Pelikans Tips für Gitarrenlehrer

Ich bin schon öfter mal gefragt worden, welches Gitarrenanfänger-(Selbstlern-)Lehrbuch ich als Gitarrenlehrer denn empfehlen könne. Meine Antwort lautete immer: keines – weil ich auch bis heute noch keins zu Gesicht bekommen habe, das meinen Vorstellungen entsprochen hätte.

„Weshalb schreibst du dann nicht selber eins?“ kam häufig hinterher, und ich antwortete jedesmal: „Weil kein Gitarrenlehrbuch einen guten (und erst recht keinen sehr guten) menschlichen Lehrer ersetzen könne, da (a) in einem wirklich guten Lehrbuch, in dem alles Wichtige angesprochen würde, SEHR viel erläutert werden müßte [was die meisten Käufer vermutlich nicht aufmerksam genug studieren würden, da sie ja weniger ein Buch lesen als Gitarre spielen (lernen) wollten], (b) die Schüler häufig schon viel zu früh weiterblättern würden [ohne die bis dahin gestellten Aufgaben ausreichend gut zu beherrschen] und (c) kein Buch der Welt imstande wäre, dem Schüler eine Fehlermeldung bei falscher Handhaltung, Greif- oder Schlagart und so weiter zu geben.“

Und damit war der Punkt dann geklärt, bis eines Tages jemand vorschlug: „Dann schreib doch, ob deines großen Erfahrungsschatzes, ein Anfängerbuch für Gitarrenlehrer.“ Diese Idee fand ich tatsächlich ausgezeichnet, doch konnte ich sie damals nicht in die Tat umsetzen, weil ich gerade mit der (mehrere Jahre dauernden) Herausgabe meiner sechsteiligen CD-Werkschau beschäftigt war und meine Zeit danach lieber für künstlerische Arbeiten als für nur ein Sachbuch nutzen wollte.

Zu meinem 40,5-Jahre-Gitarrenlehrer-Jubiläum (am 2. März 2018) möchte ich an dieser Stelle aber wenigsten ein paar elementare Tips [vor allem Griffwechsel und Tonarten betreffend] veröffentlichen, damit zumindest ein Teil meiner in vier Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen auf diesem Wege auch noch anderen Gitarrenspielern zugute kommen kann.

 

P E L I K A N S   T I P S   F Ü R   G I T A R R E N L E H R E R

Einleitung:

Wie so viele Gitarrenlehrer meiner Generation habe auch ich keinerlei Gitarrenlehrer-Ausbildung genossen, sondern einfach irgendwann (weil es zum Rock-Star nicht reichte) mit Unterrichten angefangen, um ein paar Mark nebenbei zu verdienen.

Das Problem war natürlich, daß ich zwar spielen konnte, aber keinen Schimmer hatte, wie ich das am besten vermitteln sollte, da ich mich nicht mehr erinnern konnte, wie es genau gewesen war, als ich selbst noch Anfänger/Lernender war.

Deshalb mußte ich versuchen, mich diesem Anfängertum wieder anzunähern, um mich bestmöglich in meine Schüler hineinversetzen zu können. Das ist mir schließlich dadurch gelungen, daß ich beim gemeinsamen Üben und Spielen immer die Hände meiner Schüler beobachtet und mich gefragt habe, weshalb dieses und jenes ihnen so schwerfällt und welche Tips ich geben könnte, um ihnen zu helfen. Alles, was ich heute als Gitarrenlehrer weiß, habe ich aufgrund dieser Beobachtungen und durch Erfahrungswerteaustausch mit meinen Schülern gelernt.

 

Vorab:

In meinen Kursen ist die Gitarre nur Begleitinstrument. Die Melodie des Liedes muß der Kursleiter singen.

Trotzdem ich nicht nach Noten spielen oder singen lasse, benutze ich häufig Blätter mit Noten, um meinen Schülern Takte nahezubringen, über die sie selbst ausrechnen können (auch wenn sie das Lied noch nie zuvor gehört haben sollten), wie viele Male die einzelnen Akkorde angeschlagen werden müssen.

 

Allgemein

 

Meine Abkürzungen

Z = Zeigefinger / M = Mittelfinger / R = Ringfinger / K = Kleiner Finger

 

Kurs 1 = Hauptgewicht: linke Hand

– Nur Schläge nach unten [weil ich a) ja mehr als einen Kurs Zeit habe und b) im Anfängerkurs mehr Wert auf die Basis = die Griffe = die linke Hand lege und für die rechte noch nicht viel Schwieriges machen will, um meine Schüler sich erst mal auf das anfangs Wichtigste (die Griffe) konzentrieren zu lassen].
– Nicht mehr als 3 verschiedene Griffe pro Lied.
Akkordwechsel nie rascher als nach 1 Takt.
– Nur 2 bis 3 verschiedene Dur-Tonarten.
– Du solltest dir [zum besseren Musikverständnis und zum Beantworten von möglichen Schülerfragen] auch ein paar Basistheoriekenntnisse draufschaffen, wie z.B. Stufendreiklänge = welche Akkorde (Tonika, Subdominante, Dominante, Mollparallelakkorde) warum zu welcher Tonart gehören. Und du solltest unbedingt wissen, wo die jeweiligen Grundtöne (die Prime) der Akkorde liegen (und wie sie heißen: was nicht so schwer ist, da die Akkorde ja nach ihrem Grundton benannt sind).
– In den ersten Kursen sollten die Schüler immer die korrekten klassischen Greifarten kennenlernen und einüben. [Abweichende Greifarten (die den Wechsel zu nachfolgenden Griffen etwas leichter zu gestalten scheinen) erlaube ich (obwohl ich sie nur selten vorschlage / aber manchmal entdecken meine Schüler diese Möglichkeiten auch von alleine und fragen danach) nicht vor den 4. Kursen, wenn die korrekten Greifarten der Grund- und Barrégriffe schon sicher sitzen.]

 

G R I F F E 

Nur solche Griffe (im 1. Kurs) verwenden, bei denen die Finger in nicht mehr als 2 Bünden arbeiten müssen. Deshalb C und Dm erst im 2. Kurs vorstellen. [Barré erst im 3.]
– Also stehen für die ersten Wochen in Kurs 1 nur [wenn man mit den drei Durakkorden der Stufendreiklänge arbeiten will] zwei Tonarten zur Verfügung: die Tonart A-Dur (bestehend aus den Akkorden A, D und E) und die Tonart D-Dur (bestehend aus den Akkorden D, G und A).

 

1. Stunde

Der nächste wichtige Punkt ist natürlich der Wechsel. Es ist sinnvoll [meistens komme ich zum intensiven A-und-D-Griffwechsel-Üben aber erst in der 2. Stunde], sich anfangs an einem Finger zu orientieren.

[Wenn sich jemand mit R als Orientierungsfinger (auf der H-Saite bleibend und nur einen Bund höher oder tiefer rutschend) wohler fühlt, ist das auch okay. Kommt aber nur selten vor.]

Den Wechsel (nach zuvor erfolgter allgemeiner Trockenübung) dann mit 4 langsamen (zu Anfang von dir laut mitgezählten) Schlägen der rechten Hand begleiten und schon darauf hinweisen, daß man bei Wechselproblemen nicht mit der rechten Hand auf die linke warten darf. Die rechte Hand gibt den Rhythmus vor, der immer gleichmäßig weitergehen soll, und auch wenn die linke Hand den Griff beim ersten Schlag mal verpassen sollte, sollte die rechte Hand den Schlag (auf der 1) trotzdem schon ausführen [eine von den zwei Händen wäre somit schon richtig, und die linke Hand muß durch Üben dann nur noch sicherer und schneller beim Wechseln werden, während der Rhythmus mit der rechten schon immer richtig gespielt wurde].

Für ein erstes Lied haben wir jetzt die Wahl zwischen den Tonarten A und D. In der A-Dur-Tonart würden die beiden uns zur Verfügung stehenden Akkorde die Tonika und die Subdominante bilden, während dieselben Akkorde in der D-Dur-Tonart die Tonika und die Dominante ergäben. Und da ich keine zweiakkordigen Lieder mit Tonika und Subdominante kenne, wähle ich logischerweise die Tonart D, in denen die Griffe D und A die Tonika- und Dominantakkorde darstellen.

