Das Making Of von „Welcome to Chilligoo“

„Welcome to Chilligoo“ ist die erste CD meiner von Anfang an auf 6 Scheiben angelegten Ausflug-Reihe, und weshalb ich ausgerechnet diese Band für das Debüt-Album ausgewählt habe, ist einfach zu erklären: a) Ich wußte, daß es von den Hollywood Rats genügend gutes Audio-Material gab, um eine Platte von mindestens 40 Minuten Spielzeit zu füllen. b) Ich wußte, daß es einige Fotos von dieser Band gab, denn mir war von vorherein daran gelegen, ein eher aufwendiges Booklet mitzuliefern und nicht so’n ohne richtige Informationen versehenes einmal gefaltetes amateurhaftes Beiblatt wie bei den anderen Duisburger CD-Produktionen, die ich bis dahin gesehen hatte. c) Ich wußte, wo die Originalbänder und -kassetten zu finden waren, nämlich bei Rammi (die Live-) und bei Schnuff (die Proberaum-Sachen). Außerdem war ich mir sicher, daß es von dieser Band außer dem, was ich selbst als Kopie auf Kassette besaß, nicht irgendwo noch weiteres Material (abgesehen von einem einzigen verschollenen Tonband) gab, so daß ich mich jederzeit an die Songauswahl für diese Scheibe machen konnte. [Bei allen anderen Platten hätte ich mich erst noch auf die Suche nach weiteren, nicht in meinem Besitz befindlichen Tonträgern machen müssen.]

Von den auf dieser CD vorgestellten ersten „Al & The Hollywood Rats“ (aus den frühen 80ern // nicht zu verwechseln mit den deutschsprachigen „Al und die Hollywood Rats“ aus den späten 80ern – siehe CD „Kurz vorm Durchbruch“ von 2012) hatte es zwei verschiedene Live-Besetzungen gegeben: Die erste mit Arenor Anuku (früher Arenor Meyer) an der Lead-Gitarre, und ein Jahr später die mit Manni Roßmann. Die zwei vorhandenen Live-Konzert-Mitschnitte mit Arenor hatten leider kein so überzeugendes Material zu bieten wie der spätere Kevelaer-Gig mit Manni (von dem 5 Nummern schließlich auf dieser CD gelandet sind), so daß ich nicht ganz leichten Herzens schließlich darauf verzichtet habe, auch Arenor mit auf der Platte zu haben. Eine Zeitlang stand zwar noch die krumme Nummer „That’s Life“ von unserem Eschhaus-Gig zur Diskussion, die jedoch rasch wieder gestrichen wurde, weil es von dem Song einfach eine deutlich bessere Version gab, die inzwischen auf „The Wizard of OTZ“ zu hören ist.

Im Gegensatz zur heutigen Songauswahl
1) Do your Duty
2) Quick and Easy
3) Do me a Favour
4) Pop Flop and Soul
5) I want you to be with me and want you to want me to be with you
6) Born on a Horseback
7) Welcome to Chilligoo
8) Warum sind wir nüchtern nur so schüchtern?
waren zu Beginn nur die Nummern 1, 6, 7 und 8 gesetzt, und bei „Quick and Easy“ wußte ich nicht so recht, ob ich statt dessen nicht besser die ebenfalls noch (gegen Ende unserer Bandzeit) eingespielte deutsche Version unter dem Titel „Locker, leicht und schick“ nehmen sollte, oder vielleicht sogar beide? Weil „Locker“ aber einer der (auch im Arrangement etwas aufgepeppten) Top-Titel der 5 Jahre späteren deutschsprachigen Hollywood Rats war (obwohl ich noch gar nicht wußte, ob es von der Version eine gute Aufnahme gab), beschloß ich schließlich, für die „Chilligoo“-Platte noch das englischsprachige Original zu verwenden. Längere Zeit war auch noch die ziemlich rockige „She Makes My Heart Beat“-Nummer im Programm, die erst als allerletzte rausgeflogen ist, weil sie mir einfach ’ne Spur zu heavy war und deshalb – als untypischer Song – nicht so recht auf diese Scheibe zu passen schien.

