ÄLTERE BEITRÄGE: THE REST OF

How To Be A Happy Man

Ende Oktober 2018

Nun ist also das, was mir mit 20 oder 30 noch völlig undenkbar war, eingetreten: Ich bin 65 Jahre alt geworden. Irgendwann mal dieses Alter zu erreichen hatte ich zwar nicht für völlig unmöglich gehalten, doch tatsächlich mal 50, 60 oder sogar 65 Jahre alt zu sein ist für mich früher nie vorstellbar gewesen. Ging einfach nicht. Außerdem wollte ich sowieso nicht so alt werden, weil die wenigen alten Menschen, die ich damals kannte, alle keine Ziele mehr zu haben und nur noch vor der Glotze zu hängen und auf das Ende zu warten schienen. Da war ich dann ganz bei den Who: I hope I die before I get old (My Generation).

Nun, ich habe Glück gehabt, mir geht’s im Kopf noch richtig gut und ich bin seit einigen Jahren tatsächlich (und in dieser Beständigkeit sogar zum ersten Mal in meinem Leben) ein glücklicher Mensch. Ich habe offenbar meinen Seelenfrieden gefunden und lebe jetzt so, wie ich es mir vor gut 50 Jahren schon erträumt habe: als Schriftsteller, denn Literatur ist meine erste große Liebe gewesen [bevor sie von Musik als neuer Nummer 1 abgelöst wurde, die inzwischen aber nur noch eine Nebenrolle spielt und hinter Literatur und Film auf die dritte Stelle meiner Lieblingskünste zurückgefallen ist]. Zwar habe ich als Autor bis heute noch keine finanziellen Erfolge vorzuweisen [1982 mal 100 DM für den Gewinn des „Text des Monats“ der Stadtbibliothek Duisburg, und vier Jahre später noch einmal dieselbe Summe bei einem Dortmunder Lyrik-Wettbewerb], doch ist die finanzielle Seite ja auch nicht das Wichtigste, wenn man das tun kann, was man liebt. Und so verbringe ich täglich 4 bis 7 Stunden am Schreibtisch, wobei ich an drei Tagen in der Woche meine Arbeit leider vorzeitig abbrechen und mich zu meinen Gitarrenkursen nach Stadtmitte und Rheinhausen auf die Fahrradsocken machen muß.

65, das ist das Alter, von dem es in meiner Jugend hieß, daß man seine Lebensarbeit dann geleistet habe und sich in den Ruhestand zurückzöge, um seine Rente zu genießen. Meine Geldverdienarbeit ist aber nicht das Schreiben, sondern seit mehr als 40 Jahren das Gitarrenunterricht-Geben [während meine literarische Arbeit vor allem für meinen Seelenfrieden zuständig ist], und weil ich bei der VHS mit 65 nicht automatisch rausgeschmissen werde, mache ich – da ich noch wirklich Lust dazu habe und auch immer noch besser werde – einfach weiter. [Von der zu erwartenden Rente würde ich ohnehin nicht einmal meine Wohnungsmiete zahlen können…]

Eines der schönsten Komplimente, das ich je bekommen habe, stammt von Sternhagel, dem Gitarristen der in Duisburg ehemals recht bekannten Duisburg City Rock ’n‘ Roll All Stars: „Pelikan? Auch so’n Erfolgsverweigerer. Der hätte sauerfolgreich sein können, auf irgendeine Weise…“
xxxxxErfolgsverweigerer, gefällt mir. Allerdings hat mein heutiger Nicht-gerade-top-Status wohl vor allem damit zu tun, daß ich immer viel zu „nett“ und naiv und ängstlich und als Geschäftsmann einfach immer eine komplette Niete gewesen bin. Businessmäßiges Hauen und Stechen und Ellbogen einsetzen ist mir schon immer zuwider gewesen, und als Konsequenz daraus könnte ich heute sogar damit prahlen, noch nie im Leben Steuern gezahlt zu haben, da ich stets unter dem Verdienst-Mindestsatz gewesen bin. [Allerdings habe ich auch noch nie Hilfe von Vater Staat in Anspruch genommen, weil sich meine Eltern viel zu einfach und viel zu berechenbar als „Sponsoren“ hatten ausnutzen lassen.]

Als junger Mensch habe ich natürlich auch mit dem ganz großen Erfolg geliebäugelt, denn ich wollte ja nicht so was langweiliges wie Gitarrenlehrer oder so werden. In den 70er Jahren war mein Traum Rockstar,

[Mein Vater sagte immer schon:
„Im Leben braucht man Sicherheit.
Was willst du denn mal werden, Sohn?
Denn so langsam wird es Zeit.“
xxxxx„Ein bißchen noch zur Schule geh’n,
ich hab noch kein besond’res Ziel,
erst mal schau’n und dann mal seh’n,
ich werd schon merken was ich will.“

Und ich weiß jetzt wohin,
wo ich sein kann wie ich bin,
wo ich meine Angst verlier‘,
wo ich fühl, daß ich gewinn‘,
und das ist hier (auf der Bühne).
xxxxxPelikanesische Übertragung von „Finally Found A Home“ von Huey Lewis & the News]

in den 80ern Rockstar und Schriftsteller,
xxxxx[Ich habe damals dreieinhalb Jahre an einem Wildwestroman gesessen und ihn tatsächlich auch fertiggestellt, doch war das Ergebnis leider nicht so gut wie erhofft, so daß das Werk bis heute in der Schublade geblieben ist, obwohl ich seine (allerdings eher leichtgewichtige) Story auch heute noch sehr liebe.]

in den 90ern nur noch, vom Alkohol wegzukommen,
xxxxx[was ich seit dem 27. März 2001 auch geschafft habe!]

und im neuen Jahrhundert vor allem, erwachsen zu werden (mit erster eigener Wohnung und so) und zu versuchen, das bisher Erreichte nicht nur komplett geringzuschätzen. Und so habe ich – um den Nachweis zu liefern, als Duisburger Songwriter [mit rund 250 Eigenkompositionen] auch tatsächlich existiert zu haben – von 2008 bis 2015 meine (durch eine Erbschaft nach dem Tod meiner Mutter erst möglich gewordene) 6teilige CD-Reihe mit überwiegend alten Live-Aufnahmen herausgebracht. Zwar ist keine der Scheiben richtig toll zu nennen, doch war das Projekt auch mehr als Songwriter- und Band-Werkschau angelegt, in der neben den eigenkompositorischen Perlen auch die nicht ganz erstligareifen Lieder ihre Existenzberechtigung haben sollten.
xxxxx(Ich habe bis heute zwar nur 51,7 Prozent der Gesamtkosten wieder eingenommen, doch ist das Wichtigste für mich ja gewesen, daß ich mir den eigentlich schon lange begraben gewesenen Traum von einer eigenen Schallplatte schließlich doch noch erfüllen konnte.)

Als die CD-Reihe [mit insgesamt 67 Eigen- und 34 Fremdkompositionen] im Sommer 2015 abgeschlossen war, machte ich mich daran, mir ein Schreibprojekt zu suchen, um mal wieder ein Buch herauszubringen, weil ich als Schriftsteller in Duisburg nämlich noch etwas zu beweisen hatte. Seit meinem letzten veröffentlichten Werk („Herzlichen Glückwunsch“, 1982) waren ja schon einige Jahrzehnte ins Land gegangen, doch hatte ich in der ganzen Zeit – selbst in den depressiven Phasen meiner alkoholgetränkten Midlife-Krise in den 90er Jahren – nie völlig mit dem Schreiben aufgehört und spätestens nach den mehr als 100 Bookletseiten für meine CDs das Gefühl, einen deutlichen Niveauschritt nach vorne getan zu haben. Und das finde ich bei der Arbeit an meinem neuen Buch „In Ermangelung eines aldebaranischen Sternenhimmels“ (das hoffentlich bis 2021 erschienen sein wird) glücklicherweise immer noch bestätigt.

Zuvor wird jedoch noch „Im Bann der Subdominante“ erscheinen, eine 2017 und ’18 aufgenommene neue Pelikan-CD, die auschließlich Eigenkompositionen enthält, von denen 12 noch nie zuvor auf einem Tonträger zu hören gewesen sind.

„65 und keine Ziele mehr“ war ja mein jugendlich irriger Fehlglaube, die allgemeine Situation beim Eintritt ins „Rentenalter“ betreffend, aber wenn ich für ein neues Pelikan-Buch von ca. 3 bis 4 Arbeitsjahren ausgehe, habe ich bereits genügend Ideen für ein weiteres Schreib-Jahrzehnt auf Lager. Ihr braucht euch für die Zukunft um mich als Künstler also keine Sorgen zu machen, denn solange ich noch konzentriert denken und schreiben kann, habe ich alle Aussichten, auch weiterhin ein glücklicher Mensch zu sein.

Stichwort glücklicher Mensch: Zum Abschluß dieses „Wie läuft’s denn so mit 65?“-Beitrags möchte ich euch noch den Text eines Liedes für die kommende CD vorstellen [Nachtrag 2019: Diese Nummer ist inzwischen wieder von der CD gestrichen worden, weil der Song doch ziemlich lang ist und ich mir nach dem Hören der Aufnahmen leider eingestehen mußte, daß ich doch nicht mehr die musikalische Kraft früherer Jahre besitze, um solch einen Song mehr als 7 Minuten lang in der erforderlichen Spannung zu halten], das zur Fertigstellung schlappe 42,5 Jahre benötigt hat. Die erste Strophe habe ich im Frühjahr 1973 verfaßt, während der Rest erst im April und Oktober 2015 hinzugekommen ist.


How To Be A Happy Man

1) Here I am, a young guy, who didn’t finish school
I don’t have any plans for life, just wanna play it cool
good morning, mother sun, thank you for the day
good morning, mother sun, now I’m gonna take this day away
a lot of freaks all around in the streets
I think there are some friends of mine I will meet
hello, Mr. Dealer, do you have some shit today?
I’d like a piece for 10 and then I’m going to smoke the day away

2) I woke up this morning with a tear in my eye
I’m thirty years of age now and I wish it were a lie
I luckily quit drugs about ten years ago
it didn’t change my way of life, I’m still moving rather slow
I’m writing stories and I play my guitar
I still dream my dream of becoming a star
I don’t think of tomorrow cause I live from day to day
the future might bring sorrow, so let’s take a guitar and make it play

3) Now it’s ten years later and things are going wrong
I still live with my parents without knowin‘ where I belong
my novel wasn’t published, my band was no hit
I’m giving guitar lessons, but it’s just a job, I must admit
so what’s it all about when nothing’s pleasing me
my dreams are over and I’m drinking heavily
I need to ease my mind cause I’ve got so much to hide
to keep myself from feeling that emptiness inside

I have been hoping for years
to find that one true romance
so I searched in ev’ry woman that I met for my last chance
to become a happy man

4) The years went by and slowly I got something quite clear
my life was ruled by alcohol, by weakness and by fear
then I finally reached the point, the moment of fate
when I met my future as I found out it was not too late
to change my ways, to be my own best friend
to bring that drunkard’s misery to an end
to stop my senseless waiting, to give things a try
to make myself believe that I could solve all my problems by and by

5) And now with over sixty I’ve found my place in the sun
I didn’t touch any alcohol since two thousand and one
and I’m trying not to waste my time like I did before
not to wait for miracles to manage all I’m looking for
I no longer need to be famous at all
don’t need great success, no golden records on the wall
I really like my work, teaching how to play guitar
and I still love writing, so I’m following my star

For me the meaning of life
is individuality
because working on my talents was the perfect way to see
how to be a happy man


80. Todestag von Thomas Wolfe

15. September 2018

Heute vor 80 Jahren ist der amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe (* 3.10.1900) gestorben. Er wurde nur 37 Jahre alt.