 

Mein erstes Lied mit nur 2 Akkorden: He’s got the whole world in his hands
[Bei diesem Blatt verzichte ich noch auf Noten, weil ich die Schüler nicht gleich zu Anfang schon mit zu vielen Informationen belasten will.]

Ich arbeite im 1. Kurs hauptsächlich mit zwei Schlägen pro 4/4-Takt, also mit Schlägen auf den Taktzählzeiten 1 und 3. Ab dem zweiten Lied erkläre ich dann anhand von Takten, weshalb ich zwei Schläge [und nicht einen (zu langsam) oder vier (zu schnell)] pro Takt mache und wie die Takte zu verstehen sind. Nur die Zwischenräume zwischen den Taktstrichen zählen lassen und nicht die Anzahl der Noten oder so.

Whole World hat dann (in Anschlägen gerechnet):
4 D,
4 A,
4 D,
2 A, 2 D

Nie bei einem neuen Lied direkt eine ganze Strophe (oder Refrain) probieren, immer nur in kleinen Einheiten arbeiten. Ich starte hier in einer Schleife der ersten Strophen-Hälfte und singe dabei auch immer nur die Melodie dieser ersten Hälfte. Später kommt dann die zweite Hälfte in einer neuen Schleife dran, bevor schließlich die Strophe am Stück probiert wird.

Die Schüler haben verschiedene Möglichkeiten, sich bei der ersten Übungsschleife zu orientieren:
a) bis 4 zählen und dann wechseln. [Ist für den Anfang okay, hat aber noch nichts mit Musik machen/fühlen zu tun.]
b) auf „hands“ warten [das Wort liegt (in den ersten drei Reihen) auf dem 4. Schlag] und dann wechseln.

c) auf die Melodie achten, um daraus den Punkt für den Wechsel zu erfühlen. [Und sagen, daß einen Fehler zu machen nicht schlimm sei. Weil Fehler dazu da sind, um daraus zu lernen. Um beim nächsten Übungsdurchgang diesen Fehler einfach nicht zu wiederholen und es dadurch schon besser gemacht zu haben.] Diese Art hat schon viel mehr mit Musik (machen/fühlen) zu tun und sollte im Laufe der Zeit von allen Schülern angewendet werden.

 

Verschiedene Punkte, auf die du stets achten und auf die du deine Schüler auch irgendwann hinweisen solltest:


Die dazugehörende Regel:

Bei den Grundgriffen gibt es 2 Kategorien. Einmal die Griffe, bei denen die Finger nicht höher als im 2. Bund eingesetzt werden, und dann noch die Griffe, bei denen die Finger auch noch im 3. Bund arbeiten müssen.
– Zur ersten Kategorie gehören (als Dur- und Mollgriffe) A, E, Em, Am.
– Zur zweiten D, G, C, Dm. [Alle anderen Dur- und Mollakkorde lassen sich nur als Barrégriffe erzeugen.]

Wenn man Griffe wechselt, die zu verschiedenen Kategorien gehören, muß die Hand jeweils noch diesen knappen Zentimeter am Hals rauf- oder runterrutschen, um die Finger in die optimale Lage kurz vor den Bundstäbchen zu bringen.

Wenn man Griffe wechselt, die zur selben Kategorie gehören, reicht es, nur die Finger (ohne die Hand zu verschieben) zu versetzen.

Außerdem zu beachten: Beim A-Dur-Griff ist der Z so weit vom optimalen Punkt entfernt, daß dieser Finger fester als die anderen beiden drücken muß (um einen klaren Ton zu erzeugen), was erst nach einigen Wochen richtig funktionieren wird. Du solltest deine Schüler aber trotzdem schon früh darauf hinweisen, weil sie mit dieser Information rascher zu dem gewünschten Etwas-fester-Drück-Ergebnis kommen werden, als wenn sie nicht wüßten, worauf dieser häufig weniger gut klingende Ton auf der D-Saite (beim A-Greifen) zurückzuführen ist.

 

Das zweite Lied / Der dritte Griff

Mein zweites Lied ist ebenfalls in der Tonart D. Je länger du bei verschiedenen Liedern in derselben Tonart bleibst, desto länger werden deine Schüler mit denselben Griffwechseln arbeiten, was die Greif-Routine fördert.

Mein neues Lied (diesmal mit Noten) ist Go tell it on the mountain. Ich beginne mit dem Refrain, weil auch dieser noch mit nur 2 Griffen auskommt.


Und dann wäre es auch schon an der Zeit, im Kurs mal auf die Struktur von Liedern hinzuweisen
(was ich auch bei allen nachfolgenden Liedern auf die gleiche Weise handhabe):

Die meisten Musikstücke bestehen aus mehreren 4taktigen Teilstücken. In der Regel haben Lieder/Strophen/Refrains 2 x 4 Takte oder 3 x 4 Takte oder 4 x 4 Takte, so daß eine 4taktige Einheit ein Viertel, ein Drittel oder die Hälfte einer Strophe (oder eines Refrains oder einer Bridge) darstellt. Und diese kleinen Teilstücke sind auch bei den Gesangs(melodie)einheiten erkennbar.

Wenn ich die Anschläge der Akkorde beim Go tell it on the mountain-Refrain (bei 2 Anschlägen pro Takt) in 4taktigen Einheiten berechne, kommt in der ersten Reihe
4 D,  2 A,  2 D raus, und in der zweiten Reihe noch mal
4 D,  2 A,  2 D, so daß man bei dieser Schreibweise (in 2 Reihen) an der Tafel sofort erkennen kann, daß die zweite Hälfte genau wie die erste abläuft.
xxxxxWürden wir die Schlaganzahl der Akkorde dagegen immer komplett zählen, erhielten wir
4 D,  2 A,  6 D,  2 A,  2 D. Daraus würde dann niemand erkennen können, daß die erste und die zweite Hälfte gleich wären. In 4taktigen Einheiten gerechnet bräuchten deine Schüler hier also nur 4 Takte zu lernen (und diese nur zu wiederholen).

Die Strophe dieses Liedes darf (weil das einfach zuviel wäre) nicht in derselben Stunde behandelt werden, da in der Strophe noch ein weiterer Akkord/Griff vonnöten ist, nämlich die Subdominante, was in dieser Tonart den Griff G bedeutet. Und G ist der WICHTIGSTE (und schwierigste) Griff des ganzen ersten Kurses.

 

G A N Z   W I C H T I G : Die Schüler dürfen nicht selbst bestimmen, welche Finger sie bei einem Griff zuerst drauflegen – Ausnahmen sind A und D. Wenn sie die Wahl haben, nehmen sie nämlich (fast) immer den Z, weil der in der Regel der sicherste Finger an der (weniger geübten) linken Hand ist. Den Z zuerst draufzusetzen ist aber nur bei den Griffen A und D in Ordnung, weil er bei diesen Griffen auch am weitesten oben liegt.

Wenn du deinen Schülern erlaubtest, bei allen Griffen immer mit dem sichersten Finger (Z) zu beginnen, würde das nämlich bedeuten, daß
a) die schwächeren Finger (M und R) nie (oder erst sehr viel später) dieselbe Stärke und Sicherheit wie der Z erreichen, so daß es in dem Fall viel länger dauert, bis man bei schwierigeren Griffen die Finger gleichzeitig draufzusetzen gelernt hat. Deshalb müssen
b) die schwächeren Finger emanzipiert werden = vom Z unabhängiger gemacht werden. Dazu benötigen sie gezieltes Training. Am einfachsten gelingt dies, wenn du dich an folgende Regel hältst: BEIM GREIFEN IMMER DEN FINGER ZUERST DRAUFSETZEN, DER BEI DEM GRIFF AM WEITESTEN OBEN HINMUSS. [Ausnahmen sind Dm und Barrégriffe.] Und nur bei zwei Griffen (A und D) liegt der Z am weitesten oben. Bei allen anderen Griffen wird es der M oder R sein. Außerdem werden
c) so die Baßtöne der Akkorde zuerst abgedeckt, die bei verschiedenen späteren Anschlagtechniken [Picking, Folk & Country und anderen] auch zuerst angespielt werden, so daß auch deshalb die Finger oben im Baßbereich zuerst draufgelegt werden sollen.

 

Das (besondere) Problem mit dem  G – G R I F F:
G kann auf zwei verschiedene Arten gegriffen werden. Auf eine einfachere und eine deutlich schwerere Art.

