Outtake: Der (ursprüngliche) Akkord des Monats September 2021

1. September 2022

 

Nachfolgender Akkord-des-Monats-Beitrag hätte vor genau einem Jahr veröffentlicht werden sollen. Ein paar Monate zuvor (der Artikel war bereits fertig und harrte nur noch seines Veröffentlichungstermins) hatte ich allerdings die Idee, den besonderen Gag des Mehrere-Griffe-zu-einem-einzigen-Akkord-Zusammenzufassens doch besser zum krönenden Abschluß der Serie als “Akkord des Jahres” zu verwenden, der alle  Töne der bisherigen Griffe zu einem Monster-Akkord zusammenfassen sollte. Und so wurde der September-Beitrag also wieder rausgeschmissen und durch einen anderen Text (mit anderem Griff) ersetzt.

 

Weil ich im Oktober aber die eigentlich bis Weihnachten gehen sollende Serie schon eingestellt und aufgegeben habe (da ich mit dem termingerechten Fertigschreiben der noch ausstehenden Beiträge einfach nicht mehr hinterhergekommen war), war nun also auch der große “Jahresakkord” hinfällig geworden, so daß dieser nette Akkord-Gag dann blöderweise überhaupt nicht präsentiert worden ist.

 

Und weil der alte September-Beitrag (wegen der darin enthaltenen Bezugspunkte) auch NUR im Monat September veröffentlicht werden konnte, habe ich mich schließlich entschieden, ihn jetzt mit einjähriger Verspätung einfach noch als Outtake nachzureichen. Hope you like ist.  

 


Der
(ursprüngliche) Akkord-des-Monats-September-2021-Beitrag

 

Vor fast auf den Tag genau 44 Jahren [jetzt also vor 45 Jahren!] habe ich im Eschhaus meinen ersten Gitarren-Gruppenunterricht abgehalten. Vorher hatte ich lediglich mal einen einzigen Privatschüler gehabt, von dem ich pro Zeitstunde 5 DM bekam [was Mitte der 70er Jahre viel Geld für mich war, da ich als Musiker in jenen Tagen nur selten bezahlte Auftritte hatte und deshalb in der Regel auf wohltätige Spenden meiner Eltern angewiesen war, um mir im Eschhaus jeden Abend ein Glas Apfelsaft leisten zu können]. Bis ich erfuhr, daß mein Schüler das bei mir Gelernte wenige Tage später einem anderen Gitarrenspielanwärter gezeigt und ihm dafür 3 DM abgeknöpft hatte. Da fühlte ich mich doch ziemlich verarscht und habe ihm fristlos gekündigt, so daß ich dann also wieder nur brotloser Künstler war.

 

Im Sommer 1977 bin ich dann gefragt worden, ob ich im Eschhaus nicht den für September geplanten neuen Gitarrenkurs, den der eigentlich dafür vorgesehene Lehrer (Willi Meyer) wieder abgesagt hätte, übernehmen wollte.

 

Und so habe ich am 4. September 1977 in der Eschhaus-Teestube also den ersten Schritt auf meinem neuen Berufsweg getan [während ich noch jahrelang glaubte/hoffte/davon träumte, irgendwann mal als Rockmusiker meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können]. Diesen Anfänger- und den ein halbes Jahr später hinzugekommenen Fortgeschrittenenkurs habe ich dann bis Dezember 1983 geleitet, bevor ich zur Volkshochschule Duisburg gewechselt und dort 36 Jahre geblieben bin: von Januar 1984 bis zum coronabedingten Aus (meiner damals wöchentlich acht Kurse an drei verschiedenen Orten in zwei verschiedenen Stadtteilen) im März 2020.

 

Aber zurück zum September 1977: Für diesen Eschhaus-Gitarrenkurs hatte Peter Dietz [der von 1965-68 mein Klassenkamerad auf dem Gymnasium war, mir in der ersten Hälfte der 70er Jahre dann als Musiker (Gitarrist bei “Oxymoron” und bei “Ausz”) wieder über den Weg lief und 1977 als Zivi im Eschhaus tätig war] ein Plakat gemalt, auf dem auch einige Gitarrengriffe abgebildet waren, die mit verheißungsvollen Aussagen wie etwa “Lerne diesen Akkord (bei H. Pelikan) und die Welt liegt dir zu Füßen” lockten. Und eines der auf dem Plakat vorgestellten Griffbilder trug den Titel “Die Kunst des House-of-the-Rising-Sun-Spiels” und stellt den heutigen Akkord des Monats dar:

 

 

[Anders als auf Peters Original-Plakat liegt diesem Griffbild jedoch die Bob-Dylan-Version von 1961 zugrunde, die im Gegensatz zur berühmt gewordenen Animals-Fassung (1964) noch ein paar zusätzliche Baßtöne enthält.]

