Der Alles-klar-fürs-Konzert?-Blog (28.4. – 6.5.2013)

Weil mein am 5. Mai bevorstehendes Bühnenjubiläumskonzert ja bereits vor einem halben Jahr hatte stattfinden sollen, damals aufgrund einer 6 Tage vorher beginnenden Erkältung am Ende aber abgesagt werden mußte, startet hier nun (7 Tage vor dem neuerlichen Versuch) der tägliche pelikanesische Allgemeinzustandsbericht, damit ihr Bescheid wißt und gegebenenfalls mitfiebern könnt.

 

Sonntag [noch 7 Tage], 28. April, 12 Uhr mittags

Hallo Freunde,
meine Stimme befindet sich derzeit im absolut grünen Bereich, doch ist es etwas ungemütlich hier, weil die Heizung bei mir nicht funktioniert, so daß ich schon den 3. Tag nacheinander mit 2 Pullovern, Lederjacke und Schal am Schreibtisch sitze. Im Moment habe ich hier 18,5 °C, und das ist mir Frierepitter einfach zu wenig. Vielleicht gelingt es der Sonne ja, meine Bude in den nächsten Stunden noch ein wenig aufzuwärmen.

Körpertemperatur: 36,6 °C

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Montag [noch 6 Tage], 29. April, 10:15 vormittags

Außentemperatur: 11 °C
Zimmertemperatur: 18 °C [Heizung bringt immer noch nur null]
Körpertemperatur: 36,5 °C
Stimme: leicht kratzig, wie sie morgens bei mir immer klingt, also nach wie vor alles im grünen Bereich.

Ansonsten: Soeben die Nachricht von der Hausverwaltung erhalten, daß die Umwälzpumpe der Heizung kaputt und der Monteur schon auf dem Weg sei. Na also, es geht aufwärts.

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Dienstag [noch 5 Tage], 30. April, 11 Uhr vormittags

Seit gestern nachmittag um halb 3 funktioniert meine Heizung wieder, so daß ich gut aufgewärmt zur abendlichen Generalprobe erscheinen konnte. Das könnte ein schöner Abend werden am Sonntag, denn alle Leute sahen richtig gesund aus, und meine Stimme ist heute auch noch da, im Gegensatz zu dem Tag nach der Generalprobe vor einem halben Jahr. Also, alles im grünen Bereich, nur die innere Anspannung wächst.

draußen: 14 °C
im Zimmer: 22 °C
in mir: 36,2 °C

Ansonsten: Hab mir gestern noch ein neues Fieberthermometer gekauft, um euch auch möglichst zuverlässige Daten angeben zu können, da mein altes Thermometer schon über 30 Jahre alt war. Ist aber schon komisch, so ganz ohne den Quecksilberstreifen runterschütteln zu müssen.

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Mittwoch [noch 4 Tage], 1. Mai, 11 Uhr vormittags

Gestern abend habe ich erfahren, daß zwei meiner Lieblingsfrauen (aus Bielefeld und Jena) am Sonntag zum Konzert anreisen werden, und heute freue ich mich zum ersten Mal richtig auf diesen Abend, während ich mir in den letzten Tagen allgemein eher Sorgen gemacht hatte, ob ich auch die richtigen Töne treffen werde und so. Aber bei einem Wiedersehen mit so vielen alten Freunden sollte das gar nicht das Allerwichtigste sein.

Und bevor ich’s vergesse: Desi hat Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch nach Berlin.

Die Sonne scheint, im Zimmer ist’s warm, meine Temperatur ist akzeptabel (36,0 °C), der BVB ist im Finale, das Leben ist schön.

Ansonsten: Einer meiner Nachbarn guckt mich seit gestern etwas komisch an, fast so wie vor einem Jahr nach der Bob-Dylan-Geschichte. Da hat an dessen (Dylans, nicht des Nachbarn) 70. Geburtstag bei mir um 4:15 nachts nämlich der Wecker geklingelt, weil ich vorher ausgerechnet hatte, daß ich exakt um 4:18 anfangen müßte, wenn ich bis 24 Uhr alle meine Dylan-CDs durchgehört haben wollte. Und weil ich auch nichts verpassen wollte, während ich auf’m Klo oder in der Küche oder unten am Postkasten wäre, mußte die Musik manchmal recht laut gestellt werden, und es ist ohnehin schon ein recht hellhöriges Haus hier … aber einmal im Jahr richtig krachend Geburtstag zu feiern ist ja auch erlaubt, oder?

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Donnerstag  [noch 3 Tage], 2. Mai, 12:25 mittags

Heute nacht nicht gut geschlafen, dafür aber schlecht geträumt, und jetzt leicht erhöhte Temperatur: 37,4 °C, wahrscheinlich das berühmte Lampenfieber. Ich fühl mich stimmlich aber kräftig und körperlich fit und freu mich immer noch auf Sonntag.

