Der Akkord des Monats Mai (6/13)

1. Juni 2021:
Und hier also der um einen Monat verspätete (weil ich bei der Ausarbeitung des biographischen Teils nicht unter Zeitdruck hatte schludern wollen) Mai-Beitrag:

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In diesem Artikel verwendete und nicht näher erklärte musikalische Begriffe sind im April bereits unter die Lupe genommen worden!

Im letztmonatigen Beitrag [gemeint ist der April-Text] habe ich ja einen Abstecher in die Welt der Musiktheorie unternommen – in eine Welt, die ich heute wirklich faszinierend finde, während sie mich in meinen ersten rund 25 Jahren als Musiker überhaupt nicht interessiert hat. Ich weiß noch, wie Sternhagel 1979 auf einer Duisburg City Rock’n’Roll All Stars-Probe mal sagte: „Okay, dann noch mal ab der Dominante“, und ich nachfragen mußte, welcher Akkord das denn sei. Und als die Jungs mich daraufhin etwas ungläubig anguckten, habe ich einfach zugegeben, von Musiktheorie und so kaum eine Ahnung zu haben.
xxxxxDiese meine Damit-muß-ich-mich-nicht-auskennen-Einstellung ist erst in den 90er Jahren ins Wanken geraten, als ich es im VHS-Gitarrenunterricht nämlich langsam – zwar nicht peinlich, aber doch etwas unangebracht fand, auf bestimmte Schülerfragen immer nur antworten zu können, daß ich das nicht wisse und erst zu Hause irgendwo nachschlagen müsse. Und der Grund, weshalb ich mich als schon länger im Geschäft seiender Musiker und Songwriter erst so spät und nicht schon viel früher mit dem Musiktheorie-Thema auseinanderzusetzen begonnen habe, war der, daß ich mich vorher einfach nicht dafür hatte interessieren wollen!

Musik hat in meinem Leben zwar eine überaus wichtige Rolle gespielt, ist jedoch keine bereits ganz früh erfahrene „Erste Liebe“ oder so gewesen [die hat nämlich dem Lesen gehört], obwohl meine Zeugnisnoten in den ersten Schuljahren [1960-64] dies durchaus hätten vermuten lassen können: Nach einer zu Anfang bereits sehr schönen 2 in „Musik“, hatte ich in der 3. und 4. Klasse nämlich immer eine glatte 1 [diese Note habe ich zeugnismäßig danach nur ein einziges Mal noch (1967) im Fach „Kunst“ bestaunen dürfen. (Anderthalb Jahre später war aus der Kunst-1 dann allerdings schon eine 5 geworden! / Keine Ahnung, wie so was möglich gewesen ist.)], die allerdings (wie im Zeugnis extra angemerkt) nur wegen meiner Blockflötenspiel-Fertigkeiten vergeben worden war. Und weil meine „Erfolge“ mit diesem Instrument wohl auf musikalisches Talent hinzudeuten schienen, beschlossen meine Eltern, daß ihr Sohn nun den nächsten Entwicklungsschritt machen sollte und halsten mir (als ich 9 Jahre alt war) also noch wöchentliche Klavierstunden auf [vielleicht auch nur deshalb, weil das alte Piano meiner Großeltern ohnehin in unserem Wohnzimmer herumstand]. Ich mußte dann jedoch rasch erkennen, daß weder der allsonntägliche Unterricht noch das häufige In-der-Woche-für-den-Sonntag-üben-Müssen mir besonderen Spaß machten, doch hat das für meine Eltern offenbar keinen ausreichenden „Befreiungs“-Grund dargestellt, so daß ich auch weiterhin zu dieser Pflichtübung gezwungen worden bin, bis ich das Ganze eigentlich nur noch gehaßt habe. Und erst nach anderthalbjähriger „Folter“ haben meine Eltern schließlich doch noch ein Einsehen gehabt und mich endlich [ich kann mich noch an viele Sonntags-Tränen erinnern] von meinen Qualen erlöst. Und alles, was ich bis dahin über Notenlesen und ähnliches gelernt hatte, habe ich danach so rasch wie möglich wieder zu vergessen versucht. Nur zu Weihnachten mußte ich noch einige Jahre lang in den sauren Apfel beißen und bei den traditionell im Familienkreis (vor der Bescherung) stattfindenden Heiligabend-Festlichkeiten erneut in die Tasten greifen und ein oder zwei Weihnachtslieder (manchmal auch vierhändig mit meiner Schwester zusammen) vortragen, welche aber [wie auch das komplette Programm mit außerdem noch Blockflöten-Duetten und Gedichte aufsagen und gemeinsamem Singen und der ewig immer selben Weihnachtsgeschichte („Es begab sich aber zu der Zeit…“)] in jedem Jahr wieder andere waren, was das adventliche dafür üben müssen leider auch zu einer nicht ganz einfachen Aufgabe machte – doch wenn ich nicht Klavier hätte spielen wollen, hätte ich [aktive Weihnachtsfeierbeteiligung ist für uns Kinder absolut Pflicht gewesen!] Blockflöte spielen müssen … dann doch lieber Klavier.

