute sind es früher ja gewohnt gewesen, beim zum E-Dur gehen mit dem Zeigefinger zu beginnen, so daß die nachfolgenden Finger (M + R) dann (im Z) einen Dreh- und Angelpunkt besaßen, der ihnen beim Em-Greifen einfach fehlte. Außerdem hatten sie ja eigentlich noch nie (außer beim G-Griff) die schwächeren M und R zuerst aufzusetzen gehabt, so daß diese Finger noch keinerlei selbständige Sicherheit besaßen. Und manchmal mußte ich sogar beobachten, daß Teilnehmer beim Wechsel von D nach Em zuerst ein (mit dem Z runterrutschend erzeugtes) E-Dur bildeten und den Z danach wieder (zum Em-Griff) wegnahmen. Und das konnte einfach nicht der Gitarrenlehrerweisheit letzter Schluß sein!
xxxxxAls ich schließlich aber die „Den obersten Finger immer zuerst aufsetzen“-Regel eingeführt hatte, war das Problem mit dem Em-Greifen bei „Lady In Black“ gar kein Problem mehr, weil der im vorherigen (1.) Kurs gelernte E-Dur-Griff ja quasi immer mit einem „Em“ losgegangen war. Und dieses Argument hat meine Leute dann doch dazu bewogen, beim E-Dur-Üben immer mit der schwächeren M/R-Kombination zu beginnen. Und weil diese Übung ja auch dazu beitragen soll(te), einen E-Dur-Akkord irgendwann mal gleichzeitig (ohne daß die schwächeren Finger immer etwas zu spät kommen) aufsetzen zu können, noch eine kleiner Tip dazu:
xxxxxIhr erinnert euch vielleicht noch an die Entdeckung einer meiner Schülerinnen, wie man den D-Dur-Griff bereits in der Luft (über den Saiten schwebend) [durch Krümmung des Mittelfingers / von einer nebeneinanderliegenden Z-M-R-Haltung ausgehend] formen kann. Und eine ähnliche Vorgehensweise ist auch für den E-Dur-Griff möglich: Von der A-Dur-Fingerhaltung ausgehend einfach den Zeigefinger etwas krümmen (während M + R unverändert bleiben), und schon ist der E-Dur-Griff quasi fertig. Dann braucht die Hand nur noch so weit gedreht/verschoben werden, bis der „Luftgriff“ überm E- [oder auch überm Am-]Tatort schwebt und dieses Gebilde eigentlich nur noch als Ganzes abgesetzt werden muß. Probiert es aus.


Stay healthy oder 1 Jahr Corona-Krise und (eine) seine(r) Folgen

Mitte März 2021

Wie an anderer Stelle bereits berichtet [und hier auch noch mal nachlesbar], waren mein Freund Kalle Burandt und ich zu Beginn des Jahres 2016 davon abgekommen, unsere E-Mails mit dem „Liebe Grüße“ bedeuten sollenden LG-Kürzel zu beenden. Wir wählten statt dessen – um das Ganze etwas interessanter zu gestalten – den rückwärtsgewandten Weg einer Neudefinition der Ursprungsbedeutung und verabschiedeten uns fortan mit Wortkombinationen wie Lärmende Gegengerade, Ledergebundene Gesamtausgaben, Lauwarmes Gemüse und so weiter.

Mit Beginn der Coronakrise schien es uns aber angebracht zu sein, den alten Gruß gegen einen „Bleib gesund“-Wunsch auszutauschen, dessen Einführung nicht nur der aktuellen Lage Rechnung tragen, sondern auch noch eine frische Brise in unsere (nach 4 Jahren) doch schon häufig übergangene E-Mail-Schlußwort-Suche bringen sollte. Es gab da nur einen kleinen Haken. In BG („bleib gesund“) war ja ebenfalls der in LG vorkommende und von uns schon x-mal durchgekaute Buchstabe G enthalten, so daß wir uns, um doch mit vollkommen neuen Wörtern jonglieren zu können, für die englische Variante SH („stay healthy“) entschieden haben – was sich schließlich auch deshalb als exzellente Wahl erwiesen hat, weil es einfach doppelt so viele Wörter gibt, die mit S+H als mit L+G beginnen.

Und nach jetzt schon einem ganzen Jahr der Verwendung dieser neuen Grüße möchte ich euch nun auch davon eine Best-of-Liste präsentieren, der im nächsten Jahr bestimmt noch eine zweite folgen wird. Bis dahin, macht’s gut und bleibt gesund.