 

Die von Peter prophezeite Kunst des “House of the Rising Sun”-Spiels ist in den sechseinhalb Jahren meiner Eschhausgitarrenkurse allerdings nie ausgeübt worden, da mein Liederrepertoire damals quasi nur aus Eigenkompositionen bestanden hat und ich im Unterricht deshalb nur Pelikan-Songs und solche von meinem Freund Francis Serafini behandelt habe – während in den VHS-Kursen ab 1984 dann ausschließlich mit Coverversionen gearbeitet wurde.

 

Wenn ich an die Eschhauskurse zurückdenke, kommen mir vor allem zwei Sachen in den Sinn: (a) daß ich, da der Unterricht immer Sonntag nachmittags stattfand, auf Bonanza gucken verzichten mußte, ich (b) dafür allerdings auch durch einige Schüler-Bekanntschaften entschädigt wurde, die sich zu langjährigen Freundschaften entwickelten.

 

Mit den Begriffen Eschhaus, House of the Rising Sun und Peter Dietz verbinde ich allerdings noch etwas anderes als nur den Einstieg in mein (mir damals noch nicht bewußt gewesenes) Berufsleben: Am 20. Juli 1977 [also wenige Wochen vor dem Gitarrenkurs-Start] ging wieder einmal ein Benefizkonzert im und fürs Eschhaus über die Bühne, bei dem die beiden Duisburger Bands “Ausz” und “Glatter Wahnsinn” in einer absolut einmaligen Doppel-Besetzung auftraten und (mit 2 Bassisten, 2 Schlagzeugern, 2 Gitarristen, 1 Keyboarder und 1 Saxophonisten) herrlich [?] lärmende [!] Instrumentalimprovisationen [!!] zum besten gaben – mit einer einzigen Ausnahme, dem gecoverten “The House of the Rising Sun” mit Pelikan als Gast am Mikrophon. Und hier das Werbefoto für diesen ungewöhnlichen Gig:

(Foto: Schnuffs Kamera)

Von links nach rechts: Pelikan (Gesang), Bernd Strohm (Gitarre / Glatter Wahnsinn), Rainer Mackenthun (Schlagzeug / Glatter Wahnsinn), Schnuff (Baß / Glatter Wahnsinn), Lucky Ruhnau (Schlagzeug / Ausz), Peter Dietz (Gitarre / Ausz), Martin Urrigshardt (Saxophon / Ausz), Georg Mahr (Keyboards / Glatter Wahnsinn). Beim Fototermin verhindert war: Kalle Burandt (Baß / Ausz).

 

Schlußbemerkung: Beim Schreiben eines anderen Akkord-des-Monats-Beitrags war mir mal der Gedanke gekommen, daß sich wirklich jede Tonfolge (wie schrecklich sie auch klingen mochte) akkordmäßig genau definieren lassen müßte. So daß es auch eine Bezeichnung für den obigen Chaosgriff geben mußte. Und meine Berechnungen ergaben (von der Tonart a-Moll ausgehend) dann einen Am-Akkord mit vierzehn zusätzlichen Tönen. Und wenn ihr dieses kakophonische Meisterwerk einmal zu Gehör bringen wolltet, müßtet ihr euch nur um ein Klavier und einen zweiten Mitspieler bemühen; oder um drei Gitarristen, von denen einer Em zu greifen hätte, ein anderer Fm und der dritte D/F#, während es dir selbst vergönnt bliebe, auf einer weiteren Gitarre noch den Ton G auf der obersten Baßsaite im dritten Bund beizusteuern. Und nach dem beliebten “Auf die Plätze fertig los”-Kommando schlügen alle gleichzeitig in die Saiten, und fertig wäre ein perfektes (und auf dieser Welt vermutlich – wie auch hoffentlich – noch nicht besonders häufig erklungenes) Am7/b6/9/11/13/14/G/F#/F/E. Dann haut rein, und viel Spaß dabei!


In Erinnerung an Schnuff (Michael Strohm), 1955-2021.