Foto: Carl Van Vechten [Public domain], via Wikimedia Commons

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Zu Lebzeiten sind von Wolfe lediglich zwei (allerdings recht umfangreiche) Romane, ein Band mit Erzählungen und ein autobiographischer Werkstattbericht erschienen. Nach seinem Tod hat sein Lektor aus den hinterlassenen Manuskriptbergen noch zwei weitere Romane und einen weiteren Kurzgeschichtenband zusammengestellt und herausgebracht.

xxxxxZu Lebzeiten veröffentlichte Romane:
Schau heimwärts, Engel! (1929)
Von Zeit und Strom / Von Zeit und Fluss (1935)
xxxxxPostum veröffentlicht:
Geweb und Fels (1939)
Es führt kein Weg zurück (1940)

Man kann allerdings davon ausgehen, daß die letzten beiden Bücher anders ausgesehen haben würden, wenn Wolfe sich länger damit hätte beschäftigen können, da er wie ein Besessener geschrieben und meistens etwas planlos an einem gewaltigen Überwerk, das an allen Fronten ständig erweitert und umgeschrieben wurde, gearbeitet hat. Wolfes zweiter Roman ist deshalb vor allem seinem damaligen Lektor Maxwell Perkins [der auch F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway „entdeckt“ hatte] zu verdanken, der aus den in den vergangenen vier Jahren fabrizierten Manuskriptbergen schließlich einen Teil herausnahm und zum neuen Buch erklärte. Dieses neue Buch hatte in dem Moment allerding noch den doppelten Umfang von „Krieg und Frieden“ und wurde anschließend in gut einjähriger Arbeit um ca. 75 Prozent gekürzt (was Wolfe ohne Perkins‘ Insistieren nie im Leben gelungen wäre) und um noch fehlende Übergangspassagen ergänzt. Und trotz dieser rigorosen Kürzungen war es bei seinem Erscheinen 1935 der bis dahin umfangreichste amerikanische Roman überhaupt.

Wolfe ist auf der einen Seite ein literarisches Genie gewesen, das auf der anderen aber überhaupt kein Gespür für das rechte Maß besessen hat, weil er einfach ZUVIEL wollte, nämlich ALLES beschreiben, was unter anderem auch bedeutete, daß er von neu hinzukommenden Buch-Charakteren am liebsten auch noch deren komplette Lebensgeschichte bis zum Eintreten in die Erzählung präsentiert hätte (und es zum Leidwesen seines Lektors auch manchmal getan hat). Dieses ALLES WOLLEN wird in „Von Zeit und Fluss“ einmal folgendermaßen beschrieben:

„Dieser Furor, der ihn antrieb, so viele Bücher zu lesen, hatte nichts mit Gelehrsamkeit, nichts mit akademischen Ehren, nichts mit herkömmlichem Bildungseifer zu tun. Er war in keiner Weise ein Gelehrter und wollte auch keiner sein. Er wollte einfach über alles auf Erden Bescheid wissen; er wollte die Erde verschlingen, und die Erkenntnis, dass ihm dies nicht gelingen konnte, trieb ihn in den Wahnsinn. Und so verhielt es sich mit allem, was er tat. Mitten in einem furiosen Leseabenteuer in der imposanten Bibliothek durchbohrte ihn der Gedanke an die Straßen draußen und an die große Stadt ringsum wie ein Schwert. Dann schien es ihm, als wäre jede mit Büchern verbrachte Stunde vertan – als ereignete sich in den Straßen eben in diesem Augenblick etwas ungeheuer Kostbares, Unwiederbringliches, das ihm, könnte er es nur rechtzeitig sehen, helfen würde zu verstehen, was in ihm war – den Strom, den Quell, den Ursprung, aus dem alle Menschen und Worte und Taten und jedes Ansinnen auf dieser Erde hervorgehen.
xxxxx
Und er stürmte […] hinaus, um […] dann Stunden damit zuzubringen, durch Hunderte Straßen zu preschen und einer Million Menschen in die Gesichter zu schauen, im Bestreben, sich augenblicklich ein schlüssiges Bild von allem, was sie taten und sagten und waren, zu machen, von ihrer Million Schicksale und von der großen Stadt und der ewigen Erde und den unermesslichen und einsamen Himmeln, die sich über ihnen wölbten. Und er durchforschte die furiosen Straßen, bis Mark und Bein und Blut genug davon hatten – bis jeder einzelne Nerv seines Lebens und Denkens angespannt, zittrig und erschöpft war und ihm unter der Last von Not und Verzweiflung das Herz sank.“
xxxxx[Deutsch von Irma Wehrli]

Und diesen schier unstillbaren Hunger hat auch der amerikanische Spielfilm „Genius – Die Tausend Seiten einer Freundschaft“ aus dem Jahr 2016 darzustellen versucht.
xxxxxAls ich zum ersten Mal davon hörte, daß demnächst ein Film über Thomas Wolfe in die Kinos kommen würde, bin ich begeistert gewesen. Als ich dann aber las, wer mitspielen würde, kam mir auf der Stelle das Wort Fehlbesetzung in den Sinn. Colin Firth als Maxwell Perkins? Prima! Jude Law als Thomas Wolfe? Furchtbar! Nicole Kidman als Wolfes Geliebte Aline Bernstein? Katastrophe!
xxxxxErst mal zum Alter: Jude Law ist, als der Film gedreht wurde, 41 Jahre alt gewesen. Nicole Kidman war 5½ Jahre älter.
xxxxxAline Bernstein (Kidmans Rolle) ist allerdings überhaupt keine schöne, schlanke, attraktive Frau wie Kidman gewesen und war auch nicht nur 5½, sondern ganze 19¾ Jahre älter als Wolfe, so daß sie in der Öffentlichkeit eher den Eindruck einer mütterlichen Freundin als den einer heißen Geliebten gemacht haben dürfte. Eine (wie sie der Film annehmen läßt) länger andauernde Liebesbeziehung zu einer etwa gleichaltrigen Frau hat es in Wolfes Leben nie gegeben. Und um dem Film noch etwas mehr Drama zu verleihen, ist Aline Bernstein auch noch zu einer gefährlich reagierenden Frau gemacht worden, die in einer Szene tatsächlich in Perkins Büro kommt und ihn zu erschießen droht, weil er (im Gegensatz zu ihr) so viel Zeit mit Wolfe verbringen durfte. Was für’n Quatsch, zumal die Beziehung im wirklichen Leben zu diesem Zeitpunkt schon seit mehreren Jahren vorüber war.

Nun zum Hauptdarsteller: Jude Law ist schlank und 1,82 Meter groß. Wolfe war dagegen ein Bär von einem Mann mit einer Körpergröße von 1,98 Meter. Der deutsche Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt schrieb in „Thomas Wolfe in Berlin“ über ihn: „Dieses Bild ist mir unvergeßlich geblieben: das imponierende, schwarz gelockte Haupt, das alle Gäste überragte; die linkische, beinahe kokett-abwehrende Bescheidenheit des Riesen, der bald den Mittelpunkt der Gesellschaft bildete und immer wieder errötend bemüht war, jedem Freundliches zu sagen und alle Komplimente abzuwehren.“
xxxxxDas paßt nun so gar nicht zu der Art, wie der viel kleinere Jude Law (oder der Drehbuchschreiber) Wolfe darstellt: als hochgradig narzistisch, rücksichtslosen Charakter, der nicht mal genügend Anstand besitzt, um bei seiner ersten Begegnung mit seinem künftigen Lektor respektvoll und höflich aufzutreten. Wolfe hatte zwar auch Verrücktes, doch wie er im Film porträtiert wird, kommt mir eher wie eine Parodie vor. In der Darstellung von Law und Kidman kann ich die mir schon seit vielen Jahrzehnten bekannten Personen [ich habe auch mehrere nie ins Deutsche übersetzte Biographien und ähnliches über Wolfe gelesen] deshalb leider nicht wiedererkennen. Wenn man anstelle von Law wenigstens einen Schauspieler genommen hätte, der Wolfes Statur entsprochen hätte, so daß Laws nervige Körpersprache mit dem wilden Herumgefuchtel seiner Arme allein durch die Massigkeit der Figur schon etwas anders wirken würde; und anstelle von Kidman eine Schauspielerin, die der echten Aline Bernstein in bezug auf Alter, Körpergröße [sie wird als kleine Frau beschrieben, die neben dem riesenhaften Wolfe noch kleiner wirkte / während Kidman fast so groß wie Law ist] und Aussehen [nicht wirklich attraktiv] mehr entsprochen hätte … aber nein, ein paar schlanke und weder körperlich noch altersmäßig adäquate Hollywood-Schönlinge mußten in diesem Fall mal wieder her.

Diesen Film (der er es auch an anderen Stellen mit der Wahrheit nicht immer ganz genau nimmt) kann ich also nicht empfehlen … bis auf die wunderbaren Szenen, in denen Perkins zum ersten Mal das Manuskript von „Schau heimwärts, Engel!“ liest, wobei die aus dem Off erklingenden Worte eine Prosa in den Filmraum stellen, die wirklich Eindruck hinterläßt.

Von Wolfes Büchern kann ich inzwischen (im Alter von über 60) allerdings nur noch eines empfehlen [während ich in den 70er und 80er Jahren auch die anderen mit Begeisterung verschlungen habe], doch dieses eine, sein erster Roman „Schau heimwärts, Engel!“, zählt auch heute noch zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und vermag mich immer noch so zu berühren und zu verzaubern wie damals, als ich mich Mitte der 1970er Jahre zum ersten Mal berauscht in seinen Seiten verloren habe. Und wenn von euch jemand dieses Buch mal lesen (oder wiederlesen) möchte, empfehle ich die 2009 erschienene Neuübersetzung von Irma Wehrli im Manesse Verlag, die 2011 auch als btb-Taschenbuch herausgekommen ist.

 


Gilla

 

mit Gilla Fischer
[27.12.1956 bis 3.8.2017]
in der guten alten Zeit


30 Jahre Eschhaus zu!

1. Mai 2017

Im Winter 1993/94 bekam ich das schmeichelhafte Angebot, an einem Buch zum Thema Duisburg mitzuwirken. Verschiedene Autoren waren gebeten worden, über den Stadtteil zu schreiben, der ihnen zur Heimat geworden war, und man lud mich ein, einen Text über Wanheimerort beizusteuern. Doch obwohl ich diesen Stadtteil, in dem ich seit 40 Jahren lebte, gut kannte und auch wirklich mochte, wollte sich bei diesem Thema einfach kein rechtes mich zum Schreiben drängendes Heimatgefühl einstellen, so daß ich kurz davor stand, meine bereits erfolgte Zusage wieder rückgängig zu machen, als mir noch ein ganz anderer Ort in den Sinn kam, der für mich mehr als alles andere auf der Welt wirklich Heimat bedeutet hatte. Und so schrieb ich am Ende nicht über Wanheimerort, sondern übers Eschhaus.

Und weil es heute auf den Tag genau 30 Jahre her ist, daß das Eschhaus geschlossen wurde, habe ich meinen Beitrag aus der im Oktober 1994 im Mercator-Verlag erschienenen Anthologie „Duisburg auf den zweiten Blick“ jetzt noch einmal hervorgekramt. Diese Erinnerungen stellen meinen ersten Versuch dar, mal etwas essayartiges zu Papier zu bringen, und auch wenn ich das Ganze heutzutage wohl etwas anders gestalten würde, sind meine Gefühle und Meinungen doch immer noch dieselben wie damals. Ich habe den 23 Jahre alten Text jetzt allerdings noch mal überarbeitet und an manchen Stellen geringfügig verändert und außerdem noch um ein paar [kursiv in eckige Klammern gefaßte] zusätzliche Informationen erweitert.

