Der Akkord des Monats Juli (7/13)

Die bekannteste Tonleiter der Welt ist die C-Dur-Tonleiter, die man ja schon im Musikunterricht in der Schule als erste kennengelernt hat, weil sie am leichtesten zu verstehen ist [während die nachfolgenden Erklärungen eher für Personen mit schon gewissen Vorkenntnissen (etwa aus meinem April-Beitrag) gedacht sind]. Die C-Dur-Tonleiter besteht aus den sieben „Stammtönen“ c, d, e, f, g, a und h, die in der Notenschrift ohne jegliche Vorzeichen [also ohne # oder bs] auskommen und deshalb relativ leicht zu lesen sind. Und weil diese Töne exakt den weißen Tasten auf dem Klavier entsprechen, ist es naheliegend, im Klavierunterricht auch mit diesen zu beginnen. Wenn ich die „weißen Töne“ von c aus nacheinander aufwärts spiele, erklingt die C-Dur-Tonleiter (c-d-e-f-g-a-h-c) mit ihren charakteristischen Dur-Tonabständen: Ganzton, Ganzton, Halbton, Ganzton, Ganzton, Ganzton, Halbton.
xxxxx[Wenn ich dagegen – ebenfalls nur die „weißen“ Töne benutzend – auf anderen Tönen als c beginnen würde, ergäben das (aufgrund der dann anders lautenden Ganz- und Halbtonschrittfolgen) ganz andere Tonleitern: Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Moll und Lokrisch. Doch sind Dur und Moll die einzigen beiden Tonarten, die heutzutage noch modern sind und ständig benutzt werden.]
xxxxxUnd der erste vom Klavierlehrer beigebrachte Akkord wird wahrscheinlich der C-Dur-Dreiklang sein, der auf diesem Instrument auch recht leicht zu spielen ist. Was wohl auch erklärt, weshalb ein (in einer VHS-Gitarren-Anfängerkursstunde seine Enkelin begleitender) etwas vorlauter „Gasthörer“ plötzlich mal die Frage in den Raum stellte, weshalb ich nicht mit dem C-Dur-Akkord beginnen würde, weil der doch besonders einfach sei. Dieser forsche Großvater hatte offenbar mal Klavierunterricht oder so gehabt, doch ist die Klavierspielweise überhaupt nicht mit der auf der Gitarre zu vergleichen, so daß ich den C-Dur-Griff ob seines Schwierigkeitsgrades ganz bewußt erst im zweiten Gitarrenkurs gezeigt und durchgenommen habe.

In meinem Kurs 1 waren lediglich die Griffe A, D, G, E (und ganz kurz auch noch Am und H7) drangekommen, während ich die drei letzten ebenfalls noch unter Nutzung von leeren Saiten spielbaren Dur- und Mollgriffe [alle sonst noch fehlenden Dur- und Mollakkorde lassen sich auf der Gitarre nur mittels der Barrétechnik erzeugen / siehe Akkord des Monats November] für den Nachfolgekurs aufgespart hatte: Em (ziemlich leicht) und C-Dur und Dm (beide viel schwerer). Das „Problem“ beim oben abgebildeten C ist, daß dies unser erster Gitarrengriff ist, bei dem die Finger der linken Hand in mehr als nur 2 Bünden zu wirken haben.
xxxxxUm die für den C-Griff benötigen Finger alle optimal (also kurz vor den jeweiligen Bundstäbchen) plazieren zu können, muß ich sie entweder spreizen [was nicht gut ist] oder in einem zum Greifen günstigeren Winkel „kommen“ lassen: nämlich (aus Gitarrenspielersicht) nicht senkrecht von unten nach oben zeigend, sondern von links-unten nach schräg-rechts-oben gehend. Dadurch wird es möglich, daß M und R (Mittel- und Ringfinger) einander berühren (anstatt auseinandergespreizt zu werden) und trotzdem die optimalen Greifpunkte kurz vor den Bundstäbchen erreichen können. Wobei der R nur wenig gekrümmt werden muß, der M schon deutlich mehr, und der Z ziemlich stark. [Dieses die Finger schräg halten stellt übrigens auch bei allen Griffen des ersten Kurses schon das Optimale dar, worauf ich im Unterricht zwar auch schon ein Auge hatte, aber nur bei offensichtlicher Zuwiderhaltung extra hingewiesen habe, um nicht gleich am Anfang schon mit zu vielen Informationen zu „nerven“.]