Die einfachere hätte den Z auf der A-Saite im 2. Bund, den M auf der oberen E-Saite im 3. Bund, und den R oder K auf der unteren E-Saite im 3. Bund. Diese Greifart ist GANZ SCHLECHT und darf nicht genommen werden!

Die schwere Art [die klassische Greifweise] hat den R auf der oberen E-Saite im 3. Bund, den M auf der A-Saite im 2. Bund, und den K auf der unteren E-Saite im 3. Bund. Du darfst nur diese Art erlauben, denn das andere, einfacher zu greifende G ist (wenn es mal zu Griffwechseln kommt) die deutlich schlechtere Variante. Begründung:

  1. Der Z muß frei bleiben, um gegebenenfalls im 1. Bund zum Einsatz kommen zu können. Bei G7, G add 11 oder dem G-Quartsextakkord zum Beispiel.
  2. Die Finger sollen beim Griffwechsel möglichst wenig weite Wege zurücklegen. Vom klassischen G kommend sind die Fingerwege beim Wechsel zu C und zu F beispielsweise viel kürzer (und deshalb wesentlich besser), als wenn sie vom „falschen“ G aus gemacht würden.
  3. Spiele deinen Schülern einfach den Akkordwechsel G nach C und zurück vor [mit beiden G-Greifweisen zum Vergleichen], und dann noch G nach G7 und zurück [mit wiederum beiden G-Greifweisen zum Vergleichen], dann werden sie sofort einsehen, daß alles für das klassische G spricht.

Weil dieser Griff aber der schwerste im ganzen 1. Kurs ist, beginnen wir erst einmal mit G6. Glücklicherweise kann man den G-Dur-Akkord in der Go tell it on the mountain-Strophe nämlich problemlos durch G6 ersetzen, weil der 6er-Ton (die leere E-Saite) während dieses Akkordes nämlich auch in der Gesangsmelodie vorherrscht [was nur selten der Fall ist. Ein G kann normalerweise nicht durch G6 ersetzt werden].

 

GANZ WICHTIG:

Beim G-Griff (auch bei G6) [der Z steht ja nicht zur Verfügung] darf man nicht mit dem M beginnen (welcher nach dem Z nämlich der nächstsichere ist), sondern muß mit dem R auf der obersten Saite im 3. Bund anfangen. Das ist schwerer, als mit dem M zu beginnen – aber der leichtere Weg ist auch in diesem Fall nicht der bessere (was aber erst im 2. und 3. Kurs richtig sichtbar wird).

Grundregel: Immer den Finger, der am weitesten oben hinmuß, zuerst drauflegen [das wird (abgesehen von A und D) nie mehr der Z, sondern immer nur M und R sein], um früher zu dem Ziel zu gelangen, den ganzen Griff irgendwann mal gleichzeitig draufsetzen zu können.

M und R sind schwächer als der Z und müssen deshalb besonders trainiert werden. Die schwächeren Finger [M schwächer als Z / R schwächer als M] müssen unabhängig davon, ob schon einer der sichereren Finger draufliegt, ihren Draufsetzweg sicher finden lernen. Weil die Finger bei den einzelnen Griffen ja irgendwann auch mal gleichzeitig draufgesetzt werden sollen, würde es (wenn man bei allen Griffen erlauben würde, zuerst immer die sichersten Finger draufzusetzen) VIELE (Übungs-) MONATE länger dauern, bis das Gleichzeitig-Draufsetzen-Ziel erreicht ist, als wenn ich die schwächeren Finger durch gezieltes Training zuvor schon gestärkt hätte.
xxxxxAußerdem deckt der R den Grundbaßton dieses Akkordes (G6 und auch G-Dur) ab, der bei späteren Spieltechniken [Picking, Folk & Country und anderen] zuerst angeschlagen werden muß, so daß es auch aus diesem Grunde wichtig ist, den R hier zuerst draufliegen zu haben.

 

Zurück zur Go tell it on the mountain-Strophe:
4 D,  2 G6,  2 D
4 D,  2 G6,  2 A
[und nicht: 4 D,  2 G6, 6 D,  2 G6,  2 A rechnen! Weil die Struktur des Liedes – die Ähnlichkeit der ersten und zweiten Strophenhälfte – sonst nicht deutlich wird.]

G6 kommt im Lied nach D dran. Darauf hinweisen, daß bei D nur ein Finger (R) im 3. Bund liegt und es ebendieser Finger ist, den wir beim Wechsel nach G6 im Auge behalten müssen. Der R soll nämlich in diesem 3. Bund bleiben und muß „nur noch“ ganz nach oben geführt und draufgelegt werden … und schon kann man nicht mehr viel falsch machen beim G6 (und späteren G)-Greifen.

Wichtig: Von D kommend nicht den R alleine lösen und versetzen (während Z und M noch das Rest-D bilden), sondern den kompletten D-Griff lösen und den R nach oben schieben. Der R zieht den M, der ja als zweiter draufgesetzt werden soll, dabei auch meistens schon mit nach oben. [Darauf achten, daß auch alle Schüler in den nächsten Wochen beim Wechseln zu G(6)-Griffen nicht doch mit dem M anfangen (mit dem es leichter/sicherer als mit dem R ginge – doch der leichtere Weg ist auch hier nicht der bessere, da der schwächere R trainiert werden soll). Außerdem wäre es, wenn man mit M auf der A-Saite beginnen würde, schwerer, danach den R an die richtige Stelle (die rechte Seite des 3. Bundes) zu bekommen. Wenn man aber mit dem R anfängt, kann man direkt den optimalen Punkt kurz vor dem Bundstäbchen mit diesem Finger anpeilen.]

 

Trotzdem bei diesem Lied nur 2 G6-Anschläge [wenn man mit 2 Anschlägen pro Takt arbeitet] vorkommen, erst mal 4 Anschläge mit diesem Griff gemeinsam üben lassen. Also 4 D,  4 G6 im Wechsel. Auch zu Hause neue Griffe immer erst 4 mal vorm Wechsel anschlagen lassen, um beim Einüben erst mal weniger Streß (als vielleicht später im Lied) zu haben. Und wenn’s zu langweilig wird, darf man beim Üben auch zu 2 Schlägen pro Akkord übergehen.

Übrigens: Diese ersten beiden Lieder sind im Shuffle-Rhythmus (was ich in diesem Kurs aber weder erwähne noch erkläre), was sich solange man keine 8tel in der Begleitung spielt – aber nur im Gesang zeigt. Die restlichen Lieder meines ersten Kurses sind im geraden Rhythmus gehalten.

 

Beim dritten Lied kommt dann der komplette G-Griff an die Reihe. Zuerst G6 greifen lassen, und danach den kleinen Finger so gut es geht auf die unterste Saite zu bringen versuchen. [Bei manchen Schülern erreicht der K dabei die unterste Saite in den ersten Versuchen nur mit großer Anstrengung. Aber Übung macht alles besser.] Sagen, daß dies der schwerste Griff des ganzen ersten Kurses ist (einer muß ja der schwerste sein), der im Gegensatz zu A und D (mit denen man nach 2 bis 3 Wochen schon recht gut klarkommen kann) durchaus 2 bis 3 Monate benötigen kann, bevor er gut und sicher funktioniert = bis der kleine Finger geschmeidig genug geworden ist, um die unterste Saite zu erreichen und niederzudrücken, während der R auf der obersten liegt.
xxxxxUnd obwohl es in jedem Kurs einige Leute gibt, die zu Anfang der Meinung sind, daß du absolut Unmögliches von ihnen verlangen würdest, merken sie gegen Ende dieser Stunde doch in der Regel alle schon, daß der kleine Finger die neue ungewohnte Beugung schon ein klein wenig besser als bei den ersten Versuchen hinbekommt. Sage aber ganz deutlich, daß man über diesen schweren Griff erst am Ende des Kurses richtig urteilen kann. [Schülern mit wirklich besonders kleinen Händen könntest du aber auch den Tip geben, daß a) Westerngitarren (mit Stahlsaiten) einen etwas schmaleren Hals haben, b) es bei klassischen Gitarren (mit Nylonsaiten) auch 7/8- und 3/4-Größen gibt, bei denen der Hals ebenfalls schmaler ist.]