Fairerweise muß ich nach dem gestrigen Fußballspiel nun auch noch ein „Respekt und Anerkennung“ an die Bayern aussprechen, mit einem zusätzlichen Gruß an Harry.

Ansonsten: Der Nachbar guckt mich immer noch an, als wenn ich ein Alien wäre. Wahrscheinlich hat er mich (obwohl ich in letzter Zeit nur noch mit Bart und zusammengebundenen Haaren herumlaufe) nun doch auf einem der 27 Konzert-Plakate, die ich im Hausflur und (jeweils zweifach) an jeder Wohnungstür angebracht habe, erkannt.

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Freitag [noch 2 Tage], 3. Mai, 14:10 mittags

„Wer weiß, wozu es gut war“, sagte Anja zu mir, als ich das Konzert im November absagen mußte, und jetzt weiß ich’s: um auf der Bühne eine bessere Figur abzugeben. Denn vor einem halben Jahr zeigte meine Waage noch 86 kg an (drei Monate zuvor sogar 90), während ich jetzt wieder bei meinem Wunschgewicht von 80 kg angelangt bin. Und weil mein Gewicht in den letzten dreißig Jahren mehrfach um bis zu maximal 18 kg schwankend war [nach einer Freßzeit wurde halt immer auch mal wieder eine Hungersnot ausgerufen], paßten auch meine Jeans oft nicht mehr, so daß ich (seit Mitte der 80er) ab einem gewissen Bauchumfang nur noch One-size-fits-all-Latzhosen von Aldi getragen habe. Und wenn ich mal wieder dünn genug war, kaufte ich mir neue Jeans, weil ich an die alten nicht mehr gedacht hatte oder so … das könnte zumindest eine Erklärung für meine vielen Hosen sein. Denn weil ich für meinen Auftritt ein wenig schicker aussehen wollte, habe ich meinen Kleiderschrank vorhin nach alten Jeans durchstöbert und die erstaunliche Anzahl von 9 Exemplaren gefunden. Hatte mit insgesamt 2 bis 3 gerechnet. Und irgendeine davon paßt mir am Sonntag bestimmt. Und soeben habe ich mal die Unterschiede in den Hosen gemessen, und zwar, wie weit sie an der Hüfte in zugeknöpftem und zusammengelegtem Zustand sind. Ergebnis: 45 cm, 49 cm, 40 cm (weiß, aus den frühen 80ern), 45 cm, 46 cm, 44 cm, 48 cm, 42 cm, 47 cm (schwarz). Die Anprobe werde ich aber erst am Sonntag machen.

Wetter: leicht bedeckt, aber schön (für Sonntag sind 12 Sonnenstunden angekündigt), und meine Körpertemperatur liegt auch wieder unter 37 °C.

Ansonsten: Gestern sind mir noch zwei recht seltsame Sachen widerfahren. Zum einen glaubte ich, John Lennon in einem vorbeirauschenden Taxi sitzen gesehen zu haben, und abends auf dem Heimweg vom Kraan-Konzert erblickte ich tatsächlich mal wieder ein Ufo. Es schien vom Dach des VHS-Gebäudes aus gestartet zu sein und war dunkelblau und hatte rot leuchtende Fenster oder so. Meine ersten (und bis gestern auch letzten) drei Ufos hatte ich in Formation fliegend eines nachts nach’m Eschhaus an der 6-Seen-Platte entdeckt, und die waren mattglänzend golden gewesen, allerdings auch ziemlich weit weg über den Bäumen am anderen Seeufer. Die gestrige Ufosichtung beunruhigt mich nun allerdings doch etwas, denn ich glaube ja gar nicht an Ufos (zumindest an keine, die es von ihrem eigenen Sonnensystem bis hierher schaffen könnten) … aber ich habe gesehen, was ich gesehen habe. Sollte ich mir jetzt also Sorgen um meinen Verstand machen? Aber wie auch immer, ich kann auf jeden Fall noch singen, und das dürfte im Moment wohl das Wichtigste sein.

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Samstag [noch 1 Tag], 4. Mai, 11:10 vormittags

Erinnert ihr euch noch an John Lennon? Gestern habe ich ihn sogar zweimal gesehen. Zuerst bei einem kleinen Spaziergang, wo er unerwarteterweise hinter Luckys Fenster stand, sich, als ich stehenblieb, um mich zu vergewissern, aber rasch wegduckte, und später noch in der Pommesbude. Weil er dort aber bedient hat, schätze ich, daß es doch nur ein Doppelgänger gewesen ist. Aber was hat Lucky mit Pommesbudenaushilfskräften zu tun?