Scheue Hasen
Sieben Häscher
Schwarzwälder Hirschsorte
Starrs Hi-Hat
Starkeys Hängetoms
Söders Haschpfeifen
Schwaches Hintergrundrauschen
Stephen Hawking
Swingin‘ Herby
Sultan Heinrich
Stilvolle Hirngespinste
Schwarzer Humor
Sinnlose Haltbarkeit
Stimmungsvolle Hits
Sensible Haudegen
Schicke Hosenträger
Schöner Hut
Sternenreiches Himmelszelt
Segel hissen
Su heiraten
Semimagnetische Halbleiter
Schieß, Haaland!
Springende Hürdenläufer
Schlackernde Hoden
Spektakuläre Highlights
Stand heute
Shit happens
Schnelle Haubentaucher
Strombetriebene Heugabeln
Samstags Hackbraten
Stille Hoffnung
Schmucke Hochseejachten
Singende Herrentorte
Schneiders Helge
Schwelgende Herzen
Siamesische Hochseilartisten
Serielle Horizontalrücklaufintervalle
Schwankende Hängebrücken
Saulustige Hamster
Suspendierte Hippies
Schwimmende Hausmeister
Sensorgesteuerte Helligkeit
Sandfarbene Hochhäuser
Sinnvolle Hebebühnen
Schlafmützige Hinterwäldler
Schlafendes Hotelpersonal
Schwächelnde Halunken
Schwielige Handflächen
Supermans Honorarforderungen
Seltene Hieroglyphen
Spendable Hochstapler
Schwebende Heißluftballons
Steigende Hubschrauber
Sinkende Helikopter
Sauertöpfische Heiratsschwindler
Saufende Heimwerker
Strandende Haie
Salzige Heringe
Schnittige Hondas
Sherlock Holmes
Sam Hawkens
Scharfe Hereingaben
Seppls Hosen
Steppende Helden
Schwindelerregende Höhen
Sicherer Handelfmeter
Spiegelverkehrter Heiligenschein
Schmackhafte Halspastillen
Sensationelle Hochstimmung
Schneebedeckte Hügel
Schwule Heideröschen
Syndesmosebandrißgeschädigte Hupfdohlen
Stummes Helau
Starker Herkules
Seekranke Hummer
Süffiger Himbeergeist
Sardonisches Hohngelächter
Sprachliche Höhenflüge
Spontanes Hin-und-her
Sturzgefährdete Hochräder
Steinige Holzwege
Signifikante Hinweise
Strapazierte Henkeltassen
Sauce hollandaise
Schwerverdauliche Haselnußschalen
Schlüpfrige Heimkinofilmchen
Stolpernde Hochzeitsgäste
Stolzierende Hähne
Spätes Heimkommen
Schreckhafte Hexen
Samtblaue Hydranten
Stinkreiche Hausierer
Substrahierte Hunderter
Sonniges Heidelberg
Stundenlange Höchstgeschwindigkeit
Staubtrockener Honigkuchen
Schnabelförmige Hufeisen
Steriles H2O
Sture Hornochsen
Stagnierendes Holozän


Der Akkord des Monats März (3/13)

Abkürzungen: Z = Zeigefinger, M = Mittelfinger, R = Ringfinger, K = Kleiner Finger

Der heutige Akkord des Monats ist der G-Dur-Griff, der schwierigste und (für mich deshalb) wichtigste Griff in meinen (inzwischen ja der Vergangenheit angehörenden) Gitarren-Anfängerkursen. Da meine ersten Kurs-Lieder in der Tonart D-Dur gewesen sind, hießen die dazugehörigen Akkorde [in Form der Tonika, Dominante und Subdominante / mehr zu diesem Thema im nächsten Monat] D, A und G, von denen letzterer allein deshalb schon etwas Besonderes darstellt, weil er sich auf zwei völlig verschiedene Arten greifen läßt: auf eine leichtere und eine deutlich schwerere. Und ich habe in meinen Gitarrenkursen immer nur die klassische – das ist die schwerere – Variante gelehrt, da diese sich (vor allem in späteren Kursen ersichtlich) als deutlich günstiger erweist. Im Leben ist der einfachste Weg (des geringsten Widerstandes oder so) ja auch nicht immer der beste, was definitiv auch auf das G-Dur-Greifen beim Gitarrespielen zutrifft!

Mit obigem G ist in meinen Kursen zum ersten Mal ein Griff aufgetaucht, bei dem [schlechte Nachricht 1:] der sicherste Finger (Z) überhaupt nicht benutzt werden darf und [schlechte Nachricht 2:] auch noch der kleine Finger K (der üblicherweise der untrainierteste und deshalb schwächste von allen ist) zum Einsatz kommen muß. Und weil die nebeneinanderliegenden Finger R und K bei diesem Griff auf den am weitesten voneinander entfernt liegenden Saiten agieren müssen, fällt es Anfängern meistens ziemlich schwer, den K (während der zuerst aufzusetzende R auf der obersten Saite verbleiben soll) so stark zu beugen, daß er die unterste Saite (a) einerseits erreicht und (b) auch noch herunterzudrücken vermag. Und vermutlich benutzen deshalb viele Gitarrenanfänger [oder einfach, weil sie es mündlich, in Büchern oder im Internet nicht besser erklärt bekommen haben?] den leichteren G-Griff, bestehend aus: Z statt M, M statt R, und R oder K auf der untersten Saite. Und auch Kursteilnehmern mit Vorkenntnissen war meistens nur diese leichtere Variante bekannt. So daß es in der Stunde, in der ich den G-Griff vorgestellt habe, meine vordringlichste Aufgabe gewesen ist, allen Schülern überzeugend klarzumachen, weshalb das schwere G besser als das leichte ist.