 

Heimatplanet

Mein Universum heißt Erde, meine Galaxis Deutschland, und mein Sonnensystem Duisburg. Es ist ein recht großes System mit vielen verschiedenen Welten, und eine davon wurde [als ich 20 Jahre alt war] für die Dauer eines ganzen Jahrzehnts zu meinem Heimatplaneten. Dieser besondere Planet lag auf der Sternenkarte Rhein/Ruhr in Zentralebene 2 des Planquadrats 85/4, trug die astronomische Bezeichnung 32-34 und war durch den Einflugkorridor Niederstraße bequem zu erreichen. Er hatte eine Größe von etwa 5000 m³, eine Schwerebeschleunigung von 9,81 m/s², drehte sich in 23,9345 Stunden einmal um sich selbst und besaß eine äußerst atembare Atmosphäre. Seine Landmasse bestand aus einem runden Dutzend Kontinente, welche Café, Sport- und Tagungsraum, Grüner Salon, Blauer Salon, Teestube, Büro, Veranstaltungsraum, Werkraum, Buchladen, Abstellraum 1, Abstellraum 2 und so weiter genannt worden waren. Die Bewohner dieser Welt waren ein humanoides, friedfertiges und recht bunt gemischtes junges Volk, das sich – laut Aussage eines intergalaktischen Völkerkundlers – aus Hippies, Ökos, Alternativen, Anti-Atomlern, Punkern, Schwulen, Lesben, Anarchos, Makrobioten, Afro- und Xenophilen, Hanffreunden, Autonomen, Antifaschisten, Frauenbewegten, Solarbastlern, Folkies, Rockfans, Musikern, Kabarettisten, Tänzern, freien Theaterschaffenden, Teetrinkern, Naturköstlern, Existenzgründern, Cineasten, Zivis, Totalverweigerern, Sozialhilfeempfängern, Internationalisten, Motorradliebhabern, Multimediaartisten und vielen anderen mehr zusammensetzte, die alle relativ normal bis ganz schön seltsam redeten, allerdings nie so hochtrabend wie der Autor von einem „Planeten“ schwafelten, sondern einfach nur „Eschhaus“ dazu sagten. Und dieses Eschhaus war im Grunde genommen nichts anderes als ein Jugendzentrum, jedoch ein vollkommen selbstverwaltetes und damit doch schon etwas ziemlich Besonderes.

Allein das Programmangebot war schon nicht von städtischen Eltern: Man konnte Konzerte besuchen, Theateraufführungen, den Film am Mittwoch oder samstags auch ganze Filmnächte, Malerei- und Fotoausstellungen, Dia- und Videovorführungen, zu Diskussionen gehen, zum Tanzen ins Rockcafé, bei Musiksessions mitmachen, Billard und Tischtennis spielen, Musik hören, was essen und trinken, Zeitungen lesen, im Buchladen stöbern, sonntags zum Frühstücken kommen, kostenlose Beratung bei medizinischen, psychologischen und juristischen Fragen erhalten, an einem der über 50 Kurse des Weiterbildungsprogramms teilnehmen oder einfach nur im Café sitzen um zu gucken und Leute zu treffen.

Als ich im August 1974, wenige Tage nach Inbetriebnahme – die offizielle Eröffnung sollte allerdings erst Ende Oktober stattfinden – zum ersten Mal einen Fuß ins Eschhaus setzte (ein unbedeutender Schritt für die Menschheit, jedoch ein lebensbeeinflussender für mich), steckte die Erschließung desselben noch sichtlich in den Kinderschuhen. Die Getränke- und Küchentheke zum Beispiel war wenig mehr als eine ordentlich zusammengezimmerte Bretterbude (die monumentale Steinversion sollte erst nach dem Anfang 1976 erfolgten Brand im Haus das Licht dieses Planeten erblicken), und wenn man die Treppe vom Café zur ersten Etage hinaufstieg, gelangte man (wo später ein Flur zu drei neuerschaffenen Zimmerkontinenten führen würde) in einen einzigen großen kargen Raum, dem ein einsamer Schreibtisch nebst Aktenschrank nur wenig glaubhafte Büroraumstimmung zu verleihen vermochte. Es war alles noch sehr primitiv und ein bißchen durcheinander, eben nach eigenen Kräften hausgemacht, und genau das gefiel mir ausnehmend gut. Die Atmosphäre war einfach nicht so abgestanden wie in ähnlichen Einrichtungen, und schiefe Blicke wegen mangelnden Konsumverhaltens brauchte man hier auch nicht zu befürchten.

Über die Entstehungsgeschichte und die Hürden, welche die Streiter für ein unabhängiges Jugendzentrum zu überwinden hatten, um den Laden überhaupt erstmal auf die Beine zu stellen und ihn allen Angriffen und vielfältigen Problemen zum Trotz auch noch bis ins dreizehnte Jahr hinein auf denselben zu halten, vermag ich – da mich dieses Thema damals [als ziemlich einfältiger Hippie und sehr unpolitischer Mensch] kaum interessiert hatte – allerdings kaum etwas zu sagen. Ich hatte 1972 oder so zwar mal an einer großen Wir-wollen-ein-eigenes-Jugendzentrum-haben-Hausbesetzung auf der Kolonie- oder Wildstraße teilgenommen, aber wohl weniger aus Überzeugung zur Sache, sondern vielmehr, weil an dem Tag da eben was los war. Politisches Verantwortungsbewußtsein gehörte damals nicht zu meinen Tugenden, und die späteren eschhausinternen Debatten haben mich auch eher gelangweilt als interessiert, doch fühlte ich mich als häufiger Gast des Hauses zumindest dazu verpflichtet, bei jeder öffentlichen Vollversammlung anwesend zu sein. Einerseits, um meine Solidarität zu dieser Gemeinschaft zu bekunden, und andererseits um mitzuhelfen, die „richtigen“ Leute für den siebenköpfigen Beirat (der Quasi-Regierung des Hauses) zu wählen.

[Hier noch meine Lieblingserinnerung an eine dieser Versammlungen: Ein in der damaligen Szene nicht unbekannter Duisburger Künstler, der aber nur äußerst selten im Eschhaus als Besucher zu sehen gewesen war, tauchte überraschend bei einer Vollversammlung auf, um für den Beirat zu kandidieren. In seiner Vorstellungsrede erwähnte er großspurig auch einige seiner Studienreisen, die ihn in den letzten Jahren sogar bis nach Indien geführt hätten und berichtete weiter, daß er demnächst auch einige Monate in Afrika zur künstlerischen Fortbildung verbringen würde. Nachdem er seinen Vortrag schließlich beendet und sich wieder gesetzt hatte, stand jemand anderes auf und stellte ihm folgende Frage: „Wie gedenkst du, die Interessen des Eschhauses in Afrika zu vertreten?“ Wodurch – als das allseitige Gelächter beendet war – die Wahlaussichten des Kandidaten faktisch auf null gesunken waren.]

Neben der Pflichtübung meiner Teilnahme an den Vollversammlungen blieben meine Tätigkeiten im Haus zu Anfang auf reines Besucherverhalten beschränkt (hinkommen, rumhängen, quatschen, abhauen), doch begannen die weitaus größeren Möglichkeiten, sich am eschhäuslichen Leben zu beteiligen, mich mit der Zeit dann auch allmählich zu erreichen und etwas einzuspannen. Das monatlich erscheinende Eschhausheft zum Beispiel brachte mich dazu, hin und wieder auch einen kleinen Artikel dafür zu verfassen, und die Bühnen in Café und Veranstaltungsraum luden zur Vorstellung von musikalischen Werken ja geradezu ein. Die Gründung einer regelmäßig im Grünen (oder Blauen?) Salon tagenden Musikerinitiative brachte mir schließlich die Bekanntschaft einer Menge neuer Leute (von denen der eine oder andere in späteren gemeinsamen Bands eine wichtige Rolle spielen sollte), und als literarisches Gegenstück zur „Kooperative Montan Musik“ fing dann auch noch das OTZ Konzern/Kollektiv im Hause an zu keimen, zu sprießen und erste Blüten in Form von kleinen Büchlein (auch ein paar von Pelikan) zu treiben, die im Eschhausbuchladen sogar käuflich zu erwerben waren. Als die Aktivitäten des Konzerns ob zusätzlicher Abteilungen sowie einer deutlich gewachsenen Mitarbeiterzahl immer unübersichtlicher zu werden begannen, durften wir sogar den Dienstag (an dem offiziell geschlossen war) nutzen, um in Ruhe im Eschhaus-Café unsere bis zu 20 Personen starken Arbeitssitzungen abzuhalten, so daß auch größere Projekte wie das – natürlich im Eschhaus selbst über die Bühne gehende – erste nichtstädtische Drei-Tage-Musik-und-Kunstfestival von Duisburg geplant, koordiniert und verwirklicht werden konnten. Daß ich irgendwann anfing, auch kleinere Aushilfstätigkeiten beim Küchen- und Thekendienst zu übernehmen, war für mich dann auch schon fast selbstverständlich, und als der Typ, der den neuen Gitarrenkurs leiten sollte, im Sommer 1977 kurzfristig absagte, war ich halt in die Bresche gesprungen und so nicht nur zu meinem ersten regelmäßigen kleinen Einkommen gekommen [- ich hatte bis dahin weder eine Lehre gemacht noch einen Job gehabt und konnte mir vom elterlichen Taschengeld lediglich ein einziges Glas Apfelsaft pro Eschhausbesuch leisten –], sondern hatte damit auch die Arbeit meines Lebens gefunden (neben meinen künstlerischen Bemühungen, die aber kaum zum Geldverdienen taugten). Und wenn es dem Eschhaus selbst finanziell mal wieder so schlecht ging, daß seine gesamte Existenz auf dem Spiel stand, wurden eben ein paar Benefizveranstaltungen durchgeführt, und es war überhaupt keine Frage, daß die sich dem Haus verbunden fühlenden Musikgruppen und Solisten sich ihrer Möglichkeiten entsprechend daran beteiligten, denn dem Eschhaus zu helfen und es dadurch zu erhalten bedeutete ja auch, den für eigene Aktivitäten wertvollen Lebensraum zu bewahren, was für alle Mitwirkenden natürlich eine sinnvolle und lohnenswerte Aufgabe war.

Das Eschhaus gibt es inzwischen nicht mehr. Es wurde am 1. Mai 1987 geschlossen und vor Ablauf einer einzigen Woche auch schon in Schutt und Asche gelegt. Meine eigene Zeit als Besucher war dort zwar schon drei Jahre vorher zu Ende gegangen [weil ich mich wegen der vielen Punks und ihrer provozierenden Respektlosigkeit einfach nicht mehr wohl gefühlt hatte], aber ich war dennoch ziemlich traurig, als ich von dieser so rasch erfolgenden radikalen Eliminination hörte, denn das Eschhaus ist nun mal der absolut wichtigste Ort für die Entwicklung meiner Persönlichkeit gewesen. Ich habe dort viele Leute getroffen, die mein Tun und Denken nachhaltig beeinflußt haben, habe auf meinem Weg als Künstler dort Übungs-, Auftritts- und Publikationsmöglichkeiten gefunden, habe die Arbeit als Gitarrenlehrer, mit der ich auch heute noch [– ich bin, nach zuvor 6½jähriger Tätigkeit im Eschhaus, seit 1984 Leiter diverser Gitarrenkurse an der Volkshochschule Duisburg –] meinen Lebensunterhalt bestreite, dort beginnen und also erlernen können, und habe auch die wichtigste [inzwischen nur noch zweitwichtigste] Frau meines Lebens dort kennengelernt. Ich habe 10 Jahre lang einen Großteil meiner Zeit im Eschhaus verbracht, habe dort gearbeitet, gefeiert, geträumt, mich unterhalten, andere unterhalten, mich unterhalten lassen, und einmal [nachdem schon Feierabend war] sogar Liebe dort gemacht, habe mich – kurz gesagt – einfach mehr als irgendwo sonst auf der Welt im Eschhaus wirklich zu Hause gefühlt; und was kann man sich von einem Heimatplaneten schon noch mehr wünschen … außer, daß er nicht zerstört werde, natürlich.