Versuche, für dein drittes Lied (in der D-Dur-Tonart) eines zu finden, bei dem G zwei Takte lang vorkommt (also 4 Schläge lang gespielt werden darf) und der vorherige Akkord immer noch D ist und ebenfalls mindestens zwei Takte lang vorkommt, damit man etwas mehr Zeit bis zum Griffwechsel (und nicht ganz so viel Streß) hat. [Auch ein viertes Lied in der Tonart D wäre nicht falsch, bevor man einen weiteren Griff (für eine neue Tonart) kennenlernt.]

 

Für jede neue Tonart darf man nur einen neuen Griff kennenlernen müssen. Und weil ich die ersten beiden Griffe A und D noch beibehalten will, lernen wir als nächstes den Griff E für die neue Tonart A-Dur. [Die ebenfalls mögliche G-Dur-Tonart (mit dem – neben G und D – zusätzlichen C-Griff) ist zu schwer für den ersten Kurs, weil darin noch keine Griffe eingesetzt werden sollten, bei denen die Finger gleichzeitig in 3 verschiedenen Bünden aufgelegt werden müssen.]

Auch wenn beim Wechsel von D nach E der Z nur etwa 3 cm auf der G-Saite zurückgeschoben werden müßte, sollte auch hier nicht dieser einfachere Weg erlaubt werden. Der am weitesten oben liegende Finger soll ja zuerst gesetzt werden: in diesem Fall also der M (gefolgt vom R, und dann erst dem Z).
xxxxxDenn wenn man den Z zuerst draufzusetzen erlauben würde, würden M und R viel zu sehr vom Z abhängig sein, was bedeuten würde, daß nur wenn der Z schon aufläge, M und R sicher ihre Plätze fänden.
xxxxxDeshalb müssen die schwächeren Finger (M und R) besonders trainiert werden, um mehr Eigensicherheit zu gewinnen.
xxxxxAußerdem würde ein späteres Em-Greifen schwerer fallen, wenn man sich zum E-Dur gehend den Z zuerst draufzulegen angewöhnt haben sollte. [Der klassische Em-Griff wird ja ohne Z gegriffen, weil dieser für Töne im 1. Bund zur Verfügung stehen muß, wenn es z.B. nach E-Dur oder Emb6 gehen soll.] Und auch der Wechsel von H7 nach E würde nicht so gut funktionieren, weil der liegenbleiben sollende M das weniger gut hinbekommt, wenn seine Sicherheit nicht zuvor beim E- und Em-Greifen schon durch Zuerst-Draufsetzen gefördert worden sein sollte.

 

Und weshalb darf beim E nicht der R am weitesten oben liegen (so daß der Griff einem verdrehten A ähneln würde)?“:
xxxxxDer M ist der längste Finger an der Hand [halte zum Beweis einfach die Hand mit ausgestreckten Fingern hoch] und kann deshalb auch leichter den weitesten Weg gehen. Außerdem liegen M und R beim korrekten E-Greifen dann immer noch sehr natürlich nebeneinander, während der R bei der falschen Greifart weiter oben liegen würde und der M (da tiefer greifend) viel mehr gebeugt werden müßte, was für diese beiden Finger eine etwas unnatürlichere Haltung bedeuten würde.

Somit haben wir [nach A und D: den einzigen beiden Griffen, bei denen der Z zuoberst zu liegen kommt] nun schon 2 Griffe, bei denen die beiden schwächeren Finger durch bewußt frühes (erstes) Draufsetzen besonders trainiert werden. Der M beim E-Griff, der R beim G-Griff.

 

Wenn die Tonarten A und D bekannt sind, mache ich auch mal eine Theoriestunde, dessen Ziel es ist, meinen Schülern klarzumachen, …
– daß wir jedes Lied in der Tonart A auch in der Tonart D (und umgekehrt) spielen können,
– daß sich beim Tonartändern die Tonhöhe der Gesangslinie verändert [bei den obengenannten Tonarten um 5 oder um 7 Halbtonschritte]. Die Melodie kann dabei sowohl höher als auch tiefer gelegt werden. Der Unterschied zwischen diesen beiden ausgeführten Möglichkeiten beträgt eine Oktave, ist aber nach wie vor dieselbe Melodie. Eine Melodie kann also in verschiedenen Oktav(höh)en erklingen. Männer- und Frauenstimmen liegen meistens eine Oktave auseinander.
– daß auch Leute mit einer anderen Stimmlage (für die ein bestimmter Gesangston bei einem Lied zu hoch oder zu tief ist) immer eine Alternative in Form einer anderen Tonart haben.
– daß es außer D und A noch 10 weitere Dur-Tonarten und 12 weitere Moll-Tonarten gibt [weil jeder der 12 in der Musik vorhandenen Töne der Grundton eines Dur- sowie eines Moll-Akkordes sein kann (es also 12 Dur- und 12 Moll-Akkorde geben muß) und jeder dieser Dur- und Moll-Akkorde auch den Grundakkord (die Tonika) einer eigenen Tonart darstellen kann].
– daß man also jedes Lied der Welt immer in 12 verschiedenen Tonarten singen und begleiten kann.
– daß Lieder, die für deine Schüler im Moment noch in einer falschen Tonart stehen (also mindestens noch einen unbekannten Griff enthalten), trotzdem schon im 1. Kurs  [falls sie aus nicht mehr als drei Dur-Akkorden bestehen] spielbar sind, wenn man sie transponiert = in eine andere Tonart umschreibt.
– daß man dazu wissen muß, (a) in welcher Tonart das neue Lied (mit den noch ungekannten Akkorden) steht, und (b) in welchen Tonarten man selber denn überhaupt spielen kann.
Spielen können wir bisher nur in den Tonarten A-Dur und D-Dur.
Tonartbestimmung: Schaut euch den ersten und letzten Akkord einer Strophe und eines Refrains an. Der am häufigsten vorkommende Akkord definiert in 99 % aller Fälle die Tonart. [Die Tonartbestimmung anhand der Kreuzchen- () und Be- () Vorzeichen halte ich für schwerer zu verstehen, wäre aber zusätzlich (oder in einem späteren Kurs) einen Versuch wert, wenn du öfter mit Blättern mit Noten arbeitest.]
– Ich benutze zum Transponieren eine „Transponieruhr“ (ein Blatt mit einer kleinen Zeichnung, auf der unsere 12 Töne halbtonschrittweise im Kreis angeordnet sind), auf der man nur den Abstand von 2 Tonarten abzählen und sämtliche im Lied vorkommenden Originalakkorde anschließend um eben diesen Abstand auf der Transponieruhr verdrehen muß, um die Akkorde für die neue Tonart zu erhalten. Die 12 Töne stehen dabei stellvertretend für die Grundtöne der jeweiligen Akkorde, so daß damit nicht nur Dur-Akkorde transponiert werden können, sondern auch alle anderen. Man orientiert sich einfach am Grundton eines Akkordes, verschiebt diesen um die errechnete Halbtonschrittzahl und setzt mögliche zusätzliche Akkordinformationen (wie Moll, 7, sus etc.) einfach wieder hinten dran.

Eine Woche nach dieser Theoriestunde mache ich dann den Praxistest, indem ich ein Lied in einer „falschen“ Tonart anbringe. Wir transponieren dieses Lied dann erst mal in beide für uns mögliche Tonarten, um uns danach erst zu entscheiden, welche wir tatsächlich nehmen. Und zwar nicht die, in der die leichteren Griffe vorkommen, sondern die, in der wir besser singen können!

 

Weil es in jedem Kurs Teilnehmer gibt, die wißbegieriger und ungeduldiger als andere sind, solltest du (nachdem ihr die Griffe A, D, G und E durchgenommen habt) darauf hinweisen, daß diejenigen deiner Schüler, die sich nicht zurückhalten können, zu Hause schon unbekannte Griffe auszuprobieren, dabei auf keinen Fall den (griffsichersten) Z zuerst aufsetzen dürfen, sondern immer mit dem Finger beginnen müssen, der bei den Griffen am weitesten oben liegt. Das ist besonders für C-Dur extrem wichtig, weil man sich sonst (wenn der Griff schließlich im Kurs behandelt wird) diese zwar leichtere aber (für spätere Akkordwechsel) doch viel schlechtere Finger-Draufleg-Reihenfolge erst mühsam wieder abgewöhnen muß [und es manche aus Bequemlichkeit nie tun und später dann Probleme haben, wenn sie zuerst den Baßton bei C nach einem Akkordwechsel von G oder von F anschlagen sollen, da der R nicht schnell genug (als erster) draufliegt].