Wenn man keine Akkorde, sondern nur einzelne Töne nacheinander spielen wollte, würde die Grundstellung der linken Hand (über dem Hals schwebend) so aussehen, daß der Z im 1. Bund [„Bünde“ nennt man die durch das Bundstäbchen begrenzten Felder auf dem Gitarrenhals. In obiger Zeichnung befindet sich der M beispielsweise im 2. Bund, während R und K im 3. Bund liegen] greifen könnte, während der M für das Greifen im 2. Bund bereit wäre, der R für die Töne im 3. und der K für die im 4. Bund.
xxxxx[Für den 5. Bund ist natürlich kein Finger mehr vorhanden, doch ließen sich die dort ansässigen Töne auch auf der jeweils darunter liegenden Saite [meist leer angeschlagen] erzeugen, so daß man die Lage der Hand, um vom tiefsten bis zum 29. Ton (in Halbtonschritten gerechnet / dazu mehr im April-Beitrag) zu gelangen, überhaupt nicht verändern müßte.]
xxxxxUnd ähnlich soll das auch beim Akkorde greifen gehandhabt werden: Auch da soll der Z für den 1. Bund zuständig sein, der M für den 2. und der R für den 3. (während der 4. Bund bei den „normalen“ Griffen nicht benutzt wird). Dieses Fingerzuordnungssystem ist allerdings nur selten perfekt anwendbar, da bei den meisten Griffen zwei (manchmal sogar drei) Saiten im selben Bund gedrückt werden müssen.

Wenn ich den G-Griff nun auf die leichte Art (mit Z, M und R-oder-K) greifen würde, stünde mir kein Finger mehr für eine bisweilen nötige Tonerzeugung im 1. Bund zur Verfügung, was sich z. B. beim Akkordwechsel von G nach G7 recht uncool auswirkte, weil dann alle Finger versetzt werden müßten und einen insgesamt ziemlich weiten Weg zurückzulegen hätten, wohingegen ich [gute Nachricht 1:] beim klassisch gegriffenen schweren G lediglich den K wegnehmen und den Z auf der untersten Saite (im 1. Bund) hinzufügen müßte, während M und R einfach liegenbleiben würden. Und auch bei den (allerdings erst in späteren Kursen vorkommenden) Wechseln von G nach C und von G nach F ist der [gute Nachricht 2:] weniger weite Weg für die einzelnen Finger beim schwereren G [im Vergleich zum erheblich größeren Umgreif-Aufwand bei der Benutzung des leichteren G-Griffs] von unleugbarem Vorteil, was ich im Gitarrenkurs in der ersten G-Stunde dann (mit sämtlichen oben genannten Wechselbeispielen) auch immer schön deutlich demonstriert habe.
xxxxx
Und zum Abschluß meiner Erläuterungen, weshalb sich das schwere G in den kommenden Kursen als das bessere erweisen wird, habe ich noch das Intro von „Father And Son“ von Cat Stevens vorgespielt, bei dem man [gute Nachricht 3:] relativ leicht und elegant vom schweren G zum [per M-und-Z-Hammering] G-Quartsextakkord [in Tabulaturnotation: 3-x-2-0-1-3] gelangen kann, was sich vom leichteren G aus dagegen überhaupt nicht sauber klingend bewerkstelligen läßt. Und danach hatte dann wirklich jeder meiner Schüler verstanden, weshalb er dem schwereren G den Vorzug geben sollte.
xxxxx[P.S.: Nach Veröffentlichung dieses Beitrags erreichte mich die Frage, wie man obigen Quartsextakkord denn spielen könne, wenn die 2. Saite von oben nicht zu hören sein darf. Antwort: Indem man den Ringfinger auf der obersten Saite so leicht schräg hält, daß er die darunterliegende Saite berührt und somit beim Anschlagen „tonlos“ macht.]

G ist in meinen Anfängerkursen (nach zuvor D und A) ja der insgesamt dritte Griff gewesen, jedoch der erste, bei dem der Grundton des Akkordes sich nicht auf einer leeren Saite befindet, sondern erst noch von einem draufzulegenden Finger (in diesem Fall auf der obersten Saite im 3. Bund) erzeugt werden muß. Und weil der immer im Baßbereich (also oben) befindliche Grundton eines Akkordes bei bestimmten Spieltechniken zuerst angeschlagen wird, sollte dieser Ton [wenn er wie beim G erst noch gegriffen werden muß und nicht (wie bei D und A) auf einer leeren Saite liegt] logischerweise auch zuerst (und nicht erst an zweiter oder dritter Stelle) abgedeckt werden. Und diese Aufgabe fällt beim G-Griff dem noch sehr ungeübten und deshalb auch ziemlich unsicheren R zu, was für den Anfänger erst mal recht schwierig ist [doch ist der leichteste Weg ja nicht immer der beste], jedoch auch schon ein gutes Training [die schwächeren Finger müssen gestärkt werden] für das in späteren Kursen gewünschte gleichzeitige Aufsetzen der Finger beim Akkorde greifen darstellt. [Was auch im Januar-Beitrag schon ausführlicher erklärt worden ist.]