(Leider nötiger) Nachtrag:
Ein zentraler Nicht-Kneipen-Jugend-Szene-Treff-Veranstaltungsort fehlt in Duisburg seitdem völlig [Stand: 1994], und die Stadt tut nicht gerade viel, um dem Abhilfe zu schaffen. Zwar wurden sogar einmal [in welchem Jahr, weiß ich aber nicht mehr] 800.000 DM für solch ein Projekt in Aussicht gestellt, doch auch der extra für diesen Zweck (damit es nicht bei der schönen Geste und ansonsten nur leeren Worten bleiben sollte) gegründete „Verein für unabhängige Jugend- und Kulturarbeit in Duisburg“ war letztendlich immer noch auf den guten Mithilfswillen der Stadt angewiesen, und diese bot halt nur ein Haus an der Wörthstraße an, das man einfach ablehnen mußte. Zum einen war seine Lage nicht gerade zentral zu nennen, zum anderen fehlte dort ein größerer konzerttauglicher Veranstaltungsraum, und zum letzten bis allerletzten wollte die Stadt ihre Mitarbeiter im künftigen Beirat auch noch zu 50 und später sogar zu 100 Prozent vertreten wissen, und da bliebe die Unabhängigkeit dann ja doch wohl irgendwie auf der Strecke. Der harte Kern des Vereins machte aber dennoch weiter (zumal die Gelder ja immer noch vorhanden waren), fand ein geeignetes leerstehendes Gebäude im Innenstadtbereich, entwickelte in mehrwöchiger Zusammenarbeit mit anderen Kulturinitiativen ein festes, klares Konzept, reichte es ein – und das war’s dann: Die Stadt reagierte überhaupt nicht darauf. Bei einer späteren Nachfrage bekam man lediglich zur Antwort, daß der Konzeptvorschlag in die allgemeinen Diskussionen mit einfließen würde, woraufhin der Verein den Glauben daran verlor, in dieser Stadt noch etwas bewegen zu können und seine Existenz zutiefst enttäuscht einstellte.

Ich selbst werde das bestimmte Gefühl nicht los, daß die Stadt Duisburg an einem neuen unabhängigen Jugendzentrum mit einem neuen Haufen eigenwilliger junger Menschen gar nicht interessiert ist, vor allem, wenn mir bei meinen Recherchen von verschiedenen Seiten her zu Ohren kommt, daß im Kulturamt die Meinung vertreten sei (oder zumindest mit ihr argumentiert würde), daß es ja gar keine richtige Duisburger Szene gäbe [für die eine Heimstatt zu schaffen sich lohnen würde], denn sonst wäre ja schon längst irgendwo ein Ort daraus entstanden – was natürlich nur gequirlte Scheiße ist, wenn einem in Wahrheit ständig Felsbrocken in den Weg geräumt werden, um ebendiesen Bemühungen keinen Erfolg zu ermöglichen. Außerdem würde eine Szene sich durch ein eigenes Zenrum erst richtig herauskristallisieren und wachsen können, denn in irgendeiner Kneipe hätte sich das, was – vor allem in den 70er Jahren – im Eschhaus entstanden ist, garantiert nicht auf gleiche Weise so großartig entwickeln können.

Daß es durchaus aber auch anders gehen kann, zeigt schon ein kleiner Seitenblick auf unser nicht einmal halb so großes Nachbarsystem Oberhausen, in dem gleich zwei unabhängige und von der Stadt etwas mitunterstützte Jugendkultursterne ihre Bahn ziehen, doch scheint so etwas in „Duisburg am Rhein, [die Stadt] im Herzen Europas“ (wie ihr neuer Poststempel voller Stolz verkündet) einfach nicht machbar zu sein, so daß dieses recht einfältige Stempelmotto in Bezug auf den Jugendkulturbereich wohl doch treffender „Duisburg, am Arsch des Ruhrgebiets“ lauten sollte (was vielleicht sogar noch harmlos ausgedrückt wäre angesichts des Gedankens, daß Duisburg in ganz Europa womöglich die einzige Stadt mit mehr als 500.000 Einwohnern ist, die kein – ob unabhängig oder nicht – multikulturelles Zentrum besitzt), oder ganz geradlinig, schlicht und einfach nur: „Duisburg? Vergiß es!“

 

[Originaltext: Winter 1993/94]

 


Ein Gedicht

[Für Julius Chlada]

Julius der Filius
fuhr in einem Omnibus
nach Hause.

Er trug Regenkleidung grün,
Stiefel rot und glänzend schön,
kam dann heim und ging
unter die Brause.

(September 2015)



Pelikan, Müll, Pink Floyd und John Cleese

1993 kaufte ich mir eine Box mit sieben Pink Floyd-CDs, die im Vorjahr zur Feier des 25jährigen Bandbestehens herausgebracht worden war. Und darin enthalten war auch noch ein Buch mit Songtexten, Platteninfos und einer Zeittafel, die genau 25 Jahre umspannte und diverse Pink Floyd-Ereignisse sowie Sonstiges aus der großen Welt des Pop und der Politik auflistete. Das fand ich allerdings viel zu trocken und auch ziemlich überheblich [Israel gewinnt 6-Tage-Krieg / Erster Pink Floyd-Auftritt im Powis Square / Rassenkrawalle in Detroit usw.] und dachte (überheblicherweise), so etwas mit einem Schuß Humor deutlich besser hingekriegt haben zu können.

Im darauffolgenden Jahr entwickelte ich dann die Idee zu einem autobiographischen Buchprojekt („Portät des Künstlers als komischer Vogel“) und beschloß, dieses mit einer Pink Floyd-ähnlichen Zeittafel beginnen zu lassen, und so setzte ich mich hin und fertigte die „Pelikan und der Rest der Welt“-Chronik.

Das „Komischer Vogel“-Buch wurde Anfang 1998 (nach rund dreieinhalbjähriger Arbeit) zwar wieder aufgegeben, doch hat die Zeittafel überdauert und ist 2010 (in überarbeiteter und ergänzter Form) zum ersten Menüpunkt der pelikanesischen „Listen“ auf meiner damals gerade frisch eröffneten Webseite geworden. Und neben normalen Aktualisierungen (wenn in meinem und im Leben der übrigen Welt mal wieder was „Erwähnenswertes“ geschehen war) sind im Laufe der Jahre auch noch einige zuvor übersehene ältere Ereignisse hinzugekommen, wie diese beiden erst kürzlich erstellten Einträge etwa:

2005 – John Cleese bezeichnet Palmerston North als Selbstmord-Hauptstadt Neuseelands.

2007 – Palmerston North benennt eine Müll-Deponie nach John Cleese.

Und was ich sonst noch alles für mitteilenswert erachtet habe, läßt sich hier begutachten.


Gedicht für Tina

Im Juni 2016 habe ich erfahren, daß Tina Hellebrand (geb. Eberlein) vor ein paar Monaten im Alter von 50 Jahren gestorben ist.

Ich hatte Tina 1981 im Eschhaus kennengelernt, als sie einen meiner dortigen Gitarrenkurse besuchte. Diese Kurse sahen damals noch ein wenig anders aus als heute, denn weil mein Lieder-Repertoire in der Eschhauszeit so gut wie keine Cover-Versionen beinhaltete, war mein Unterricht fast ausschließlich auf pelikanesischen Eigenkompositionen aufgebaut. Da die meisten dieser Lieder einen autobiographischen Hintergrund besaßen, redeten wir zwischen den Übungseinheiten auch schon mal über ihre textliche Komponente, was ein viel persönlicheres Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern hat entstehen lassen, als es heutzutage in meinen Volkshochschulkursen der Fall ist. Und so kam es, daß die sehr aufgeweckte 15jährige Tina [nur entspannt in eine Kamera zu schauen hatte sie damals einfach nicht drauf] und der noch lange nicht wirklich erwachsen gewesene 27jährige Pelikan recht gute Freunde geworden sind, die einander auch außerhalb des Gitarrenkurses häufig getroffen haben.

Eines abends im Eschhaus sagte ich mal zu ihr: „Du, sollen wir nicht in 10 Jahren heiraten?“ – „Gute Idee“, antwortete sie, „aber wen?“, und lächelte mich verschmitzt an.
mmDoch es sollten weit weniger als 10 Jahre vergehen, bis Tina ihren Traummann in Person des Duisburger Künstlers Andy Hellebrand fand, und weil sie und ich auch über die Eschhauszeit hinaus miteinander befreundet geblieben sind, ist dann auch Andy einer meiner geschätzten Bekannten geworden.

In den 90er Jahren brauchte ich für eine Konzertaufführung von Bill Ramseys „Canary Blues“ in der Säule mal einen piepsenden Kanarienvogel. Weil ich einen solchen aber weder besaß noch ihn durch brutales Quetschen im Refrain des Liedes zu den benötigten Piepsern „bewegen“ wollte, entschied ich mich statt dessen für Kinderspielzeug. Da ich selbst aber keine Kinder hatte, mußte ich in meinem Bekanntenkreis auf die Suche gehen, bin schließlich im Kinderzimmer von Tinas Tochter fündig geworden und habe von ihr für meinen Auftritt ein kleines braunes Quietsche-Bärchen geliehen bekommen [dessen gequetschten Einsatz man übrigens auf der CD „A.S.H. Pelikan – Besser als nichts“ verfolgen kann].

Einige Monate zuvor: Ich hatte im Steinbruch eine Art Comeback-Konzert, nachdem ich (wegen meiner Midlife-Krise oder so) mehr als anderthalb Jahre lang nicht mehr öffentlich aufgetreten war. Daß es mir damals nicht so wanhsinnig gut ging, bezeugte auch mein sieben Monate alter Vollbart, hinter dem ich mich (und meine Unsicherheit) in dieser Zeit zu verstecken versuchte. „Was hast du denn gemacht?“ ist einmal der spontan-entgeisterte Kommentar eines alten Bekannten, der mich ein Jahr lang oder so nicht mehr gesehen hatte, zu meinem neuen Outfit gewesen. [„Nix“, hatte ich übrigens geantwortet.]
mmUnd ähnlich muß es auch Tina ergangen sein, als wir uns vor dem Konzert, das sie mit ihrem Mann Andy zusammen besuchte, trafen, denn sie schaute sich meinen Rauschebart ein paar Sekunden lang prüfend an, schüttelte dann langsam den Kopf und sagte in ernsthaftem Ton: „Versprich mir, daß du den wieder abrasierst.“ – „Okay, mach ich“, erwiderte ich sogleich, und freute mich schon auf ihr Gesicht in einer guten Stunde. Seit Wochen hatte ich nämlich schon vorgehabt, den Bart in der Pause dieses Konzertes komplett zu entfernen, was ich mit Hilfe eines Freundes und seiner Haarschneidemaschine dann im Backstageraum auch in die Tat umsetzte. Und so ging ich zum 2. Teil des Programms leicht verändert wieder auf die Bühne und tat so, als wenn überhaupt nichts passiert wäre. Tina war begeistert.

Zu Ende des Jahrhunderts bezogen die Hellebrands schließlich ihr neues Domizil mit Raum für eine Kunstgallerie am Philosophenweg, wo ich auch einige Male gewesen bin; zuletzt vor 5 Jahren, als ich Tina eine meiner CDs vorbeibrachte, weil sich darauf auch 10 Lieder befanden, die von meinem Eschhaus-Konzert im Oktober 1980 stammten, bei dem sie mich wahrscheinlich zum ersten Mal live gesehen hatte (was vielleicht auch den Anstoß dazu gab, im neuen Jahr in meinen Gitarrenkurs zu gehen) und das sie immer den „20-Pfennig-Auftritt“ nannte. Ich hatte nämlich pro Person nur 20 Pfennig Eintritt genommen, um dem weltweiten Alles-wird-teurer-Trend mal energisch entgegenzuwirken – was den Trend letztendlich aber nicht die Bohne gekümmert hat.

Und was fällt mir sonst noch ein? Ach ja: Im Mai des Jahres 2000 kam mir mal die verrückte Idee, zum nächstwöchigen Geburtstag meiner damaligen (und auch wieder heutigen) Lieblingsfrau ein ca. 2 x 2 Meter großes Labyrinth-Puzzle zu basteln. Nur hatte ich leider überhaupt nicht den benötigten Platz dafür, und wenn das Geschenk also realisiert und auch pünktlich fertig werden sollte, brauchte ich dringend einen Ort mit deutlich größerer Grundfläche als der meines Zimmers, der auch nicht mit allzu vielen Möbeln vollgestellt sein durfte und den ich für mindestens einen Tag (am Ende benötigte ich derer zwei) mit Beschlag belegen müßte. Und geholfen haben mir in der Situation dann Tina und Andy, die mir ohne eine Sekunde zu zögern ihren (damals noch nicht eröffneten) Atelier & Galerie-Raum dafür zur Verfügung stellten.
mmUnd spätestens an dieser Stelle wird mir wieder mal klar, wie arm wir doch ohne solche Freunde wären, die einem auch dann noch zugeneigt sind, wenn man nicht ständig miteinander zu tun hat.

