Mein zweitältester erhalten gebliebener Prosatext ist eine kleine Zeitschrift, die ich im Januar 1971 mit meinem Freund Hanjo Hoffmann zusammen erdacht, verfaßt und im Februar ’71 als “Dickelsbach-Blättchen” Nr. 1 in einer Auflage von 18 kopierten Exemplaren (weil es vermutlich genau so viele Interessenten dafür gegeben hatte) herausgebracht habe. Sie bestand aus fünf zweispaltig mit Schreibmaschine beschriebenen DIN-A4-Seiten, deren (sämtlich in Gemeinschaftsproduktion entstandene) Texte Titel wie “Rätselecke”, “Kultur und Wirtschaft”, “Musik für junge Leute“, “Wetterfrosch”, “Mode”, “Kochen mit Hoffmann und Pelikan“, “Die Porno-Spalte“ und anderes trugen. Das Ganze ist allerdings nur ausgesprochen platt und total albern gewesen,
xxxxx[namentlich erwähnt worden waren (in meist unsinnigem Zusammenhang): Hans Moser / Theo Lingen / Louis Trenker / Willy Millowitsch / Ralf Wolter / Heinz Erhard / Eric Clapton / Heintje / Brian Jones / Jack Bruce / Jimi Hendrix / Alan Wilson / Brigitte Bardot / Helmut Kubasek sowie die Wanheimerorter Band “Einbahnstraße” (in der u. a. Klaus Grandt, der spätere Shaa-Khan-Sänger, seine ersten musikalischen Erfahrungen sammelte)]
xxxxxund lediglich den nachfolgenden “Sandmännchen”-Beitrag finde ich heute noch eines kleinen Blickes wert, da er nämlich zeigt, daß es uns zumindest darin auch ein wenig um “Form” gegangen war: Und wenn schon kein langer Text [meine letzten beiden Schreibversuche in den 1960er Jahren hatten ja Romane werden sollen] in Aussicht stand, dann wenigstens ein langer Satz.

 

Für unsere Kleinen

Sandmännchen kennt keine Gnade (1. Folge)

Das Sandmännchen erwachte und öffnete seine Äuglein. Es war ein schöner Tag, und die Sonne lachte zum Fenster herein, als plötzlich der böse Ritter Kunibert mit seinem VW K 70 angallopiert kam, bremste, ausstieg und mit klirrenden Sporen auf die Haustür zuging, nachdem er noch einmal einen Blick auf seine Taucheruhr geworfen hatte, die er am linken Fußgelenk befestigt hatte, nachdem er es zuvor gewaschen und mit einem reinen Socken bestückt hatte, den ihm seine Großmutter in einer warmen Dezembernacht aus einem Wollknäuel gestrickt hatte, das sie im Kaufhaus bei Wasserloch Bottrop für einen halben Dollar erstanden hatte, den sie zuvor in einer Senke liegen sah und mit Gewalt an sich riß, nachdem sie drei Ratten mit der Schrotflinte und eine mit einer Mistgabel aus der Drehung heraus erstach, bzw. erschoß, woraufhin das Blut durch den Abwasserkanal in Richtung Rhein floß, der schließlich in die Nordsee mündet, in der Ritter Kunibert bei einer Taucherei an der Küste von Lummerland seine Taucheruhr fand, nahe einem Wrack, das mit Kanonenkugeln zum Sinken gebracht worden war, die aus Solinger Stahl bestanden, aus dem auch Kuniberts Rüstung gefertigt war, die sich, von Kunibert getragen, jetzt gerade auf die Tür zubewegte. Mit einem Satz sprang Sandmännchen hinter das Sofa, in der Linken das MG, in der Rechten die Nudelrolle. Die Tür ging auf und Ritter Kunibert trat ein, in der Rechten das Kriegsbeil, in der Linken den Revolver. „Zieh!“ forderte Kunibert Sandmännchen auf, und Sandmännchen kannte keine Gnade und zog.

Wird Sandmännchen getötet, oder ist es schneller als sein Gegner? Dieses und vieles mehr, und auch wie es weitergeht, erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe. Und nun wünschen wir euch eine recht gute Nacht, liebe Kinder.

© 1971 by Hoffmann & Pelikan

[An eine Fortsetzung ist damals (soweit mir erinnerlich) aber nie gedacht worden. Erst rund 40 Jahre später schlug Hanjo mir eine solche dann doch noch vor, die ich aber abgelehnt habe, weil mir einfach nicht der Sinn nach einem solchen Projekt gestanden hat. Während ich heute allerdings sehr gern gewußt hätte, wie die Sandmännchen-Geschichte – stilistisch wie inhaltlich – weitergegangen wäre.]