Um es meinen Schülern in dieser frühen Phase des Kurses aber nicht so irre schwer zu machen, habe ich in der Stunde, bevor das komplette G vorgestellt wurde, erst mal mit dem „Vorstufen“-Griff G6 begonnen (3-2-0-0-0-0) [also einem G, bei dem die unterste Saite frei bleibt], wobei ich ausdrücklich darauf hingewiesen habe, daß zuerst der Ringfinger (auf die oberste Saite) gesetzt werden muß [ganz der im Januar-Beitrag vorgestellten Pelikanesischen Regel entsprechend, daß immer der (beim jeweiligen Griff) am weitesten oben zu liegen kommende Finger zuerst aufgesetzt werden soll], und danach erst der Mittelfinger (auf die zweite Saite von oben) [um die schwächeren Finger – der R ist schwächer als der M – zu trainieren und unabhängig(er) von den anderen zu machen], während der Zeigefinger bei diesem G6Griff überhaupt nicht verwendet werden darf, da er für einen möglichen Einsatz im 1. Bund zur Verfügung stehen soll. Und als Lied hatte ich – nachdem eine Woche zuvor der Refrain mit nur D und A drangekommen war – die Strophe von „Go Tell It On The Mountain“ genommen, in dem (in der Tonart D-Dur) neben den Griffen D und A zwar eigentlich G-Dur gespielt werden soll, was hier aber (da der Gesangston an diesen Stellen zufälligerweise passend ist) auch mit dem G6-Akkord sehr gut klingt.
xxxxxUnd eine Woche später muß für den richtigen G-Dur-Griff dann „nur noch“ der kleine Finger hinzugenommen werden.

Etwas problematischer ist die Sache mit dem von mir gewünschten G nur manchmal dann geworden, wenn quereinsteigende Teilnehmer (in den Kursen 2 bis 4) lediglich den leichten G-Griff kannten. Diese Personen hatte ich dann davon zu überzeugen, daß das Kennenlernen eines alternativen G-Griffs garantiert nicht schaden könne, sondern im Gegenteil eine besondere Chance böte [welche leider aber nicht alle auch genutzt haben].
xxxxxUnd einmal hatte ich in der ersten Stunde des 2. Kurses sogar mal eine Frau sitzen, die den G-Griff nur mit einem einzigen Finger auf der untersten Saite gespielt hat. „Das ist kein G-Dur“, sagte ich dann. „Doch, das ist G-Dur“, war die überzeugte Antwort. „Nein, das ist kein richtiges, sondern nur ein unvollständiges G-Dur“, hatte ich erwidert, woraufhin die Dame mir mit Nachdruck zu verstehen gab, daß sie diesen Griff von dem bekannten Gitarrenlehrer Peter Bursch [der nämlich genau wie ich in Duisburg lebt und arbeitet] persönlich gezeigt bekommen habe. Doch nützte das leider alles nichts, da es mir bei diesem Kenntnisstand einfach nicht möglich war, sie an meinem Fortgeschrittenenkurs teilnehmen zu lassen, obwohl sie bereits einen ganzen Anfängerkurs hinter sich hatte.

Das „einfingrige G“ kommt in Peter Burschs Gitarren-Anfängerbuch übrigens tatsächlich (und zwar als allererstem Griff) vor, doch darf man die obersten beiden Saiten dann natürlich nicht mitspielen, da sie ja nicht gegriffen sind und deshalb nicht die richtigen Töne haben. Das komplettierte G wird dann ein paar Gitarrenbuch-Lieder später vorgestellt, doch leider nur auf die leichte und in meinen Augen ja deutlich schlechtere Art, was auch einer der Gründe dafür ist, weshalb ich Gitarrenanfänger-Lehrbücher von anderen Autoren bevorzuge.

Immerhin erwähnt Peter aber, daß es auch noch andere Möglichkeiten des G-Dur-Greifens gibt, doch bleibt er dann leider auf halber Strecke stehen.
xxxxxIn der 70er-Jahre-Ausgabe seines Anfängerbuches heißt es etwa: „Es gibt noch mehrere verschiedene Grifformen für G-Dur, die ich jedoch nicht alle anführen möchte.“ Von diesen „noch mehreren“ Formen führt er dann allerdings nicht mal eine einzige an!
xxxxxIn der neubearbeiteten 90er-Jahre-Version macht er es – obwohl er (mit Foto und Akkord-Diagramm) leider immer noch nur das leichte G vorstellt – zumindest am Anfang ein wenig besser: „Andere Gitarristen greifen mit dem Mittelfinger in den 2. Bund der A-Saite, mit dem Ringfinger in den 3. Bund der dicken E-Saite und dann mit dem kleinen Finger in den 3. Bund der dünnen e-Saite.“
xxxxxSo weit, so gut – doch macht er diesen löblichen Hinweis auf das klassische G im nächsten Satz leider schon wieder völlig zunichte: „Probiere es selber aus und entscheide, welche Form für Dich am einfachsten ist.“ Keine Frage, daß das „Bursch-G“ einfacher, da viel leichter zu greifen ist. So daß ohne Anführung von Gründen, weshalb das alternative G sinnvoll sein könnte, sich natürlich NIEMAND von seinen Lesern für die schwerere Variante entscheiden wird. (Also macht er mit obigem Satz tatsächlich mehr kaputt, als wenn er diese andere G-Greifmöglichkeit überhaupt nicht erwähnt hätte. Dabei sollte ein Lehrer seinen Schülern doch eigentlich Möglichkeiten eröffnen anstatt sie zu verschließen.)