1964 (als ich 10 Jahre alt war) ist meine Erziehung dann in eine neue Phase getreten, weil ich von der Volksschule aufs Gymnasium wechseln mußte, wo doch schon ein ganz anderer Wind wehte, unter dessen Einfluß ich im Fach Musik nie mehr über eine 3 hinausgekommen bin. Und als ich zwei Jahre später (wie fast jeder in unserer Klasse) für Popmusik zu schwärmen begann, hat der Musiklehrer die Zeichen der Zeit leider überhaupt nicht erkannt und, anstatt die Verwendung von Tonika, Dominante und Subdominante beispielsweise mal an einem Beatleslied zu demonstrieren, auch in den kommenden Jahren nur Schallplatten mit Werken von längst verstorbenen Komponisten in den Unterricht mitgebracht, bis er uns zu unguter Letzt (anscheinend schon vollkommen demotiviert) nur monatelang noch aus einem Buch über Mozarts Reisen vorgelesen hat. Ein Interesse an den „Geheimnissen von Musik“ zu entfachen ist diesem Unterricht damals definitiv nicht gelungen.

Im zweiten der beiden Schulfächer, deren Themen für mich später von so großer Bedeutung sein sollten, war es aber auch nicht richtig gut gelaufen. Während ich in der Volksschule immer meine 2 in „Deutsch“ in der Tasche gehabt hatte, bekam ich auf dem Gymnasium zu Anfang immerhin noch eine 3, während ich in den letzten Schuljahren [1967-70] nur noch 4en und einmal auch eine 5 eingesackt habe. Dabei bin ich an diesem Fach doch eigentlich wirklich interessiert gewesen, weil ich nicht nur gern gelesen habe [in den frühen 60ern vor allem Astrid Lindgren, danach dann Karl May und Perry Rhodan, bis ich schließlich bei Hermann Hesse und Co. gelandet bin], sondern auch das Erschaffen von Büchern als etwas wirklich Besonderes empfand. Und einer meiner drei Berufswünsche als Kind ist tatsächlich Schriftsteller gewesen [die anderen beiden waren Straßenbahnführer und Feuerwehrmann], was sich z. B. auch darin zeigte, daß ich in meiner Freizeit einmal die umfangreichste Geschichte aus dem Schullesebuch abgeschrieben habe, um mir ein wenig wie ein Autor bei der Arbeit vorzukommen. Was in den 70er Jahren sogar noch von der Abschrift eines kompletten Romans [„Franny und Zooey“ von J. D. Salinger] getoppt worden ist.
xxxxxWie die Lehrer [und mein Vater hat ebenfalls zu dieser Spezies gehört] mir damals aber Literatur nahezubringen versuchten, hatte mir überhaupt nicht geschmeckt. Ich hatte – wie gesagt – das Lesen immer sehr geliebt, und wenn ich ein Buch mochte, bin ich einfach zufrieden damit gewesen, eine besondere Zeit in einer anderen Welt verbracht zu haben; während diese Eindrücke im Deutschunterricht durch anschließendes Zerpflücken des Textes zur Analyse der Lektüre aber wieder völlig kaputtgemacht worden sind. Ich bin einfach nicht interessiert daran gewesen, das Geheimnis der beim Lesen empfundenen Magie durch „Was will uns der Autor damit sagen und wie hat er dieses Ziel erreicht?“-Fragen zu enträtseln und so. Als Leser wollte ich einen Text nur „empfinden“ und ihn danach nicht noch zum Nachvollziehen der Arbeitsweise des Autors und so mit kaltem Herzen ausschlachten und kläglich verbluten lassen.
xxxxx[Und hier ein perfekt zum Thema passender Ausschnitt aus dem 2020 erschienenen Roman „Writers & Lovers“ von Lily King (deutsch von Sabine Roth):
xxxxx„Was würden Sie in Ihrem Englischunterricht anders machen?“
xxxxxIch überlegte. „Ich würde die Schüler darüber schreiben lassen, welche Gefühle das Buch bei ihnen wachruft, welche Erinnerungen ihnen beim Lesen gekommen sind, ob es ihre Haltung zu irgendetwas verändert hat. Ich würde sie ein Lese-Tagebuch führen lassen, in dem sie nach jeder Lektüre einfach drauflos schreiben. Auf welche Gedanken hat dich das Buch gebracht? Das würde ich wissen wollen. Ich glaube, da würden einige ziemlich originelle Ideen herauskommen anstatt der alten, ausgelutschten wie Mensch versus Natur. Sollte ich das je als Aufsatzthema vergeben, Mensch versus Natur, muss mir irgendwer den Gnadenschuss geben. Mit solchen Fragen reißt man die Leute komplett aus der Geschichte heraus. Warum soll man die Kinder herausreißen wollen? Man will sie so tief wie möglich hineinführen, damit sie all das erfahren und spüren, was der Autor mit solcher Mühe für sie geschaffen hat.“
xxxxx„Aber glauben Sie nicht, dass es auch größere Fragen gibt, denen ein Autor in seinem Buch nachgeht?“
xxxxx„Doch, aber die sollten nicht im Vordergrund stehen, und schon gar nicht darf man sie abtrennen von dem sinnlichen Erleben der Geschichte. Ein Schriftsteller will, dass man in sein Buch eintaucht.“]
xxxxxUnd beim Aufsätze schreiben – was mir in der Volksschule immer viel Spaß gemacht hatte – war auf dem Gymnasium plötzlich die Einhaltung von bestimmten Regeln ungeheuer wichtig geworden. Mein früher eher spielerischer und instinktiver Umgang mit einer Schreibaufgabe ist dann torpediert worden vom Bedenken-Müssen verschiedener zuvor im Unterricht (durch Literatur-Analyse etc.) extrahierter Punkte, die mich leider überhaupt nicht weitergebracht sondern alles eigentlich nur verkompliziert und schwieriger gemacht haben. So daß ich bei Klassenarbeiten aus Angst, diese Regeln [allein die simple „Einleitung-Hauptteil-Schluß“-Forderung hatte ich nie richtig verstanden, weil ich immer dachte, drei komplett voneinander getrennte Teile konstruieren zu müssen] irgendwie falsch anzuwenden, jedesmal mit der technischen Seite des Geschichtenerzählens zu kämpfen hatte, so daß ich insgesamt viel zu verkrampft an die ganze Sache herangegangen bin und deshalb nie wieder etwas wirklich Gutes hinbekommen habe. Und das eigentlich nur, weil ich versucht hatte, regelkonform zu „funktionieren“.

