When I’m 64

Pelikan über Pelikan als …

Musiker:
Ein toller Sänger ist er nicht, hat sich inzwischen (im Alter von 64 Jahren) aber halbwegs damit abgefunden. Der Rest [Gitarrist, Songwriter] ist ganz okay.

Schriftsteller:
Hat nach 45jähriger Übung endlich ein (in seinen Augen) annehmbares Niveau erreicht. Ist immer noch mit ganzem Autorenherzen dabei und plant für dieses Leben mindestens noch eine Buchveröffentlichung [die erste seit 1984].

Maler:
Nach wie vor unterste Schublade.

Innenarchitekt:
Hat die von ihm genutzten Wohnräume schon immer als art in progress angesehen und ist seinem Höhlengemütlichkeitseinrichtungsprinzip bis heute treu geblieben.

Videofilmemacher:
Hat viele Ideen, doch hapert es vor allem an technischen Kenntnissen für eine erfolgreiche Umsetzung.

Fotograf:
Hat ein gutes Auge, nur nicht die Zeit [Lust?], sich noch einmal einem gänzlich neuen Bereich zu widmen.

Koch:
Eine einzige Katastrophe. Selbst ein einfacher Salat mit Essig und Öl hat nur scheußlich geschmeckt.

Dieb:
Ein lupenreiner Amateur. Zuletzt 1985 tätig geworden, nachdem er die frisch erschienene Erstausgabe der „Zürcher Kassette“ von Arno Schmidt für 80 DM gekauft hatte. Einige Monate später erschien die 2. Auflage dann mit einem zusätzlichen Poster [Was für eine Frechheit den Erstausgabenkäufern gegenüber!], und dieses Poster entwendete er eines Tages in ebender Buchhandlung, in der er auch die Kassette (ohne Poster) erstanden hatte, unter großem Streß, aber ohne wirkliche Gewissensbisse.

Frau:
Keine Ahnung. [Und wer diesen Kategoriepunkt nicht versteht, ist vielleicht nur kein Cineast].

Liebhaber:
Ziemlich aus der Übung, vermißt es aber nur selten.

Großvater:
Keine Chance auf Vera, Chuck and Dave. In den 70er Jahren hoffte er darauf, mal Onkel zu werden, fühlte sich für eigene Kinder jedoch nie reif genug. Vermißt am Nie-Vater-geworden-Sein nur manchmal das Nie-Vorleser-gewesen-Sein.

Hausmann:
Eine absolute Niete.

Gitarrenlehrer:
Der richtige Mann im richtigen Job. Weiß inzwischen sehr viel über die Materie, doch fallen seine Erklärungen im Unterricht deswegen auch häufig etwas zu weitschweifig aus.

Künstler:
Absolut kein Genie, aber doch etwas Besonderes.

Geschäftsmann:
Der amerikanische Autor Richard Brautigan schrieb in den 60er Jahren mal: „Ich bin dreißig, und in den letzten zehn Jahren lag mein Durchschnittseinkommen bei 1400 Dollar im Jahr. Amerika ist ein sehr reiches Land, und ich komme mir manchmal unamerikanisch vor.“
mmPelikans Durchschnittseinkommen lag mit 30 [als Musiker und Gitarrenlehrer im Eschhaus] sogar noch unter dem Brautigans. Inzwischen kann er von seinen Gitarrenkursen (an der Volkshochschule) aber [wenn alle zustandekommen] fast schon leben.

Autofahrer:
Hatte mit 18 mal über einen Führerscheinerwerb nachgedacht, es ob der damals schon zu erwartenden finanziell eher mageren Zukunftsaussichten aber rasch wieder verworfen. Erledigt alles im Umkreis von 15 km mit dem Fahrrad.
mmZu Anfang des neuen Jahrtausends versuchte er sich überraschenderweise dann doch noch an einem (von Mutter finanzierten) Autoführerschein, gab nach 0 Fehlern in der theoretischen Prüfung und 70 unerquicklichen Fahrstunden aber völlig desillusioniert wieder auf. Hat sich aber trotzdem weiterentwickelt und ist seit 2007 mit einem Fahrrad mit Gangschaltung [3 Gänge] unterwegs.

Bühnenakteur:
Hat sich – trotz manchmal fast unerträglichen Lampenfiebers – auf den Brettern, die die Welt bedeuten, eigentlich immer recht wohlgefühlt. Genügt seinen eigenen künstlerischen Ansprüchen inzwischen aber nicht mehr und will deshalb keine Auftritte als Musiker mehr machen. Schließt Ausnahmen oder Meinungsänderungen allerdings nicht kategorisch aus.