Ein unerwartetes Problem tauchte noch auf, als ich – zwecks klanglicher Nachbearbeitung – zum ersten Mal mit Rammi in Mike Lackmanns Sevelener Ton-Studio war, weil sich dort herausstellte, daß „Duty“, „Quick“ und „Favour“ nur in einer von Schnuff komprimierten Fassung vorlagen. Und weil Rammi – der sich mit der klanglichen Nachbearbeitung befaßte – einen aufgeräumteren und dafür weniger lauten Sound bevorzugte, stellten wir diese Nummern erst noch zurück, und ich bat Schnuff dann, nochmal nach den Originalbändern zu forschen, die er von „Duty“ und „Quick“ auch tatsächlich noch hat finden können. „Do me a Favour“ gehörte dagegen zu den Songs des bereits oben erwähnten verschwundenen Tonbandes, von dem nur Auszüge auf einer schon recht betagten Kassette in nicht mehr gerade bester Qualität erhalten waren, was mir aber auch egal war. Daß wir klanglich nicht mit richtigen Studioproduktionen mithalten können würden, war ohnehin klar, doch seit der Veröffentlichung eines vermutlich mit Kassettenrekorder im Publikum aufgenommenen Songs auf irgendeiner ansonsten gut klingenden Neil-Young-Studio-Platte wollte ich mir deswegen keine grauen Haare wachsen lassen … was auch sinnlos gewesen wäre, weil das grau auf meinem Kopf da sowieso schon überwogen hat.

Und als die Liederauswahl feststand, legte ich noch eine aus dem Bauch heraus erfolgte Song-Abfolge fest und machte mich dann ans Schreiben des Booklets. Mein Vorbild war dabei die „You Can’t Do That On Stage Anymore“-Reihe von Frank Zappa, die zu jedem Song einen kleinen Begleittext lieferte, den ich bei meiner Scheibe lediglich ein wenig ausführlicher gestalten und mich dabei überraschen lassen wollte, ob der jeweilige Beitrag eher Informationen zum Schreiben des Liedes oder zu Besonderheiten des Auftrittes oder zu sonst was liefern würde. In Bezug auf die graphische Gestaltung des Booklets hatte ich keinerlei Vorstellungen, und die Idee mit den Kontaktstreifen und der Sepiaeinfärbung der Fotos hatte meinem Designer Mani Wollner.

Einzig das Cover- und das Mittelfoto hatte ich vorher schon im Auge gehabt, wobei mir beim Cover aber überhaupt nicht klar war, wie das fertig aussehen sollte. Ein Hauptproblem war dabei das Fotoformat, nämlich rechteckig bei einem quadratischen Platzangebot, und wenn man oben und unten schwarze Streifen dazugenommen hätte, wäre das Foto insgesamt doch recht klein und – schlimmer noch – die Streifen ziemlich groß geworden, und als ich eines Tages auf die Idee kam, das Foto auf die Bookletrückseite übergehen zu lassen, war Mani zuerst etwas skeptisch, doch später dann recht zufrieden mit dieser „Not“-Lösung (die ich im Nachhinein auch noch auf dem einen oder anderen älteren Plattencover entdeckt habe). Und falls jemand auf den Gedanken kommen sollte, daß das dem Mann auf der linken Seite gegenüber ja nicht ganz fair wäre, sei darauf hingewiesen, daß die drei Herren auf der rechten Seite auf allen acht Songs der Platte zu hören sind, der Typ links dagegen nur auf sechsen … und dann paßt es für mich wieder.

Bei dem Mittelfoto war das Format auch nicht optimal, wozu Mani dann die Lösung beisteuerte, doch was diese Doppelseite für mich besonders interessant machte, war die Entdeckung, daß dieses von Schnuff mit Selbstauslöser geschossene Foto in Farbe war, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, da ich seit jeher nur einen Schwarzweißabzug davon besaß. Und wegen dieses Fotos versuchte ich dann, den Aufenthaltsort von Arenor Meyer herauszufinden, was mich zuerst zu Arenor „Anuku“ brachte (dem Namen seines nigerianischen Vaters, den er inzwischen kontaktet und sogar mal in Afrika besucht hat), dann nach Berlin, und über Arenors Aktivitäten als Musiker schließlich zu einer Sängerin, auf deren Platte er mitgespielt hatte und die mir seine Telefonnummer geben konnte. Und im nachfolgenden Frühjahr bekam ich sogar mal Besuch von ihm. Er wollte was für uns kochen – ich hatte wie immer nix da -, und so zogen wir zum Einkaufen los, und als es dann an den Herd ging, stellte Arenor fest, daß ich mit Gewürzen auch nicht gut bestückt war, und so besuchten wir kurz den Lucky – der nur ein paar Straßen weiter wohnt – und klauten ihm ein paar Gewürze … und so haben sich die beiden nach vielen Jahren auch mal wieder kurz gesehen.

Und weil ich jetzt schon bei nicht mehr zum eigentlichen Thema gehörenden Abschweifungen angekommen bin, ist zum Making Of der Platte vermutlich schon alles wichtige gesagt worden…

Ach nee, doch noch nicht, denn a) habe ich ins Booklet noch ein paar Songtexte reingepackt, weil ich damals noch keine Webseite hatte, obwohl b) die Homepage-Adresse (deren Domainnamen ich mir schon Jahre zuvor gesichert hatte) schon ins Booklet gedruckt wurde, weil ich davon ausging, daß sie irgendwann einmal zugänglich sein würde, was ja inzwischen auch der Fall ist.