Aber auch meine Leistungen in den übrigen Schulfächern sind (im Gegensatz zur Volksschule) nicht nur nicht überragend gewesen, sondern im Laufe der Jahre auch immer mehr den Bach runtergegangen, was irgendwann zur (mich allerdings überhaupt nicht auf den rechten Weg führenden sondern womöglich genau das Gegenteil bewirkenden) Folge hatte, daß mir einige Sachen, die mir wirklich wichtig waren, wegen meiner Noten [weil ich sonst ja noch weniger Zeit für die Schule gehabt und noch weniger Zeit aufs Lernen dafür verwendet hätte] von meinem Vater verboten worden sind. Wie zum Beispiel: in den Osterferien einen Job als Botenjunge in einem Hüttenwerk anzunehmen (um erstes eigenes Geld zu verdienen und mir davon ein Tonbandgerät kaufen zu können) / oder: nach erfolgreich absolviertem Volleyball-Probetraining [ich war zuvor mit der Schulmannschaft des Mannesmann-Gymnasiums Nordrhein-Westfalen-Meister geworden] der Vereinsmannschaft von Eintracht Duisburg beizutreten. 
xxxxx[Nur in einen Boxverein zu gehen hätte mein Vater mir vermutlich gestattet, weil er mich dazu in der Vergangenheit nämlich schon mal zu drängen versucht hatte, da er selber eine Vorliebe für diese „Sportart“ besaß und der Ansicht war, daß ich ob meiner langen Arme und der daraus resultierenden Reichweite doch wie geschaffen dafür sei. – Als jegliche Art von Gewalt ablehnender Mensch ist Boxen für mich aber so ziemlich das letzte gewesen, was auszuüben ich jemals in Erwägung gezogen haben würde.]

Die Summe der mir auferlegten Ge- und Verbote in Verbindung mit den in mich gesetzten Erwartungen [das Abitur zu machen und danach zu studieren (weil dies meinem Vater verwehrt geblieben war: er war 1941 im Alter von 19 Jahren zur Kriegsmarine eingezogen worden und erst mit 26 wieder – wegen Malaria vorzeitig aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen – heimgekehrt) ist der Weg gewesen, der für mich vorgesehen war] und dem immer schlechter werdenden Verhältnis zu meinem Vater (gepaart mit heimlichen Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen) hatten mich langsam aber sicher einem immer größeren Druck ausgesetzt, dem ich schließlich nur noch durch eine ziemlich krasse Aktion zu entkommen können glaubte: meinem schulischen Totalverweigerungsjahr 1969/70. Ich hatte zu dieser Zeit quasi „aufgegeben“, tat so gut wie nichts mehr für die Schule und versuchte, alles an der unsichtbaren Mauer, die ich durch ausgefeilte Verdrängungstechnik um mich herum aufgebaut hatte, abprallen zu lassen, indem ich auf Fragen meiner Lehrer nur mit gesenktem Kopf neben meiner Bank stehend geschwiegen oder mit „Je ne sais pas“, „I don’t know“ oder „Ich weiß es nicht“ geantwortet habe. [Kein Wunder also, daß der Schuldirektor meinen Eltern damals nahegelegt hatte, mich mal zum Psychiater zu schicken. Was sie auch taten. / Als ich nach dem zweiten Termin jedoch herausfand, daß jede Sitzung meine Eltern ganze 50 DM kostete (was damals ECHT viel Geld für uns war), habe ich die Sache sofort wieder abgebrochen.]
xxxxxAls Folge meiner „Augen zu und Kopf in den Sand“-Politik ist mein Abgang vom Gymnasium [und zwar ohne Mittlere Reife oder Hauptschulabschluß (weil ich für letzteren auf dem Zeugnis des vorherigen 9. Schuljahrs nämlich in allen Fächern mindestens „ausreichend“ gestanden haben müßte)] im darauffolgenden Sommer (1970) natürlich unausweichlich gewesen, was schließlich auch durch mein negativrekordverdächtiges Abschlußzeugnis mit sage und schreibe fünf 5en und zwei 6en bestätigt worden ist.
xxxxx[Und die Untersekunda als Sitzenbleiber einfach noch mal zu durchlaufen ist auch nicht möglich gewesen, da ich bereits in der Obertertia eine „Ehrenrunde“ gedreht hatte, was eine Wiederholung derselben nach den damaligen Regeln erst in der übernächsten Stufe – also der für mich absolut unerreichbaren Obersekunda – wieder zugelassen hätte.]