In meinem 1981er Tagebuch (das Jahr, in dem ich sie kennenlernte) wird Tina in mehr als 2 Dutzend Einträgen erwähnt. Hier ist einer davon.
Freitag, 17. Juli 1981:
mm„Heute morgen eine Lesung in Rheinhausen gehabt. Danach habe ich mich in Duisburg absetzen lassen und prompt die Tina getroffen. Wir waren Eis essen, Bücher gucken, ein Hemd abholen und Schuhe kaufen. War toll, hat viel Spaß gemacht. Und morgen gehe ich mit ihr auf eine Party.“

Und noch zwei Sätze aus einem Brief an Tina aus dem darauffolgenden Jahr:
mmErster Satz: „Tina Darling, ich habe von dir geträumt heute nacht, und zwar, daß ich dich kennenlernen würde. Du warst genau so, wie du bist, nur kannte ich dich halt noch nicht.“
mmLetzter Satz: „…ich kann Menschen im Augenblick einfach nicht besonders gut ertragen. Doch du bist eine Ausnahme, mit dir treffe ich mich sogar noch nachts im Traum.“

Ich habe in jenen Tagen auch mal ein Lied für Tina komponiert, das leider aber nicht zu meinen guten zählte, so daß ich es insgesamt auch nur zweimal live gespielt habe. An die Musik kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, während mir vom Text immerhin noch die letzten beiden Refrainzeilen im Gedächtnis geblieben sind: „… and here comes Tina, dancing right into my heart.“ – Und dort wird sie auch auf ewig ihren Platz behalten.

Und nachfolgendes Gedicht habe ich am 1. August 1981 um 4 Uhr nachts für sie geschrieben:

sei lieb
und lächele
wie gestern nachmittag
und werd schnell
10 jahre älter
oder 5
aber bleib nicht
so lange 15
lächelnd
wie gestern nachmittag


Big in Wuhan

Sommer 2015

Wie in der letzten Ausgabe der OTZ (Obermarxloher Trivial Zeitung) zu lesen war, befindet sich der Duisburger Musiker A.S.H. Pelikan in diesen Wochen auf Geschäftsreise in der Volksrepublik China, wo er sich mit Herrn Khan getroffen hat, dem Eigentümer/Generalsekretär/Verpackungschef/Kassenwart/PR-Boß/Aufnahmeleiter & Laufburschen von World Records, einem aufstrebenden neuen Platten-Label in Duisburgs chinesischer Partnerstadt Wuhan.

Nachdem das europäische Feld für Pelikans sechs dokumentarische Liederwerkschau-CDs mit insgesamt etwa 600 verkauften Exemplaren abgeerntet zu sein scheint, plant World Records, in Kürze eine pelikanesische Best-of-CD für den Großraum Asien herauszubringen, die aber auch deutsche Musikfans interessieren dürfte. Das The Wizard of Liang Shan Po betitelte Werk wird neben 11 bereits bekannten Musiktiteln (Hallo Kostbar, Bad Cards, Unten in Bluesstadt u.a.) nämlich auch noch die speziell für diese Zusammenstellung geschriebene und mit Masterdrummer Boe Dee-san an den Taiko-Trommeln eingespielte Death-Metal-Nummer Big in Wuhan enthalten, die als Singleauskoppelung Pelikans Ansturm auf den asiatischen Markt eröffnen soll. Wir wünschen viel Erfolg.

A.S.H. Pelikan in Wuhan, Kontakte knüpfend zu „World Records“-Owner P. Lee Khan (rechts).

 


Zum 70. Geburtstag von Wim Wenders

Auf einer pelikanesischen Top-3-Liste deutschsprachiger Persönlichkeiten, die ich gerne einmal kennenlernen würde, wäre an erster Stelle der Name Wim Wenders zu finden – und das schon seit rund 40 Jahren [die anderen beiden Personen wären die Schauspielerin Johanna Wokalek und der Astrophysiker Harald Lesch]. Getroffen habe ich Wim Wenders nur ein einziges Mal, und zwar vor 4 Monaten … im Traum. Er fuhr mit einem kleinen Auto auf den Parkplatz am Friedhof in Duisburg Wanheimerort, und dort schnappte ich zufällig auf, wie er seiner kleinen Filmcrew gegenüber eine Bemerkung über Oberhemden fallenließ. Und weil meine Wohnung zu Fuß nur zwei Minuten entfernt lag, eilte ich dorthin, um ein Buch zu holen und ihm folgenden Text von Helmut Loeven daraus zu zeigen:

„Also, daß ich so viele Hemden habe, war für mich schon immer ungeheuer beruhigend. Schon oft begann ich von Sorgen geplagt mein Tagewerk und schaute dabei vielleicht auch beiläufig in meinen Schrank, und dann dachte ich: Eigentlich brauche ich mich überhaupt nicht mehr zu fürchten, ich habe ja noch so viele Hemden.“
…………(aus: „Duisburg City Poetry All Stars“, OTZ Verlag Duisburg 1977)

Ich wußte zwar nicht, ob dieser Text Wim Wenders hätte weiterhelfen können, doch schien er mir zumindest einen guten Ansprechgrund zu liefern. Dummerweise hatte ich in der Aufregung aber das falsche Buch eingesteckt (nämlich die Nachfolge-Anthologie „löffelvoll – zum lesen“, OTZ Verlag Duisburg 1979), und so stammelte ich – peinlich berührt – irgendwas von einem falschen Buch vor mich hin, bekam aber dennoch meine Gesprächschance, da ein Mitglied seiner Crew ihn darauf hinwies, daß er noch einige Minuten Zeit habe. Und nachdem unsere Unterhaltung anfänglich etwas holprig verlief, wurde es bedeutend lockerer, als ich Wim erzählte, wie ich durch John Mayalls Song „I’m gonna fight for you J.B.“ (von seiner LP „The Turning Point“ aus dem Jahr 1969) erstmals den Namen J.B. Lenoir vernommen hatte, mir danach eine Platte von diesem besorgt („Down in Mississippi“) und so – was auch außerhalb des Traumes genau so geschehen war – meinen auch heute noch absoluten Lieblingsbluessänger gefunden hatte. Und dann unterhielten wir uns weiter über Musik.

Wim Wenders, am 14. August 1945 in Düsseldorf geboren, wo er auch seine Kindheit und Jugend verbrachte, ging 1967 an die Filmhochschule in München. Zwischen 1970 und ’73 entstanden seine ersten abendfüllenden Filme, doch erst mit seinem vierten Langfilm, dem 1974 in die Kinos gekommenen „Alice in den Städten“, bin ich auf diesen Regisseur aufmerksam geworden. Ich weiß noch, daß mein erster Eindruck von „Alice…“ ein etwas irritierter war, weil ich a) in der Ära der Farbfilme keinen Schwarzweiß-Film erwartet hatte und b) keine Geschichte, die so langsam erzählt wird, daß ich sie anfangs überhaupt nicht verstanden habe. Aber wenn es storymäßig erstmal nichts zu „begreifen“ gibt, muß man sich halt auf die Bilder einlassen und die dadurch erzeugte Atmosphäre aufzunehmen versuchen, was mir im Laufe des Films immer besser gelang, bis ich ziemlich verzaubert davon war. Und als die Protagonisten zum Ende hin (nachdem die Reise im Süden der USA begonnen hatte) sogar das Ruhrgebiet erreichten (eine Szene spielt tatsächlich im Duisburger Hauptbahnhof – und Kalle Burandt (dem übrigens das Loeven’sche Hemden-Gedicht gewidmet ist) meinte, auch eine Trinkhalle im Duisburger Norden wiedererkannt zu haben), war ich angenehm überrascht.

Zu Wenders‘ nächstem Film („Falsche Bewegung“, 1975) konnte ich dann aber überhaupt keinen Zugang finden, was mich schon sehr enttäuschte, doch mit dem darauf folgenden „Im Lauf der Zeit“ (1976) kehrte die Wender’sche Magie (für mich) wieder zurück, und zwar noch wesentlich stärker als bei „Alice in den Städten“.

Danach vergingen allerdings wieder 8 Jahre, bis ein weiterer Wenders-Film mich ähnlich stark für sich einzunehmen vermochte („Paris, Texas“, 1984), und bei diesem Hin und Her der in meiner Gunst ganz weit oben angesiedelten und mich eher langweilenden Wenders-Filme ist es bis heute geblieben:

Sechs seiner Filme liebe ich über alle Maßen, zwei finde ich immerhin noch okay, und mit dem Rest kann ich nicht viel anfangen. Doch mit diesen 6+2 Filmen ist Wim Wenders zu meinem deutschen Lieblingsfilmregisseur geworden.

Die sechs Filme:
– Alice in den Städten (s/w, 1974)
– Im Lauf der Zeit (s/w, 1976)
– Paris, Texas (Farbe, 1984)
– Bis ans Ende der Welt (Farbe, 1991)
– In weiter Ferne, so nah! (s/w und Farbe, 1993)
– Don’t Come Knocking (Farbe, 2005)

Mir immerhin noch einigermaßen gefallend:
– The Million Dollar Hotel (Farbe, 2000)
– Land of Plenty (Farbe, 2004)

Und wenn ihr bis jetzt den allgemein sehr geschätzten „Der Himmel über Berlin“ (s/w und Farbe, 1987) vermißt haben solltet… tja, der berührt mich einfach nicht besonders (zumindest nicht positiv) und gehört deshalb in die Kann-ich-nicht-mit-warmwerden-Schublade, in der die folgenden Streifen versammelt sind:
– Summer in the City (1970)
– Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1972)
– Der scharlachrote Buchstabe (1973)
– Falsche Bewegung (1975)
– Der amerikanische Freund (1977)
– Hammett (1982)
– Der Stand der Dinge (1982)
– Der Himmel über Berlin (1987)
– Lisbon Story (1994)
– Am Ende der Gewalt (1997)
– Palermo Shooting (2008)
(Natürlich ist das alles nur eine rein subjektive Beurteilung!)

Sein neuester Film „Every Thing Will Be Fine“ erscheint erst im Oktober auf DVD, und weil ich überhaupt nicht mehr ins Kino gehe, kann ich deshalb noch nichts dazu sagen.

 

Wenigstens am Rande möchte ich in diesem Beitrag aber auch noch die Musik in Wenders‘ Filmen kurz streifen, wobei ich nicht nur die extra für die jeweiligen Filme geschriebenen Hintergrundsounds meine, sondern auch die vielen Songs, die in einigen seiner Werke zu hören sind und meinem eigenen Musikgeschmack häufig schon sehr nahekommen. Ich besitze eine recht umfangreiche CD-Sammlung, worunter sich aber nur 4 Soundtrack-Alben befinden: „Easy Rider“, „Woodstock“, „Der mit dem Wolf tanzt“ und die Musik zum Wenders-Film „Bis ans Ende der Welt“, featuring Can, Lou Reed, Nick Cave, Patti Smith, T-Bone Burnett, Daniel Lanois und andere, nicht zu vergessen die wunderschöne Elvis-Costello-Version des Kinks-Klassikers „Days“.

Eine unerwartete Gemeinsamkeit mit Wenders entdeckte ich schließlich im Jahr 2003 noch, als die von Martin Scorcese präsentierte 7teilige Dokumentarfilmreihe „The Blues“ herauskam. Bei einem der Filme hatte Wim Wenders Regie geführt und neben Blind Willie Johnson und Skip James auch meinen (insgesamt nicht so wahnsinnig bekannten) All-Time-Lieblingsblueser J.B. Lenoir porträtiert. Womit sich der Erzählkreis (man erinnere sich an die Lenoir-Erwähnung in meinem Traum zu Beginn) dann wohl geschlossen hätte und mir nur noch übrigbleibt, Wim Wenders für seine vielen magischen Film-Momente zu danken und einen streßfreien Geburtstag und Alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Und wenn er mich noch einmal im Traum besuchen wollte … ich hätte bestimmt immer Zeit für ihn.