 

Ein weiterer Punkt, auf den du achten und irgendwann (vielleicht schon gegen Ende des 1. Kurses [damit die Schüler während der mehrwöchigen/mehrmonatigen Semesterferien schon daran arbeiten können], aber spätestens zu Beginn des 2. Kurses) auch erklären solltest: Die Problematik des Die-Finger-bei-den-Griffen-noch-nicht-gleichzeitig-draufsetzen-Könnens.

 

Dieses Prinzip gilt für alle Griffwechsel. Beispiele:

 

Und das waren meine wichtigsten Anmerkungen zu Kurs 1.

 


I N   K U R S   2

bekommt die rechte Hand deutlich mehr zu tun, weil es hier ganz neue Anschlagtechniken [erstmalig auch mit Rückwärtsschlägen von unten nach oben] für 4/4- und 3/4-Takt gibt. Die Schläge nach unten werden dabei mit dem Zeigefinger gespielt und die Schläge zurück mit dem Daumen, damit der erzeugte Klang in beiden Schlagrichtungen (durch die Nutzung des jeweiligen Fingernagels) annähernd gleich ist. [Im ersten Kurs durften meine Schüler noch zwischen Z und D beim Schlag nach unten wählen, wobei die Nutzung des Daumens einen deutlich dumpferen Klang ergibt, weil die Saiten ja nur mit der weichen Fingerkuppe statt dem härteren Fingernagel berührt werden.] Ein Plektron benutze ich erst in den vierten Kursen.
xxxxx[Und am Kurs-2-Ende mache ich auch noch einen kleinen Abstecher zu einer ersten Zupftechnik, um eine Idee davon zu geben, daß Gitarre spielen auch ganz anders gehen kann.]

 

Die wichtigsten neuen Tonarten in Kurs 2 sind G-Dur und A-Moll, für die wir auch die bislang noch fehlenden Grundgriffe Em, C und Dm kennenlernen müssen. Außerdem stelle ich in diesem Kurs auch noch den einen oder anderen 7er-Akkord vor.

 

Die Griffe C und Dm stellen ein Novum dar, weil bei ihnen zum ersten Mal in drei verschiedenen Bünden gegriffen werden muß. Bevor C (der für die neue Tonart G-Dur [als Subdominante] benötigt wird) drankommt, starte ich aber erst einmal [um das leidige Mit-dem-Zeigefinger-zuerst-Draufsetzen bei C von vornherein auszuschalten] mit Cmaj7, bei dem nur R und M benutzt werden dürfen, da der Z ja für mögliche Greifaktionen im 1. Bund zur Verfügung stehen muß.
xxxxxAuch bei Cmaj7 ist wieder die Regel zu beachten, daß der am weitesten oben liegende Griffpunkt zuerst belegt werden muß, was in diesem Fall der R zu erledigen hat. Dabei wird auch gleichzeitig der Grundbaßton dieses Akkordes spielbar gemacht, was für spätere Umgreiftechniken im 3. Kurs (von F nach C-Dur gehend) und für bestimmte Anschlagtechniken in den vierten Kursen (den Grundton des jeweiligen Akkordes zuerst anschlagen müssend) besonders wichtig sein wird.

Ich habe zwar keinen einfachen Song mit Cmaj7 gefunden, aber ich lasse diesen Vorbereitungsgriff auf C in den ersten drei Stunden des 2. Kurses einfach als Kommt-später-erst-dran-Griff im Wechsel mit G üben, so daß ich in den ersten drei Stunden noch nicht die Tonart G benutzen kann.
xxxxxIn der allerersten Stunde mache ich ohnehin kein Lied, da ich mit drei verschiedenen Sachen schon genug zu tun habe: 1) die Vorkenntnisse der neuen Quereinsteiger überprüfen und mögliche Greiffehler (wie falsches G und so) schon mal ansprechen, 2) Cmaj7 (mit R beginnend) im Wechsel mit G üben lassen, 3) die ganz neuartige „nur mit Z nach unten und nur mit Daumen zurückschlagen“-Technik zeigen und probieren.
xxxxxIn der zweiten Stunde mache ich [neben der Wiederholung von Cmaj7] ein Lied mit nur den Griffen Em (neu) und D, das trotz nur zweier Akkorde wegen der neuen Anschlagtechnik aber noch nicht richtig gut gehen kann – vor allem, wenn noch Schüler dazugekommen sind, die die erste Stunde verpaßt haben. [Wenn dadurch zu viele Schüler hinterherhinken verschiebe ich dieses erste neue Lied auch schon mal in die dritte Stunde und lasse am Ende des Kurses dafür was von den Pickingstunden (die sowieso mehr Bonus als wichtigen Inhalt meines 2. Kurses darstellen) weg.]
xxxxxIn der dritten Stunde mache ich dann ein Lied in der Tonart D, um den G-Griff wieder in Erinnerung zu bringen, dem ab der vierten Stunde in der neuen Tonart G nämlich eine absolute Hauptrolle zukommt, weil er dann am häufigsten drankommen wird.

Und in der vierten Stunde beginne ich schließlich mit der Tonart G, in der wir noch den Griff C brauchen, für den ich Cmaj7 einfach noch um den (unbedingt als letzten draufzusetzenden) Zeigefinger erweitere (so daß das wirklich nur schlechte Den-Z-bei-C-zuerst-Draufsetzen damit hoffentlich ausgemerzt ist).

 

Der C-Griff ist schwerer als alle bisher verwendeten Griffe (mit Ausnahme von G), weil dabei erstmalig in 3 Bünden gegriffen werden muß. Je mehr die Finger dabei senkrecht von unten kommen, desto schwieriger ist es, die optimalen Punkte kurz vor den Bundstäbchen zu belegen, weil die Finger dafür etwas gespreizt werden müßten. Deshalb sollen die Finger mehr von (aus Sicht des Gitarrespielers) links unten schräg kommend nach rechts oben zeigen, weil man dann (für C) den R nur lang machen und den M nur krümmen und den Z nur noch mehr krümmen müßte, wodurch alle drei Finger immer noch (fast) in Berührungskontakt miteinander gehalten werden können. Nur so sind beim C-Griff die optimalen Greifpunkte kurz vor den Bund-Enden einigermaßen einfach hinzubekommen. Du mußt allerdings darauf achten, daß beim Greifen nicht irgend jemand (auch in den nächsten Wochen) statt mit dem R doch mit dem wahrscheinlich noch sichereren M beginnt [oder schlimmer noch: mit dem Z beginnt], weil das anschließende Den-Ringfinger-ans-Ende-des-3.-Bundes-Bringen dadurch (neben dem dann auch noch immer fehlenden Baßton) auch noch weiter erschwert würde. Wenn der R dagegen als erster seinen Platz gefunden hat, ist es leichter möglich, die Hand inklusive M und Z noch etwas zurückzuschieben/-drehen, so daß (nach R) auch M und Z den optimalen Punkt noch gut und relativ leicht finden können.

 

Das fast gleiche Problem ergibt sich auch bei Dm. Laut pelikanesischer Regel soll ja bei jedem Griff der am weitesten oben liegende Finger zuerst draufgesetzt werden. Bei Dm mache ich allerdings eine Ausnahme von dieser Regel, weil es nach zuerst draufgesetztem M noch schwerer als bei C würde, den R so „auszufahren“, daß er das Ende des 3. Bundes auf der H-Saite gut erreicht, da er ja nicht einfach nur (wie bei C) langgemacht werden, sondern auch noch etwas seitlich weggespreizt werden müßte [was nur für Vulkanier ein Kinderspiel sein dürfte].
xxxxxDeshalb lasse ich Dm mit dem R beginnen (gefolgt von M und Z), denn dann ist das gleiche wie beim C-Greifen möglich: Die Hand kann, wenn der R fest aufliegt, insgesamt noch etwas zurückgedreht werden, so daß auch M und Z ihre optimalen Punkte in den Bünden gut erreichen können.