Noch ein letzter Punkt:
xxxxxDer häufigste Akkordwechsel zum G wird in der Tonart D vom D-Griff aus erfolgen. Und ein Lehrer sollte darauf achten, daß dabei keiner seiner Schüler den kleinen Finger zuerst drauflegt [die Pelikanesische Gitarrenlehrer-Philosophie ist in diesem Punkt der Bursch’schen also total entgegengesetzt!] – weil das nämlich ein zu Hause [deine Vorgabe des „zuerst den am weitesten oben zu plazierenden Finger aufsetzen“ mißachtend] recht gern gemachter Fehler ist. Da
xxxxx(a) der K bei der D-Griffhaltung ja fast schon über dem Zielpunkt für’s nachfolgende G schwebt und eigentlich nur noch abgesetzt zu werden braucht, und
xxxxx(b) das Aufsetzen des R, wenn der K schon gesetzt ist, etwas leichter vonstatten geht als umgekehrt. Doch auch hier gilt wieder, Abhängigkeiten [in dem Fall vom kleinen Finger] zu vermeiden und das Ringfinger-Beweglichkeitstraining (durch das beim G-Griff gewünschte Zuerst-Aufsetzen) nicht zu untergraben.

Doch sollte ein Lehrer auch im Blick haben, wie sich der K seiner Schüler beim D-nach-G-Wechsel verhält, wenn sich der R zum Greifen nach oben bewegt. In vielen Fällen wird der K dabei nämlich vom R mit nach oben gezogen, wodurch er (K) aber einen Umweg macht und anschließend zum Greifen wieder nach unten zurückgeführt werden muß, obwohl er sich während des vorherigen D-Griffs [falls er dabei nicht ausgestreckt war] doch schon über den richtigen „Koordinaten“ befunden hat.
xxxxx[Das ausgestreckte Abspreizen eines bei einem Akkord nicht benötigten Fingers ist auf jeden Fall zu beanstanden, da es diesem Finger nur einen unnötig weiten Weg zum nächsten Greifpunkt beschert. Beim Greifen nicht gebrauchte Finger sollten immer gekrümmt sein, um sich in (größerer) „Tatort-Nähe“ aufzuhalten.]

Eine gute Übung [um herauszufinden, wie abhängig (oder unabhängig) der K beim G-Greifen vom nach oben gehenden R ist] ist auch, den D-Griff 1-2 cm abzuheben und dann (die Finger in der Luft haltend) zu versuchen, den R nach oben zu bewegen, während der K NICHT mitgehen sondern gekrümmt (in Tatort-Nähe verharrend) bleiben soll. Das wird einigen Gitarren-Anfängern bei ersten Versuchen noch überhaupt nicht gut gelingen, doch wird sich – wenn man diese Übung beibehält und immer wieder mal probiert – die Beweglichkeit des kleinen Fingers im Laufe der Wochen dadurch definitiv verbessern.

Und so viel zum Akkord des Monats März.

 


Der Akkord des Monats Februar (2/13)

Im letzten Monat habe ich leider vergessen, mein Akkord-Diagramm so ordentlich zu erklären, daß auch Nicht-Gitarrenspieler damit etwas anfangen könnten. Also Nachtrag:
xxxxxDie waagerechten Linien sollen die Gitarrensaiten darstellen. Und jetzt kommt’s: Die „unterste“ Linie entspricht der „obersten“ Saite, wenn die Gitarre spielbereit gehalten wird. Aber stellt euch die Gitarre erst mal auf dem Tisch liegend vor (mit von links nach rechts: Kopf, Hals, Körper). Die Diagramm-Zeichnungen entsprechen nun (als kleinem Ausschnitt der Halsregion) einer von oben auf das Instrument hinabblickenden Ansicht. Und wenn ich die Gitarre dann vom Tisch nehme und (um 90° gedreht) auf meinen Oberschenkel setze, wird die vorderste und bislang unterste Saite dann auf einmal zur obersten. Die drei für den D-Griff des letzten Monats benötigten Finger drücken also die untersten drei Saiten.
xxxxxUnd die einzelnen Felder heißen Bünde, und dargestellt sind in der Regel die ersten Bünde der linken Seite des Gitarrenhalses. Wenn das erste Feld (ganz links im Diagramm) aber einem höheren Bund entsprechen soll, wird die Lage des Bundes in römischen Ziffern obendrüber angegeben.