Zum Schluß noch ein Wenders-Zitat aus dem Filmtagebuch der Bonus-DVD zu „The Million Dollar Hotel“:
…………„… selbst wenn meine Lieblingseinstellung letztendlich im Schneideraum der Schere zum Opfer fiel. Filmschnitt kann ziemlich grausam sein. Das Erzählen der Geschichte hat aber immer Vorrang vor allem, was bloß schön ist.

 

Nachträge:

Oktober 2015: Wenders‘ aktueller Film „Every Thing Will Be Fine“ hat mir gut gefallen und gehört deshalb in die oberste Kategorie, so daß es jetzt also 7 (statt bislang 6) Lieblings-Filme von Wenders für mich gibt.

September 2019: Habe inzwischen auch „Grenzenlos“ von 2017 gesehen, den ich aber nicht besonders toll finde.


4 Jahre Pelikanesische Webseite

23. Juli 2014

Schnell und modern! Diese beiden Attribute treffen gewißlich nicht auf den Duisburger Musiker und Schriftsteller A.S.H. Pelikan zu, der sein erstes literarisches Werk (ein fotokopiertes 30-Seiten-Heftchen in sehr kleiner Auflage) zwar schon im Alter von Zwanzig vorlegte, den ersten eigenen Tonträger jedoch erst 34 Jahre später nachlegen konnte.
……..Drei weitere beeindruckende Daten aus Pelikans langsamem Leben:
– erster Telefonanschluß im Alter von 39 Jahren,
– erste eigene Wohnung im Alter von 53 Jahren,
– und mit 60 Jahren (also jetzt) immer noch nicht per Handy erreichbar.
……..Da grenzt es doch fast schon an ein Wunder, daß ich eine eigene Webseite besitze, oder? Und das auch schon seit – heute auf den Tag genau – vier Jahren. Herzlichen Glückwunsch!

Die „Modernisierung“ meines Leben begann aber schon wesentlich früher, als ich zu Ende der 80er Jahre meine Gitarrenkurse an der Volkshochschule Duisburg [„Pelikan, warum gibst du eigentlich keinen dritten Kurs? Kannst du nicht besser spielen?“] entscheidend auszubauen begann und dadurch auch etwas mehr Geld erwirtschaftete, durch das ich mir einige neue Geräte (die etwa 10 Jahre vorher einmal der modernsten technischen Entwicklung entsprochen hatten) zulegen konnte:
1989 erwarb ich meinen ersten Walkman (für Audiokassetten),
1990 meinen ersten Computer (einen Atari ST) und
1991 meine erste CD. Oder besser gesagt: gleich 48 auf einen Schlag, die (alle von Frank Zappa) gerade bei Zweitausendeins im Angebot waren. Und ein halbes Jahr später kaufte ich mir auch einen CD-Player, da ich mir beides zusammen (Player plus CDs) zuvor nicht hatte leisten können und auf Player plus nur einer CD oder so absolut keine Lust gehabt hatte. Kurz vor dem Jahrtausendende bekam ich dann noch einen neueren (gebrauchten) Computer (mit Modem für E-Mails und so), und 2001 sicherte ich mir einen Domain-Namen für eine geplante Webseite, die jedoch erst 9 Jahre später verwirklicht werden sollte. Eigentlich brauche ich ja überhaupt keine Homepage, hatte ich immer gedacht, doch nachdem ich an meinem letzten schriftstellerischen Großprojekt (mit dem ich mich von 1993 bis ’97 herumgequält hatte) auf ganzer Linie gescheitert war, sah ich eine Webseite als die perfekte Möglichkeit an, um interessierten Lesern eine Auswahl meiner literarischen Arbeiten zu präsentieren, ohne mir gleichzeitig Kosten für den Druck eines ganzen Buches aufhalsen zu müssen.
……..Das Problem war nur, daß ich keine Ahnung hatte, wie man eine Webseite einrichtet, so daß ich dabei auf fremde Hilfe angewiesen war, ohne aber die finanziellen Mittel zu haben, um einen Profi dafür engagieren zu können. Doch gab es damals ja schon genügend Amateure, die glaubten, das ebenfalls problemlos auf die Reihe zu kriegen, was mir in den Folgejahren insgesamt vier verschiedenen „Website-Helfer“ bescherte, von denen einer auch schon 250 € Arbeitsaufwandsentschädigung bekommen hat, ohne daß  jemals etwas meinen Vorstellungen auch nur einigermaßen Entsprechendes dabei herausgekommen wäre.
……..Mein zweites Problem war, daß ich ganz genau wußte, wie meine Webseite nicht aussehen sollte, nämlich auf keinen Fall so, wie die von anderen Duisburger Musikern, also mit schwarzem Hintergrund und deutlichem Rand auf der rechten und linken Bildschirmseite und so. Meine Internetseite sollte hell sein und den kompletten Monitorbereich ausfüllen und neben der Startseite noch jede Menge Unterseiten und Schubladen in weiteren Schubladen enthalten. Auf Ebene 1 z. B. sollte sich der Ordner „Literatur“ befinden, in dem auf Ebene 2 zwischen „unveröffentlichten und veröffentlichten Werken“ auszuwählen wäre, bis auf Ebene 3 die einzelnen „Bücher“ aufgelistet würden und auf Ebene 4 endlich die Texte der zur Veröffentlichung ausgewählten „Geschichten“ einsehbar sein sollten. Und gleichzeitig müßte in einer Spalte am linken Rand immer ersichtlich sein, auf welcher Ebene man sich gerade befände. – Und falls ihr jetzt nicht wirklich verstanden haben solltet, wie ich das Ganze gemeint habe, wärt ihr in guter Gesellschaft, denn meine Homepage-Helfer und ich sind bei der Diskussion über genau diese Punkte eigentlich auch nie zu einer klaren Linie vorgedrungen, die darauf hätte schließen lassen, daß jeder wirklich kapiert hatte, was der andere tatsächlich meinte und wollte. Mir war lediglich klargeworden, daß meine Vorstellungen wohl sehr unpraktikabel und wohl auch nur sehr schwer umsetzbar seien, so daß ich das Homepage-Projekt nach einigen Jahren schließlich wieder aufgab … denn wenn ich ehrlich war, konnte ich auch weiterhin sehr gut ohne eine Webseite leben.

Das änderte sich dann aber im Oktober 2009, als ich meine zweite CD mit dem Hinweis auf Songtexte, die auf meiner Webseite einzusehen wären, herausbrachte, ohne daß ich irgendeine konkrete Aussicht hatte, meine seit 8 Jahren lediglich aus dem „Diese Seite wurde vor kurzem freigeschaltet und befindet sich im Aufbau“-Satz bestehende Homepage auf den rechten Weg zu bringen. Also machte ich erstmal mit der nächsten CD weiter, für die ich ein dreiviertel Jahr später dann die allerletzte Booklettext-Korrektur vornahm, mich am nächsten Tag – dem 21. Juli 2010 – nach einer neuen Aufgabe umzusehen begann und wieder mal beim Thema „Webseite“ landete. Mani, mein Bookletdesigner in Bonn, besaß derer gleich zwei [eine für Fotos], und so rief ich ihn einfach an und fragte, wer die denn gemacht hätte und wie schwierig und langwierig das gewesen sei. Überraschenderweise erklärte er mir, die Seiten selber gestaltet zu haben. Er sei zwar kein Experte, meinte er, konnte mir in dem Telefonat aber doch recht gut vor Augen führen, welche Mißverständnisse vermutlich zwischen den Ansichten meiner damaligen Helfer und meinen eigenen Vorstellungen geherrscht hatten, so daß ich wirklich begriff, wie meine nur geringfügig zu verändernde Grundidee tatsächlich umsetzbar sein würde. Abends beschloß ich dann, a) Mani anderntags zu fragen, ob er nicht auch meine Webseite basteln könne und b) diese erstmal eine „Notpage“ mit nur den im CD-Booklet versprochenen Songtexten werden zu lassen, weil ich die pelikanesischen Literatursachen damals immer noch für das Wesentliche des ganzen Projekts hielt.
……..Am nächsten Tag, dem 22. Juli, rief ich Mani also erneut an, und nach einer halben Stunde konnten wir uns bereits auf das WordPress-Programm einigen, das ihm nicht übermäßig viel Arbeit bereiten würde und mir vor allem die Möglichkeit gäbe, jede Menge Textbeiträge selber zu aktualisieren, ohne mich mit der HTML-Computersprache herumschlagen zu müssen, wie es mir meine Helfer vor Jahren in Aussicht gestellt hatten. Mani meinte, daß er am folgenden Tag gleich damit beginnen könne, so daß ich ihm das Material für den ersten Inhalt noch am selben Abend zusandte. Und am 23. Juli 2010 machte Mani sich dann wie versprochen an die Arbeit und konnte mich am selben Nachmittag schon mit der Nachricht beglücken, daß meine Webseite jetzt online wäre. Sie bestand zu dem Zeitpunkt zwar nur aus insgesamt 20 Songtexten von meinen ersten beiden CDs, doch war das wirklich Sensationelle an dieser Page die Tatsache, daß wir in wenig mehr als 48 Stunden das auf die Beinen gestellt hatten, wofür vorher mehrere Jahre nicht ausgereicht hatten. Danke, Mani!

Seitdem sind also 4 Jahre vergangen, und die pelikanesische Webseite hat sich in eine doch etwas andere Richtung als zunächst gedacht entwickelt. Nach den 20 Songtexten hatte ich den Menüpunkt „Listen“ entworfen und fünf Wochen nach dem Homepage-Start mit der „Zeittafel“, den „Top-5-Listen“ und dem „Bücher-Guide“ [die alle schon seit Jahren mehr oder weniger fertig waren und nur darauf warteten, endlich auch mal veröffentlicht zu werden] gefüllt und nochmal einen Monat später auch die „Musiker Top 200“, die „Verkaufs-Charts“, den „MSV-Geburtstagskalender“ und „Tims Fahrkünste“ nachgeschoben. Im Sommer des folgenden Jahres (2011) kamen die Seiten zu meinen (dann insgesamt schon) 4 veröffentlichten CDs mit Hörbeispielen und so hinzu, und so ging es langsam Stück für Stück weiter. Aber erst im Jahr 2013, als ich einen ersten, kleinen, einwöchigen Weblog zur Neuansetzung meines sechs Monate zuvor wegen Krankheit ausgefallenen Bühnenjubiläums veröffentlichte, kamen auch mehr Beiträge zu aktuellen Geschehnissen hinzu, die seit neuestem auch von Beiträgen zu möglicherweise überhaupt nicht geschehenen Geschehnissen ergänzt werden. Ansonsten freue ich mich schon sehr darauf, euch in Kürze auch mit Starreporter Nat Schriller, dem neuesten Stern am Duisburger Journalistenhimmel, bekanntmachen zu können, während von den pelikanesischen Literaturbeispielen auch nach vier Jahren noch nichts zu entdecken ist; doch habe ich die Hoffnung darauf noch lange nicht aufgegeben, da mein 7 Jahre währendes CD-Liederwerkschau-Projekt in Kürze abgeschlossen sein soll und ich dann auch wieder mehr Zeit für anderes haben werde.

Dann bis dann, und bleibt gesund und nutzt den Tag.


Schallplattenmillionär

Es begab sich aber am 28. Mai des Jahres 2014 unserer Zeitrechnung, daß der ehrenwerte Christian Woitag eine CD kaufte. Und diese CD war nicht irgendeine, sondern Welcome to Chilligoo, das Erstlingswerk des Duisburger Musikers A.S.H. Pelikan. Und mit diesem CD-Kauf, der der 191. seiner Art war, wurde pelikanesische Geschichte geschrieben, weil diese Scheibe 6 Jahre, 3 Monate, 20 Tage, 7 Stunden und ein paar ungezählte Minuten nach ihrer Veröffentlichung nämlich tatsächlich Gewinn abgeworfen hat – und zwar in Höhe von exakt 3,30 €. Und das bedeutete natürlich: Böller, Böller, Böller und noch’n Böller…

…sowie ein FOTO von Christian mit CD und Blumenstrauß und Küßchen von Pelikan, das wir aber nicht hinbekommen haben, weil mein Telefon immer noch nur ein Telefon ist und immer noch nicht fotografieren kann.