 

Der C-Griff wird in der Praxis sehr häufig mit G gewechselt [da beide Akkorde sowohl zur G-Dur-Tonart (der wichtigsten neuen Tonart in Kurs 2) als auch zur C-Dur-Tonart (der wichtigsten neuen Tonart in Kurs 3) gehören], und damit die Finger beim ja immer noch sehr schweren G irgendwann auch mal gleichzeitig draufgesetzt werden können, muß besonderes Augenmerk auf die Haltung des kleinen Fingers vor und während dieses Wechsels gelegt werden. Sehr häufig wird der K bei den Gitarrenanfängern noch vom R beeinflußt, indem der R den K mitzieht, egal ob er (R) sich nach oben oder nach unten bewegt. Und das würde für einen Wechsel von C nach G bedeuten, daß der R, zum G-Baßton gehend, sich einen Zentimeter nach oben bewegt und den K dabei erst noch in diese Richtung mitnimmt, obwohl der ja in die entgegengesetzte Richtung muß, so daß der K immer erst zuletzt [für ein gemeinsames Aufsetzen beim G-Griff also immer zu spät] aufgesetzt werden kann. Und diese Abhängigkeit des K vom R gilt es abzutrainieren.
xxxxxDiese Abhängigkeit ist den Schülern in der Regel allerdings überhaupt nicht bewußt, weshalb du sie darauf hinweisen mußt, denn nur, wenn man weiß, warum etwas nicht so gut läuft, kann man gezielt dagegen vorgehen.

Die optimale Haltung des K beim C-Greifen wäre eine so weit gekrümmte, daß die Fingerspitze in Richtung der H- oder E-Saite weisen würde, wodurch sich dieser Finger dann schon in Tatortnähe (für Einsätze bei G und H7) befände. Bei manchen Schülern zeigt der K beim C-Greifen aber sogar in die Luft oder liegt lang am R an oder auf diesem auf, was beim Wechseln zu G natürlich einen (im Vergleich zur Tatortnähe) unnötigen Umweg bedeutet. Auf solch ungünstige und schlechte K-Positionen solltest du beim C-Griff-Erlernen sofort hinweisen und auch in den kommenden Wochen beobachten, ob sich nicht trotzdem bei jemandem eine fehlerhafte Fingerhaltung einzuschleichen beginnt.
xxxxxUnd auch bei den anderen Griffen solltest du darauf achten, daß der K nicht in die Luft zeigt, sondern (wie alle Finger, die gerade nicht zum Greifen benützt werden) gekrümmt ist.

 

Die neue Anschlagtechnik | 1   2 + / 3   4 + | (die auch die Basistechnik für meinen nachfolgenden dritten Kurs bildet) behandle ich insgesamt 8 Stunden lang [damit die bei allen Teilnehmern auch richtig sitzt], bevor es mit 3/4-Technik und 4/4-Picking weitergeht.

 


I N   K U R S   3

wird die im zweiten Kurs erlernte 4/4-Anschlagtechnik als Hauptschlagmuster eingesetzt, weil die Schüler hier mit dem auf sie zukommenden Neuen [Barrégriffe] schon genug zu tun haben und nicht auch gleichzeitig noch mit Neuem für die andere Hand belastet werden sollen.
xxxxxAuch in Kurs 3 wird bei mir immer noch nur die Basis (der Griffe und ihrer Wechsel) gelegt, so daß kompliziertere Anschlagtechniken/Spielweisen erst in meinen 4. Kursen drankommen, wenn die Hauptgriffwechsel (hoffentlich) keine besonderen Probleme mehr darstellen.

 

Barrégriffe sind ein (auch vom Schwierigkeitsgrad her) Kapitel für sich und sollten deshalb einen eigenen Kurs bekommen. Und weil viele Schüler diese neuartigen Griffe nach 13 Unterrichtswochen noch nicht ausreichend sicher beherrschen, habe ich irgendwann eingeführt, daß der Barrékurs des nachfolgenden Semesters ganz andere Lieder hat, die aber aus denselben Griffen und Griffwechseln wie im vorigen Kurs bestehen, so daß sich bei Wiederholern nicht das Gefühl einstellt, sitzengeblieben zu sein, sondern nur eine sinnvolle Alternative zu den noch schwereren vierten Kursen [weil dort ein neuer Rhythmus (oder eine neue Spieltechnik) nach etwa drei Stunden schon die nächste Variante erfährt] wahrgenommen zu haben.

Ein Barrégriff ist ja ein normaler [nur anders mit M, R und K gegriffener] Grundgriff, bei dem jeder der 6 Töne des Originalakkordes um dieselbe Halbtonschrittanzahl [1 Bund auf der Gitarre = 1 Halbtonschritt] erhöht wurde, wobei der (weiße) Sattel [über den die Saiten zum 1. Bund laufen] quasi den nullten Bund darstellt, dessen Erhöhung durch den Zeigefinger vorgenommen wird, so daß auch die beim Originalgriff leer benutzten Saiten dadurch mitverschoben werden können.
xxxxxAls Barrégriffe werden in der Regel nur die von E, Em, A und Am abgeleiteten benutzt, weil bei diesen nach dem Barréfinger (Z) in nur noch 2 weiteren Bünden gedrückt werden muß. [Möglich (wenngleich sehr viel schwerer, da auch noch im 3. Bund hinter dem Z gegriffen werden müßte) sind aber auch von G, C, D und Dm abgeleitete Barrégriffe.]

Weil es in der Musik 12 verschiedene Töne gibt, kann jeder dieser Töne auch der Grundton eines Dur-, bzw. Moll-Akkordes sein, so daß es logischerweise 12 Dur- und 12 Moll-Akkorde geben muß. Als Grundgriffe (mit leeren Saiten) lassen sich von diesen 24 möglichen Akkorden aber nur 5 in Dur (E, G, A, C, D) und 3 in Moll greifen (Em, Am, Dm), was lediglich ein Drittel bedeutet. Die übrigen zwei Drittel lassen sich nur mit Hilfe von Barrégriffen erzeugen.
xxxxxWeil jeder Barrégriff logischerweise auch in jedem anderen Bund gespielt werden kann [da das Verhältnis dieser 6 Töne zueinander ja immer unverändert bleibt], bräuchten wir eigentlich nur 2 verschiedene Barrégriffe [einen in Dur und einen in Moll], um alle uns bislang noch fehlenden Akkorde erzeugen zu können. Weil wir – alle Akkordmöglichkeiten ausschöpfend – dabei mit dem Zeigefinger aber auch bis in den 11. Bund gehen müßten [im 12. Bund wären wir wieder beim Grundgriff, nur eine Oktave höher, angekommen], benutzt man noch einen zweiten Dur- und einen zweiten Moll-Barrégriff, um eine echte Alternative zu den Barrégriffen zu haben, die sonst sehr weit oben gegriffen werden müßten. Mit Ausnahme von D#-/Eb-Akkorden (die im 6. Bund gespielt werden müssen) brauchen wir dann mit dem Z nicht höher als bis in den 4. Bund zu gehen.
xxxxxMit (da ein und derselbe Griff durch Verschieben in andere Bünde neue Akkorde bildet) nur 4 verschiedenen Barrégriffen kann man also die noch fehlenden 16 Akkorde gut abdecken. [Und wenn diese 4 Barrégriffarten im Kurs durchgenommen worden sind, solltest du auch einen Theorieteil einbauen, in dem deine Schüler lernen, wie die verschiedenen Barrégriffe in den verschiedenen Bünden (nach den jeweiligen Baßtönen benannt) heißen, wozu du nur eine Liste der Töne auf der E- und A-Saite auszugeben bräuchtest.]

Ich benutze die verschiedenen Barrégriffarten in meinen Liedbeispielen nur im 1. oder 2. Bund, je nachdem, in welchen Tonarten sie am häufigsten vorkommen: F in der Tonart C / H [oder englisch: B] in der Tonart E / Hm [Bm] in der Tonart D / F#m in der Tonart A.