Aber nun endlich zum Akkord des Monats Februar:

Vor 20 Jahren entdeckte ich in einem Nirvana-Gitarrenbuch mal eine Akkordbezeichnung, die ich noch nie zuvor gesehen hatte: Em7/11. Und da ich Nirvana mit auch häufig etwas krummeren Klängen assoziierte, rechnete ich hier mit einem vielleicht etwas schräger klingenden und womöglich auch etwas komplizierter zu greifenden Akkord. Doch als ich dann umblätterte und die Darstellung des Griffes sah, mußte ich lauthals auflachen – weil dieser nämlich nur aus den 6 leeren Saiten bestand. Und genau diesen Akkord hatte ich in meinem Leben schon tausendmal gespielt (als Arpeggio [einem harfenartig nacheinander Erklingen-Lassen der Töne], wenn ich hören wollte, ob die Gitarre gestimmt sei), ohne allerdings je zu wissen, wie dieser Akkord geheißen hatte; oder korrekter ausgedrückt: ohne mir bewußtgemacht zu haben, daß diese Tonkombination überhaupt einen Namen haben könnte. Aber als ich irgendwann mal ein wenig gründlicher darüber nachdachte, wurde mir klar, daß natürlich jede Tonzusammensetzung exakt definiert und akkordbezeichnungsmäßig genau bestimmt werden konnte – selbst eine, die alles andere als schön klänge. Doch hat ja auch niemand behauptet, daß ein Akkord nur aus einer sich ins Ohr schmeichelnden Harmonie bestehen dürfe, oder?

Frank Zappa hatte mal gesagt, daß kein Akkord der Welt häßlich genug sei, um treffend all die Scheußlichkeiten zu kommentieren, die von der Regierung in unserem Namen verübt würden. Und ich habe tatsächlich einmal versucht, den für meine Ohren denkbar scheußlichsten Gitarrengriff zu finden – was ich nach einer Weile dann aber doch wieder ergebnislos aufgegeben habe.

Doch bin ich jetzt etwas vom Hauptthema abgekommen: Mitte der 90er Jahre, als Nirvana von etlichen Musikfans als das musikalisch Größte unter der Sonne angesehen wurde, ereignete sich in der zweiten Stunde meines Anfängerkurses mal Folgendes. Ich hatte (wie immer) in der ersten Stunde darauf hingewiesen, daß ich mir in der zweiten Stunde (wie immer) die Vor- oder Spitznamen der Teilnehmer notieren würde, da ich (wie immer) mit Duzen zu arbeiten gedachte, und erzählte, bevor ich schließlich ans Abfragen ging, rasch noch die Geschichte von meinem Freund Andreas [Grüße nach Mittenwald], der mir erstmals als Gitarrenschüler in einem VHS-Kurs begegnet war. Und der mir Jahre später berichtete, daß er sich als Junge immer gewünscht hatte, Andi genannt zu werden, was aber niemals jemand aufgegriffen habe. Wenn er in meiner Gitarrenkurs-Namennennstunde statt Andreas jedoch Andi gesagt hätte, hätte ich ihn mein Leben lang mit Andi angesprochen. „Also sucht euch sorgsam aus, wie ihr von mir genannt werden möchtet – aber bitte nicht alle Andi, ja?“
xxxxxUnd dann wandte ich mich an die erste Person in der ersten Reihe, einen jungen Mann, und blickte ihn fragend an. „Geht auch Kurt?“ meinte er, den Namen englisch aussprechend. – „Klar“, antwortete ich. – „Okay, dann bin ich Kurt!“

Und ohne diesen auf Kurt Cobain von Nirvana zurückzuführenden besonderen Namenswunsch würde ich mich an diesen Kursteilnehmer heute bestimmt nicht mehr erinnern können [schließlich habe ich in den 36 Jahren meiner Volkshochschultätigkeit mit schätzungsweise 1700 bis 1800 verschiedenen Schülern zu tun gehabt], da Kurt nicht gerade mit besonders viel Talent gesegnet und deshalb auch nicht über den Anfängerkurs hinausgekommen war. Doch bin ich sicher, daß er sich jedesmal richtig gut gefühlt hat, wenn ich ihn im Laufe der dreieinhalb Kurs-Monate mit seinem neuen „Künstlernamen“ angesprochen habe. Und so wenig er nach Ende des Kurses gitarristisch in Kurt-Cobain-Nähe ode so gekommen war, hat er zumindest einen Nirvana-Akkord doch absolut perfekt draufgehabt, den heutigen Akkord des Monats Februar:  Em7/11.

 


Der Akkord des Monats Januar (1/13)

Vorbemerkung:

1. Januar 2021. Ein historisches Datum für mich, da dies der erste Neujahrstag seit 44 Jahren ist, an dem ich kein Gitarrenkursleiter bin. Nach Ablauf des im März 2020 coronabedingt erfolgten zeitweiligen „Berufsverbots“ hatte ich nämlich darauf verzichtet, meine Lehrtätigkeit an der VHS Duisburg fortzusetzen und war mit 66,5 Jahren (obwohl ich eigentlich noch bis 70 oder so hatte weitermachen wollen) in den Ruhestand getreten. Einerseits gemäß dem Motto „Aufhören, wenn’s am schönsten ist“ (weil das Unterrichten in Zeiten des Coronavirus‘ garantiert weniger einfach als vorher sein würde), und andererseits wegen der trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht auf null reduzierbaren Ansteckungsgefahr. Da war es mir doch wichtiger, weniger Geld [sprich: gar keins mehr] zu verdienen [weswegen das Sozialamt – da ich von meiner Mini-Rente nicht mal die Mietkosten begleichen könnte – dann eben schon früher als geplant mal kontaktiert werden muß] und statt dessen mehr Zeit für mein seit 2018 in Arbeit befindliches neues Buch [kein Gitarrenbuch, sondern etwas Literarisches] zu haben.