Besten Dank an alle übrigen CD-Käufer von eurem sich offensichtlich unaufhaltsam auf direktem Trampelpfad zum Schallplattenmillionär befindlichen Pelikan


Nachtrag
: Inzwischen (November 2020) beträgt mein „Welcome to Chilligoo“-Gewinn 27,80 €. Geil!


Platten-Tip

31. Januar 2014.

„Pelikan, ist eigentlich aus irgendeinem deiner Gitarrenschüler mal was geworden?“

Diesen Satz habe ich schon häufiger zu hören bekommen, und da ich ja auch schon länger im Geschäft bin, darf er natürlich auch zu Recht gestellt werden. Allerdings bin ich als Gitarrenlehrer seit (auf den Monat genau) 30 Jahren nur an der Volkshochschule Duisburg tätig, wo meine Schüler in der Regel Erwachsene sind, die bereits im Berufsleben stehen und keinerlei Ambitionen haben, das Gitarrespielen vielleicht mal zu irgendeiner „Karriere“ auszuweiten. Meine Erfolgsbilanzen sind deshalb auch eher auf den kleinen, lokalen Bereich beschränkt, wie den aktuellen Gitarrenschüler etwa, der als Rentner vor anderthalb Jahren bei mir angefangen und bereits zwei Auftritte vor Publikum absolviert hat – da ihm, wie er sagte, einfach nicht mehr so viel Zeit bliebe, um noch länger damit warten zu können. Und aus dem ist, wie ich finde, wirklich was geworden.

Das „was“ in der obigen Eingangsfrage ist natürlich eher auf Personen bezogen gewesen, von denen man auch überregional vielleicht schon mal etwas gehört haben könnte, und da sind meine „Erfolge“ doch sehr bescheiden. Denn außer René (den Nachnamen habe ich leider vergessen), der mal eine Single (glaube ich) herausgebracht und einen TV- und/oder größeren Vorgruppen-Auftritt gemacht hat, habe ich da kaum etwas vorzuweisen. Dieser René ist mir aber (was ich persönlich nämlich für die eindrucksvollere Leistung halte) auch auf einem anderen Gebiet um einen ganzen Punkt voraus gewesen, da er eines Tages mein Konkurrent geworden ist, indem er seine eigene Musikschule in Duisburg aufmachte, die den schönen Namen „Klangschmiede“ trug, sich aber nur wenige Jahre halten konnte. Was René heute macht, und ob das auch noch etwas mit Musik zu tun hat, weiß ich leider nicht.

Nun habe ich aber ein neues Eisen im Feuer, seit ich gestern erfahren habe, daß die inzwischen in Berlin lebende talentierteste Gitarrenschülerin, die ich je hatte, ihre erste Langspiel-CD mit zehn eigenen Liedern und einer Coverversion auf einem richtigen Label [im Gegensatz zu den fast nirgendwo erhältlichen Silberlingen von Pelikan] veröffentlicht hat:

Desiree Klaeukens – „Wenn die Nacht den Tag verdeckt

Der deutsche „Rolling Stone“ hat der Scheibe in seiner Februar-Ausgabe 3,5 Sternchen gegeben und den Artikel mit folgendem Satz eröffnet: „Der Pelikan war schuld. Ihr Gitarrenlehrer, damals in Duisburg.“ Natürlich liebe ich diese Einleitung (schließlich wurde ich durch sie im zarten Alter von 60 Jahren zum ersten Mal im Rolling Stone erwähnt), doch ist sie eigentlich gar nicht wahr. Schuld war vor allem das außergewöhnliche Talent dieser mittlerweile 28jährigen Künstlerin, das sich auch ohne Pelikans kleine Hilfen entfaltet und zu ihrer eigenen Musik geführt haben würde, da bin ich mir sicher. Trotzdem bin ich natürlich sehr stolz darauf, daß meine zu Anfang 16jährige Schülerin und heute gute Freundin sich zu einer Songwriterin entwickelt hat, die ich zu der aktuellen Top 5 der Duisburger Liederschreibergarde zählen würde.

Stilistisch hat Desis Musik allerdings keine große Ähnlichkeit mit der pelikanesischen, sondern ist mehr ein naher Verwandter der Lieder von Tom Liwa (einem weiteren Duisburger). Und wenn ihr Toms Kunst mögt, könnt ihr garantiert nichts falsch machen, wenn ihr in Desi Klaeukens‘ intelligent aber unaufdringlich produziertes deutschsprachiges Debutalbum „Wenn die Nacht den Tag verdeckt“ einfach mal reinhört.

Alles Liebe nach Berlin


Zum 100. Geburtstag von Arno Schmidt

18. Januar 2014.

Aus einem von Pelikans alten Tagebüchern:

Am Montag, den 4.11. [1985] kaufte ich mir den Briefwechsel „Schmidt/Andersch“, las ihn von abends 7 bis nachts halb 5 in einem Rutsch durch und habe ihn nur kurz unterbrochen, um einen spontanen Text zu schreiben, den ich am folgenden Tag an den Haffmans Verlag sandte:

Wie man in kürzester Zeit Arno-Schmidt-Fan werden kann!

  1. Nachdem man von dieser und jener Seite immer wieder mal den Namen Arno Schmidt im Zusammenhang mit Bewunderung bis Abscheu vernommen hat,
  2. die „Zürcher Kassette“ kaufen und lesen. Am besten mit Band 2 und „Leviathan“ beginnen – um den Grad der Wirkung von Arno Schmidts erster Publikation auf ein deutsches Lesepublikum ein wenig nachempfinden zu können – und nach 3 bis 4 Seiten erstmal umfallen, sich langsam und bedächtig wieder aufrappeln und sich klarzuwerden versuchen, ob man, das Erscheinungsjahr berücksichtigend, etwas ähnlich Sprachgewaltiges nach dem 2. Weltkrieg in deutscher Sprache schon einmal gesehen hat. Jeder, der Sprache für etwas Lebendiges hält, wird von der Lektüre Arno Schmidts derart grell angegangen,weil ihn ein ungewöhnlich beharrlicher Ameisenschwarm von Buchstaben einfach gnadenlos überfällt. Und sollte diese Wirkung nicht eintreten, können Sie getrost vergessen, ein Arno-Schmidt-Fan werden zu wollen, denn die Schmidt’schen Inhalte sind auch nicht gerade jedermanns Sache. Aber wenn man Arno Schmidt erst einmal liebgewonnen und eine höchste Achtung vor ihm als Schriftsteller, der mit der Sprache, und zwar anders, als gewohnt, wirklich umzugehen weiß, bekommen hat, wird man ihm einige Längen und Schnurren verzeihen, so wie man bei einem Freund schätzt, daß er unsere Fehler nicht in die dadurch möglicherweise umschlagende Waagschale wirft, sondern menschlich sieht. Wie es dann als Arno-Schmidt-Fan weitergeht, hat nichts mehr mit der oben angesprochenen kurzen Zeitspanne des Werdens zu tun, sondern wird lange bis lebenslänglich anhalten, wird sich nicht finden, sondern zeigen, wird einfach sein: die Liebe eines Arno-Schmidt-Fans!

geschrieben: 4/5 -11-85, bei kurzer Unterbrechung der Lektüre „Schmidt/Andersch – Briefwechsel“

Ich hoffe, dieser spontane kleine Liebesbrief amüsiert Sie so sehr, wie er mir beim Schreiben Spaß gemacht hat.

Herzliche Grüße von Pelikan

 

Wenige Tage später bekam ich die neue Arno-Schmidt-Gesamtverzeichnis-Broschüre zugesandt, plus einer handgeschriebenen Karte von Gerd Haffmans, dem Verleger und Herausgeber der Arno-Schmidt-Werkausgabe:

 

Zürich, am 7.XI.85

Lieber Herr Pelikan –

Dank für Ihren so schönen wie spontanen Leserbrief nach der Arno Schmidt=Lektüre. – Ganz so ist es mir ergangen, das ist allerdings 20 Jahre her u. es gab noch keine Zürcher Kassette, aber die Liebe zu und Bewunderung für Arno Schmidt ist nur stärker geworden.

Herzliche Grüße, Ihr Gerd Haffmans


Der Alles-klar-fürs-Konzert?-Blog (28.4. – 6.5.2013)

Weil mein am 5. Mai bevorstehendes Bühnenjubiläumskonzert ja bereits vor einem halben Jahr hatte stattfinden sollen, damals aufgrund einer 6 Tage vorher beginnenden Erkältung am Ende aber abgesagt werden mußte, startet hier nun (7 Tage vor dem neuerlichen Versuch) der tägliche pelikanesische Allgemeinzustandsbericht, damit ihr Bescheid wißt und gegebenenfalls mitfiebern könnt.

 

Sonntag [noch 7 Tage], 28. April, 12 Uhr mittags

Hallo Freunde,
meine Stimme befindet sich derzeit im absolut grünen Bereich, doch ist es etwas ungemütlich hier, weil die Heizung bei mir nicht funktioniert, so daß ich schon den 3. Tag nacheinander mit 2 Pullovern, Lederjacke und Schal am Schreibtisch sitze. Im Moment habe ich hier 18,5 °C, und das ist mir Frierepitter einfach zu wenig. Vielleicht gelingt es der Sonne ja, meine Bude in den nächsten Stunden noch ein wenig aufzuwärmen.

Körpertemperatur: 36,6 °C

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Montag [noch 6 Tage], 29. April, 10:15 vormittags

Außentemperatur: 11 °C
Zimmertemperatur: 18 °C [Heizung bringt immer noch nur null]
Körpertemperatur: 36,5 °C
Stimme: leicht kratzig, wie sie morgens bei mir immer klingt, also nach wie vor alles im grünen Bereich.

Ansonsten: Soeben die Nachricht von der Hausverwaltung erhalten, daß die Umwälzpumpe der Heizung kaputt und der Monteur schon auf dem Weg sei. Na also, es geht aufwärts.

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Dienstag [noch 5 Tage], 30. April, 11 Uhr vormittags

Seit gestern nachmittag um halb 3 funktioniert meine Heizung wieder, so daß ich gut aufgewärmt zur abendlichen Generalprobe erscheinen konnte. Das könnte ein schöner Abend werden am Sonntag, denn alle Leute sahen richtig gesund aus, und meine Stimme ist heute auch noch da, im Gegensatz zu dem Tag nach der Generalprobe vor einem halben Jahr. Also, alles im grünen Bereich, nur die innere Anspannung wächst.

draußen: 14 °C
im Zimmer: 22 °C
in mir: 36,2 °C

Ansonsten: Hab mir gestern noch ein neues Fieberthermometer gekauft, um euch auch möglichst zuverlässige Daten angeben zu können, da mein altes Thermometer schon über 30 Jahre alt war. Ist aber schon komisch, so ganz ohne den Quecksilberstreifen runterschütteln zu müssen.

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Mittwoch [noch 4 Tage], 1. Mai, 11 Uhr vormittags

Gestern abend habe ich erfahren, daß zwei meiner Lieblingsfrauen (aus Bielefeld und Jena) am Sonntag zum Konzert anreisen werden, und heute freue ich mich zum ersten Mal richtig auf diesen Abend, während ich mir in den letzten Tagen allgemein eher Sorgen gemacht hatte, ob ich auch die richtigen Töne treffen werde und so. Aber bei einem Wiedersehen mit so vielen alten Freunden sollte das gar nicht das Allerwichtigste sein.

Und bevor ich’s vergesse: Desi hat Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch nach Berlin.

Die Sonne scheint, im Zimmer ist’s warm, meine Temperatur ist akzeptabel (36,0 °C), der BVB ist im Finale, das Leben ist schön.