 

Weil ich meine Gitarrenlehrkenntnisse vor allem aus dem Beobachten meiner Schüler beim Umgreifen und Spielen entwickelt habe, habe ich in den ersten Jahren (als ich noch nicht so viel davon verstand) auch noch vieles falsch gemacht, wie z.B. beim Barrégreifen das Zulassen von „zuerst die letzten Finger drauflegen und den Z erst ganz zum Schluß“. Dies hat jedoch dazu geführt, daß die meisten meiner Schüler auch nach ein bis zwei Barré- und bis zu vier Niveaustufe-4-Kursen den Z beim Barrégreifen erst mit kleiner Verspätung draufzulegen vermochten, so daß der Z auf der 1 des Taktes häufig noch nicht an Ort und Stelle war und der Baßton dieses Akkordes [der bei den vier üblichen Barrégriffarten jeweils vom Z erzeugt wird] deshalb nicht sauber oder schnell genug zum Klingen gebracht werden konnte. Der Z sollte deshalb von Anfang an darauf getrimmt werden, nicht ganz alleine zu agieren, sondern sich beim Wechseln in der Luft schon mit mindestens einem sich auf deutlich andere Art bewegenden Finger zusammen der Barréhaltung zu nähern [weil ja auch hier das Fernziel lautet, den Griff irgendwann mal komplett gleichzeitig drauflegen zu können, was nur dann funktioniert, wenn die Hand in der Luft schon alle Finger in die richtige Position hat bringen können (falls nicht ein bestimmter Finger schon liegenbleiben kann/soll).].
xxxxxDas [ein nicht alle Finger einzeln nacheinander Drauflegen] erreiche ich, indem ich in meinen Barrékursen verschiedene (für jeden Schüler frei wählbare) Wege beim Umgreifen zulasse, die aber alle nach nur zwei Umgreif-Schritten [wobei das  Z drauflegen kein einzelner Schritt sein darf] zum Ziel (dem kompletten Barrégriff) führen müssen. [Diese Wege habe ich mit Hilfe des Feedbacks meiner Gitarrenschüler entwickelt, weil diese ja am besten merken (oder am leidvollsten erfahren), welche deiner vorgeschlagenen Wechselmethoden tatsächlich gut umsetzbar sind (oder halt nicht so gut funktionieren)]. Und irgendwann später soll aus den zwei Schritten (nach viel Übung) dann nur noch ein einziger werden.

 

Das Problem der Barrégriffe ist einerseits das schnelle und sichere Draufsetzen und andererseits das schwierige Alle-Töne-auch-zum-Klingen-Bringen, weil der Z ja auch an den fleischigen und weicheren Stellen des dritten Fingergliedes Druck ausüben lernen muß, weshalb die letzten beiden Töne des F-Griffes in der Regel das Hauptklangproblem darstellen.
xxxxxDer Z darf beim Barrégreifen an keiner Stelle gebeugt sein, sondern muß ab dem Handrücken gerade durchgedrückt werden. Um nun überhaupt Druck mit diesem Finger ausüben zu können, muß der Daumen (im Gegensatz zum normalen Greifen, wo er auch etwas oben drübergucken darf) unter dem Gitarrenhals für Gegendruck sorgen, wobei das Handgelenk ziemlich weit nach unten/vorne geschoben werden muß.
xxxxxUnd je tiefer der Gitarrenhals dann liegt, desto schwieriger wird das Ganze für das Handgelenk. Aus diesem Grund [um die Arbeit zu erleichtern] benutzen klassische Gitarristen eine ganz andere Gitarrenhaltung [mit Fußbänkchen unterm linken Fuß und der Gitarre auf dem linken Oberschenkel], bei der der Hals nach links oben zeigt und das Handgelenk beim Akkordegreifen somit höher als bei der [zugegebenermaßen geiler aussehenden] Popmusik-Normalhaltung liegt und deshalb weniger geknickt werden muß.
xxxxxWenn man eine Gitarre im Stehen mit Gitarrengurt spielt, wird das Handgelenk bei Barrégriffen umso weniger belastet, je kürzer der Gurt (gemacht worden) ist, weil der Hals der Gitarre dann einfach etwas höher liegt.

Aber Achtung: Wenn man eventuelle Schmerzen beim Üben von Barrégriffen einfach ignoriert und zu lange weiterübt, kann man sich leicht eine Sehnenscheidenentzündung an der linken Hand zuziehen [was mir selbst in jungen Jahren nämlich so ergangen ist]. Deshalb solltest du deinen Schülern sagen, daß man beim Barréüben nicht übertreiben und auf Schmerzsignale des Handgelenks achten (und gegebenenfalls eine Pause einlegen) sollte.

 

Der in der Praxis am häufigsten vorkommende Barrégriff ist F (wegen seiner Hauptdreiklang-Zugehörigkeit zur C-Dur-Tonart), und der am häufigsten vorkommende Akkordwechsel mit einem Barrégriff ist der von C nach F und zurück.
xxxxxSehen wir uns zuerst den Wechsel von F nach C an, bei dem ein Finger nämlich liegenbleiben kann: der R auf der A-Saite im 3. Bund. Und weil wir ja im 2. Kurs schon gelernt haben, beim C-Greifen nur mit dem R beginnen zu dürfen, wird auch das Ringfinger-Liegenlassen beim vom F kommenden C-Erzeugen keine besondere Schwierigkeit mehr darstellen. [Schüler, die den C-Griff dagegen auf die falsche Art mit Z-zuerst-Draufsetzen gelernt haben, können den R beim vom F kommenden Wechsel zu C in der Regel nicht liegenlassen und müssen deshalb mit diesem (Ring-)Finger einen unnötigen (- erst wegnehmen, später an derselben Stelle wieder ablegen -) Umweg machen, so daß auch der (mit eben diesem R zu greifende) Baßton meistens immer etwas zu spät kommt … was für bestimmte Anschlagtechniken in den 4. Kursen dann immer glatt ungenügend ist.]

 

xxxxxUnd hier kommen meine „In 2 Schritten zum Barrégriff“-Tips:
Beim Wechsel von C nach F soll der Ringfinger natürlich liegenbleiben, was ich aber nicht als eigenen Umsetzschritt rechne. Als beste Vorgehensweisen beim Wechseln haben sich in meinen Kursen folgende Möglichkeiten herausgestellt:
xxxxxPlan A:
Schritt 1: Der schwächste Finger (K) wird zur Unterstützung des zweitschwächsten (R) unter den Ringfinger gelegt und im 3. Bund auf die D-Saite gesetzt. Dabei darf der vorherige C-Griff noch komplett liegenbleiben.
Schritt 2: Als zweitem (und schon letztem) Schritt müssen Z und M sich dann gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen bewegen. Der M nach unten und der Z nach oben. Und immer, wenn der Z die ausgestreckte Barréform einnimmt, muß gleichzeitig der Daumen unter den Hals gebracht und das Handgelenk nach vorne gerückt werden.
Vorteil von Plan A: Die schwächsten beiden Finger haben erst mal einen sicheren Stand(ort) bekommen.
xxxxxPlan B:
Schritt 1: Der M geht (während der R liegenbleiben muß und der Z noch liegenbleiben darf) eine Saite nach unten.
Schritt 2: Z und K werden gemeinsam (während das Handgelenk nach vorne zur Barréhaltung geschoben wird) zur F-Komplettierung draufgelegt.
Vorteil von Plan B: Jeder Schritt hat eine eigene Bewegungsrichtung. Schritt 1 nach unten, Schritt 2 nach oben.
xxxxx[Einen „Plan C“ gibt es beim Wechsel von C nach F bei mir nicht. Wenn aber trotzdem einer deiner Schüler (auch bei anderen Barrégriffen) eine andere Reihenfolge des Fingerdrauflegens favorisiert, achte darauf, daß a) alles in 2 Schritten erledigt ist und b) der Z nicht alleine als letzter Schritt getätigt wird, da der Z ja lernen soll, sich beim Umgreifen zu Barrégriffen schon gleichzeitig mit anderen (sich auf andere Art bewegenden) Fingern zusammen zu bewegen, um beim Akkordwechsel nicht immer hinterherzuhinken.]
xxxxxP.S.: Beide Pläne sind gleich gut, doch stellt sich (häufig schon in der ersten Stunde) bei jedem Schüler eine Vorliebe für den einen oder den anderen Plan heraus. Und der Plan, bei dem die Finger am sichersten/schnellsten draufgelegt werden können, sollte dann einfach genommen werden.
xxxxxP.P.S.: Und bitte auch darauf achten, daß keiner deiner Schüler die angestrengte Barréhaltung (Daumen unten/Handgelenk vorne) beim (wenn zuvor F gespielt wurde) C-Griff beibehält. Bei den Grundgriffen soll sich das Handgelenk entspannen und der Daumen darf auch wieder oben drüber lugen.