Weil ich im Laufe des letzten Jahres aber festgestellt habe, daß ich das Unterrichten (trotz entspannten Rentnerdaseins) doch etwas vermisse, habe ich – auch um auf diese Weise vielleicht noch ein wenig weiterdozieren zu können – im Herbst beschlossen, 2021 endlich meine schon seit mehreren Jahren in der Ideen-Warteschleife vor sich hin dümpelnde Website-Serie „Der Akkord des Monats“ zu verwirklichen. Mal sehen, wie sich das Ganze in bezug auf den Anekdoten- und Lehranteil oder so bis zum Jahresende entwickelt haben wird.

Der Akkord des Monats Januar: D

[Während für die Darstellung des Fingersatzes üblicherweise Zahlen verwendet werden, habe ich mich bei meinen Griffbildern doch für Buchstaben entschieden (was auch Nicht-Gitarrenspielern das Verständnis erleichtern dürfte), da Zahlen schon zur Benennung der einzelnen Tonleiterschritte des Akkordes benutzt wurden.]

Den heute in den Mittelpunkt gestellten D-Dur-Griff habe ich neben dem A-Dur-Akkord [bei dem in der Tabulaturnotation (von oben nach unten gerechnet) die Bünde 0, 0, 2, 2, 2, 0 mit ebenfalls den ersten drei Fingern gedrückt werden] schon in der ersten Stunde meiner Anfängerkurse vorgestellt, da D und A die einzigen beiden Grundgriffe sind, bei denen der Zeigefinger der Greifhand weiter oben als die anderen Finger zu liegen kommt. Und weshalb das von Bedeutung ist, will ich hier etwas genauer erklären.

Bei der üblichen Gitarrenhaltung wird die rechte Hand zum Schlagen (oder Zupfen) und die linke zum Greifen der Akkorde benutzt. Und da die meisten Gitarrenschüler Rechtshänder sind, sind die Finger an ihrer (linken) Greifhand nicht ganz so gut trainiert und deswegen etwas unsicherer als die Finger an der rechten Hand, so daß fast alle Anfänger bei ersten Greifversuchen mit dem offenbar treffsichersten Finger der linken Hand beginnen wollen: dem Zeigefinger. Doch was für den Gitarrenspielanfänger am leichtesten ist, ist (aus Gitarrenlehrersicht) nicht immer auch am besten.

Stets den sichersten Finger (der linken Hand) zuerst draufzusetzen bedeutete nämlich, daß die weniger sicheren Finger [der etwas schwächere Mittelfinger (M) und der noch schwächere Ringfinger (R)] in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den stärkeren Fingern verblieben, was ein für später gewünschtes gleichzeitiges Aufsetzen der Finger beim Akkordegreifen schwerer machen würde. Solange die schwächeren Finger sich nicht emanzipiert haben (also nicht gezielt sicherer und stärker und unabhängiger geworden sind), wird immer ein gewisses Ungleichgewicht beim Alle-Finger-gleichzeitig-Aufsetzen herrschen, und um dieses auszumerzen, müssen die Problemfinger halt einem besonderen Training unterzogen werden.

Und die Art dieses Spezialtrainings ergibt sich fast schon von selbst, wenn man weiß, daß bei bestimmten Anschlag- und Zupftechniken der Baßton früher als die anderen Töne (des Akkordes) zum Klingen gebracht werden muß. Weshalb es doch naheliegt, die zuerst benötigten Töne auch zuerst (und nicht erst an zweiter oder dritter Stelle) gegriffen zu haben. Und da die tiefklingenden Baßseiten auf der Gitarre oben liegen, der sicherste Greiffinger (Z) in der Regel aber meistens weiter unten aufgesetzt wird [nur nicht bei A und D, weshalb ich damit auch im Kurs beginne], müssen deshalb die schwächeren Finger (M und R) die Aufgabe übernehmen, die Töne im Baßbereich abzudecken. Aus diesem Grund mußten in meinen Kursen immer die Finger zuerst aufgesetzt werden, die beim jeweiligen Griff am weitesten oben liegen [der M bei E-Dur, e-Moll und a-Moll, und der R bei C-Dur und G-Dur; was diese schwächeren Finger nebenbei auch schon fürs Alle-Finger-beim-Akkordegreifen-mal-gleichzeitig-aufsetzen-Können trainiert]. Das ist zwar schwerer, als den Z zuerst benutzen zu dürfen, doch nachdem ich meinen Schülern erklärt hatte, was ich damit bezwecken wollte und weshalb der leichtere Weg hier nicht der bessere sei, haben sie es auch eingesehen und sind mir auch (fast alle) gefolgt. Seinen Schülern die freie Wahl der Reihenfolge des Fingerdrauflegens beim Akkordegreifen zu lassen halte ich also für einen großen Schlechter-Gitarrenlehrer-Fehler.

[Übrigens: In dem rund ein Dutzend mir bekannter Gitarrenlehrbücher für Anfänger habe ich noch nie irgendwo einen Hinweis auf eine Fingersetz-Reihenfolge beim Akkordegreifen gefunden. Seltsam!]