Nach außen hin bin ich auf dem (Zeugnis-)Papier also ein vollkommener Versager gewesen, was innerlich (wegen meiner vielfältigen Ängste und Minderwertigkeitskomplexe) leider nicht viel anders ausgesehen hat, so daß ich es interessant fand, Jahre später in alten Notizbüchern auf Eintragungen gestoßen zu sein, die besagten, daß mein Leben erst im Alter von 16 Jahren richtig begonnen habe. Zu dem Zeitpunkt hatte ich zwar noch in meinem katastrophalen letzten Schuljahr gesteckt, dem ich gedanklich aber eigentlich wohl schon „entronnen“ war, weil ich, statt dem Unterricht zu folgen, meistens nur irgendwelchen Tagträumen nachgehangen habe, um die schnöde Wirklichkeit so gut wie möglich auszublenden. [Was mir auch erklärt, weshalb ich an dieses letzte Schuljahr so gut wie keine schulischen Erinnerungen mehr habe.]
xxxxxMeine „mit 16 erst wirklich zu leben begonnen haben“-Aussage hat wahrscheinlich darauf abgezielt, daß ich in dieser Zeit langsam begonnen habe, mich ganz vorsichtig ein wenig „freizuschwimmen“, indem ich – von meiner damaligen Begeisterung für Popmusik getragen – eine neue Welt in Reichweite sah, die mich spüren machte, daß ich (trotz all meiner Ängste und Verkorkstheit) willkommen sei und dazugehören könnte. Eine Welt, deren Protagonisten (Musiker und ihre Fans) sich althergebrachten Regeln zu widersetzen und etwas Neues zu erschaffen versuchten, was ganz gut zu meiner rebellisch angehauchten Verweigerungshaltung paßte. Und die „Befreiung“ von der Schule mit seinen mich gefühlt nur einengenden und in eine nicht von mir selbst gewählte Richtung drängenden Regeln schien deshalb für mich auch der richtige und vielleicht sogar einzig gangbare Schritt zu sein –
xxxxx[obwohl auch nach dem Abgang vom Gymnasium im Sommer 1970 noch nicht alles vorbei gewesen war, da ich, meinen Eltern gehorchend, danach noch folgende Stationen (allerdings auch nur ziemlich halbherzig) durchlaufen habe:
xx  xA (mit parallel einhergehendem schulischen Unterricht verbunden, um die für die Fortsetzung des Studiums benötigte Mittlere Reife nachzuholen):
– im Herbst 1970: Studium an der Schule für Gestaltung in Krefeld (nach knapp 2 Monaten abgebrochen)
– ab April 1971: Musik-Studium (Gitarre) am Konservatorium Duisburg (nach 6 Monaten abgebrochen)
xx  xB (ein abschließender Versuch, die Mittlere Reife zu erlangen):
– ab Februar 1972: Abendgymnasium Zimmermann in Duisburg (nach 1 Semester abgebrochen)].

Und dieses „mich innerlich einer neuen Gemeinschaft zugehörig fühlen“ hatte ich auch äußerlich kundtun wollen, indem ich eines Tages (im Sommer vor meinem letzten Schuljahr) meine Mutter in mein Zimmer gebeten habe, ihr den auf Pappe aufgeklebten Bravo-Starschnitt von Barry Gibb präsentierte und verkündete, daß ich unbedingt auch solch eine Frisur haben wollte. (Und dann oblag es also ihr, meinen Vater davon zu überzeugen, mir diesen speziellen Wunsch nicht abzuschlagen – und ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, doch sie hat es geschafft.)
xxxxxUnd nach diesem frisurentechnisch absolvierten Beitritt zum „Hippietum“ ging es natürlich auch noch weiter, und so habe ich im Oktober 1969 (wenige Tage vor meinem 16. Geburtstag) mein erstes Rockkonzert besucht und in der Düsseldorfer Rheinhalle meine damalige Lieblingsband Steppenwolf gesehen. Im April 1970 war dann mein erstes Festival gefolgt: das Progressive Pop Festival in Köln, von dem ich leider nur einen der beiden Tage (mit einem klasse Auftritt von Colosseum und einem mich enorm beeindruckenden von Mighty Baby) mitnehmen durfte. [So daß mir damals also doch nicht alles verboten worden war, sondern nur die „Langzeitprojekte“ oder so.]