Ansonsten: Einer meiner Nachbarn guckt mich seit gestern etwas komisch an, fast so wie vor einem Jahr nach der Bob-Dylan-Geschichte. Da hat an dessen (Dylans, nicht des Nachbarn) 70. Geburtstag bei mir um 4:15 nachts nämlich der Wecker geklingelt, weil ich vorher ausgerechnet hatte, daß ich exakt um 4:18 anfangen müßte, wenn ich bis 24 Uhr alle meine Dylan-CDs durchgehört haben wollte. Und weil ich auch nichts verpassen wollte, während ich auf’m Klo oder in der Küche oder unten am Postkasten wäre, mußte die Musik manchmal recht laut gestellt werden, und es ist ohnehin schon ein recht hellhöriges Haus hier … aber einmal im Jahr richtig krachend Geburtstag zu feiern ist ja auch erlaubt, oder?

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Donnerstag  [noch 3 Tage], 2. Mai, 12:25 mittags

Heute nacht nicht gut geschlafen, dafür aber schlecht geträumt, und jetzt leicht erhöhte Temperatur: 37,4 °C, wahrscheinlich das berühmte Lampenfieber. Ich fühl mich stimmlich aber kräftig und körperlich fit und freu mich immer noch auf Sonntag.

Fairerweise muß ich nach dem gestrigen Fußballspiel nun auch noch ein „Respekt und Anerkennung“ an die Bayern aussprechen, mit einem zusätzlichen Gruß an Harry.

Ansonsten: Der Nachbar guckt mich immer noch an, als wenn ich ein Alien wäre. Wahrscheinlich hat er mich (obwohl ich in letzter Zeit nur noch mit Bart und zusammengebundenen Haaren herumlaufe) nun doch auf einem der 27 Konzert-Plakate, die ich im Hausflur und (jeweils zweifach) an jeder Wohnungstür angebracht habe, erkannt.

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Freitag [noch 2 Tage], 3. Mai, 14:10 mittags

„Wer weiß, wozu es gut war“, sagte Anja zu mir, als ich das Konzert im November absagen mußte, und jetzt weiß ich’s: um auf der Bühne eine bessere Figur abzugeben. Denn vor einem halben Jahr zeigte meine Waage noch 86 kg an (drei Monate zuvor sogar 90), während ich jetzt wieder bei meinem Wunschgewicht von 80 kg angelangt bin. Und weil mein Gewicht in den letzten dreißig Jahren mehrfach um bis zu maximal 18 kg schwankend war [nach einer Freßzeit wurde halt immer auch mal wieder eine Hungersnot ausgerufen], paßten auch meine Jeans oft nicht mehr, so daß ich (seit Mitte der 80er) ab einem gewissen Bauchumfang nur noch One-size-fits-all-Latzhosen von Aldi getragen habe. Und wenn ich mal wieder dünn genug war, kaufte ich mir neue Jeans, weil ich an die alten nicht mehr gedacht hatte oder so … das könnte zumindest eine Erklärung für meine vielen Hosen sein. Denn weil ich für meinen Auftritt ein wenig schicker aussehen wollte, habe ich meinen Kleiderschrank vorhin nach alten Jeans durchstöbert und die erstaunliche Anzahl von 9 Exemplaren gefunden. Hatte mit insgesamt 2 bis 3 gerechnet. Und irgendeine davon paßt mir am Sonntag bestimmt. Und soeben habe ich mal die Unterschiede in den Hosen gemessen, und zwar, wie weit sie an der Hüfte in zugeknöpftem und zusammengelegtem Zustand sind. Ergebnis: 45 cm, 49 cm, 40 cm (weiß, aus den frühen 80ern), 45 cm, 46 cm, 44 cm, 48 cm, 42 cm, 47 cm (schwarz). Die Anprobe werde ich aber erst am Sonntag machen.

Wetter: leicht bedeckt, aber schön (für Sonntag sind 12 Sonnenstunden angekündigt), und meine Körpertemperatur liegt auch wieder unter 37 °C.

Ansonsten: Gestern sind mir noch zwei recht seltsame Sachen widerfahren. Zum einen glaubte ich, John Lennon in einem vorbeirauschenden Taxi sitzen gesehen zu haben, und abends auf dem Heimweg vom Kraan-Konzert erblickte ich tatsächlich mal wieder ein Ufo. Es schien vom Dach des VHS-Gebäudes aus gestartet zu sein und war dunkelblau und hatte rot leuchtende Fenster oder so. Meine ersten (und bis gestern auch letzten) drei Ufos hatte ich in Formation fliegend eines nachts nach’m Eschhaus an der 6-Seen-Platte entdeckt, und die waren mattglänzend golden gewesen, allerdings auch ziemlich weit weg über den Bäumen am anderen Seeufer. Die gestrige Ufosichtung beunruhigt mich nun allerdings doch etwas, denn ich glaube ja gar nicht an Ufos (zumindest an keine, die es von ihrem eigenen Sonnensystem bis hierher schaffen könnten) … aber ich habe gesehen, was ich gesehen habe. Sollte ich mir jetzt also Sorgen um meinen Verstand machen? Aber wie auch immer, ich kann auf jeden Fall noch singen, und das dürfte im Moment wohl das Wichtigste sein.

Dann bleibt gesund, und bis morgen…

 

Samstag [noch 1 Tag], 4. Mai, 11:10 vormittags

Erinnert ihr euch noch an John Lennon? Gestern habe ich ihn sogar zweimal gesehen. Zuerst bei einem kleinen Spaziergang, wo er unerwarteterweise hinter Luckys Fenster stand, sich, als ich stehenblieb, um mich zu vergewissern, aber rasch wegduckte, und später noch in der Pommesbude. Weil er dort aber bedient hat, schätze ich, daß es doch nur ein Doppelgänger gewesen ist. Aber was hat Lucky mit Pommesbudenaushilfskräften zu tun?

Es gibt einfach Tage, die sich anfühlen, als wenn sie nicht von dieser Welt wären. Und wenn ich’s nicht besser wüßte, würde ich behaupten, daß das Ufo vorgestern ein paar seiner Insassen hier vergessen hat, weil manche Leute doch ziemlich seltsam aussehen. Beim Bäcker hat sich beispielsweise so ’ne Art Uli Hoeneß mit Tentakeln auf’m Kopp vorgedrängt, und der Bettler, der bei der Deutschen Bank unter dem großen Schild mit der Aufschrift „Ich berate meine Kunden vertraulich. Aber ich empfehle nichts, was ich nicht auch öffentlich vertreten könnte“ saß, sah mit seinen sechsfingrigen Händen auch irgendwie unheimlich aus.

Aber worüber schwafel ich hier eigentlich? Sollte ich nicht von was ganz anderem berichten? Ach ja, meiner Temperatur und so: wahrscheinlich normal. Ich kann die kleinen Zahlen auf dem Thermometer heute einfach nicht richtig erkennen, weil sie immer so rumwackeln, und auch einige andere Gegenstände scheinen, wenn ich sie genauer in Augenschein nehme, eine Art Eigenleben zu entwickeln. Ob ich wohl mal zum Augenarzt gehen sollte? Aber der hat heute ja sowieso zu.

Und was war sonst noch? Mein Auftritt morgen. Komisch, mein Lampenfieber ist wie weggeblasen, und meine Stimme klingt super. Also alles im grünen Feld – ich meine: Pegel. Oder Ausschlag?

P.S.: Mein Nachbar. Heute ist mir bei dem zum ersten Mal eine (hab ich vorher nie bemerkt) gewisse Ähnlichkeit mit – ich weiß!, aber ich kann ja auch nichts dafür! – John Lennon aufgefallen … obwohl er definitiv eine Nase zuviel im Gesicht hatte. Hat der sich aber wahrscheinlich nur angeklebt, um mich zu ärgern.

Dann bleibt in der Spur…

 

Sonntag [der große Tag], 5. Mai, 11:10 vormittags

Hallo Freunde,
ich habe recht gut geschlafen [nur etwas zu wenig], aber total verrückt geträumt: Irgend jemand hatte in Duisburg LSD ins Trinkwasser gekippt, und weil ich – können alle meine Gitarrenschüler bestätigen – ja immer nur Leitungswasser trinke, hatte ich solch eine kräftige Dosis davon abbekommen, daß ich überall nur noch Ufos und Aliens, die wie John Lennon oder so aussahen, gesehen habe. War einer dieser Träume in Farbe, die äußerst realistisch gewirkt haben.

Aber jetzt bin ich wach, ein kleines bißchen müde zwar, aber das wird heute abend bestimmt vergehen, und meine Stimme ist leicht kratzig (also normal) und meine Temperatur liegt bei 36,3 °C. Also keine Ausreden mehr.

Als Bühnenoutfit habe ich mich (um von dem tristen Grau auf meinem Kopf etwas abzulenken) für ein seit einem halben Jahr nagelneues und heute zum erstenmal zum Einsatz kommendes T-Shirt in Kombination mit dem Trikothemd des rechten Verteidigers der Fußballschulmannschaft des Mannesmann-Gymnasiums Ende der 60er Jahre entschieden.

Tja, und jetzt fällt mir nichts Berichtenswertes mehr ein, deshalb: have a nice day, und vielleicht bis heute abend.

 

Montag [der Tag danach], 6. Mai, 11:25 vormittags

So, das war’s. Lief am Anfang nicht wirklich professionell, da wir die Leute erst ne halbe Stunde zu spät reinlassen konnten [einer der wichtigsten Techniker hatte ne Stunde im Stau gestanden, so daß die ganze ruhige Vorbereitungsphase in einem gehetzt-löcherigen (und zur eigentlich geplanten Publikumseinlaßzeit erst beginnenden) Jetzt-eben-noch-schnell-Soundcheck endete], aber das interessiert heute ja schon niemanden mehr. Genauso wenig wie Pelikans Temperatur, Stimmlichkeitsbefinden oder Halluzinationsfähigkeit. Hauptsache, die Show war in Ordnung, und ich denke, wegen des gestrigen Abends muß ich mich nicht schämen.

Auf keinen Fall vergessen möchte ich aber, mich an dieser Stelle nochmal bei allen beteiligten Musikern [denn ein Pelikan-solo-Abend wäre doch sehr viel unspektakulärer geworden] zu bedanken, die mir nach meiner krankheitsbedingten Absage des November-Termins viel Mut gemacht haben, das Konzert nicht ganz ausfallen zu lassen, sondern – weil sie auch alle nochmal mitmachen wollten – einige Monate später nachzuholen.

Und vielen Dank auch an die vielen Zuschauer [179 zahlende], die, trotzdem sie im November vor verschlossenen Türen gestanden hatten, den Weg gestern noch ein zweites Mal gewagt haben.

Und zum Abschluß noch ein paar erste Fotos von A.S.H. Pelikans 40,5-Jahre-Bühnenjubiläum.

Dann bis dann, und bleibt gesund…

 

 

 


Herzlichen Glückwunsch

Februar 2012

Beim Surfen im Internet stieß ich vor einigen Monaten auf ein Duisburger Antiquariat (nicht das von Helmut Loeven), welches ein Exemplar meines 1982 im OTZ Verlag veröffentlichten Kurzgeschichtenbandes “Herzlichen Glückwunsch” anbietet, und zwar für stolze 18 €, was einer (vom Originalpreis ausgehenden) Wertsteigerung um mehr als 500 % entspricht. Da ich diese Teuerungsrate aber nicht guten Gewissens hinnehmen kann, möchte ich an dieser Stelle darüber informieren, daß das Buch weder vergriffen ist noch jemals vergriffen war, deshalb also logischerweise auch immer noch erhältlich ist, wenn auch nur bei mir.

Den Eurogegenwert (3,58) des Erstverkaufspreises von 7 DM habe zwar auch ich nicht beibehalten, doch steht zumindest die 7 noch – habe nur die Währungsbezeichnung geändert. Wer also an dem Werk zum pelikanesischen (und nicht antiquarischen) Preis interessiert sein sollte, darf gerne Kontakt mit mir aufnehmen.

Im letzten Jahr erst ist das 500. Exemplar dieses Buches unters Volk gebracht worden, und obwohl die Auflagenhöhe offiziell ein halbes Tausend betrug, sind offenbar doch ein paar mehr Bücher gedruckt worden (was ich aber erst herausgefunden habe, als wir auf die 500 zugingen und immer noch ein paar kleine Kartons davon vorhanden waren).