Ihr erinnert euch vielleicht noch an meine Januar-Beitrags-Argumentation zur Reihenfolge des Drauflegens der Finger beim Griffe greifen. Daß man nämlich NICHT [außer bei A und bei D] den leichtesten Weg wählen und immer mit dem sichersten Finger (dem Zeigefinger) beginnen, sondern in der Regel [mit wenigen Ausnahmen wie bei Dm etwa / siehe Akkord des Monats Oktober] den Finger zuerst aufsetzen solle, der beim jeweiligen Griff am weitesten oben liegt. Um einerseits die Baßsaiten zuerst abgedeckt zu haben und andererseits die weniger sicheren „Baßsaiten“-Finger (M und R) auf diesem Wege besonders zu trainieren und zu stärken und unabhängiger zu machen, damit es irgendwann keine „schwachen“ Finger an der linken Hand mehr gibt, die beim Greifen von anderen (zuvor aufgesetzten sichereren) Fingern abhängig sind.

Und weil einigen meiner Schüler das „den Zeigefinger beim C-Griff nicht zuerst setzen dürfen“ doch recht schwergefallen ist, habe ich in den 2010er Jahren im Unterricht mal was neues probiert und den C-Akkord nicht mehr gleich am Anfang des zweiten Kurses vorgestellt, sondern erst in der 4. Stunde, während ich in den ersten drei Stunden (als Vorübung) schon mal den Wechsel von Cmaj7 nach G und zurück habe üben lassen.
xxxxxDa ein Cmaj7 nichts anderes als ein C-Griff ohne Z ist [also: 0-3-2-0-0-0], kann man bei diesem Griff sowieso nicht mit dem Z beginnen, weil der dabei nicht eingesetzt werden darf, da er für mögliche Aktivitäten im 1. Bund zur Verfügung stehen muß. Und weil man laut meiner Regel ja mit dem „obersten“ Finger anfangen soll, ist das Fingeraufsetzen bei Cmaj7 identisch mit dem, mit dem auch das spätere C-Dur-Greifen begonnen werden soll: zuerst den R setzen, dann den M, und zum Schluß erst den Z. [Ich mußte im Unterricht lediglich auf die übliche „Mogelei“ achten, den M (statt des Rs) zuerst aufzusetzen, weil es danach leichter war, den schwächeren R zu plazieren – was aber die Idee des eben diesen schwächeren Finger zu trainieren untergraben würde.]