Nach meinem Schulabgang (im Sommer 1970) sind die Pelikans zum letzten Mal gemeinsam in Urlaub gefahren, und weil es rund um unser abgelegenes Ferienhäuschen in der tiefsten dänischen Pampa überhaupt nichts zu erleben gegeben hat [keine Häuser, keine Menschen, kein Wald, kein Strand oder sonst irgend etwas Interessantes in der Nähe], habe ich mir aus purer Langeweile schließlich die kleine Nylonsaiten-Gitarre meiner Schwester geschnappt [die mich bis dahin überhaupt nicht interessiert hatte, weil ich im Vorjahr – mit sehr frustrierendem Ergebnis – bereits einmal versucht hatte, irgendwelche Klavierakkorde auf einer (nur für einen Tag geliehenen) Gitarre zum Leben zu erwecken] und täglich mehrere Stunden (außer Hörweite) darauf herumgeklimpert, während ich mir vorstellte, ein von allen bewunderter Rockstar zu sein.

Wieder zurück in Duisburg habe ich dann ein eigenes Instrument bekommen (eine kleine Höfner mit Stahlsaiten) und bin in den Gitarrenkurs für Anfänger an der Volkshochschule gegangen, den ich aber nicht bis zum Ende mitgemacht habe, weil es mir nicht schnell genug vorangegangen war oder so. Und von da an habe ich nur noch autodidaktisch weitergemacht, was mir sowieso eigentlich lieber war, da ich aufgrund meiner Erfahrungen mit Schule und Lehrern eine grundsätzliche Abneigung gegen alles besaß, bei dem mir „vorgeschrieben“ wurde, wie ich etwas zu tun oder eben nicht zu tun habe. Da wollte ich lieber einen größeren Entwicklungsumweg in Kauf nehmen und das Rad (des Gitarrespielens) für mich einfach neu erfinden, um so auch weit verdienterermaßen das für mich immer noch recht fremde Gefühl, etwas Eigenes aus mir selbst heraus zu (er)schaffen, zu empfinden. [Das 1971 hinzugekommene halbjährige Intermezzo auf dem Konservatorium ist übrigens, weil mich die klassische Spielweise nach Noten und so nicht die Bohne interessiert hat, nur eine Alibi-Veranstaltung für meine Eltern gewesen, die halt wollten, daß ich irgendwas „Vernünftiges“ tun sollte. Hängengeblieben ist von diesen paar Monaten klassischen Unterrichts aber so gut wie nichts.]
xxxxxUnd so war es gekommen, daß ich weder beim Gitarre spielen lernen [obwohl ich hin und wieder auch mal einen zuvor im Fernsehen (Beat-Club z. B.) gesehenen unbekannten Griff – meist jedoch ohne Erfolg – in meinem Zimmer zu rekonstruieren versucht habe] noch bei meinen 1971 einsetzenden Liederschreibversuchen auf Hilfe von anderen zurückgreifen wollte. Und weil ich auch von dem ganzen Theorie-„Kram“ nichts wissen wollte, bin ich beim Komponieren einfach nur meinen Instinkten gefolgt und habe irgendwelche Akkorde ausprobierend aneinandergereiht … und wenn sie mir gefielen, wenn das Resultat „rund“ zu sein schien, war es gut. Und wenn nicht, wurden halt andere Klangfolgen ausgetestet, bis es irgendwann dann „paßte“.
xxxxxUnd auch bei Gitarrengriffen habe ich häufig herumexperimentiert und einfach irgendwas zusammengebastelt – und wie diese neu entdeckten Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünfklänge dann geheißen haben oder in welchem musikalischen Verwandschaftsverhältnis sie zum vorausgegangenen Griff standen ist mir vollkommen egal gewesen. Und so habe ich eines Tages auch mal diesen Akkord hier entwickelt:

Ich hatte ihn als letzten Griff einer dreiakkordigen Schlußsequenz [bestehend aus E-Dur, gefolgt von E7/G# (in Tabulatur: 4-2-0-1-0-0) und endend mit obigem A7/9] für einen Blues in (der Tonart) A erwählt und damals keine Ahnung von seinem Namen gehabt oder davon, daß er eine perfekt aufeinander aufbauende vierfache Terzfolge beinhaltete.
xxxxxEine Terz ist der (Tonhöhen-)Abstand von zwei Tönen, die im Notenliniensystem als übernächste erscheinen. In der Stammtonreihe (c-d-e-f-g-a-h) wäre das z. B. der Abstand von c nach e, oder der von d nach f (usw.), wobei der Tonschritt von c nach e eine große Terz ist (= 4 Halbtonschritte), der von d nach f dagegen eine kleine Terz (= 3 Halbtonschritte). [Zur Erinnerung: ein Halbtonschritt entspricht dem Tonabstand von einem Bund auf der Gitarre.] Wenn du auf der Gitarre also den Ton c spielen würdest (egal auf welcher Saite) und dann 4 Bünde höher gingest, kämst du immer zum Ton e. Während vom Ton d aus 3 Bünde höher gegriffen immer der Ton f erklänge.