Es gibt einfach Tage, die sich anfühlen, als wenn sie nicht von dieser Welt wären. Und wenn ich’s nicht besser wüßte, würde ich behaupten, daß das Ufo vorgestern ein paar seiner Insassen hier vergessen hat, weil manche Leute doch ziemlich seltsam aussehen. Beim Bäcker hat sich beispielsweise so ’ne Art Uli Hoeneß mit Tentakeln auf’m Kopp vorgedrängt, und der Bettler, der bei der Deutschen Bank unter dem großen Schild mit der Aufschrift „Ich berate meine Kunden vertraulich. Aber ich empfehle nichts, was ich nicht auch öffentlich vertreten könnte“ saß, sah mit seinen sechsfingrigen Händen auch irgendwie unheimlich aus.

Aber worüber schwafel ich hier eigentlich? Sollte ich nicht von was ganz anderem berichten? Ach ja, meiner Temperatur und so: wahrscheinlich normal. Ich kann die kleinen Zahlen auf dem Thermometer heute einfach nicht richtig erkennen, weil sie immer so rumwackeln, und auch einige andere Gegenstände scheinen, wenn ich sie genauer in Augenschein nehme, eine Art Eigenleben zu entwickeln. Ob ich wohl mal zum Augenarzt gehen sollte? Aber der hat heute ja sowieso zu.

Und was war sonst noch? Mein Auftritt morgen. Komisch, mein Lampenfieber ist wie weggeblasen, und meine Stimme klingt super. Also alles im grünen Feld – ich meine: Pegel. Oder Ausschlag?

P.S.: Mein Nachbar. Heute ist mir bei dem zum ersten Mal eine (hab ich vorher nie bemerkt) gewisse Ähnlichkeit mit – ich weiß!, aber ich kann ja auch nichts dafür! – John Lennon aufgefallen … obwohl er definitiv eine Nase zuviel im Gesicht hatte. Hat der sich aber wahrscheinlich nur angeklebt, um mich zu ärgern.

Dann bleibt in der Spur…

 

Sonntag [der große Tag], 5. Mai, 11:10 vormittags

Hallo Freunde,
ich habe recht gut geschlafen [nur etwas zu wenig], aber total verrückt geträumt: Irgend jemand hatte in Duisburg LSD ins Trinkwasser gekippt, und weil ich – können alle meine Gitarrenschüler bestätigen – ja immer nur Leitungswasser trinke, hatte ich solch eine kräftige Dosis davon abbekommen, daß ich überall nur noch Ufos und Aliens, die wie John Lennon oder so aussahen, gesehen habe. War einer dieser Träume in Farbe, die äußerst realistisch gewirkt haben.

Aber jetzt bin ich wach, ein kleines bißchen müde zwar, aber das wird heute abend bestimmt vergehen, und meine Stimme ist leicht kratzig (also normal) und meine Temperatur liegt bei 36,3 °C. Also keine Ausreden mehr.

Als Bühnenoutfit habe ich mich (um von dem tristen Grau auf meinem Kopf etwas abzulenken) für ein seit einem halben Jahr nagelneues und heute zum erstenmal zum Einsatz kommendes T-Shirt in Kombination mit dem Trikothemd des rechten Verteidigers der Fußballschulmannschaft des Mannesmann-Gymnasiums Ende der 60er Jahre entschieden.

Tja, und jetzt fällt mir nichts Berichtenswertes mehr ein, deshalb: have a nice day, und vielleicht bis heute abend.

 

Montag [der Tag danach], 6. Mai, 11:25 vormittags

So, das war’s. Lief am Anfang nicht wirklich professionell, da wir die Leute erst ne halbe Stunde zu spät reinlassen konnten [einer der wichtigsten Techniker hatte ne Stunde im Stau gestanden, so daß die ganze ruhige Vorbereitungsphase in einem gehetzt-löcherigen (und zur eigentlich geplanten Publikumseinlaßzeit erst beginnenden) Jetzt-eben-noch-schnell-Soundcheck endete], aber das interessiert heute ja schon niemanden mehr. Genauso wenig wie Pelikans Temperatur, Stimmlichkeitsbefinden oder Halluzinationsfähigkeit. Hauptsache, die Show war in Ordnung, und ich denke, wegen des gestrigen Abends muß ich mich nicht schämen.

Auf keinen Fall vergessen möchte ich aber, mich an dieser Stelle nochmal bei allen beteiligten Musikern [denn ein Pelikan-solo-Abend wäre doch sehr viel unspektakulärer geworden] zu bedanken, die mir nach meiner krankheitsbedingten Absage des November-Termins viel Mut gemacht haben, das Konzert nicht ganz ausfallen zu lassen, sondern – weil sie auch alle nochmal mitmachen wollten – einige Monate später nachzuholen.

Und vielen Dank auch an die vielen Zuschauer [179 zahlende], die, trotzdem sie im November vor verschlossenen Türen gestanden hatten, den Weg gestern noch ein zweites Mal gewagt haben.

Und zum Abschluß noch ein paar erste Fotos von A.S.H. Pelikans 40,5-Jahre-Bühnenjubiläum.

Dann bis dann, und bleibt gesund…