Und nun wieder zurück zum D-Griff, bei dem – wie eingangs schon erwähnt – der Zeigefinger ja (wie auch beim A-Griff) am weitesten oben liegt. Was bedeutet, daß der sicherste Finger (Z) hierbei auch zuerst draufgelegt werden darf, weil er die pelikanesische Regel der Finger-Aufsetz-Reihenfolge (zuerst der am weitesten oben zu plazierende Finger) beachtet.

Und da es ja das Ziel ist, die Finger beim Akkorde greifen irgendwann auch mal gleichzeitig aufsetzen zu können, würden sie dann logischerweise in der Luft schon (über dem Griffbrett schwebend) den kompletten Griff bilden müssen, der dann „nur noch“ abgesetzt zu werden bräuchte. Dieses Alle-benötigten-Finger-gleichzeitig-Draufsetzen ist im (nur 13 Wochen laufenden) Anfängerkurs aber eigentlich nur bei A schon möglich (weil Z, M und R dabei ganz natürlich nebeneinanderliegen), weshalb sich der nachfolgende Schlußhinweis erst im Laufe des zweiten Kurses verwirklichen lassen dürfte:

Beim Akkordewechseln zwischen D und A sollte ein Anfänger sich erst einmal an einem bestimmten Finger orientieren, was (mit Ausnahme der wenigen Leute, die den R zuerst zu bewegen bevorzugen) am einfachsten mit dem Z zu bewerkstelligen ist. Nach recht kurzer Zeit haben meine Schüler beim Wechseln von D nach A dann auch schon alle drei Finger (mehr oder weniger) gleichzeitig aufzusetzen gelernt, während es umgekehrt – von A nach D – ganz anders aussieht. Obwohl der R bei beiden Griffen ja auf derselben (vorletzten) Saite zu tun hat, bewegt er sich beim A-nach-D-Wechsel von dieser aber doch wieder fort. Weil er – während Z und M schon einigermaßen gleichzeitig die richtigen Stellen für den D-Griff treffen – vom M mit nach unten gezogen wird, woraufhin er (R) nach diesem (eigentlich unnötigen) Umweg erst wieder nach oben zurückgeführt werden muß. Und bei diesem 2-Schritte-Weg (während nur ein Schritt das angestrebte Ziel ist) ist es in meinen Kursen dann auch sehr (sprich: viel zu) lange geblieben; bis ich mich irgendwann zu fragen begann, weshalb das Ganze so zweigeteilt ablief, obwohl der R sich beim A-Griff ja schon auf dem richtigen „Breitengrad“ (der vorletzten Saite) für den D-Griff befand. Bis ich dann mal erkannte, daß der M der „Übeltäter“ war, indem er den R beim Wechseln immer mit nach unten wegzog. Und beim Diskutieren über diesen Problempunkt erklärte meine Schülerin Ruth [an dieser Stelle ganz herzliche Grüße nach Duisburg oder Afrika] uns eines Tages, daß es bei ihr am besten funktionieren würde, wenn sie (beim Wechsel von A nach D) zeitgleich mit dem Wegnehmen des A-Griffes den M (während die anderen Finger unverändert blieben) etwas in die Handfläche hinein nach hinten krümmen würde und damit quasi schon den kompletten D-Griff in der Luft fertig hätte, die Hand dann insgesamt „nur noch“ ein klein wenig zu drehen und zu verschieben bräuchte und die Finger anschließend nur noch (gleichzeitig) absetzen müßte.
xxxxxAuf diesen erst im Frühjahr 2019 erlernten Hinweis-„Trick“ wäre ich alleine vermutlich nie gekommen, doch habe ich seit Beginn der 2010er Jahre in meinen Kursen bewußt eine Form von beidseitigem „Erfahrungswerteaustausch“ (aus Lehrer- wie aus Schülersicht) vorangetrieben, durch den ich auch nach mehr als 30jähriger Gitarrenkursleitertätigkeit noch auf wirklich gute neue Ideen gebracht worden bin. Und immer, wenn ich den D-Griff mal etwas analytischer betrachte, werde ich an Ruth und die wirklich besonders freundliche Atmosphäre in den meisten meiner vergangenen Gitarrenkurse erinnert, so daß es für mich völlig klar war, diesen Griff auch in die „Akkord des Monats“-Reihe aufzunehmen.


Ein Gedicht

Advent 2020

Advent, Advent,
kein Lichtlein brennt
im Oberstübchen mehr,
die Zukunft wird
grad‘ abgeschafft,
der Akku ist bald leer.

Jahrtausend’lang
ging’s seinen Weg
in reichem Überfluß,
doch wer sein
Kapital verpraßt
wird arm sein dann am Schluß.

Die Dummheit siegt,
und Egoismus
geht einher mit Gier
und rücksichtsloser
Trumpelei
in blindester Manier.

Die Welt zeigt sich
– wen wundert’s noch? –
schon ziemlich angepißt,
der Homo sapiens
ist durch:
Man scheißt nicht, wo man ißt!

Die Erde wird
sich weiterdreh’n,
der Mensch ist nur ein Test,
und Leben heißt
Veränderung
und gibt uns nun den Rest.

(November 2020)