Eine Terz ist ein sogenanntes „Intervall“. Ein Intervall benennt den (Tonhöhen-)Abstand von zwei (beliebigen) Tönen. Ein Intervall ist in der Regel – mit Ausnahme der Prime und seiner Oktaven – ein „Zweiklang“.
xxxxxEin Intervall ist noch kein Akkord. Von „Akkord“ spricht man erst ab einem Dreiklang. Die bekanntesten Dreiklänge sind die Dur– und Mollakkorde.

Ein Durakkord besteht aus zwei aufeinandergesetzten Terzen, von denen die unterste eine große Terz ist und die darüberliegende eine kleine Terz. Diese Konstellation ergibt drei Töne, die dem 1., dem 3. und dem 5. Ton der dem Akkord seinen Namen gebenden Dur-Tonleiter entsprechen, welche man auch als 135-Gebilde notieren könnte, das seit mehreren Jahrhunderten aber nur Dur genannt wird. Und weil der Ton 1 dabei die Basis darstellt, auf der das gesamte Klanggebäudes errichtet wurde, wird ein Akkord auch immer nach diesem „Grundton“ benannt. Wenn der Grundton etwa ein c wäre, würde ein darauf errichteter Große-Terz-plus-kleine-Terz-Dreiklang ein „C1-3-5“ sein, gleichbedeutend mit „C-Dur„. / Und eine mit dem Ton d beginnende 1-3-5-Folge [die allerdings nicht mehr komplett aus den Tönen der Stammtonreihe bestünde] wäre nichts anderes als ein D-Dur(akkord).

Ein Mollakkord besteht ebenfalls aus zwei aufeinandergesetzten Terzen, die allerdings andersherum angeordnet sind, so daß zuunterst die kleine Terz liegt, und darüber die große. Was (da die beiden verschieden großen Terzen zusammengerechnet immer dasselbe Intervall ergeben – eine Quinte) logischerweise bedeutet, daß die Töne 1 und 5 bei (auf demselben Grundton errichteten) Dur- und Mollakkorden identisch sind und sich nur der Terzton geändert hat.
xxxxxEine große Terz wird mit der Zahl 3 angegeben, während eine kleine Terz als „b3“ notiert wird. [Das „b“ bedeutet, daß der nachgenannte Ton um einen Halbtonschritt erniedrigt gerechnet wird.] Ein Mollakkord besteht also aus den Tönen 1-b3-5, und ein Durakkord aus den Tönen 1-3-5. (Auch in meinen Griffdiagrammen sind die Einzeltöne aufgeführt!)

Der kleine Ton-Unterschied bei Dur- und Mollakkorden läßt sich sehr gut am E-Griff verdeutlichen, bei dem die große Terz (die 3) [siehe das Diagramm des Monats April] ja mittels des Zeigefingers im 1. Bund erzeugt wird. Und wenn ich den Zeigefinger nun wegnähme, würde diese Saite einen halben Ton tiefer klingen: würde aus der 3 also eine b3, aus der großen Terz eine kleine Terz und aus dem E-Dur ein e-Moll geworden sein.

Noch etwas Wichtiges zum Dreiklang:
xxxxxBeim Spielen von Dur- und Moll-Griffen werden auf der Gitarre in der Regel mehr als nur drei Saiten angeschlagen, doch bleibt der hörbare Akkord dennoch ein Dreiklang, weil sich seine drei verschiedenen Töne auf anderen Saiten einfach nur wiederholen (und keinen neuen vierten Ton oder so ergeben). Nehmen wir zur Erläuterung erneut den E-Dur-Griff, bei dem ja alle sechs Saiten angeschlagen werden dürfen:
xxxxxEs geht (vom tiefsten Baßton an gerechnet) mit der 1 los, gefolgt von der 5, dann kommt erneut die 1 (als Wiederholung in der Oktave), zur Abwechslung dann mal die 3, abermals die 5 (ebenfalls eine Oktave höher wiederholt), und am Ende ein weiteres Mal die 1 (insgesamt jetzt schon zwei Oktaven höher als die erste 1), was in Tönen notiert ein e-h-e-g#-h-e wäre. Der E-Dur-Dreiklang besteht also aus den Tönen e, g# und h.