 

Wenn die Schüler im Laufe der nächsten Wochen feststellen, daß der F-Akkord auch ab und an (inklusive der untersten beiden Saiten) schon richtig gut klingt, sollten sie sich diese Fingerstellung zu merken versuchen, indem sie sich ansehen, wie weit die Zeigefingerspitze über den Rand des Halses oben hinausragt. Denn wenn man genau diese Z-Haltung wiederholen kann, wird auch das dritte Fingerglied wieder an derselben Stelle sein, auf dem ja die Hauptdrucklast fürs Klingen der untersten beiden Saiten bei F liegt.
xxxxxDas Rüberragen des Z (beim optimal gegriffenen F) hängt natürlich auch von der Länge der Finger und der Breite des Gitarrenhalses ab, so daß das bei verschiedenen Schülern unterschiedlich ausfallen wird.

 

Der (in der Tonart C-Dur) zweithäufigste Wechsel zum F-Griff ist der von Am nach F. Die Pläne dazu sehen so aus.
xxxxxPlan A:
Schritt 1: Wieder die schwächsten Finger zuerst in „Sicherheit“ bringen, also R und K gleichzeitig nach oben auf die A- und D-Saite in den 3. Bund setzen.
Schritt 2: Z und M in entgegengesetzten Bewegungen zum Ziel bringen. [Dieser Schritt 2 ist derselbe Schritt 2 wie im Plan A des C-nach-F-Wechsels.]
xxxxxPlan B:
Schritt 1: Wieder den einzigen Finger, der nach unten gehen muß (M), zuerst versetzen (wobei der R aber weggenommen werden muß / der (vom M meist etwas nach unten bewegt) dann auf gleicher Höhe wie der Z liegt, so daß Schritt 2 wieder eine sehr gleichartige Bewegung für die restlichen Finger bedeutet).
Schritt 2: Und jetzt die restlichen drei Finger in einer gleichzeitigen Handgelenk-nach-vorne-schieb-und-Finger-nach-oben-führ-Bewegung ans Ziel bringen.
xxxxxPlan C [die Umkehrung von Plan B]:
Schritt 1: Z, R + K gleichzeitig (während der M noch liegenbleiben oder auch schon weggenommen werden darf) nach oben drehen.
Schritt 2: Mit M eine Saite nach unten gehen oder aus der Luft draufsetzen.

 

Der Wechsel von G nach F. Bei diesem fand nur ein Plan die Zustimmung meiner Schüler.
xxxxxPlan A:
Schritt 1: Wieder zuerst die schwächsten beiden Finger aufsetzten: R 1 Saite nach unten bringen + K darunter aufsetzen.
Schritt 2: Z + M zusammen versetzen.

 

Der Barrégriff Hm wird meistens in der Tonart D verwendet. Hm ist dem F-Griff sehr ähnlich. Die Hand muß ja nur einen Bund höher geschoben und die drei letzten Finger nur jeweils eine Saite weiter unten aufgesetzt werden. [Und weil diese drei Finger dabei (einen knappen Zentimeter) tiefer liegen, können einige Schüler leichter Druck darauf ausüben als bei F.]

In dieser Tonart ist der häufigste Wechsel mit einem Barrégriff der von D nach Hm.
xxxxxPlan A:
Schritt 1: Den D-Griff komplett lösen und wieder zuerst die schwächsten beiden Finger (R + K) draufsetzen. Sich dabei einen Bund höher orientieren und die mittleren beiden Saiten anvisieren. [Dabei den M möglichst gebeugt lassen.]
Schritt 2: Die restlichen beiden Finger bewegen [Z (mit Handgelenk nach vorne gehend) ausstrecken, während der M kaum verändert werden muß].
xxxxxPlan B:
Schritt 1: M schräg rübersetzen (eine Saite und einen Bund höher).
Schritt 2: Die restlichen drei Finger (Z, R + K) nach oben drehen.
xxxxxPlan C (sehr interessant):
Schritt 1: Wenn der kleine Finger beim D-Griff in gleichartiger Biegung am R anliegen sollte, bräuchte man jetzt nur noch die gesamte Hand (mit der unveränderten D-Griff-Fingerhaltung) nach rechts zu drehen und gleichzeitig den Z (plus den Daumen nach unten ziehend und damit das Handgelenk nach vorne zum Barrégriff schiebend) auszufahren … und hätte den Hm-Griff dann schon so gut wie vollständig in der Luft über den richtigen Saiten und Bünden liegen.

Nach Hm folgt (in dieser Tonart) dann häufig G, wobei man beachten muß, daß man sich beim Hm-Barré mit dem Z nun nicht mehr in der 1. Lage befindet und die ganze Hand deshalb beim Wechsel zu einem normalen Grundgriff auch wieder einen ganzen Bund zurückgeschoben werden muß.

 

Der zweithäufigste Wechsel mit diesem Barrégriff ist der von G nach Hm. Hier fanden meine Schüler eigentlich nur einen Plan gut [weil die Alternative – zuerst den M zu setzen – wegen des relativ weiten Weges als umständlich(er) empfunden wurde].
xxxxxPlan A:
Schritt 1: Zuerst (mal wieder) die schwächsten beiden Finger (R + K) drauflegen und dabei gar nicht mehr auf die Finger gucken, sondern direkt schon die mittleren beiden Saiten im 4. Bund anvisieren.
Schritt 2: Wieder mal Z und M [letzterer dürfte bei Schritt 1 aber auch schon gleichzeitig mit nach unten gebracht werden] gemeinsam draufsetzen.

 

Auch der Wechsel von A nach Hm kann in der D-Dur-Tonart vorkommen.
xxxxxPlan A:
Schritt 1: Die letzten beiden Finger (R + K) zuerst 2 Bünde höher auf die mittleren beiden Saiten bringen [und M möglichst gebeugt lassen].
Schritt 2: Wieder Z + M als Rest hinzufügen.
xxxxxPlan B:
Schritt 1: Die ganze Hand einen Bund höher schieben und für den M dabei die H-Saite im 3. Bund (nur etwas schräg runter gehend) anpeilen und draufsetzen.
Schritt 2: Die restlichen drei Finger nach oben drehen.

 

Der vom A abgeleitete (im 2. Bund H geheißene und hauptsächlich in der Tonart E-Dur benutzte) Barrégriff ist wahrscheinlich der, welcher am schwersten zu greifen ist. Dafür kann man ihn sich (ob seines simplen Aufbaus) aber gut merken. [Da ein Den-Z-zuerst-Drauflegen das Setzen der restlichen Finger deutlich schwerer machen würde, gibt es hier nur einen einzigen Plan (egal, ob man von E nach H oder von A nach H geht).]
xxxxxPlan A:
Schritt 1: Die nebeneinandergereihte Fingerkombination M+K+R in den 4. Bund bringen und zum Draufsetzen die D-Saite für den obenliegenden M ins Auge fassen.
Schritt 2: Z im 2. Bund drüberlegen. [Hier wird nun zum ersten Mal der Z alleine gesetzt, was bei F und Hm nicht erlaubt werden darf, damit sich der Z dort mehr Beweglichkeit beim Mit-anderen-Fingern-gleichzeitig-Agieren antrainiert.]

 

Auch bei unserem letzten Barrégriff F#m (in der Tonart A) gibt es nur einen Plan – egal ob man von A, D oder E nach F#m geht.
xxxxxPlan A:
Schritt 1: Die schwächsten beiden Finger (R + K) ab der zweitobersten Saite in den 4. Bund setzen.
Schritt 2: Z im 2. Bund drüberlegen.

 

Jau, und das war’n sie: Pelikans Tips für Gitarrenlehrer – unter besonderer Berücksichtigung der Probleme beim Greifen für die linke Hand. Natürlich gäbe es auch für die rechte Hand und das Rhythmusspiel noch einiges anzumerken, doch würde das hier zu weit führen, da ich ja kein Buch schreiben will!
xxxxxDann wünsche ich viel Erfolg beim „Durch’s Beobachten der Hände deiner Schüler“ zu lernen, ein besserer Lehrer zu werden.

 

Schlußsatz
Da ich sämtliche mir zu Ohren gekommenen Merksprüche zum Erlernen der Namen der einzelnen Gitarrensaiten nicht besonders interessant fand, habe ich mir [mit D für Duisburg] einfach selber noch einen ausgedacht: Ein alter Duisburger Gitarrenlehrer hortet Euros. Und wenn man lieber mit B als mit H arbeiten möchte, kann man einfach „bunkert“ einsetzen – wie eine meiner Schülerinnen neulich einbrachte.