When I’m 64

Pelikan über Pelikan als …

Musiker:
Ein toller Sänger ist er nicht, hat sich inzwischen (im Alter von 64 Jahren) aber halbwegs damit abgefunden. Der Rest [Gitarrist, Songwriter] ist ganz okay.

Schriftsteller:
Hat nach 45jähriger Übung endlich ein (in seinen Augen) annehmbares Niveau erreicht. Ist immer noch mit ganzem Autorenherzen dabei und plant für dieses Leben mindestens noch eine Prosabuchveröffentlichung [welche die erste seit 1982 sein würde].

Maler:
Nach wie vor unterste Schublade.

Innenarchitekt:
Hat die von ihm genutzten Wohnräume schon immer als „art in progress“ angesehen und ist seinem Höhlengemütlichkeitseinrichtungsprinzip bis heute treu geblieben.

Videofilmemacher:
Hat viele Ideen, doch hapert es vor allem an technischen Möglichkeiten für eine erfolgreiche Umsetzung.

Fotograf:
Hat ein gutes Auge, nur nicht die Zeit [Lust?], sich noch einmal einem gänzlich neuen Bereich zu widmen.

Koch:
Eine einzige Katastrophe. Selbst ein einfacher Salat mit Essig und Öl hat überhaupt nicht geschmeckt.

Dieb:
Ein lupenreiner Amateur. Zuletzt 1985 tätig geworden. Nachdem er die frisch erschienene Erstausgabe der „Zürcher Kassette“ von Arno Schmidt für 80 DM gekauft hatte, erschien einige Monate später die 2. Auflage mit einem zusätzlichen Poster [Was für eine Frechheit, den Erstausgabenkäufern gegenüber!], und dieses Poster entwendete er eines Tages in ebender Buchhandlung, in der er auch die Kassette (ohne Poster) erstanden hatte, unter großem Streß, aber ohne wirkliche Gewissensbisse.

Frau:
Keine Ahnung. [Und wer diesen Kategoriepunkt nicht versteht, ist vielleicht nur kein Cineast.]

Liebhaber:
Zärtlicher Durchschnitt. (Heißt: völlige Ahnungslosigkeit in bezug auf den weiblichen Orgasmus und seine Erzeugung.)

Großvater:
Keine Chance auf Vera, Chuck and Dave. In den 70er Jahren hoffte er darauf, mal Onkel zu werden, fühlte sich für eigene Kinder aber nie reif genug. Vermißt am Nie-Vater-geworden-Sein nur manchmal das nie Gute-Nacht-Geschichten-Vorleser gewesen sein.

Hausmann:
Eine absolute Niete.

Gitarrenlehrer:
Der richtige Mann im richtigen Job. Weiß inzwischen sehr viel über die Materie, doch fallen seine Erklärungen im Unterricht deswegen auch manchmal etwas deutlich zu weitschweifig aus.

Künstler:
Absolut kein Genie, aber doch etwas Besonderes.

Geschäftsmann:
Der amerikanische Schriftsteller Richard Brautigan sagte in den 60er Jahren mal: „Ich bin dreißig, und in den letzten zehn Jahren lag mein Durchschnittseinkommen bei 1400 Dollar im Jahr. Amerika ist ein sehr reiches Land, und ich komme mir manchmal unamerikanisch vor.“
mmPelikans Durchschnittseinkommen lag, als er (als Musiker und Gitarrenlehrer im Eschhaus) dreißig war, sogar noch unter dem Brautigans. Inzwischen kann er von seinen Gitarrenkursen (an der Volkshochschule) aber fast schon leben.

Autofahrer:
Hatte mit achtzehn mal über einen Führerscheinerwerb nachgedacht, es ob der damals schon zu erwartenden finanziell eher mageren Zukunftsaussichten aber wieder verworfen. Erledigt alles im Umkreis von 15 km mit dem Fahrrad.
mmZu Anfang des neuen Jahrtausends versuchte er sich überraschenderweise aber doch noch an einem (von Mutter finanzierten) Autoführerschein, gab nach 70 unerquicklichen Fahrstunden (bei 0 Fehlern in der theoretischen Prüfung) aber völlig desillusioniert wieder auf. Hat sich seitdem aber trotzdem weiterentwickelt und ist 2007 auf ein Fahrrad mit Gangschaltung [3 Gänge] umgestiegen.

Bühnenakteur:
Hat sich – trotz manchmal fast unerträglichem Lampenfieber – auf den Brettern, die die Welt bedeuten, eigentlich immer recht wohlgefühlt. Genügt seinen eigenen musikalischen Ansprüchen inzwischen aber nicht mehr und will deshalb keine Auftritte mehr machen. Schließt Ausnahmen oder Meinungsänderungen allerdings nicht kategorisch aus.