Wer sich die Einzelton-Zahlen in obigem Diagramm aber mal genauer ansieht, wird feststellen, daß dabei nur ein einziger Ton wiederholt wird, unser Akkord des Monats also aus fünf verschiedenen Tönen besteht und demnach ein Fünfklang ist.
xxxxxDie Erweiterung eines Dreiklangs um (erst mal) einen vierten Ton sieht in der Praxis häufig so aus, daß auf die beiden Dreiklang-Terzen einfach noch eine weitere Terz gesetzt wird. Und während die als „Dur“ und „Moll“ bekannten Tonkombinationen 1-3-5 und 1-b3-5 im Akkordsymbolsystem nur mit einem Großbuchstaben (bei Dur) oder einem Großbuchstaben plus kleinem „m“ (m für Moll) dargestellt werden (also „A“ und „Am“ etwa), werden alle sonstigen (= nicht zum Dur- oder Moll-Dreiklang gehörenden) Töne in der Akkordbenennung als Zahlen notiert. Und diese Zahlen werden hochgestellt geschrieben, um auch optisch schon ihre Abweichung vom üblichen Dreiklanggebilde darzustellen oder so.

Unser heutiger, A7/9 geheißener Akkord des Monats drückt durch das A also den A-Dur-Dreiklang 1-3-5 aus, und durch die hochgestellten Zahlen die zusätzlichen (Tonleiter-)Töne 7 und 9, so daß der gesamte Akkord also ein 1-3-5-7-9-Gebilde ist (was vier aufeinandergesetzte Terzen bedeutet) – doch beinhaltet diese Aussage leider eine kleine „Unwahrheit“, die von einer Unlogik in der Definition der Akkordsymbolzahlen hervorgerufen wird:
xxxxxWir haben ja bereits festgestellt, daß eine Terz ein Intervall ist und daß es zwei verschieden große Terzen gibt. Die große Terz wird auch als großes Intervall bezeichnet und die kleine Terz als kleines Intervall. Intervalle sind nach den lateinischen Ordnungszahlen benannt und ergeben sich aus der simplen Durchnummerierung der Stammtöne (c-d-e-f-g-a-h). Und weil die Tonwelt nach diesen 7 Stammtönen [die auch gleichzeitig die C-Dur-Tonleiter darstellen] ja nicht zu Ende ist, folgt als 8. Ton (nach dem h) ein weiteres c, als 9. ein weiteres d und so fort.
xxxxxDas Intervall von Ton 1 zu(m gleichen) Ton 1 [in der C-Dur-Tonleiter also von c zu c] heißt Prime,
das Intervall von Ton 1 zu 2 [c zu d] heißt Sekunde,
das von Ton 1 zu 3 [c zu e] = Terz,
von Ton 1 zu 4 [c zu f] = Quarte,
von Ton 1 zu 5 [c zu g] = Quinte,
von Ton 1 zu 6 [c zu a] = Sexte,
von Ton 1 zu 7 [c zu h] = Septime,
von Ton 1 zu 8 [c zu c] = Oktave,
von Ton 1 zu 9 [c zu d] = Noneund hier breche ich mal ab, weil wir obigen A7/9-Akkord damit ausreichend erklären können.
xxxxx[P.S.: Intervalle können natürlich von jedem beliebigen Ton aus
gebildet und gerechnet werden.]

Und jetzt wird’s leider noch mal etwas komplizierter:
xxxxx
Außer großen und kleinen Intervallen gibt es nämlich auch noch eine dritte Intervall-Art, die sogenannten reinen“ Intervalle, die nur eine einzige (reine) Größe haben und nicht in „groß“ und „klein“ unterteilt werden können.
xxxxxDie reinen Intervalle sind in obiger Aufzählung rötlich eingefärbt [Prime, Quarte, Quinte und Oktave], während alle anderen [die grünlichen Intervalle Sekunde, Terz, Sexte, Septime und None] sowohl in großer als auch in kleiner Form existieren. Die kleinen Intervalle werden b2, b3, b6, b7 und b9 geschrieben und sind jeweils um einen Halbtonschritt kleiner als ihre „großen Vettern“, welche durch (nur) einfache Zahlen (2, 3, 6, 7 usw.) als große Intervalle definiert werden. [Auch die reinen Intervalle werden mit einfachen Zahlen angegeben.]

Und jetzt kommt das Unlogische:
xxxxxDie Regel, daß große Intervalle durch einfache Zahlen bestimmt sind gilt (aus absolut unerfindlichen Gründen) im Akkordsymbolsystem leider NICHT bei der Zahl „7, die dort nämlich immer für eine kleine Septime steht [während die Zahlen 2, 3, 6 und 9 immer ein großes Intervall bedeuten], in Wahrheit also ein „b7“ ist und im Diagramm auch als solches aufgeführt wird (und werden muß). Die A7/9-Terzfolge ist also „groß-klein-klein-groß„.
xxxxx[Die „7“ stellt in der normalen Intervallbestimmung aber nach wie vor das Zeichen für die große Septime dar, während dieselbe Zahl ausschließlich in der Nutzung als Akkordsymbol die kleine Septime bedeutet. Diese Unlogik kann man nicht verstehen, die muß man einfach nur hinnehmen (oder sich als Vulkanier erschießen oder so).]