Beim Cmaj7↔G-Wechsel und beim später auch recht häufig in Liedern (quasi in allen Songs in der Tonart G und in der Tonart C) vorkommenden C↔G-Wechsel muß der (zuerst aufzusetzende) Ringfinger ja nur etwa 1 Zentimeter nach oben oder unten wandern, was anfangs (da dieser R in der Regel der schwächste der drei Hauptgreiffinger ist) noch ziemlich schwierig war, nach Einführung der allgemeinen „Baßtonfinger first“-Regel dann in den 4. Kursen aber schon recht gut geklappt hat –
xxxxxim Gegensatz zu der Zeit, als ich das „Immer den am weitesten oben zu plazierenden Finger zuerst Aufsetzen“ noch nicht entdeckt hatte. Da hatten meine Schüler (weil ich es als junger Gitarrenlehrer einfach noch nicht besser wußte) noch die freie Wahl der Fingeraufsetzreihenfolge gehabt und so gut wie alle beim C-Greifen (weil es so halt am leichtesten war) mit dem Z begonnen und den R (weil er der schwächste war) erst als letzten aufgesetzt. Bis ich irgendwann mal merkte, daß dieser Ringfinger beim Wechsel von G nach C immer einen recht großen Umweg in die „Luft“ und zurück machte (weil zuerst alle Finger des G-Griffs weggenommen und dann in der [meiner Lehrermeinung nach absolut schlechten] Reihenfolge Z-M-R neu aufgesetzt wurden), obwohl er (R) doch eigentlich nur eine Strecke von 1 Zentimeter zurückzulegen hatte. Und dieser unnötige Umweg hat vor allem in meinen Niveaustufe-4-Kursen [Folk & Country / Rock & Blues / Picking / Anschlagsrhythmen] zu Problemen geführt, weil in diesen häufig das „Baßsaiten-einzeln-und-zuerst-Anschlagen“ gefordert war, der beim C-Griff den Baßton abdeckende Ringfinger aber [und das, trotzdem manche meiner Schüler bereits 3 Jahre oder länger bei mir Unterricht hatten] sehr häufig nicht schnell genug war und der Baßton deshalb einfach zu spät gedrückt wurde. – Und irgendwann fing ich an, mich zu fragen, wie ich dieses Problem verringern oder gar lösen könnte … woraus am Ende dann die Pelikanesische Fingeraufsetzregel entstanden ist.

Ebenfalls in den 4er-Kursen war mir mal [leider auch erst vor wenigen Jahren und nicht schon viel früher] aufgefallen, daß etliche Leute beim C-Greifen den kleinen Finger an den Ringfinger gelegt und gedrückt hatten, wodurch er (K) langgemacht/ausgestreckt worden war und bei einem anschließend z. B. folgenden Wechsel zum G dann einen viel zu weiten Weg zurückzulegen hatte und deshalb meistens zu spät kam / weil die Spielweisen in meinen 4. Kursen es häufig erforderlich machten, den jeweiligen neuen Griff beim ersten Anschlagszeitpunkt schon komplett fertig daliegen zu haben.
xxxxxDer K wird ja vor allem bei den Grundgriffen G und H7 benötigt, wo er jeweils auf der untersten Saite eingesetzt wird. So daß er optimalerweise (wenn man andere Akkorde ohne den K greift, trotzdem) immer (statt bei manchen Griffen ausgestreckt zu sein) in gekrümmter Haltung in Tatortnähe (also nächst der untersten Saite) in Lauerstellung verharren soll. Was beim Greifen von D, A, Am, E und Em noch recht leicht umsetzbar ist, da der neben dem kleinen Finger liegende Ringfinger dabei (mit Ausnahme der beiden E-Akkorde) ja noch ziemlich weit unten (also in Nähe des „Kleiner-Finger-Tatorts“) plaziert ist. Während derselbe R beim C-Griff dagegen schon sehr weit nach oben gebracht werden muß, was den K dazu verleitet, vom R einfach (gedankenlos) mit nach oben gezogen zu werden. Und dies ist eine der wichtigsten neuen Gitarrenlehrer-Erkenntnisse der letzten Jahren gewesen: Der kleine Finger darf dem Ringfinger beim C-Greifen nicht nach oben folgen, sondern muß beim C-Dur sichtlich gekrümmt (also unten) bleiben.

Und noch ein Letztes:
xxxxxIm vorherigen „Akkord des Monats“-Beitrag ist es ja auch um Intervalle gegangen, speziell auch darum, daß die 7 in einem 7er-Akkord unlogischerweise die kleine Septime bedeutet (während alle anderen alleinstehenden Zahlen immer ein großes (bzw. reines) Intervall meinen). Und beim Cmaj7 bedeutet das maj [eine Kurzform von „major“, was auf englisch „größer“ heißt] vor der 7, daß diesmal das große Intervall gemeint ist und also die große Septime erklingen soll.]

Und so viel zum heutigen Akkord des Monats Juli.