Das in meinen Augen aber wirklich Besondere an obigem A7/9-Griff ist, daß er den einzigen auf der Gitarre spielbaren [zumindest habe ich noch keinen anderen entdeckt] Dur7/9-Akkord darstellt, bei dem alle vier Terzen in ihrer natürlichen Noten-Reihenfolge [also 1. Terz / 2. Terz / 3. Terz / 4. Terz] erklingen.
xxxxx[Zum Vergleich hier mal ein E7/9, das in Tabulaturschrift so aussieht „0-2-0-1-3-2“ und die Tonleiterschritte
1-5-b7-3-b7-9 aufweist. Ziemlich krumm, oder? Da sieht unser A7/9 doch schon sehr viel aufgeräumter aus: 1-3-5-b7-9-5.]
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Abschließende Akkord-Pointe:
xxxxxIrgendwann, als ich die Töne dieses A7/9-Griffes mal langsam nacheinander habe erklingen lassen, erinnerten sie mich plötzlich an eine Melodie, die mir total vertraut vorkam. Und nach wenigen Augenblicken wußte ich auch wieder, woher ich diese kannte.
xxxxxIn den guten alten Zeiten des Deutschen Fernsehens gab es – heute absolut unvorstellbar! – zwischen einzelnen Sendungen (falls diese nicht gerade zufällig die perfekte Länge hatten) nämlich einfach Pausen. Und diese Pausen sind nicht – wie heute üblich – mit Werbung gefüllt wurden, sondern mit einfach nur Warten. Und um dieses Warten ein wenig unterhaltsamer (oder so) zu gestalten, ist es durch akustische Pausenzeichen aufgelockert worden, während auf dem Bildschirm nur das Logo des jeweiligen Senders zu sehen war. Ich erinnere mich z. B. noch an eine weibliche Stimme, die aus dem Off verkündete: „Zur Fortsetzung des Programms schalten wir um nach Hamburg.“ Dann folgten ein paar Sekunden Stille, bevor schließlich eins von diversen Pausenzeichen erklang. Danach gab’s dann wieder Stille (bestimmt 10 Sekunden lang), bevor dieses Pausenzeichen wiederholt wurde, gefolgt von erneut Stille und der nächsten Klangwiederholung usw. Und manchmal hat das Ganze (bevor es mit einer Programmvorschau oder der erwarteten Sendung weiterging) auch etwas länger (als nur 1 Minute oder so) gedauert. Tja, das waren noch Zeiten, als man offenbar noch Zeit hatte.
xxxxxUnd wenn ihr mal das (in meinen Ohren „berühmte“) NDR-Pausenzeichen [sogar in der korrekten Tonart!] auf der Gitarre nachspielen wollt, müßt ihr nur den A7/9-Griff nehmen, langsam nacheinander die ersten 5 Saiten anschlagen, und zum krönenden Abschluß noch zweimal den im 17. (sic!) Bund gegriffenen Schlußton auf der letzten Saite zu Gehör bringen. Was grifftechnisch tatsächlich möglich ist, wenn ihr, während der 5. Ton auf der vorletzten Saite erklingt, die linke Hand wegnehmt und rasch nach oben führt. Und dieser doppelte Schlußton ist ein „a“, das erstaunliche 3 Oktaven höher liegt als der Startton dieser kleinen Pausen-Melodie. – Und so viel zum Akkord des Monats Mai im Juni.

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Abschließende Schulzeit-Pointe:
xxxxxDas letzte Mal, daß ich die Schulbank gedrückt habe (um doch noch – wenn auch letztlich erneut vergeblich – die Mittlere Reife zu erlangen), ist 1972 auf dem Abendgymnasium Zimmermann in Duisburg gewesen. Die zu bewältigenden Fächer waren Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Englisch, Lateinisch, Geschichte und Deutsch. Und als in Deutsch dann die erste Klassenarbeit anstand, erinnerte ich mich natürlich auch an meine alten Versagensängste beim Aufsatzschreiben und an die wenig erfolgreichen Versuche, mich bei diesen Aufgaben an bestimmte „Literatur-Regeln“ zu halten; und so hielt ich einen Augenblick inne … und beschloß, dieses scheiß Einleitung-Hauptteil-Schluß-Dings diesmal komplett zu vergessen und einfach so zu agieren, wie mein Instinkt es mir einflüsterte. Und als wir die Arbeiten dann zurückbekamen, hatte ich eine glatte 2 – die beste Note, die ich jemals in Deutsch seit meinem ersten Jahr auf dem Gymnasium bekommen hatte.
xxxxxUnd das bestärkte mich in dem Glauben daran [auch wegen meiner damals unübersehbaren Fortschritte als Gitarrenspieler und Liederschreiber], daß es richtig sei, nicht nur an althergebrachten starren Regeln festzuhalten, sondern immer auch auf die (und sei sie noch so klein und schüchtern) eigene, innere Stimme zu achten. Und knapp zwei Jahre später habe ich mein erstes „literarisches“ Werk in Form eines fotokopierten Heftchens mit fünf kleinen Geschichten (in einer Auflage von 20 Exemplaren) herausgebracht.